KFOR: Die Bundeswehr als Garant für Sicherheit und Stabilität in Kosovo
Die Bundeswehr hat den Auftrag, in Kosovo ein sicheres Umfeld für den Aufbau einer zivilen Friedensordnung zu schaffen und zu erhalten.
Die Bundeswehr hat den Auftrag, in Kosovo ein sicheres Umfeld für den Aufbau einer zivilen Friedensordnung zu schaffen und zu erhalten.
Die Bundeswehr hat als Teil der Kosovo Force (KFOR) den Auftrag, in Kosovo ein sicheres Umfeld für den Aufbau einer zivilen Friedensordnung zu schaffen und zu erhalten. Dadurch trägt sie zur Sicherheit, Stabilität und Ordnung des Landes bei. Ziel ist es, bei Spannungen zu deeskalieren und die örtlichen Sicherheitsinstitutionen zu unterstützen.
Anfang der 1990er-Jahre zerfiel der Vielvölkerstaat Jugoslawien infolge eines komplexen Zusammenspiels aus politischen, wirtschaftlichen und ethischen Faktoren, das sich über Jahre hinweg aufgebaut hatte. Zu seinen Lebzeiten hatte es der langjährige Staatschef Josip Broz Tito durch seine autoritäre, aber ausgleichende Politik geschafft, die verschiedenen Nationalitäten der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien zusammenzuhalten.
Nach seinem Tod im Jahr 1980 riefen Unabhängigkeitsbestrebungen blutige Konflikte zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen hervor, die zu Bürgerkriegen, ethnischen Säuberungen und Massakern führten. Schließlich lösten sich die Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Nordmazedonien sowie Bosnien und Herzegowina vom Vielvölkerstaat Jugoslawien ab und erklärten ihre Unabhängigkeit. Serbien, Montenegro und Kosovo schlossen sich zusammen und gründeten 1992 die Bundesrepublik Jugoslawien.
Der Kosovokrieg war die Folge eines jahrzehntelangen Streits über den Status Kosovos innerhalb Jugoslawiens. 1989 eskalierte der Konflikt, als Slobodan Milošević, der serbische Präsident, alle Autonomierechte annullierte. Die Regierung in Belgrad übernahm erneut die Kontrolle über Kosovo, was zur Auflösung aller dortigen politischen Institutionen führte. In den 1990er-Jahren wurden Kosovo-Albaner aus ihrer Beschäftigung in der Verwaltung und in öffentlichen Unternehmen entfernt und vom politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben ausgeschlossen.
Angesichts einer wirtschaftlichen Krise, die Kosovo seit den 1980er-Jahren Jugoslawiens besonders hart traf, verschärften sich die Konflikte weiter. Schließlich eskalierte im Jahr 1999 der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen der jugoslawischen Regierung in Belgrad und der kosovo-albanischen Befreiungsarme (UCK) endgültig. Es kam zu einem Bürgerkrieg, in dem die jugoslawischen Streitkräfte sowie serbische paramilitärische Gruppen eine groß angelegte Offensive gegen die UCK durchführten. Während dieses Krieges wurde die kosovarische, insbesondere die kosovo-albanische Zivilbevölkerung Ziel systematischer Überfälle, Vertreibungen und Massenmorde. Auch die UCK verschuldete gravierende Menschenrechtsverstöße. Im Kontext des Krieges kamen zwischen 1998 und 2000 über 13.000 Personen ums Leben oder wurden vermisst.
Als Reaktion darauf begann ein Bündnis aus NATO-Staaten am 24. März 1999 eine Luftoffensive ohne UN-Mandat – die Operation Allied Force – mit dem Ziel, die Gewalt zu beenden und eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Nach 78 Tagen Luftangriffen stimmte die serbische Regierung einem Rückzug ihrer Truppen aus Kosovo zu. Mit der Entsendung der Kosovo Force (KFOR) im Umfang von rund 50.000 Soldatinnen und Soldaten begann eine Phase der internationalen Friedenssicherung und des Wiederaufbaus in Kosovo.
Am 9. Juni 1999 wurde das Militärisch-Technische Übereinkommen (Military Technical Agreement, MTA) zwischen KFOR, der Sicherheitspräsenz in Kosovo, und den Regierungen der Bundesrepublik Jugoslawien unterzeichnet. Es regelte den Rückzug der jugoslawischen Streitkräfte aus Kosovo und schuf die Voraussetzungen für den Einmarsch der KFOR-Truppen.
