Gemeinsam dienen. Vernetzt retten. Sicher kommunizieren.
Über 1.000 Teilnehmende aus 26 Behörden und Organisationen übten das Zusammenspiel ihrer Kommunikationssysteme bei einem schweren Zugunglück.
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- Oberlausitz
Über 1.000 Teilnehmende aus 26 Behörden und Organisationen übten das Zusammenspiel ihrer Kommunikationssysteme bei einem schweren Zugunglück.
Am 28. und 29. Oktober 2026 führte das Bundesministerium der Verteidigung gemeinsam mit dem Bundesministerium des Innern die zivil-militärische Übung Mutuality & Reciprocity (MURE) auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in Sachsen durch. Unter dem Leitgedanken „Gemeinsam dienen. Vernetzt retten. Sicher kommunizieren.“ trainierten mehr als 1.000 Teilnehmende aus 26 Behörden und Organisationen das Zusammenspiel ihrer Kommunikationssysteme während eines komplexen Schadensfalls. Im Fokus stand dabei die organisationsübergreifende Nutzung des BOS-Digitalfunks/TETRA.
Auch die Bundespolizei und die Landespolizei Sachsen, Feuerwehren und Technisches Hilfswerk, Rettungsdienste, das Innenministerium des Landes Sachsen und der Landkreis Görlitz beteiligten sich an der Übung. Deren Planung und Organisation lag federführend bei der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS). MURE war die erste Übung, die die zivil-militärische Nutzung der Kommunikationssysteme in einer real nachempfundenen Katastrophenlage auf den Prüfstand stellte. Dies betraf sowohl die Kommunikation auf Ebene der Einsatzkräfte als auch die der Länder und des Bundes.
„Die Kommunikation ist das das Nervensystem eines jeden Einsatzes. Im Ernstfall müssen alle zivilen und militärischen Akteure Hand in Hand wirken können - auf Grundlage eines gemeinsamen, integrierten Lagebildes. Die MURE26 ist die richtige Übung zur richtigen Zeit um den konsequenten Aufbau dieses Lagebildes weiter voranzutreiben."
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt mit Staatssekretär Nils Hilmer und Generalleutnant Andre Bodemann, Stellvertretender Befehlshaber des Operativen Führungskommandos, bei der Übung MURE in der Oberlausitz
Bundeswehr/Anne WeinrichDie Bundeswehr beteiligte sich unter anderem mit Kräften der Feldjäger und des Heeres sowie mit Soldatinnen und Soldaten aus dem Landeskommando Sachsen und dem Kreisverbindungskommando Görlitz an der Übung. Auch das Operative Führungskommando der Bundeswehr war in MURE eingebunden. Übungsschwerpunkt war neben der zivil-militärischen Zusammenarbeit in einer akuten Krisensituation die Erstellung eines taktischen und operativen Lagebildes gemeinsam mit dem Bundesministerium des Innern. Nils Hilmer, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, betonte: „Wir haben im Rahmen der MURE26 gesehen, dass Hürden wie unterschiedliche Funksysteme oder verschiedene IT-Welten überwunden werden können. Und nur wenn es auch mal hakt und ruckelt, sieht man, woran man arbeiten muss, damit man im Ernstfall ideal aufgestellt ist. Noch viel wichtiger: Man wächst bei diesen Übungen auch menschlich zusammen. Es werden persönliche Netzwerke gebildet und es entsteht gegenseitiges Verständnis und Vertrauen. Genau dies ist unbezahlbar, wenn es drauf ankommt.„
Die Übungslage bei MURE setzt in einem Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung an. Eine Eskalation an der NATO-Ostflanke führt zu einer Verstärkung der militärischen Kräfte des Bündnisses an ihren Grenzen. Deutschland ist dabei Drehscheibe für die Verlegung der Truppen befreundeter Nationen. Parallel dazu wird der europäische NATO-Raum zum Ziel hybrider Angriffe. Auch die Bundesrepublik ist betroffen. Hierzu zählen Cyberattacken und Anschläge auf kritische Infrastruktur wie Kraftwerke, Bahnstrecken und Häfen. Aufgrund der verschärften Sicherheitslage wurde bundesweit der Katastrophenvoralarm erklärt. Die Landeskrisenstäbe sind nun dauerhaft besetzt, so auch in Sachsen – für eine schnelle Reaktionsfähigkeit im Ernstfall. In dieser Situation ereignet sich im Landkreis Görlitz ein schwerer Zugunfall. Am Bahnhof Emmerich stoßen aus ungeklärter Ursache ein Regionalexpress und ein militärischer Schienentransport zusammen. Danach liegen die Wagen beider Züge umgestürzt am Unfallort.
