Badischer Sturm: ABC-Abwehrkräfte üben den Ernstfall
An der Übung in Baden-Württemberg vom 14. bis 25. September 2026 sind rund 500 Soldaten und Soldatinnen sowie zivile Partner beteiligt.
Im NATO-Verbund trainieren ABC-Abwehrkräfte der Bundeswehr komplexe Gefahrenlagen in Rumänien.
Bei der Übung Coronat Mask 2026 trainieren deutsche ABC-Abwehrkräfte gemeinsam mit NATO-Partnern komplexe ABC-Szenarien in Marineeinrichtungen. Eine besondere Herausforderung verbindet Coronat Mask 2026 mit der Übung Toxic Valley 2026: Erstmals wird ein echter Gefahrenstoff über drei Länder hinweg in ein mobiles Labor zur Analyse transportiert.
Noch bevor die eigentliche Übung beginnt, wartet auf die deutschen ABC-Abwehrkräfte eine besondere Herausforderung: Mehr als 30 Fahrzeuge müssen von Husum bis an die Schwarzmeerküste gebracht werden. 400 bis 500 Kilometer legt die Kolonne dabei täglich zurück. Österreich und Ungarn sind die Etappen auf dem Weg zum Zielort Mangalia in Rumänien. Für die Fahrer bedeutet das: stundenlang höchste Konzentration, Abstände und Geschwindigkeit konstant halten sowie auf wechselnde Straßen- und Verkehrsverhältnisse reagieren. Unterstützt durch die Militärpolizei sind die Fahrzeuge teilweise in mehreren Kolonnen unterwegs. Die Mühe zahlt sich aus: Trotz der langen Strecke gibt es keinen einzigen Fahrzeugausfall.
Nach der Ankunft in Mangalia bleibt wenig Zeit zum Durchatmen. Material muss vorbereitet, die Fahrzeuge nach dem Marsch überprüft, Zelte müssen aufgebaut und der Gefechtsstand eingerichtet werden. Gleichzeitig beginnt die Abstimmung mit den rumänischen Partnern. Schon zu diesem Zeitpunkt ist ein erstes Teilziel der Übung erreicht: Die Verlegung zeigt, dass die Bundeswehr in der Lage ist, Kräfte über große Distanzen schnell zu verlegen und vor Ort nahtlos und integriert mit Bündnispartnern zusammenzuarbeiten. Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor.
Dann wird aus den Vorbereitungen plötzlich Ernst – zumindest im Übungsszenario. Bei Coronat Mask 2026 wird ein Artikel-5-Szenario der NATO durchgespielt. Das bedeutet: Es kam zum Bündnisfall. Ein verbündeter NATO-Staat wurde angegriffen. Die deutschen ABC-Abwehrkräfte sind Teil eines multinationalen Verbands und werden dort eingesetzt, wo ihre besonderen Fähigkeiten gefragt sind.
In den Häfen von Mangalia und Constanța geht es um den Schutz landgestützter Einrichtungen der rumänischen Marine. Nach einem simulierten ABC-Vorfall müssen kontaminierte Soldatinnen und Soldaten sowie Fahrzeuge von Gefahrenstoffen befreit werden. Die deutschen Kräfte errichten dafür Dekontaminationsstraßen und arbeiten eng mit den rumänischen Kameradinnen und Kameraden zusammen.
In vollständiger ABC-Schutzausrüstung führen Soldatinnen und Soldaten die Dekontamination durch. Dabei ist sorgfältiges und präzises Arbeiten gefragt. Bei Außentemperaturen von über 30 Grad, auch eine körperliche Herausforderung.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Mit einer Hochdrucklanze und einer speziellen Dekontaminationslösung reinigt ein Soldat der Abc-Abwehr die Außenflächen eines Lkw. Auch schwer zugängliche Stellen müssen behandelt werden.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Gleichzeitig schlägt ein zweites Szenario Alarm: Nach einem Angriff bricht im Hafen von Mangalia ein Feuer aus, Menschen sind eingeschlossen. Die militärischen Brandschutzkräfte rücken unter Vollschutz aus, um Verwundete aus dem Gefahrenbereich zu retten und zu versorgen. In Constanța wird die Aufgabe noch anspruchsvoller: Hier müssen die Brandschutzkräfte eine Person von einer kontaminierten Fregatte der rumänischen Streitkräfte retten. Die Person ist nach einem ABC-Angriff eingeklemmt. Sie muss befreit, geborgen und versorgt werden. Die Dekontamination aller Beteiligten und des Materials findet unmittelbar vor dem rumänischen Schiff statt, direkt am Kai.
