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Paralympische Winterspiele

Guide auf der Piste: Sportsoldatin Emily Weiß bei den Paralympics 2026

Sportsoldatinnen und Sportsoldaten kämpfen nicht nur selbst um olympisches Gold – sie unterstützen auch deutsche Parasportlerinnen und Parasportler bei ihren Wettkämpfen. Bei den Paralympischen Winterspielen 2026 in Italien tritt Frau Obergefreiter Emily Weiß als Blindenguide zusammen mit Biathlon-Weltmeisterin Johanna Recktenwald an.

Zwei Ski-Fahrerinnen fahren hintereinander.

Emily W. gibt der Paraathletin Johanna Recktenwald in Echtzeit Kommandos für Kurven, Technikwechsel und Tempo. Aktiv unterstützen darf Emily Johanna nicht, denn allein Johannas Leistung zählt.

picture alliance/dpa/Martin Schutt

„Links, links, links – rechts. Wechsel jetzt.“ Wer die Sportsoldatin Emily Weiß beim Laufen beobachtet, hört sie fast genauso viel sprechen, wie sie sich bewegt. Jede Kurve, jeder Technikwechsel, jede Unebenheit im Schnee – alles wird mit einem Stichwort angekündigt. Was klingt wie ein Selbstgespräch, ist in Wirklichkeit ein Navigationssystem in Echtzeit. Denn unmittelbar hinter Emily läuft Johanna Recktenwald, Parasportlerin und Biathlon-Weltmeisterin. Johanna ist sehbehindert, hat ein Restsehvermögen von nur rund zwei Prozent. Sie ist auf Emily angewiesen, um sicher und schnell über die Strecke zu kommen.

Eine Aufgabe, zwei Athletinnen

Im Parasport Nordic Ski übernimmt der Guide eine Rolle, die weit über reine Begleitung hinausgeht. Emily läuft ihrer Athletin stets voraus und gibt ihr in Echtzeit alle Informationen, die sie auf der Strecke braucht: Technikwechsel je nach Gelände, Kurven, Tempovorgaben – und bei Abfahrten reicht sie ihren Stock nach hinten, damit Johanna ihn greifen kann. „Für mehr Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten“, erklärt Emily.

Die Verständigung läuft über ein Mikrofon, das zu einem Lautsprecher auf Emilys Rücken führt. „Ich bin Johannas Augen auf der Strecke“, beschreibt sich die Sportsoldatin. Was simpel klingt, erfordert volle Konzentration: die eigene Höchstleistung abzurufen und gleichzeitig fortwährend zu kommunizieren, ist kräftezehrend – aber genau das, was Emily an ihrer Rolle als Guide liebt.

Vertrauen als Grundlage

Was eine Guide-Athletin-Beziehung trägt, ist nach Emilys Erfahrung vor allem eines: Vertrauen – und echte Freundschaft. Sie und Johanna teilen auf Lehrgängen und Wettkämpfen das Zimmer, verbringen nahezu jede Trainingseinheit gemeinsam. „Wir könnten uns alles erzählen und sind füreinander da“, sagt Emily. Das mache sie als Team aus. Für die Winterspiele in Italien haben beide ein klares gemeinsames Ziel: die beste Leistung abzurufen – und vielleicht mehr. „Eine Medaille wäre ein Traum, egal, welche Farbe sie hat“, so die Guide.

Emilys Botschaft an alle, die Parasport noch nicht kennen: „Es ist spannender Sport, der mehr Reichweite verdient. Die Paralympics geben Menschen mit Behinderungen das Signal, dass auch für sie Wettkämpfe möglich sind.“

Von Freiburg in die Welt

Emily Weiß ist 22 Jahre, kommt aus Freiburg im Schwarzwald und steht seit dem dritten Lebensjahr auf Skiern. Sie startete selbst in Skilanglauf-Wettkämpfen; der Weg in die Spitzensportförderung blieb ihr jedoch verwehrt – aus Leistungs- und finanziellen Gründen, denn der Sport ist teuer. Der Kontakt zum Parasport entstand früh, denn am Wintersportstützpunkt in Freiburg trainieren nicht nur Athletinnen und Athleten für Olympia. Auch Bundeswehrsportlerinnen und -sportler sowie Parasportlerinnen und Parasportler trainieren dort – so auch Emily, die in Freiburg studierte. Erste Begegnungen mit Johanna Recktenwald gab es bei gemeinsamen Testwettkämpfen, bei denen man feststellte: Das klappt mit uns.

In der Saison 2024/25 wurde Emily dann zur festen Guide-Partnerin von Johanna. Der erste gemeinsame Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Bei der Weltmeisterschaft 2025 im slowenischen Pokljuka gewann Johanna die Goldmedaille im Biathlon-Einzel – der erste internationale Wettkampfsieg ihrer Karriere. Davor holte sie bereits zwei Silbermedaillen. „Das war ein sehr toller Moment“, erinnert sich ihre Begleitläuferin. „Mit dabei zu sein, wie Johanna sich so gefreut hat – das hat mich selbst sehr bewegt.“

Ein neues Modell der Sportförderung

Emilys Weg zur Bundeswehr ist Beispiel für eine sportpolitische Entwicklung der letzten Jahre. Erstmals nach den Spielen 2022 schuf die Sportförderung Dienstposten speziell für Guides – also für Athletinnen und Athleten, deren Aufgabe nicht der eigene Wettkampf ist, sondern die Unterstützung paralympischer Sportlerinnen und Sportler. Seit September 2025 ist Emily bei der Bundeswehr – als Sportsoldatin bei der Sportfördergruppe.

Bei den Paralympischen Winterspielen 2026 in Italien wird dieses Teammodell auf großer Bühne sichtbar: Das deutsche Team tritt mit 38 Athletinnen und Athleten an. Sechs der sieben Guides kommen von der Bundeswehr. Für Obergefreiter Emily Weiß ist die Förderstruktur mehr als ein administratives Modell. Dank der Unterstützung der Bundeswehr kann sie ihre ganze Zeit dem Sport widmen – was anders schlicht nicht möglich wäre.

Zwei Ski-Fahrerinnen jubeln bei der Medaillenzeremonie und halten ihre Maskottchen hoch.

Johanna Recktenwald (li) und ihre Guide Emily Weiß (re) mussten sich beim paralympischen Biathlon-Wettkampf über 12,5 Kilometer nur der Konkurrenz aus China und Tschechien geschlagen geben und erfüllten sich damit den Traum von einer Medaille.

picture alliance/dpa/Martin Schutt

Bronze für Johanna Recktenwald

Bei den Paralympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo löste das Duo sein Versprechen ein: Johanna Recktenwald holte am 8. März im Biathlon Einzel über 12,5 Kilometer Bronze – mit Emily Weiß an ihrer Seite. Für die Sportsoldatin aus Freiburg war es der vorläufige Höhepunkt einer noch jungen Karriere als Guide.

von Arthur Galbraith

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