Feldjäger: Militärpolizei der Bundeswehr
Schutz, Recht, Ordnung: Die Feldjäger der Bundeswehr sind weltweit einsatzbereit – robust, verlässlich und unverzichtbar.
Wie die Diensthunde der Feldjäger gemeinsam mit ihren Führern anspruchsvolle Einsatzszenarien unter realitätsnahen Bedingungen trainieren.
Kürzlich führte das Feldjägerregiment 2 aus Hilden eine Weiterbildung für Diensthundeführer der Feldjäger und ihre vierbeinigen Gefährten durch. Auf dem Truppenübungsplatz Sennelager standen für die erfahrenen Diensthundeteams unter anderem die Gewöhnung an Drohnen oder den Hubschrauber NH90 auf dem Lehrplan.
Bei der Weiterbildung sollten die Diensthundeteams der verschiedenen Feldjägerregimenter bereits erlernte Fähigkeiten weiter ausbauen, sich aber auch neuen Herausforderungen stellen. Es kam dabei nicht nur auf die jeweiligen Fähigkeiten von Mensch und Tier an, sondern vor allem auch auf das Teamwork. Denn das oberste Gebot für Diensthundeteams ist, einander vertrauen zu können. An verschiedenen Stationen konnten die Teams erkennen, was sie können, wo sie Schwächen haben und wie sie an diesen arbeiten können.
Zwei beziehungsweise vier Teilnehmende der Weiterbildung waren Hauptfeldwebel Dennis J. mit seiner Diensthündin Q und Hauptfeldwebel Rainer M. mit seinem Diensthund Harry. Bei der Stationsausbildung in der Senne erwarteten sie folgende Aufgaben:
An der ersten Station wurden die Diensthundeteams schrittweise an bereits bekannte, aber auch neue visuelle und akustische Reize herangeführt. Da die Weiterbildung sich an möglichst realitätsnahen Szenarien orientieren sollte, wurden hierfür Rauchbomben oder Manövermunition – auch bekannt als Platzpatronen – genutzt. Das Ziel der ersten Übung war, Belastbarkeit, Führigkeit und Einsatzfähigkeit der Hunde unter gesteigerten Stress- und Reizbedingungen zu überprüfen. Abhängig vom Alter sowie dem jeweiligen Ausbildungsstand des einzelnen Diensthundes wurde mit besonderer Sorgfalt, Geduld und Umsicht geübt, um eine sichere, nachhaltige und belastbare Gewöhnung an die verschiedenen Reize sicherzustellen.
Diensthundeführer Dennis und Diensthündin Q im Rauch
Bundeswehr/David Schell
Diensthundeteams im improvisierten Rauch bei einer Gewöhnungsübung
Bundeswehr/David Schell
An der nächsten Station wartete bereits deutlich mehr Action. Die Diensthunde trafen hier auf den Mehrzweckhubschrauber NH90 und das leicht gepanzerte Patrouillenfahrzeug Enok in der „Version Hund“, also zusätzlich mit einer Hundebox ausgestattet. Der Respekt vor dem Hubschrauber mit einem Rotordurchmesser von über 16 Metern war dabei deutlich größer als vor dem geschützten Geländefahrzeug. Auch hier waren Geduld und das richtige Tempo der Schlüssel für eine erfolgreiche Ausbildung. Die Diensthunde wurden schrittweise an die besondere Belastung durch den Transport mit dem Hubschrauber gewöhnt. Insbesondere Lärm, Rotorbewegung, Enge und ungewohnte Bewegungsabläufe waren je nach Ausbildungsstand besondere Herausforderungen für die Hunde.
Ein Diensthund wird in den Hubschrauber NH90 geführt
Bundeswehr/David Schell
Eine Diensthundeführerin und ihr Diensthund warten auf die Landung eines Hubschraubers NH90
Bundeswehr/David Schell
Mit der veränderten sicherheitspolitischen Lage in Deutschland und der Welt gehen auch Veränderungen in der Ausbildung einher. Drohnen sind von einem modernen Gefechtsfeld nicht mehr wegzudenken. Aus diesem Grund gehörte zur vierten Station die Zusammenarbeit mit Drohnenpiloten sowie das sichere Festsetzen eines Täters im urbanen Gelände.
