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KI-Projekte in der Bundeswehr

Eine Drohne fliegt am Himmel.

Bundeswehr/PAO NCO

Digitalisierung

KIkünstliche Intelligenz in der Bundeswehr – und wo sie bereits genutzt wird

Y – Das Magazin der Bundeswehr – widmet sich dem Megathema Künstliche Intelligenz. Zehn Beispiele für KIkünstliche Intelligenz-Projekte in der Truppe.

Magie ist es zwar nicht, sondern eine clevere Kombination von Programmierkunst und Mathematik – aber im Ergebnis mutet der Einsatz von KIkünstliche Intelligenz manchmal schon wie Zauberei an. In wenigen Sekunden sind die Computerprogramme in der Lage, unfassbar große Mengen an Informationen zu sortieren, zu analysieren und in fast jeder gewünschten Form zu präsentieren, um den Menschen das Leben und die Arbeit zu erleichtern. Zwei Drittel der Deutschen setzt KIkünstliche Intelligenz-Tools bereits regelmäßig ein, und weltweit loten die Streitkräfte ihre militärischen Einsatzmöglichkeiten aus. Die KIkünstliche Intelligenz-Datenbank der Bundeswehr umfasst zum Beispiel mehr als 400 Einträge. Wir stellen eine Auswahl der dort verzeichneten Projekte vor.

1 Taktische Überwachung

Eines der prominentesten Projekte der Bundeswehr ist Uranos KIkünstliche Intelligenz, dessen Beschaffung im Dezember 2025 vom Bundestag bewilligt wurde. Die Ausstattung mit Drohnen, Bodenkontrollstationen und künstlicher Intelligenz wird für die taktische Überwachung großer Räume an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke entwickelt. Ziel ist die Verbesserung und Beschleunigung der Kette zwischen Sensorik, Führungs- und Waffensystemen. Die KIkünstliche Intelligenz sammelt alle Daten, die von den Uranos-Sensorplattformen eines Kampfbataillons in der Luft und am Boden aufgezeichnet werden, und fusioniert sie zu einem einheitlichen Lagebild. Das passiert nahezu in Echtzeit. So bleibt Uranos KIkünstliche Intelligenz kaum eine Veränderung auf dem Gefechtsfeld verborgen. Zwei Kampfbataillone der Brigade Litauen sollen spätestens ab Mitte 2027 jeweils eine erste Version erhalten.

Ein Soldat sitzt vor einem Gerät in einem rot beleuchtet Innenraum eines Gefechtsfahrzeuges.

Besserer Überblick: Ein aktuelles und vollständiges Lagebild erhöht die Erfolgsaussichten im Gefecht. Die Bundeswehr setzt auf KIkünstliche Intelligenz, um Sensordaten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen und so den Überblick über das Gefechtsfeld zu behalten.

Bundeswehr/Tom Twardy

2 Erfolgschancen abschätzen

Mit der Abschätzung der Erfolgschancen einer Militäroperation beschäftigt sich das Projekt „Reinforcement Learning für komplexe Gefechtssituationen“ des Amts für Heeresentwicklung. Mithilfe von KIkünstliche Intelligenz wird eine Gefechtssimulationsumgebung für Bataillonskommandeure geschaffen, die viele der für eine Entscheidung relevanten Informationen einbezieht – zum Beispiel zum Zustand des Geländes, zu den verfügbaren eigenen Kräften und zu den Aktivitäten des Gegners. So können Kommandeure zum einen die Erfolgsaussichten ihrer Entscheidungen im Vorfeld überprüfen, zum anderen kann die Software auch taktische Empfehlungen abgeben. Beides macht diese KIkünstliche Intelligenz-Anwendung auch für die Ausbildung militärischer Führungskräfte interessant.