Ein großflächiger Stromausfall erschwert zusätzlich die Lage. Das Mobilfunknetz sowie Teile des Festnetzes funktionieren nicht mehr. Nur über BOS-Digitalfunk Tetra kann die am Bahnhof anwesende Bundespolizei die Rettungskräfte alarmieren. Ihr Notruf geht bei der Integrierten Leitstelle Görlitz ein. Auch das Notfallmanagement der Deutschen Bahn wird alarmiert. Die Meldekette geht nahtlos weiter. Erste Meldungen erreichen die Bundeswehr, darunter das Operative Führungskommando der Bundeswehr, das Feldjägerdienstkommando Leipzig sowie das Landeskommando Sachsen. Das Landratsamt Görlitz informiert im Szenario zudem die Rettungsdienste und die Krankenhäuser der Region. 20 Minuten nach dem Notruf der Bundespolizei treffen schließlich die ersten Rettungskräfte ein. Am Unfallort wird umgehend eine Technische Leitstelle zur Koordination eingerichtet. Funkrufgruppen über BOS-Digitalfunk werden zu Zusammenarbeitsgruppen verknüpft – für eine verlässliche Kommunikation zwischen allen Einsatzkräften und den Leitstellen.
Die Lage vor Ort ist dramatisch. Etwa 50 Menschen sind verletzt, teilweise schwer. Bereits jetzt sind fünf Tote zu beklagen. Die eintreffenden Rettungskräfte tasten sich schrittweise in den umgestürzten Wagon vor, übernehmen Erstversorgung und Triage, also die erste medizinische Sichtung. Schwerstverletzte werden zuerst in die umliegenden Krankenhäuser transportiert, teils mit Luftrettung. Derweil treffen immer mehr Krankenwagen verschiedener Rettungsdienste sein. In einer Kette warten sie darauf, weitere Verletzte aufzunehmen. Die Feuerwehr hat inzwischen begonnen, den Zug mit Schneidgerät zu öffnen, um die Verletzten schneller bergen zu können. Auch das Technische Hilfswerk unterstützt mit schwerem Gerät. Doch auch die ersten Schaulustigen finden sich ein. Schaulustige mit Handykameras stören die Rettungsarbeiten und müssen von der Polizei zurückgedrängt werden. Menschen suchen nach ihren Angehörigen. Ein Notfallteam trifft zur Betreuung ein. Das Landratsamt richtet eine Personenauskunftstelle und ein Bürgertelefon ein.
Auch die Feldjäger der Bundeswehr zählen zu den ersten eintreffenden Kräften. Parallel zu den Bergungs- und Rettungsarbeiten richten sie einen temporären militärischen Sicherheitsbereich um die Unfallstelle ein. Der Grund: Zur Ladung des Militärtransports zählt auch sicherheitsempfindliches Material wie beispielsweise Funktechnik oder Drohnen. Systematisch prüfen die Soldatinnen und Soldaten die Inhalte der Container auf den Wagons und sichern sie für den Abtransport. In Absprache mit der Militärpolizei beginnt die Kriminalpolizei gleichzeitig mit der Spurensicherung, um die Unfallursache zu ermitteln. Zudem ist ein Wagon entgleist, dadurch liegt ein Panzer im Gleisbett. Zu seiner Bergung stellt der Landkreis Görlitz nach einer ersten Bewertung durch die zivilen Rettungskräfte ein Amtshilfeersuchen an das Landeskommando Sachsen. Pionierkräfte sollen bei der Räumung der Bahnstrecke unterstützen.
Während der Übung kommunizieren alle Beteiligten über BOS-Digitalfunk Tetra. Nur die Einsatzkräfte vor Ort tauschen sich persönlich aus. Zudem werden dislozierte Gefechtsstände und Leitstellen über Funk angebunden. Auch außerhalb der Übung ist das System das Rückgrat der Kommunikation zwischen Blaulichtorganisationen. „BOS-Digitalfunk wird täglich von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten genutzt. Auch die Bundeswehrfeuerwehren und die Flugsicherung greifen darauf zurück“, erklärt Dr. Andreas Riemann, der in der BDBOS sowohl Betrieb, als auch Weiterentwicklung des BOS-Digitalfunks/TETRA betreut. Der Grund, so Riemann, sei die Resilienz des Systems: Pro Jahr gebe es maximal nur drei Stunden Ausfallzeit, aber eine mindestens 72 Stunden durchgängige Aufrechterhaltung nach einem Stromausfall – die Grundvoraussetzung für eine verlässliche Kommunikation in der Krise, und zwar auf ziviler als auch militärischer Ebene.