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Schutz der Ostsee: Silver Wotan 2026 in Schweden

Drei Soldaten im Hafen, alle haben Waffen in der Hand. Im Hintergrund ein dunkelgrünes Boot und ein Schiff

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Binationale Übung

Gotland: Schweden und Deutschland üben Schulter an Schulter bei Silver Wotan 2026

Auf dem Weg nach Gotland und auf der Insel selbst üben im September deutsche Soldaten gemeinsam mit ihren schwedischen Gastgebern.

Bei Silver Wotan 2026 üben im September insgesamt über 1.000 schwedische und deutsche Soldatinnen und Soldaten. In dieser binationalen Übung geht es um die schnelle Verlegung deutscher Kräfte in den Norden, um den Schutz eines sensiblen Waffensystems auf dem Land- und dem Seeweg sowie um dessen geschütztem Transport nach Gotland.

Gotland, die größte aller Ostseeinseln, etwa 90 Kilometer vom schwedischen Festland entfernt, besitzt eine besondere strategische Bedeutung. Wer hier die Seewege, Häfen und den Luftraum schützt, stärkt gleichzeitig die Handlungsfreiheit des NATO-Bündnisses im gesamten baltischen Raum. 

„Gotland ist ein operativ und strategisch bedeutender Knotenpunkt. Das offenbart schon der Blick auf die Landkarte“, erklärt Generalleutnant Alexander Sollfrank, Befehlshaber des Operativen Führungskommandos. „Eine sichtbare militärische Präsenz Schwedens und der NATO auf Gotland schützt die Insel und die Allianz.“

Eine Karte zeigt den Süden von Schweden mit der Insel Gotland und den Norden von Deutschland.

Gotlands zentrale Lage macht die Insel zu einem Schlüssel für die Kontrolle von Seewegen und Luftraum sowie für die Verstärkung und Versorgung im Ostseeraum

Bundeswehr | Kartenbasis: © MapCreator/OpenStreetMap

Das Szenario

Bei der deutsch-schwedischen Übung Silver Wotan 2026 ging es genau um diesen Schutz. In dem Szenario, das von beiden Streitkräften gemeinsam erarbeitet wurde, liegen Schweden Erkenntnisse über einen möglichen Angriff auf Gotland von der östlichen Seeseite her vor. Da die eigenen Kräfte landesweit in anderen Aufträgen gebunden sind, stellt man eine Unterstützungsanfrage bei der NATO, um ein Schiffsabwehrsystem sicher nach Gotland bringen zu können. 

Deutschland sagt seinem nördlichen Nachbarn, der seit gut zweieinhalb Jahren Mitglied des Verteidigungsbündnisses ist, umgehend Hilfe zu. 500 deutsche Soldatinnen und Soldaten, zum überwiegenden Teil aus Luftwaffe und Marine, werden alarmiert und umgehend in Marsch gesetzt. Eine schnelle Verlegung von Deutschland über Karlskrona und Oskarshamn nach Visby beginnt. 

Übung mit Signalwirkung

Generalmajor Stefan Sandborg, Stellvertretender Befehlshaber des Operations Ledningen – dem schwedischen Schwesterkommando des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr – sagt: „Wir senden ein klares Signal an unsere Gegner. Wir haben die Fähigkeit, schnell zu verlegen und gemeinsam abzuschrecken.“

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Lufttransport via A400M

Schwedische Militärpolizisten stehen an ihrem Fahrzeug, im Hintergrund ein militärisches Transportflugzeug

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Am Anfang der Operation steht eine komplexe Verlegung. Personal und Material müssen aus Deutschland zügig in den hohen Norden gelangen. Gefechtsfahrzeuge wie Dingo, Mungo und Eagle, aber auch Lastkraftwagen mit Munition werden in den Hafen von Rostock gebracht. Sie gelangen auf dem Seeweg an Bord eines zivilen RoRo-Schiffs nach Schweden.

Die beteiligten deutschen Soldatinnen und Soldaten stammen zum überwiegenden Teil aus dem Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ in Schortens sowie dem Seebataillon der Marine in Eckernförde. Sie fliegen in mehreren A400M-Transportflugzeugen nach Schweden. Das Lufttransportgeschwader 62 aus Wunstorf bringt einige von ihnen direkt nach Visby auf Gotland. Für einen Teil ist jedoch der Militärflughafen Ronneby das Zwischenziel. Von hier geht es gleich nach der Landung in die Hafenstadt Karlskrona. 