3 Seegebiete kontrollieren

Der Schutz der kritischen Infrastruktur in der Ostsee – zum Beispiel Datenkabel oder Energie-Pipelines – ist seit dem russischen Überfall auf die Ukraine ein wichtiges Anliegen der Marine. Um das Seegebiet zu schützen, sollen unbemannte Unterwasserdrohnen wie die zur Beschaffung anstehende Blue Whale künftig auch mit KIkünstliche Intelligenz-Unterstützung auf Patrouillenfahrt gehen. Dafür wird die Software mit einer Bilddatenbank darauf trainiert, etwaige Beschädigungen an der unterseeischen Infrastruktur zu erkennen. Zudem ist die Drohne dank KIkünstliche Intelligenz auch in der Lage, Suchaufträge teilautomatisiert auszuführen und etwa nach Seeminen oder Schiffen der berüchtigten russischen Schattenflotte zu suchen. Wird ihre Sensorik erweitert, könnten die Drohnen auch zum Aufspüren gegnerischer U-Boote eingesetzt werden.

Eine blaue U-Boot-ähnliche Drohne Blue Whale schwimmt im Wasser.
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4 Big Data für die Schiffswartung

Eine am Bedarf ausgerichtete und daher wirtschaftlichere Instandsetzung von Kriegsschiffen der Marine ist Ziel des Projekts „Predictive Maintenance“. Dabei geht es um die Prognose von Instandsetzungsbedarfen, um Verschleiße frühzeitig zu erkennen, Werftliegezeiten im Voraus zu planen und so die Verfügbarkeit der Waffensysteme zu erhöhen. Die einzelnen Anlagen der Schiffe werden derzeit ausschließlich in festen Intervallen gewartet, womit der tatsächliche Zustand eines Schiffs nur grob abgeschätzt werden kann. Mithilfe der Software soll es künftig möglich werden, die Sensordaten der Anlagen so miteinander in Beziehung zu setzen, dass Anomalien in der Schiffstechnik bemerkt werden. Funktioniert die Software wie erwartet, sollen die neuen Fregatten der Marine bald damit ausgestattet werden.

5 Technischer Support

Der Eurofighter der Luftwaffe ist ein hochkomplexes Waffensystem, das intensiver Wartung bedarf. Zur Lösung technischer Fragen gibt es ein Systemunterstützungszentrum. Bisher durchsuchen die Ingenieure die offiziellen Dokumentationen, um die richtige Antwort auf ein Problem zu finden – ein Prozess, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Daher wird an einer KIkünstliche Intelligenz-gestützten Software namens Hubitus gearbeitet, um die Suche zu beschleunigen. Hubitus durchforstet in Sekundenschnelle den gesamten Dokumentenbestand zum Eurofighter: Entwicklungsunterlagen, technische Dokumentationen und künftig auch weitere Bestände wie die Regelungsdatenbank der Bundeswehr. Danach präsentiert die KIkünstliche Intelligenz den Nutzenden eine Lösung für ihre Anliegen. Der Recherche- und Interpretationsaufwand reduziert sich dadurch erheblich.

Y-Magazin: Neue Dimensionen

Y-Magazin: Neue Dimensionen PDF, nicht barrierefrei, 17,4 MB
Das Cover vom Y-Magazin mit Bäumen von oben und in der Mitte ein großes weißes Y

Bundeswehr/C3

6 Assistenten für den Dienstbetrieb

In der Bundeswehr werden noch in diesem Jahr unter dem Oberbegriff generative künstliche Intelligenz (genAI) zwei Lösungen an den Start gehen: SearchGPT und Virtual Document Assistant (VDAVirtual Document Assistant). SearchGPT ist eine KIkünstliche Intelligenz-gestützte Suchmaschine für das Intranet der Bundeswehr mit vielen Datenquellen wie dem Dokumentenmanagement, dem zentralen Regelungsmanagement und dem Wiki. Die KIkünstliche Intelligenz beantwortet Fragen und nennt den Nutzenden die Quellen, sodass die KIkünstliche Intelligenz-generierten Antworten überprüft werden können. Die Funktionen des VDAVirtual Document Assistant ähneln jenen, die von ChatGPT und Co. im privaten Bereich geläufig sind. Sie sind optimiert für die Arbeitsprozesse der Bundeswehr – zum Beispiel zum Finden und Verarbeiten interner Informationen, zur Übersetzung, Erschließung und Zusammenfassung von Dokumenten oder zur teilautomatisierten Erstellung neuer Dokumente.  Der genAI-Service erspart mit seinen ersten beiden Anwendungen das mühselige Zusammentragen und Aufbereiten von Informationen und kann somit menschliche Arbeitsprozesse unterstützen und beschleunigen.