Das Einsatzgebiet der Bundeswehr in Kosovo (Infografik)
Bundeswehr | Stand: Mai 2026 | Kartenbasis: © Mapcreator/OpenStreetMapNur einen Tag später, am 10. Juni 1999, verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 1244. Sie bildet die völkerrechtliche Grundlage für das Mandat der KFOR und legitimiert deren Einsatz unter Kapitel VII der UN-Charta. Am 14. Juni 2021 auf dem NATO-Gipfel in Brüssel wurde der Einsatzbeschluss des Nordatlantikrats vom 30. Januar 1999 erneut bestätigt und spiegelt die anhaltende internationale Verantwortung für Sicherheit und Stabilität in Kosovo wider.
Die nationale Grundlage ist ein Mandat des Deutschen Bundestags. Dabei handeln die deutschen Streitkräfte im Rahmen und nach den Regeln eines Systems gegenseitiger kollektiver Sicherheit im Sinne von Artikel 24 Absatz 2 des Grundgesetzes. Das Mandat zur Entsendung deutscher Truppen als Teil der KFOR ist grundsätzlich unbefristet. Dennoch legt die Bundesregierung dem Parlament jährlich das Mandat zur Beratung und Entscheidung vor. Das Kabinett hat beschlossen, das Mandat bis Mai 2027 fortzusetzen. Der Bundestag muss dem Beschluss noch zustimmen.
KFOR ist der längste laufende Einsatz der Bundeswehr. Seit 1999 unterstützen deutsche Soldatinnen und Soldaten innerhalb des NATO-Einsatzes kontinuierlich die Stabilisierung des Westbalkans. Der Aufbau eines sicheren und stabilen Umfelds ist ein Prozess, der Zeit benötigt. KFOR ist dabei eine wichtige Säule, die sowohl von Kosovo als auch von Serbien anerkannt und respektiert wird.
Seit dem Beginn der KFOR-Mission im Juni 1999 hat sich die Sicherheitslage in Kosovo schrittweise stabilisiert, auch wenn es immer wieder zu lokalen Spannungen kam – insbesondere in den serbisch dominierten Gebieten im Norden. Die Bundeswehr war von Anfang an einer der größten Truppensteller innerhalb von KFOR und leistete wesentliche Beiträge zur Friedenssicherung, zum Schutz ethnischer Minderheiten und zur Unterstützung des zivilen Wiederaufbaus. Deutschland beteiligt sich dabei nicht nur militärisch, sondern auch durch Ausbildung kosovarischer Sicherheitskräfte, durch humanitäre Hilfe und durch Unterstützung beim Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen.
Sicherheit und Stabilität auf dem Balkan sind wichtig für die Stabilität in Europa. Deshalb ist es notwendig, dort auch weiterhin engagiert zu bleiben.
KFOR Einsatz in Kosovo 1999: Zwei Fallschirmjäger auf Patrouille durch eine Fußgängerzone in einem Kettenfahrzeug vom Typ Wiesel
1999 Bundeswehr/BMVg
Soldaten des deutschen Heereskontingentes der Kosovo-Forces kontrollieren im Jahr 2000 Fahrzeuge und Personen nach Waffen. Der Checkpoint wird gesichert durch einen Schützenpanzer Marder.
2000 Bundeswehr/Modes
Das ORF-Bataillon (NATO Operatinal Reserve Forces) bei einer Kfz-Kontrolle vor der Ortschaft Prizren im Jahr 2004. Das ORF-Bataillon aus Hagenow sichert und beobachtet die Ortschaft Novake im Kosovo.
2004 Bundeswehr/Mandt
Soldaten führen 2016 eine Tierseuchenprophylaxe während der Bahnverladung im Rahmen des Einsatzes KFOR im Kosovo durch
2016 Bundeswehr/Ines Blandau
NATO-Mission KFOR 2024: Soldaten trainieren während einer CRC-Übung (Crowd and Riot Control) den Einsatz bei unfriedlichen Demonstrationen im Camp Bondsteel in Kosovo
Bundeswehr/Martin PätzoldWas macht die Bundeswehr bei KFOR, wie viele Soldatinnen und Soldaten sind dort stationiert und welche Nationen unterstützen die Mission? Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie hier:
Die Bundeswehr hat drei Aufgabenfelder. Dazu zählt die Gewährleistung einer sicheren Umgebung sowie der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie die Hilfe und Abstimmung bei der internationalen humanitären Hilfe sowie der internationalen zivilen Präsenz in der Republik Kosovo. Zudem hilft sie bei der Etablierung einer stabilen, demokratischen, multiethnischen und friedlichen Republik Kosovo. Das dritte Aufgabenfeld ist die Beratung beim Aufbau von demokratisch kontrollierten, multiethnisch geprägten Streitkräften, der Kosovo Security Force (KSF), sowie anderer Akteure des Sicherheitssektors, um deren weitere Integration in euro-atlantische Strukturen vorzubereiten.