Vom Start der Kräfte in den Heimatstandorten bis zu ihrer Landung in Schweden sind nur wenige Stunden vergangen.

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Seetransporte nach Visby und Karlskrona

Etwa 20 Militärfahrzeuge stehen nachts in einem Hafen, im Hintergrund ein Schiff

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Nach der Ankunft bleibt allen Beteiligten nur wenig Zeit. Schon gegen Mitternacht kommt das Schiff mit den Fahrzeugen im Hafen von Karlskrona an. Da die überwiegende Zahl der Fahrzeuge im Bauch der „Balticborg“ möglichst schnell schon weiter nach Visby gelangen soll, darf bei der Entladung auf gar keinen Fall Zeit verloren gehen. 

Hier kommen Logistikerinnen und Logistiker aus dem Unterstützungsbereich der Bundeswehr zum Einsatz. Sie sind die Fachleute für die Be- und Entladung im Seetransport. Als die über 150 Meter lange und knapp 22 Meter breite „Balticborg“ pünktlich festmacht, läuft ihre Entladung im Minutentakt. Fahrzeug um Fahrzeug wird aus dem Schiff ins Hafengelände gebracht.

Weniger als zwei Stunden nach dem Anlegen fährt der Konvoi durchs nächtliche Karlskrona und erreicht die Marinekaserne, von wo aus am nächsten Morgen die erste Marschkolonne startet.

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Schutz auf dem Landweg

Etwa zehn deutsche und schwedische Militärfahrzeuge stehen in einem Hafen, im Hintergrund ein Schiff mit geöffneter Laderampe

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Nach nur wenigen Stunden Schlaf verlassen die deutschen Marinesoldatinnen und -soldaten am nächsten Morgen Karlskrona. Ihr Auftrag für die kommenden 48 Stunden: den Fährhafen im 160 Kilometer entfernten Oskarshamn zu bewachen und zu sichern, den bedeutendsten Fährhafen nach und von Gotland.

Den Objektschutzkräften der Luftwaffe bleibt noch etwas mehr Zeit. Nach dem Aufrüsten der Fahrzeuge stellen sie gemeinsam mit den schwedischen Kameradinnen und Kameraden mehrere kleinere Kolonnen für den geschützten Straßentransport zusammen. Ihr Auftrag ist, gemeinsam mit schwedischen Marineinfanteriekräften das im Transport wehrlose Waffensystem auf dem Landweg zu schützen. 

Bereits in der Nacht beginnt der Marsch. Um drei Uhr verlässt die erste Kolonne die Kaserne, weitere folgen im gleichmäßigen Abstand von mehreren Minuten. Nach rund zweieinhalbstündiger Fahrt erreichen die Systeme gut geschützt ihr Ziel.

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Gemeinsame Sicherung des Hafens

Vier Soldaten patrouillieren mit Waffen in einem Hafen, einer der Soldaten führt dabei einen Hund an der Leine

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Der Fährhafen sowie eine in unmittelbarer Nähe befindliche Bereitstellungsfläche für die ankommenden Transporte werden da bereits seit dem vorhergehenden Tag von Soldatinnen und Soldaten des Seebataillons und schwedischen Heimatschutzkräften gesichert. Deutsche Soldaten schützen und sichern mit ihren gepanzerten Dingo-Radfahrzeugen seeseitig, und auch ein Drohnenabwehrzug ist im Einsatz.

Gemeinsam patrouillieren schwedische und deutsche Soldaten sichtbar im Stadtgebiet rund um den Fährhafen, der überwiegend zivil genutzt wird, und rund um die Staging Area, wie der Bereitstellungsbereich für die Fahrzeuge militärisch genannt wird. „Die Zusammenarbeit mit den schwedischen Heimatschützern läuft vom ersten Moment an hervorragend und professionell“, berichtet der Zugführer der hier eingesetzten deutschen Marinekräfte.

In einem anderen Stadtteil, im Gebäude der ortsansässigen Küstenwache, wurde dazu ein vorgeschobener Gefechtsstand eingerichtet. Von hier wird die gemeinsame Operation in der Stadt, die auch nachts weitergeht, seit Übungsbeginn gesteuert und koordiniert.

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Schutz auf See und am Ziel

Ein Militärboot nähert sich in schneller Fahrt in einem Hafen, im Hintergrund ein Schiff

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Am Vormittag des folgenden Tages erreicht Silver Wotan 2026 im Hafen von Visby seinen vorläufigen Höhepunkt, der die enge Zusammenarbeit beider Armeen und die Fähigkeit zum schnellen Zusammenführen beider Streitkräfte unter Beweis stellt.