7 Fake News aufspüren

Eine weitere Software, an dessen Entwicklung das Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr zusammen mit der Truppe aktuell arbeitet, ist Internet Reconnaissance, kurz iRecInternet Reconnaissance. Die Software kann Daten und Informationen aus dem Internet suchen und sammeln. Besteht etwa der begründete Verdacht, dass zu einem Thema gezielt Falschinformationen verbreitet werden, wird der iRecInternet Reconnaissance-Webcrawler aktiv. Dieser sucht rund um die Uhr nach relevanten Daten im Internet, um die Quelle der Fake News zu finden. Auch Video- und Audiodateien können erfasst und ausgewertet werden. So lassen sich schnell große Datenmengen automatisiert verarbeiten, die für das Fachpersonal nicht zu bewältigen wären. Anschließend verknüpft iRecInternet Reconnaissance die gesammelten Informationen und wertet sie als Beitrag zum militärischen Lagebild aus. 

8 Kampfstoffe sicher detektieren

Im Unterstützungsbereich der Bundeswehr wird die Einbindung von KIkünstliche Intelligenz in die Kampfstoffabwehr angestrebt. Das Innovationsvorhaben „Yggdrasil“ dreht sich um die Erkennung atomarer, biologischer und chemischer Gefahren. Hier werden verschiedene Sensoren miteinander vernetzt. Während die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräfte der Bundeswehr ihre mobilen Gefahrstoffdetektoren bei Kontaminationsverdacht bisher von Hand bedienen, die Messungen selbst interpretieren und weiterleiten müssen, soll dies künftig eine Software übernehmen.

Ein deutscher Soldat hält ein Messgerät an die ABC-Maske eines spanischen Soldaten.

Smarter Schnüffler: ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Kampfstoffe lassen sich mit KIkünstliche Intelligenz-Hilfe leichter detektieren als von Hand. Ihr Einsatz reduziert zudem das eigene Kontaminationsrisiko.

Bundeswehr/Elian Hadj Hamdi

9 ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Gefahren abschätzen

Um das Ausmaß von ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Bedrohungen abzuschätzen und den Einsatz von Personal und Material besser planen zu können, beschäftigt sich das ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkommando mit der KIkünstliche Intelligenz „Prisma“ zur automatisierten Aufbereitung öffentlich zugänglicher Informationen für den ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Kontext. Ziel des Innovationsvorhabens ist es, mithilfe von KIkünstliche Intelligenz frühzeitig ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Gefahren zu erkennen und ein Modell zur möglichen Ausbreitung der Gefahren zu erstellen. So kann etwa die Ausbreitung einer Giftgaswolke anhand der Windverhältnisse und der klimatischen Bedingungen prognostiziert werden. Die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrberater der Bundeswehr werden damit von technischen Routinetätigkeiten entlastet und können sich auf die Lageeinschätzung konzentrieren.

10 Minensperren aus der Luft aufklären

Das Projekt „Minesweeper“ soll das Aufklären von Minensperren weniger gefährlich und gleichzeitig schneller machen. Dafür wird eine Drohne in einen fliegenden Metalldetektor verwandelt. Die vollautomatisierte Drohne fliegt das Gelände selbstständig ab, scannt nach im Boden verborgenen Metallgegenständen und trägt ihre Funde in eine Geländekarte ein. Zudem bewertet die Software, ob es sich tatsächlich um ein Kampfmittel handelt. Danach wird das Kampfmittel anhand einer Datenbank bestimmt. Im Ergebnis entsteht ein Lagebild, das nicht nur die Lage der Minen im Gelände darstellt, sondern auch die minenfreien Durchgänge aufzeigt. Im Herbst 2024 testete der Cyber Innovation Hub mit der Luftlandepionierkompanie 270 des Heeres einen Prototyp.

Ein Soldat trägt eine VR-Brille
Digitalisierung

Cyber Innovation Hub: Vom Problem zum Prototyp

Wir erklären, welchen Auftrag der Do-Tank der deutschen Streitkräfte hat – und wie dort ein Projekt von der Idee bis zur Umsetzung entsteht.

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Y – Das Magazin der Bundeswehr
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