Die Mandatsobergrenze, also die maximale Anzahl von deutschen Soldatinnen und Soldaten, die bei KFOR im Einsatz sein dürfen, liegt bei 400. Derzeit sind circa 320 Soldatinnen und Soldaten im Kosovo eingesetzt, darunter die verstärkte deutsche Einsatzkompanie, die neben einem litauischen Infanteriezug zusätzlich Pionier- und Sanitätskräfte umfasst. Zudem stellt die Bundeswehr ein nationales Unterstützungselement unter anderem aus Logistik, Sanität und Wehrverwaltung (mit Stabs- und Unterstützungspersonal), Personal im KFOR-Hauptquartier, einen Feldnachrichtenzug (Aufklärungskräfte) sowie den Direktor des NATO Advisory and Liaison Team (NALT) mit Stabs- und Unterstützungspersonal. Das NALT hat die Aufgabe, in der Entwicklung der Sicherheitsorganisationen in Kosovo, Schwerpunkt Kosovo Security Forces (KSF) zu beraten. Der Fokus liegt hier auf dem Fähigkeitsaufbau sowie der Ausbildungs- und Trainingskoordination.
Aktuell umfasst KFOR rund 4.800 Soldaten, die von 33 Bündnis- und Partnerländern gestellt werden. Jedes Land bringt unterschiedliche Fähigkeiten ein, die gemeinsam dazu beitragen, ein sicheres Umfeld und die Bewegungsfreiheit aller Menschen und Gemeinschaften in Kosovo aufrechtzuerhalten.
Das Einsatzgebiet umfasst das Staatsgebiet der Republik Kosovo und den darüber liegenden Luftraum. Angrenzende Räume können mit Zustimmung des jeweiligen Staates zu Zwecken des Zugangs und der Versorgung genutzt werden. Transit- und Überflugrechte richten sich nach den bestehenden internationalen Bestimmungen.
Ein KFOR-Kontingent ist in der Regel vier Monate im Einsatz. Unabhängig davon haben die Soldatinnen und Soldaten unterschiedlich lange Einsatzzeiten und sind nicht selten zwischen zwei bis sechs Monate vor Ort. Die genaue Einsatzdauer kann je nach Funktion, Dienstposten und militärischer Planung variieren.
Die deutschen Kräfte sind auf drei Standorte in Kosovo verteilt. Dabei entfällt der Hauptteil auf das Camp Bondsteel mit der deutschen Einsatzkompanie. Im Camp Film City sind das National Support Element (NSE) sowie die deutschen Anteile am KFOR-Hauptquartier stationiert. Im Camp Novo Selo leisten deutsche Soldatinnen und Soldaten ihren Beitrag beim Regionalkommando West als Teil des Stabs.
Camp Bondsteel liegt nahe Ferizaj im Südosten von Kosovo und ist der größte US-Stützpunkt im Land, Camp Film City befindet sich in der kosovarischen Hauptstadt Pristina und Camp Novo Selo im Norden Kosovos südlich von Mitrovica.
Für die deutsche Beteiligung an KFOR hält die Bundeswehr folgende militärische Fähigkeiten bereit: Kampf und Kampfunterstützung, Sicherung und Schutz, Militärisches Nachrichtenwesen, Aufklärung, Führungs- und Einsatzunterstützung. Auch die sanitätsdienstliche Versorgung und die zivil-militärische Zusammenarbeit gehören in den Aufgabenbereich der Bundeswehr.
Seit Beginn der KFOR-Mission im Juni 1999 sind mehr als 200 NATO-Soldatinnen und Soldaten bei der Erfüllung ihres Auftrags in Kosovo ums Leben gekommen. Darunter sind 29 deutsche Bundeswehrangehörige – zuletzt am 1. Juli 2019 im Camp Film City. Die häufigste Todesursache sind Verkehrsunfälle.
Je nach Camp können Sie etwas schicken und dafür die folgenden Adressen nutzen:
Camp Film City:
Dienstgrad, Vorname, Name
Einheit PRI KOS
über Feldpost
64298 Darmstadt
Camp Bondsteel:
Dienstgrad, Vorname, Name
Einheit FER KOS
über Feldpost
64298 Darmstadt
Camp Novo Selo:
Dienstgrad, Vorname, Nachname
Novo Selo
über Feldpost
64298 Darmstadt
Ansprechstelle für Vertreterinnen und Vertreter der Medien
Unter folgender Rufnummer erreichen Sie uns. Außerhalb der Dienstzeiten steht hier die Sprecherin bzw. der Sprecher vom Dienst bereit.