Veteranin der Bundeswehr: Was man aus 18 Jahren Dienst mitnimmt
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
4 MIN
„Ich wollte was von der Welt sehen.“ Frau Oberfeldwebel Alexandra D. ist Fluggerätmechanikerin bei der Luftwaffe. Die Veteranin erzählt, wie sie in der Uniform erwachsen wurde und was sie aus ihren Einsätzen und ihrer Tätigkeit im Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ gelernt hat.
Oberfeldwebel Alexandra D. ist Fluggerätmechanikerin bei der Luftwaffe und seit 18 Jahren im aktiven Dienst. Für sie ist die Uniform mehr als eine Berufskleidung. Sie ist ein Teil ihrer Identität.
Bundeswehr/Celina Nestler
Mit 18 Jahren kam Alexandra D. eher unbedarft zur Bundeswehr. Als frisch ausgelernte Industriemechanikerin war sie damals vor allem neugierig auf die Welt, erinnert sie sich. „Ich wollte was von der Welt sehen. Ich wollte Abenteurerin sein“, sagt D. „Ich dachte mir, vielleicht kann die Bundeswehr mir das ermöglichen. Wie genau, das wusste ich damals aber noch nicht.“ Doch sie ließ sich beraten, bewarb sich als Fluggerätemechanikerin und begann am 1. September 2008 ihren Dienst als Soldatin beim Jagdbombergeschwader 32 Lagerlechfeld. Zunächst verpflichtete sie sich für acht Jahre.
„Erst in Uniform bin ich richtig erwachsen geworden“
Heute ist Alexandra D. 37, Fluggerätmechanikerin in einer Instandsetzungsstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ in Jagel und seit 18 Jahren im aktiven Dienst – eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. Inzwischen hat die gebürtige Fränkin ihre Dienstzeit auf 25 Jahre verlängert. Länger kann man sich als Soldatin oder Soldat auf Zeit meist nicht verpflichten. Die Bundeswehr-Veteranin ist sich sicher: „All die Jahre bei der Bundeswehr haben mich zu dem Menschen geformt, der ich jetzt bin. Und überhaupt: Erst in der Uniform bin ich richtig erwachsen geworden.“
Die Welt gesehen, Wertschätzung gelernt
Als Fluggerätmechanikerin für die deutschen Tornado-Kampfjets reiste Alexandra D. durch die ganze Welt, wie sie es immer wollte. Wohin Tornados auch immer auf Übungen oder in Einsätze verlegen, gehen nämlich auch ihre Mechanikerinnen und Mechaniker mit, so auch Alexandra D. Sie leistete unter anderem Dienst in Jordanien und der Türkei oder war auf Übungen in Griechenland, Spanien und Italien – Orte, die sie sich mit 18 Jahren nur vage hatte vorstellen können. Die junge Frau lernte fremde Länder kennen – und gleichzeitig, das „normale Leben“ wertzuschätzen:
„Wenn du über Wochen den Kontakt mit der eigenen Familie nur per FaceTime aufrechterhalten konntest, dann weißt du, wie schön es ist, wenn du sie dann wieder siehst“. Sie betont: „Die langen Abwesenheiten haben meinen Blick auf den Alltag dauerhaft verändert.“
Wohin Tornados verlegen, dorthin verlegen auch die Mechaniker: Als Teil der Instandsetzungsstaffel hat die Fluggerätmechanikerin Alexandra D. militärische Flugplätze auf der ganzen Welt gesehen. Die Landschaft veränderte sich, der Job blieb gleich.
Bundeswehr/Jane Schmidt
Was bleibt
Was der Dienst ihr konkret mitgegeben hat, zeigt sich auch in ihrer Arbeitsweise. Alexandra denkt zielgerichtet und arbeitet strukturiert. Wenn ihr Freundeskreis gemeinsam verreisen will und das Vorbereitungschaos ausbricht, übernimmt die Veteranin die Organisation. Nicht, weil sie es will, sondern weil sie nicht anders kann: „Ich merke, dass ich oft am Ende diejenige bin, die alles organisiert, selbst wenn ich darauf gar keine Lust habe. Mir fällt es total schwer, dann nur zuzusehen. Oft kann ich dann nicht anders und muss da Ordnung und Struktur reinbringen.“
Bundeswehr macht gelassen
Daneben habe sie dank ihrer Zeit bei der Bundeswehr eine ausgeprägte Fähigkeit entwickelt, Dinge zu akzeptieren, die sich nicht ändern lassen. Spontane Planänderungen, auf die sie keinen Einfluss habe, oder Probleme, die plötzlich aufträten, seien zwar nervig, aber kein Grund mehr für sie zu verzweifeln. „Man wird gelassener bei der Bundeswehr“, scherzt sie.