Die „Balticborg“, die am Wochenbeginn schon die Transporte nach Karlskrona und Visby übernommen hatte, ist am Vortag in Oskarshamn beladen worden. Nach dem Ablegen in den späten Abendstunden nähert sie sich nun – mit dem Schiffsabwehrsystem und zahlreichen schwedischen und deutschen Fahrzeugen an Bord – unter dem Schutz der deutschen Fregatte „Brandenburg“ dem Hafen der Inselhauptstadt Gotlands. Das deutsche Kriegsschiff und zwei schwedische Korvetten hatten in der Nacht den seeseitigen Schutz übernommen.

Noch vor der Hafeneinfahrt übernehmen die Crews schwedischer Kampfboote den Schutz des Schiffes. In schneller Fahrt nähern sie sich im Hafenbecken jetzt der Stelle, an der die „Balticborg“ gleich entladen werden soll.

06

Schnell und sicher von Bord

Ein schwedischer Militär-LKW fährt durch einen Hafen, ihm folgen deutsche Fahrzeuge. Soldaten sichern an der Seite

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Nach kurzem Aufstoppen gehen Marinesicherungskräfte beider Nationen im Laufschritt von Bord an Land. Sofort nehmen sie gemeinsam eine Rundumsicherung ein. Anti-Drohnen-Kräfte sorgen zu diesem Zeitpunkt bereits dafür, dass es zu keinen Angriffen aus der Luft in unmittelbarer Hafennähe kommen kann. Weitere Kampfboote bleiben in der Nähe der sich im Hafenbecken nur sehr behäbig bewegenden „Balticborg“.

Wie in Zeitlupe nähert sich das tonnenschwere Schiff nun der Kaimauer. Es dauert nur Minuten, doch erscheint es viel länger, bis sich die Laderampe unter den schrillen Tönen eines lauten Warnsignals langsam dem Boden nähert.

Umgehend beginnt das Entladen. Denn im Ernstfall sind die Soldatinnen und Soldaten, ihre Waffensysteme, Munition und Material in diesem Moment am angreifbarsten. Jede Verzögerung macht den Konvoi zum stehenden Ziel für Drohnenangriffe oder Lenkflugkörper. Deutsche und schwedische Kräfte gehen an Bord und setzen sich sofort ans Steuer. Wie an einer Perlenkette verlassen ihre Fahrzeuge in zügiger Fahrt den Schiffsbauch und auch den Hafen. Wieder wird das Schiffsabwehrsystem auf seinem Weg von deutschen Objektschutzkräften bewacht und geschützt.

Zum Schutz an Land und auf See kommt dabei noch der aus der dritten Dimension dazu. Eine gemeinsame Formation von vier Kampfflugzeugen – zwei schwedische Saab JAS 39 Gripen sowie zwei deutsche Tornados aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ in Jagel – überfliegen mehrmals weiträumig den Hafen von Visby und den späteren Aufstellungsort des Waffensystems.

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Sicher in der Feuerstellung

Zwei deutsche Soldaten liegen mit ihren Waffen im Anschlag, im Hintergrund ein schwedisches Waffensystem

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Der Ostseewind pfeift mächtig über den Truppenübungsplatz des Gotland Regiments der schwedischen Streitkräfte südlich von Visby. Hier üben die Soldatinnen und Soldaten beider Nationen die Verlegung des Schiffsabwehrsystems in die Feuerstellung.

Nach der Befehlsausgabe begibt sich etwa ein Drittel der hier eingesetzten Kräfte mit seinen Gefechtsfahrzeugen in den vorgesehenen Bereich des Übungsplatzes. Unmittelbar nach der Ankunft sichern die Kräfte das Gelände in einer Art äußerem Ring. Soldatinnen und Soldaten springen aus ihren Fahrzeugen und gehen in Stellung, die Waffen im Anschlag. 

Nach nur wenigen Minuten trifft der zweite Konvoi mit dem schwedischen Anti-Schiffslenkflugkörpersystem ein. Die schwedischen Soldatinnen und Soldaten bringen ihr System in Stellung, die Launcher erheben sich in Richtung Ostsee. Parallel verstärken die verbliebenen Kräfte die äußere Sicherung rund um die Feuerstellung. 

Das System ist bereit, Gotland zu schützen. Für Silver Wotan 2026 heißt es: Auftrag erfüllt.

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