So nah und doch so fern - wie meistere ich eine Fernbeziehung?

So nah und doch so fern - wie meistere ich eine Fernbeziehung?

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Soldat am Zug

Ein Oberleutnant der Luftwaffe steht an einem Gleis im Hauptbahnhof

Bundeswehr / Twardy

Fernbeziehungen gibt es immer öfter. Unter der Woche leben und arbeiten beide an weit entfernten Standorten, das Wochenende gehört dann der Partnerschaft. Doch die Liebe auf Distanz hat so ihre Tücken: Neben dem Warten aufs Wochenende und dem Vermissen des Partners kommen oft noch (unerfüllte) Erwartungen und vertagter Streit dazu.

Ein Grund dafür sind die gewachsenen Ansprüche: Männer wie Frauen wollen heute beides - eine Karriere und eine glückliche Beziehung. Das lässt sich nicht immer mit einem gemeinsamen Standort vereinbaren. Zumal auch die Arbeitgeber (gerade auch bei der Bundeswehr) immer mehr Mobilität erwarten. Etwa für einige Zeit an Einsätzen teilzunehmen. Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung. In einer Fernbeziehung aber ist es besonders essenziell, da durch die Distanz schnell Verdacht, Zweifel und Eifersucht entstehen können. Wird daraus dann eine Kontroll-Obsession, Motto: Was machst du? Mit wem? Wo bist du gerade? Warum meldest du dich nicht?, ist das meist der Anfang vom Ende. Fernbeziehungen leben eben auch von den Freiheiten, die sich unter der Woche ergeben. Diese dem anderen zuzugestehen und zu vertrauen, wirkt festigender als lückenlose Überwachung und Eifersucht.

Mitzuteilen und den andere zu verstehen

Wenn die Nähe fehlt, muss man mehr miteinander reden. Denn es fehlen die kleinen nonverbalen Signale und Liebesgesten im Alltag. Um die Vertrautheit zu erhalten und zugleich das Gefühl von Nähe zu schaffen, sollten beide möglichst regelmäßig Kontakt halten - etwa per Videotelefonie, Chats, Textnachrichten und klassischen Telefonaten. Dabei ist es nicht nur wichtig, sich auszusprechen oder (Job)Probleme zu erörtern, sondern auch Gedanken und Gefühle miteinander zu teilen. Da beide werktags in getrennten Lebensräumen und Berufswirklichkeiten agieren, ist die Gefahr groß, sich sprichwörtlich auseinander zu leben. Täglich feste Aussprache-Zeiten sind dagegen ideal, können aber auch einengend wirken. Deshalb sollten sich beide immer auch auf Ausnahmen zugestehen und Verständnis dafür haben, dass der oder die andere jetzt erst mal müde vom Job ist. Hauptsache, Sie reden insgesamt viel miteinander.Da die Wochenenden vom Wiedersehen geprägt sind, bekommen sie oft auch eine gewisse Bedeutungsschwere. Schlecht, wenn sich bis dahin Frust aus der vergangenen Woche aufgestaut hat. Dann ist auch noch das heilige Wochenende versaut. Daher: Fernbeziehungspaare sollten Probleme sofort aus- und auch besprechen und damit nicht erst bis zum nächsten Treffen warten. Auch diese Offenheit setzt übrigens Vertrauen voraus: Streit ist in jeder Beziehung normal, er darf aber nie die Liebe infrage stellen.

Übergangslösung für betroffene Familien

Kinderbetreuung_Maasch

Soldatin Patricia D. wartet mit ihrem fünfjährigen Sohn am Bahnsteig

Bundeswehr / Maasch

Damit die vielen Wiedersehen auf Dauer funktionieren, sollten sich betroffene Paare an einen eigenen Verhaltenscodex halten. Kleine Rituale (am ersten Abend immer gemeinsam essen gehen oder kochen, jeden Tag eine Guten-Morgen-Mail schreiben, etc.), wertschätzende Gesten und Regeln für den Abschied helfen aber, eine Art gemeinsamen Alltag zu schaffen, sodass sich keiner aus diesem ausgegrenzt fühlt. Und sie dienen dazu, die Zwischenzeit zu überbrücken und beugen Missverständnissen vor.Eine Fernbeziehung ist in der Regel nur eine Übergangslösung. Die meisten Paare hoffen jedenfalls darauf. Was die Liebe auf Distanz dann erträglicher macht, ist ihr überschaubarer Zeitrahmen. Beide wissen: Die Phase der verschiedenen Lebensmittelpunkte endet wieder, und dann leben wir zusammen.