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Das Wehrwissenschaftliche Institut für Schutztechnologien: Forschen, prüfen und beraten

Munster, 15.03.2017.
„ABC-Schutz kann man nirgends studieren und deshalb kümmern wir uns darum“, sagt Dr. Winfried Schuhn. Der Direktor und Professor verdeutlicht damit das Alleinstellungsmerkmal einer Dienststelle, die nicht nur in der Bundeswehr ihresgleichen sucht.

Luftbild der Dienststelle WIS

Das WIS liegt nahe Munster im dichten Kiefernwald. (Quelle: WIS)Größere Abbildung anzeigen

Das Wehrwissenschaftliche Institut für Schutztechnologien – ABC-Schutz, kurz WIS, liegt in Munster und trägt wesentlich dazu bei, die Sicherheit der Soldaten zu verbessern. In den Fokus der Öffentlichkeit gerät das Institut jedoch zeitweise auch aus anderen Gründen.

Für die Legitimation des Instituts sorgt unter anderem die weltweite Sicherheitslage. Zerfallende Staaten, Terrorismus, kriminelle Netzwerke und Katastrophen gefährden Menschen und Umwelt weit über Landesgrenzen hinaus. Weitere Bedrohungen ergeben sich aus der potentiellen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Krankheiten, Seuchen und gefährlichen Stoffen.

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Grundlagen für den Schutz vor ABC-Kampfmitteln

Als Forschungseinrichtung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr erarbeitet das WIS technisch-wissenschaftliche Grundlagen für den Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen (ABC-) Kampfmitteln.

Die Mitarbeiter gewährleisten mit ihrer Arbeit die nationale Urteilsfähigkeit auf diesem Fachgebiet. Weitere Aufgabenschwerpunkte sind die Brandschutztechnik, die Wirkung elektromagnetischer Felder sowie die Wasseraufbereitung.

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Rund 200 Beamte und Arbeitnehmer entwickeln und erproben

Zu den rund 200 Beamten und Arbeitnehmern des Instituts gehören Wissenschaftler, Laboranten, Handwerker und Verwaltungspersonal.

Die Erkenntnisse der Forscher werden von Ingenieuren, Bachelors und Technikern teilweise vor Ort in die Praxis umgesetzt. Dabei gehen die Mitarbeiter ihrer Arbeit in modernen Laboratorien, Technikanlagen, Werkstätten und Hallen für Großversuche nach.

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Ermittlung des Bedarfs

Ob ABC-Schutzmaske, Spürgeräte, ABC-Schutz von Gefechtsfahrzeugen oder Feuerlöschmittel: Das WIS beteiligt sich maßgeblich an der Ermittlung des Bedarfes und der notwendigen Fähigkeiten.

Dabei begleitet das Institut die Entwicklung und Erprobung der persönlichen Ausrüstung sowie der Schutzausstattung von Waffensystemen – und das in Zusammenarbeit mit der Truppe, anderen Dienststellen und der Industrie.

Detektionsgerät in einer Hand

Forschungsergebnisse aus Munster fließen auch in die Entwicklung portabler Detektionsgeräte ein. (Quelle: WIS)Größere Abbildung anzeigen

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Schnell und eindeutig

Im Hinblick auf die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten spielt die Detektion eine besondere Rolle: Strahlung, Kampfstoffe und Explosivmittel gefährden die Truppe und müssen deshalb ebenso schnell wie eindeutig erkannt werden.

Die Wissenschaftler und Techniker des WIS entwickeln deshalb Verfahren und Geräte, um entsprechende Bedrohungen festzustellen.

Dabei werden die Detektoren der Industrie auf ihre Eignung getestet. Die Fachausbildung der Bediener ist im Institut unter realitätsnahen Bedingungen möglich.

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Prüfen und experimentieren

Ein weiterer Aspekt wird zudem auch immer wichtiger: Die Folgen des nuklearen elektromagnetischen Impulses. Das Kraftfeld stört oder zerstört in einem großen Radius die elektronischen Bauteile von Geräten, Waffen und Maschinen sowie von Schiffen, Fahr- und Flugzeugen, Infrastruktur und Kommunikationseinrichtungen.

Im Munster werden in messtechnischen Verfahren auf diesem Gebiet Vorschläge erarbeitet, die in die Produktentwicklung und -verbesserung einfließen. Ziel ist, dass Geräte auch der Wirkung von Kernwaffen widerstehen und einsatzbereit bleiben.

Letzteres steht auch bei der Schutzausrüstung der Soldaten im Mittelpunkt, denn anders als früher beteiligt sich die Bundeswehr mittlerweile auch an Missionen in klimatisch extremen Regionen mit hoher Gefährdung.

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Untersuchungen an neuen Materialien

Die persönliche Schutzbekleidung muss dort ebenso ihren Zweck erfüllen wie die geschützten Räume in Gefechtsfahrzeugen. Das WIS führt deshalb Untersuchungen an neuen Materialien und Verfahren durch.

Darüber hinaus arbeitet das Institut an verbesserten Luftreinigungssystemen für den Einsatz. Güteprüfungen sorgen dafür, dass die Qualität der bereits in die Truppe eingeführten Ausstattung auf dem geforderten Niveau bleibt.

Im Geschäftsbereich Brandschutztechnik dreht sich alles um Branderkennung und Brandunterdrückung. Zur Bekämpfung von Feuer stehen in einer ganzen Reihe von Waffensystemen automatische Löschanlagen zur Verfügung, aber nicht nur da sollen Löschmittel umweltfreundlich sein.

Durch technische Prüfungen und praktische Versuche tragen die Mitarbeiter dieses Bereiches zur Entwicklung entsprechender Mittel bei.

Beflammung eines EOD-Schutzanzugs

Im Institut werden auch Schutzanzüge für Kampfmittelbeseitiger auf ihre Brandbeständigkeit und thermische Isolationswirkung geprüft. (Quelle: WIS)Größere Abbildung anzeigen

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Hervorragender Ruf

Das WIS hat über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus einen hervorragenden Ruf: Es ist eines von zwanzig weltweit designierten Laboratorien der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen, kurz OVCW, die in engen Beziehungen zu den Vereinten Nationen stehen.

So untersuchten die Munsteraner im Herbst 2013 Umweltproben aus Syrien, darunter Bodenbestandteile, Munitionsreste, Stoffe und Haare, auf Kampfstoffe.

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Nachweis chemischer Kampfstoffe in Syrien

Innerhalb von zwei Wochen wurden mehrere hundert Untersuchungen und rund 1.000 Messungen durchgeführt – dann war der Nachweis für den Kampstoff Sarin oder dessen Abbauprodukte in mehr als 20 Proben erbracht. Der Name des Instituts ging über Nacht durch alle Medien.

Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in den Bericht der Organisation an den Generalsekretär der Vereinten Nationen ein. Die Welt bekam damit ein klareres Bild über den Einsatz von Chemiewaffen im August 2013 in Damaskus.

Ein großer Erfolg für die OVCW, die im selben Jahr mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde. Dazu haben die Mitarbeiter des WIS mit ihrer akribischen Arbeit einen Beitrag geleistet.

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Stand vom: 15.03.17 | Autor: Johann Fritsch


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