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Veteraninnen und Veteranen

Ich bin Veteranin: Vom Einsatzradio ins zivile Radiostudio

Ich bin Veteranin: Vom Einsatzradio ins zivile Radiostudio

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Selina Schmitt gehört zu den ersten Frauen bei der Bundeswehr und war zwölf Jahre lang das Sprachrohr der Truppe im Einsatz. Heute moderiert die ehemalige Radiomoderatorin von Radio Andernach beim Sender RPR1 in Rheinland-Pfalz. Ein Veteranenporträt über Kameradschaft, den Sprung ins zivile Rundfunkstudio und was von der Bundeswehr bleibt.

Eine Frau mit Mikrofon in der Hand steht vor einem Schild mit der Aufschrift „Radio Andernach“.

Zwölf Jahre moderierte Selina Schmitt bei Radio Andernach, dem Sender der Bundeswehr. Heute ist sie beim zivilen Rundfunk RPR1 in Rheinland-Pfalz zu hören.

Radio Andernach

Als Selina Schmitt zehn Jahre alt war, sagte sie zum ersten Mal, dass sie zur Bundeswehr will. aus einer Soldatenfamilie kommt sie nicht, in ihrem Umfeld trug niemand Uniform. Und trotzdem ließ sie der Gedanke nicht mehr los. Sie machte ihren Schulabschluss, orientierte sich, wartete. Als 2001 endlich Frauen in allen Bereichen zur Bundeswehr durften, bewarb sie sich 2002 mit 17 Jahren. Mit 18 Jahren war sie bereits Soldatin.

Zwischen Höhen und Tiefen

Damit gehört Schmitt zu den ersten Frauen in der Geschichte der Bundeswehr außerhalb des Sanitätsdienstes und der Militärmusik. „Das war mir aber gar nicht so wichtig“, sagt die heute 41-Jährige. „Ich wollte einfach eine Uniform anziehen. Ich wollte Soldatin sein.“ Die Grundausbildung absolvierte die Fränkin zum 1. Juli 2003 in Roth bei Nürnberg. Von dort aus ging es zur Ausbildung zur Mediengestalterin Bild und Ton nach München. Danach kam sie nach Mayen bei Koblenz, und über Umwege landete sie bei Radio Andernach, dem Betreuungssender der Bundeswehr. „Dort fühlte ich mich dann schnell wohl“, erinnert sie sich.

Wie alle bei der Bundeswehr habe sie Phasen gehabt, in denen alles gepasst habe – und andere, in denen sie sich fragte, wie sie möglichst schnell herauskommt aus der Truppe. Die beste Sportlerin sei sie nie gewesen, sagt sie, auch nicht die Stärkste im „grünen Teil“ – also dem vor allem infanteristischen Teil des Soldatenberufs. Aber sie habe sich durch harte Geländetage, Gefechtsschießen und militärische Sportausbildungen auf der Hindernisbahn durchgebissen. „Es war irgendwie das, was ich machen wollte.“

Was aus der Bundeswehrzeit bleibt

Prägend seien viele Momente ihrer Bundeswehrzeit gewesen, sagt Schmitt. Ihre drei Einsätze in Afghanistan zählt sie dazu – vor allem die Begegnungen und Gespräche dort. Schmitt erklärt: „Man arbeitet dort in einem total kleinen Team von drei bis fünf Personen und im Gegensatz zum Senden aus Deutschland hatte man im Einsatz seine Zielgruppe immer direkt vor der Studiotür.“ So hätten sich Kameraden sofort bei ihr gemeldet, wenn etwas in der Sendung schief gegangen sei oder wenn ein Gruß der Eltern morgens im Camp ankam. „Direkteres Feedback hätte es für meine Arbeit nicht geben können.“

Am besten in Erinnerung geblieben sei Schmitt die Kameradschaft in der Bundeswehr. Für Leute außerhalb der Bundeswehr sei das oft gar nicht so leicht nachzuvollziehen. Gemeinsam durchzuhalten, sich gegenseitig zu helfen, selbst wenn man nicht der oder die Beste sei, das gebe es im Zivilen so nicht, findet Schmitt. Kritischer sieht sie das Konkurrenzdenken innerhalb der Dienstgradgruppen, wenn es um Beurteilungen und Beförderungen ging. „Ich habe gedacht: Ich brauche niemanden schlechter dastehen zu lassen, um selbst besser dazustehen.“

Der Anruf, der alles veränderte 

Ihr Weg ins Radio außerhalb der Bundeswehr begann mit einem Telefonklingeln und einem vorgeschalteten Anruf ihres Partners. „Pass auf, du kriegst gleich einen Anruf, und du musst zu allem Ja sagen.“ Sie wusste von nichts. Er hatte auf eigene Faust eine Bewerbung samt Hörproben an den rheinland-pfälzischen Privatfunksender RPR1 geschickt, wo eine neue Moderatorin für die Morningshow gesucht wurde.