Die Diensthundeteams der Feldjäger mussten in dieser Situation einen Täter in einem Dorf aufspüren und stellen. Während die Hunde den Täter am Boden aufspürten, wurden die Teams durch die Drohne aus der Luft unterstützt. Ziel war es, eine koordinierte und gemeinsame Vorgehensweise zu üben. Dies stärkt die Kontrolle über die Gesamtsituation, erhöht die Eigensicherung und trainiert ein effektives Zusammenwirken zwischen Diensthundeteams und luftgestützter Aufklärung.
Diensthündin Q geleitet eine Feldjägerstreife durch einen unbekannten Bereich
Bundeswehr/David Schell
Ein Drohnenbedienerteam bei der Arbeit
Bundeswehr/David Schell
Diensthündin Q und Diensthundeführer Dennis bei einer Patrouille
Bundeswehr/David Schell
Zu den Aufgaben der Feldjäger und ebenso einiger Diensthunde gehört auch der erweiterte Personenschutz. An der fünften Station wurden verschiedene mit Sprengstoff präparierte Exponate positioniert – beispielsweise Fernseher, Feuerlöscher, Radios oder Fahrzeuge. Diensthundeteams sollten nun in enger Zusammenarbeit mit den Personenschützern innerhalb kürzester Zeit ohne technische Hilfsmittel die Ortschaft nach Sprengstoff absuchen, denn laut Szenario stand der Besuch einer wichtigen Persönlichkeit bevor.
Die Hunde sollten dabei den Sprengstoff erschnüffeln. Nach einem erfolgreichen Fund wurden per Funk Experten zur Kampfmittelbeseitigung angefordert, um den Bereich zu räumen.
Feldjägerdiensthundeführer Rainer lässt Diensthund Harry eine Fensterbank abspüren
Bundeswehr/David Schell
Feldjägerdiensthundeführer Rainer und Diensthund Harry beim Abspüren eines improvisierten Küchenelements
Bundeswehr/David Schell
Die letzte Station war schließlich eine 1,6 Kilometer lange Hindernisbahn. Die Diensthunde der Feldjäger werden alle für sämtliche militärpolizeilichen Einsatzszenarien belastbar und robust ausgebildet. Hierzu müssen sie in der Lage sein, sich auch in schwierigem Gelände sicher und kontrolliert zu bewegen sowie besondere körperliche Herausforderungen zu bewältigen. Dazu zählen insbesondere, dass sich die Hunde hochheben und tragen lassen, das Besteigen von Leitern, das Überwinden verschiedenster Hindernisse sowie der Transport auf dem Rücken des Diensthundeführers. Auf dem ersten Kilometer wurde die Agilität der Hunde gefordert: Sie mussten Höhen, Tiefen, Engstellen und Gewässer überwinden.
In der zweiten Hälfte des Parcours griffen Darsteller in Vollschutzausrüstung die Diensthundeteams an, wobei Diensthund Harry seinen Hundeführer erfolgreich verteidigte. Auf den letzten Metern musste ein „verwundeter“ Hund versorgt werden. Hierzu musste der Diensthundeführer seinen Hund schultern und sich mit ihm unter Beschuss in Deckung begeben. Eine Hindernisbahn bildete schließlich den fordernden Abschluss einer lehrreichen, zehrenden, aber vor allem erfolgreichen Woche auf dem Truppenübungsplatz Sennelager – für Mensch und Tier gleichermaßen.
Ein aufgebautes Tunnelelement mit Nebelmaschine und Stroboskop
Bundeswehr/David Schell
Feldjägerdiensthundeführer Dennis trägt seine Diensthündin Q über einen kleinen Bach
Bundeswehr/David Schell