Die Reserve – Auftrag und Struktur
Wenn es ernst wird, schlägt die Stunde der Reserve. Wer gehört dazu? Wie ist sie aufgebaut? Und welche Aufgaben hat sie?
Reservistinnen und Reservisten übernehmen Schlüsselaufgaben in der Verteidigung – und üben daher regelmäßig. Auf dem Standortübungsplatz in Fritzlar kamen Ende August 2026 rund 90 Männer und Frauen der Kreisgruppen Kurhessen und Lahn-Schwalm-Eder zu einem Ausbildungsbiwak zusammen, um ihre militärischen Fähigkeiten zu trainieren. Besucht wurden sie dabei von der Stellvertreterin des Generalinspekteurs, Frau Generaloberstabsarzt Nicole Schilling.
Im Gespräch: Frau Generaloberstabsarzt Nicole Schilling sprach mit den teilnehmenden Reservistinnen und Reservisten und mit den Ausbildern in Fritzlar über die einzelnen Ausbildungsinhalte
Bundeswehr/Tom MüllerDas Szenario der Ausbildungseinheit: Der Bündnisfall ist eingetreten. Die Bundeswehr hat Truppen an der Ostflanke der NATO stationiert. Reservistinnen und Reservisten werden eingesetzt, um die Heimatschutzkräfte in Deutschland zu verstärken. Auf dem Standortübungsplatz in Fritzlar stellen sie die personelle und materielle Einsatzbereitschaft her, um im Anschluss kritische Infrastruktur in Kassel zu sichern.
Die Teilnehmenden des Ausbildungsbiwaks sind sowohl
Ulf Köster ist als Vorsitzender der Kreisgruppe Kurhessen zusammen mit dem Feldwebel für Reservistenangelegenheiten und seinem Team sowie dem Organisationsleiter des Reservistenverbandes in Kassel für die Planung und Durchführung des Ausbildungsbiwaks in Fritzlar verantwortlich. Ihm sei wichtig, den Reservistinnen und Reservisten für ihre Freizeit und Zeit mit der Familie, die sie opfern, eine gute Ausbildung zu ermöglichen. „Die Ausbildung soll Fähigkeiten entwickeln und verstärken, die der Resilienz unserer Gesellschaft dienen“, sagt Köster. Die Reservistinnen und Reservisten sollen gefordert, aber nicht überfordert werden. Sie sollen ihre militärischen Fähigkeiten auf einem guten Niveau halten und gleichzeitig auch Erkenntnisse für andere Bereiche mitnehmen. „Am Ende des Tages dient die Ausbildung auch als Botschaft: Die Reserve ist ein ganz wesentlicher Teil unserer Gesellschaft“, so der Oberst der Reserve.
Schilling ist die ranghöchste Soldatin der Bundeswehr und als Stellvertreterin des Generalinspekteurs für die Reservistenangelegenheiten im Verteidigungsministerium zuständig. In Fritzlar besucht sie die rund 90 Reservistinnen und Reservisten. „Ich habe die Hoffnung, dass Sie morgen Mittag aus dieser Ausbildung rausgehen und sagen: Ich habe das geschafft – wir haben das geschafft! Ich habe Dinge gelernt, die ich vorher nicht konnte und habe jetzt mehr Handlungssicherheit. Und deswegen war das für mich eine gute Ausbildung“, wendet sie sich an die angetretene Truppe. Sie werde sich auch weiter dafür einsetzen, dass die Reservistenarbeit weiterentwickelt werde.
Angesichts der sich stetig verändernden sicherheitspolitischen Lage in Europa und der Welt muss die Bundesrepublik mehr für die Verteidigung tun. Der personelle Aufwuchs der Bundeswehr ist ein wesentlicher Teil davon – und er betrifft auch die Reserve. Der gesetzliche Auftrag der Bundeswehr sieht vor, die Zahl der Reservistinnen und Reservisten auf mindestens 200.000 zu steigern, um dem Auftrag in der Landes- und Bündnisverteidigung gerecht zu werden. Der Neue Wehrdienst, die Ausbildung Ungedienter und auch die Einstellung von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern sollen den Aufwuchs unterstützen. Das geplante Reservestärkungsgesetz soll dafür den rechtlichen Rahmen für die Umsetzung stecken und unter anderem die Heranziehung von Reservistinnen und Reservisten vereinfachen.
Im Juli 2026 hatte Schilling im Youtube-Format „Nachgefragt“ gesagt: „Ohne eine starke Reserve werden wir nicht verteidigungsfähig sein. Und deshalb sind die Änderungen, die wir momentan vornehmen, entscheidend für die Sicherheitslage, aber auch für die Abschreckungsfähigkeit in unserem Land.“ Eine kontinuierliche Aus- und Weiterbildung der Reservistinnen und Reservisten wie hier in Fritzlar trägt ihren Teil dazu bei.
Im Gefechtsstand werden der Ablauf der Ausbildung sowie die einzelnen Ausbildungsstationen auf dem Standortübungsplatz erklärt
Bundeswehr/Tom Müller
Generaloberstabsarzt Nicole Schilling ist die Beauftragte für Reservistenangelegenheiten. Ausbildungsbiwaks wie in Fritzlar ermöglichen ihr den direkten Austausch mit den Reservistinnen und Reservisten: „Ich bin hier, weil Sie hier sind.“
Bundeswehr/Tom Müller
Am Gefechtsstand findet die Funkausbildung statt. Ohne funktionierende Kommunikation kann eine Situation schnell unübersichtlich und auch gefährlich werden.
Bundeswehr/Tom Müller
Care under Fire: Die Reservistinnen und Reservisten üben, einen verwundeten Kameraden schnell über einen steilen Hang zu bergen
Bundeswehr/Tom Müller
Auch handwerkliches Geschick ist hier gefragt: Der Reservistinnen und Reservisten üben, Sperren anzulegen.
Bundeswehr/Tom Müller
An der Ausbildungsstation Feuerkampf liegt ein Soldat in der Stellung und bekämpft mit dem Maschinengewehr 5 den Feind in der Übungslage
Bundeswehr/Tom Müller
Übernachtung unter freiem Himmel: Die Ausbildung findet auch bei den Reservistinnen und Reservisten unter möglichst realistischen Bedingungen statt
Bundeswehr/Tom Müller