Einen Tag nach der Weihnachtsfeier von Radio Andernach folgte das Casting – um fünf Uhr morgens in Ludwigshafen. Die Morningshow wurde es nicht, auch, weil Schmitt noch fest bei der Bundeswehr war. Aber Schmitt hinterließ einen guten Eindruck bei RPR1. Monate später fragte man sie, ob sie eine Samstagssendung übernehmen wolle. Sie sagte zu. Zwei Jahre lang moderierte Schmitt aus Köln, bis eine Kollegin ging und aus dem Wochenendjob eine tägliche Sendung wurde.

Struktur fürs zivile Leben

Beim Übergang von der Truppe ins zivile Erwerbsleben half Schmitt der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr. Er vermittelte ihr eine Ausbildung zur Sprecherin und Synchronsprecherin in Köln. Leicht gefallen ist Schmitt der Wechsel in die Wirtschaft aber nicht. Am Tag des Abschieds flossen viele Tränen. „Ich habe der Bundeswehr meine beste Zeit geschenkt.“

In guter Erinnerung geblieben seien ihr vor allem die geordneten Abläufe. Im zivilen Radio sei alles „wild und bunt und laut und kreativ“ und oft fehle es an Struktur à la Bundeswehr „Dass ich konzentriert und effektiv arbeiten kann, das habe ich wirklich mitgenommen aus meiner Bundeswehrzeit.“ Und ein handfestes Stück aus der Zeit in der Truppe bleibt ihr erhalten: ihr Kaffeebecher vom Bundeswehrverband – gut 18 Jahre alt –, der sie jeden Arbeitstag begleitet und an ihre Zeit beim Bund erinnert.

Eine Soldatin mit Kopfhörern sitzt vor einem Mikrofon in einem Studio.

Auch während ihrer ISAF-Einsätze im Feldlager Mazar-e Sharif stand Selina Schmitt in der Radiokabine. Insgesamt war sie dreimal für das Betreuungsradio in Afghanistan: 2009, 2011/12 und 2013.

Radio Andernach

Stolze Veteranin

Heute moderiert Selina Schmitt bei RPR1 ihre eigene Sendung, montags bis donnerstags von 15 bis 20 Uhr. „Ich bin durch die Bundeswehr zu meinem Traumjob gekommen.“ Dass es den Beruf für sie überhaupt geben könnte, habe sie früher gar nicht für möglich gehalten.

Als Veteranin sieht sie sich klar. „Die zwölf Jahre beim Bund fühlen sich zwar an wie ein anderes Leben, aber sie waren ein ganz wichtiger Teil für mich.” Für die Reserve habe es zeitlich bisher nicht gereicht. „Aber ich bin wahnsinnig gerne Soldatin gewesen und habe die Uniform mit Stolz getragen.“

Von der Gesellschaft wünscht sie sich mehr Auseinandersetzung mit der Bundeswehr. Gerade, weil in vielen Familien niemand mehr Wehrdienst geleistet hat und die Bundeswehr „raus aus den Köpfen“ der Menschen sei. 

Und ihre Bundeswehrzeit in einem Wort? Da muss sie nicht lange überlegen: „Geil.“ Dann, etwas nachdenklicher: „Mein Herz schlägt auch oft noch grün, obwohl das Zivile auch toll ist.“

Drei Fragen an Selina Schmitt 

Wünschst du dir manchmal etwas aus der Bundeswehr in deinen zivilen Alltag zurück?

Selina Schmitt

Ja, so etwas wie „Führen durch taktische Zeichen“. Wenn du auf einem Konzert bist und jemandem einfach signalisieren willst: „hier, Verbindungsaufnahme“ – das wäre echt praktisch. Ohne zu sprechen kommunizieren zu können, das fehlt mir manchmal. Je weniger man sich im Alltag mit Soldatinnen und Soldaten umgibt, desto mehr vergisst man diese Dinge. Aber sobald ich mich wieder mit Kameraden und Kameradinnen unterhalte, kommt alles zurück.

Gab es beim Übergang ins Zivilleben etwas, das dich unerwartet gefordert hat?

Selina Schmitt

Allein zu sagen: Ich brauche jetzt auf einmal eine Krankenkasse – woher bekomme ich das Kärtchen, worum muss ich mich kümmern? Dieser ganze Papierkram. Klar wird man vom Berufsförderungsdienst ein bisschen durchgeführt, aber es ist trotzdem wild.

Was würdest du jungen Menschen mitgeben, die überlegen, zur Bundeswehr zu gehen?

Selina Schmitt

Es schadet nicht, eine Struktur zu haben oder etwas für die Gesellschaft zu tun. Ganz viele junge Menschen sind meiner Meinung nach orientierungslos. Man muss das ja nicht für immer machen, aber einfach mal zu sagen: Hey, ich lasse mich darauf ein. Gerade wenn man jung ist und aus der Schule kommt, prägt das – und das schadet nicht.

von Arthur Galbraith

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