Und auch wenn ein Problem unlösbar scheint, hat die Mechanikerin gelernt, auch über Umwege zum Ziel zu kommen. Dieses „out-of-the-box“-Denken, das sie täglich an den Maschinen braucht, hat sie längst ins Private übertragen. „Du musst vielleicht verschiedene Dinge ausprobieren, aber du kommst am Ende doch immer zu einem guten Ergebnis“, so Alexandra D. „Es geht immer irgendwie, egal ob am Tornado oder bei meiner Familie.“
„Soldatin durch und durch“
Alexandra D.s Dienstzeit endet 2033. Soldatin wird sie trotzdem immer bleiben. „Haltung legt man nicht einfach so ab“, sagt sie. „Soldaten erkennen sich in Zivil. An der Sprache, am Gang, an der Körperhaltung.“ Das sei kein Auftreten, das allein vom militärischen Training käme, sondern das von der inneren Haltung einer jeden Soldatinnen und eines jeden Soldaten zeuge. Das Bewusstsein für Werte und Verantwortung habe sie inzwischen tief verinnerlicht. „Nach inzwischen 18 Jahren Dienst bin ich Soldatin durch und durch. Auch wenn ich keine Uniform anhabe, wird man mir das immer ansehen können.“
Stolz darauf, Bundeswehr-Veteranin zu sein
Für die Bundeswehr sind auch aktive Soldatinnen und Soldaten Veteraninnen oder Veteranen. Empfindet sich Alexandra D. als solche? „Ich bin stolz drauf, Veteranin zu sein. Ich bin stolz drauf, Einsatzveteranin zu sein und ich finde, wir gehören zur Gesellschaft dazu“, betont die 37-Jährige.
Für die Zukunft wünscht sie sich höhere Wertschätzung für Veteraninnen und Veteranen auch in der Breite der Gesellschaft. Der Veteranentag sei ein wichtiger Schritt dahin, gleichzeitig aber erst der Anfang. „Ich glaube, das muss erst mal in den Köpfen der Menschen ankommen.“
Der Veteranentag am 15. Juni ist für Alexandra D. kein „Tag der Bundeswehr light“, sondern ein Tag, an dem ganz Deutschland seine Veteraninnen und Veteranen ehrt. Bis das wirklich so verstanden werde, dauere es wahrscheinlich noch ein paar Jahre, so die Einsatzveteranin. „Aber die Richtung stimmt und darauf kommt es doch an, oder?“
Drei Fragen an Frau Oberfeldwebel Alexandra D.
Was nimmst du aus langen Einsätzen mit nach Hause? Im Kopf, nicht im Gepäck?
Alexandra D.
Egal, wo du hingehst, du lässt immer ein Stückchen von dir an dem Ort. Und du bringst auch immer ein bisschen was mit nach Hause – und wenn es nur ist, dass ich mein Besteck am Anfang daheim noch unabsichtlich mit Essensresten in den Mülleimer schmeiße oder mehr Ruhe für mich alleine brauche. Denn im Einsatz benutzen wir Einweggeschirr und -besteck und leben oft auf sehr engen Raum zusammen in Containern. Diese langen Abwesenheitszeiten machen was mit einem. Menschlich und charakterlich. Du betrachtest danach einfach Dinge ein bisschen anders.
Woran merkt dein Umfeld, dass du Soldatin bist?
Alexandra D.
Ich bin im Dienst Struktur gewöhnt. Da habe ich immer eine klare linke und rechte Grenze. Das hat natürlich auch einen Einfluss auf mein Privatleben. Wenn wir irgendwo hinfahren oder unter der Woche mal wieder alles drunter und drüber geht, bin ich oft die, die den Überblick behält – das mach ich ganz automatisch und ist echt typisch für Soldatinnen und Soldaten.
Was würdest du jungen Frauen sagen, die überlegen, zur Bundeswehr zu gehen?
Alexandra D.
Machen. Auf jeden Fall machen. Gerade für junge Menschen ist es glaube ich wichtig, diese Struktur und die Kameradschaft, die das Militär gibt, einmal zu erfahren – gerade in dieser schnelllebigen Zeit. Das kann viel Halt geben, gerade wenn es darum geht, sich noch selbst finden zu müssen. Ich wünsche mir, das mehr junge Frauen diese Erfahrung machen.