Stabsfeldwebel L., darf Ihr Diensthund Butch auf dem Sofa schlafen?
Nein. Er lebt bei uns in der Familie und hat sozialen Anschluss. Das ist auch so gewollt, aber er ist kein Haushund. Butch schläft im Zwinger.
Wenn ich an einen Zwinger denke, dann denke ich an kalte, triste Anlagen und vernachlässigte Hunde.
So ist das bei uns nicht. Die Zwinger sind größer als es das Tierschutzgesetz vorschreibt: zwölf statt acht Quadratmeter. Die Zwingerhaltung ist wichtig für die Tiere, da sie im Einsatz und in den Kasernen dort untergebracht werden. Sie darf deshalb nicht vernachlässigt werden. Für die Tiere ist der Zwinger häufig ein Rückzugsort, eine Oase der Ruhe. So wie wir auch mal eine Pause brauchen, ziehen sich die Hunde dorthin zurück. Und für den Winter gibt es Einstreu und Stroh, in das sich die Tiere einkuscheln können.
Was gilt es, als Diensthundeführer noch zu beachten?
Man muss sich der Verantwortung bewusst sein. Mit dem Tier übernimmt man gewisse Aufgaben. Man muss bei Wind und Wetter rausgehen, sich kümmern und weit im Voraus planen. Spontan in den Urlaub zu fahren, ist dann keine Option mehr. Das Tier muss versorgt sein, wenn man es nicht mitnimmt.
Den Diensthund einfach bei Freunden oder Verwandten unterzubringen, ist vermutlich eher schwierig, oder?
Es ist ein Diensthund, der auch eine Ausbildung als Schutzhund hat. Das muss man immer beachten. Bei uns zu Hause ist es beispielsweise so, dass der Hund nur aus dem Zwinger kommt, wenn ich da bin. Mit den Kindern darf er nur in einem Raum sein, wenn ich auch dabei bin.
Ist es nicht gefährlich mit Kindern und einem Diensthund unter einem Dach?
Sie wissen, dass Butch kein Haustier ist und sie anders mit ihm umgehen sollen als mit unserer Hündin. Sie ist ein Haustier. Aber Kindern in einem gewissen Alter kann man so viele Regeln aufstellen, wie man möchte. Sie sind halt Kinder. Deswegen darf alles mit Butch nur unter meiner Aufsicht passieren.
Warum ist das so wichtig?
Der Hund ist darauf trainiert, zu beschützen, also auch zuzubeißen. Natürlich ist er auf mich fixiert und soll das nur auf Kommando machen, aber es ist immer noch ein Tier. Dafür kann man seine Hand nicht ins Feuer legen. Der Dienstherr gibt die Waffe mit nach Hause, nur, dass sie vier Beine hat. Ich würde meine Kinder ja auch nicht mit einer Pistole spielen lassen. Auch wenn Besuch kommt, muss man immer ein Auge darauf haben.
Wie kamen Sie dazu, Diensthundeführer zu werden?
Seit 1996 bin ich im Hundesport. Dann habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Seit 2005 bin ich Diensthundeführer. Und mittlerweile bin ich Ausbilder an der Schule für Diensthundewesen in Ulmen.
Wie lange dauert die Ausbildung?
Insgesamt neun Monate dauert der Lehrgang mit dem Hund.
Muss ein Soldat oder eine Soldatin bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um diese Aufgabe übernehmen zu können?
Angehende Hundeführer und -führerinnen müssen sich einer Eignungsfeststellung unterziehen. Man will sichergehen, dass die Aufgaben gut erfüllt werden. Auch unangenehme Sachen wie die Zwingerreinigung. Wenn jemand gegen das Tierschutzgesetz verstößt, dann hat das auch dienstlich Konsequenzen.
Eine letzte Frage: Ist der Hund für Sie Arbeitsmaterial oder ein Kamerad und Freund?
Im Dienst ist der Hund ein Hilfsmittel. Da haben wir nichts Besseres für das Spüren von Sprengstoff beispielsweise. Aber natürlich wächst einem das Tier ans Herz, man verbringt viel Zeit zusammen. Butch ist mein Kamerad, ein Teil der Familie.