Diese Übung ist ein echtes Pilotprojekt: Der Schutz maritimer Einrichtungen durch ABC-Abwehrkräfte – das sogenannte Harbour Protection Module – wird hier innerhalb der NATO erstmals in dieser Form erprobt. Was hat funktioniert, welche Verfahren haben sich bewährt und was muss angepasst werden? Die Erkenntnisse fließen in die weitere Konzeptentwicklung ein.
Über Leitern verschaffen sich die militärischen Brandschutzkräfte Zugang zu einem schwer zugänglichen Bereich. Die schwere Schutzausrüstung und Atemschutzgeräte erschweren dabei jede Bewegung. Hier ist körperliche Fitness und Leistungswille gefragt.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Unter Atemschutz bergen die Brandschutzkräfte einen verletzten Kameraden. Auf engem Raum müssen die Einsatzkräfte ihre Handgriffe genau aufeinander abstimmen, um die Person schnellstmöglich aus dem Gefahrenbereich zu bringen.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Während die Brandschutzkräfte und das Dekontaminationsteam an der Küste üben, läuft andernorts ein Einsatz, der höchste Präzision erfordert. Ein spezialisierter Probennahmetrupp des ABC-Abwehrregiments 750 wird nach einem simulierten ABC-Vorfall in den Raum Cincu gerufen. Die Probe eines realen Gefahrenstoffs muss genommen und zunächst vor Ort untersucht werden. Jeder Handgriff muss sitzen, bei der Probenahme darf nichts schiefgehen. Anschließend wird der Gefahrenstoff sicher verpackt und tritt eine außergewöhnliche Reise an: von Rumänien über Ungarn bis in die Slowakei zur Übung Toxic Valley. Dort wartet bereits ein mobiles Labor der Schule für ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben der Bundeswehr.
In dem Container verbirgt sich eine nahezu vollständige Laboreinrichtung. Ein kleines Team hochspezialisierter Fachkräfte übernimmt die Probe und führt die genaue Analyse durch. Erst hier lässt sich exakt bestimmen, um welchen Stoff es sich handelt. Das Ergebnis wird anschließend an die übergeordnete Führung weitergegeben – die genaue Kenntnis der Substanz ist essenziell, um die weiteren Maßnahmen der Kräfte vor Ort abzuwägen.
Die Analyse von Gefahrenstoffen erfordert hochqualifiziertes Personal mit fundierter naturwissenschaftlicher Ausbildung. Im mobilen Labor verbinden die Spezialistinnen und Spezialisten wissenschaftliche Expertise mit moderner Analysetechnik.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Coronat Mask und die parallel stattfindende Übung Toxic Valley bildeten ein breites Spektrum der ABC-Abwehr ab: von der Verlegung über die Dekontamination bis zum Brandschutz. Die Übungen sind damit nicht nur ein Beleg dafür, was moderne ABC-Abwehr im Verbund leisten kann. Sie zeigen auch, wie eng Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Nationen zusammenarbeiten müssen, wenn nach einem ABC-Vorfall Erstmaßnahmen getroffen werden müssen und aus einer Probe innerhalb kurzer Zeit eine belastbare Grundlage für weitere Entscheidungen werden soll. Erstmals wurde der gesamte Weg von der Probenahme über den grenzüberschreitenden Transport bis zur Laboranalyse mit einem realen Gefahrenstoff erprobt.