Zwei Spieße für eine Mission im Kosovo
Aktuelle Einsätze- Datum:
- Ort:
- Kosovo
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Der Einsatz der Bundeswehr im Kosovo erfordert neben Organisationstalent auch eine verlässliche menschliche Begleitung der Soldatinnen und Soldaten. Beides sichern die Spieße des deutschen Einsatzkontingents KFORKosovo Force: die Oberstabsfeldwebel Jens N. im Camp Bondsteel und Georg L. im Camp Film City in Pristina.
Oberstabsfeldwebel Jens N. gehört zur Gebirgsjägerbrigade 23 und betreut derzeit im Camp Bondsteel nahe Ferizaj im Süden des Kosovo rund 220 Soldatinnen und Soldaten, ist die „Mutter der Kompanie“
Bundeswehr/Marie HubensackEin Spieß – also der Kompanie- oder Kontingentfeldwebel – leitet den Innendienst, ist Führer des Unteroffizierkorps und enger Berater des Kompaniechefs. Kompaniefeldwebel Jens N. und Kontingentfeldwebel Georg L. haben eine gemeinsame Mission: das Wohl der Einheit sicherzustellen und die Truppe bestmöglich zu betreuen.
In Camp Bondsteel nahe Ferizaj im Süden des Kosovo betreut Oberstabsfeldwebel Jens N. rund 220 Soldatinnen und Soldaten der Einsatzkompanie und der ihr unterstellten Teile. Sein Arbeitsbereich deckt ein breites Spektrum ab: von der Begrüßung der Neuankömmlinge am Flughafen über die Organisation der Unterkünfte bis hin zur Planung von Veranstaltungen und der militärischen Erziehung der Einsatzsoldaten. Jens N. ist Ansprechpartner, Organisator und Ratgeber in einem sich ständig ändernden Einsatzalltag.
Aus Berchtesgaden stammend und mit einer Patchwork-Familie dort verwurzelt, verbindet Jens N. mehrere Lebenswelten: Berufserfahrung aus dem Gebirgsjägerbataillon, heimatliche Bindung an die Berge und eine Liebe für unterschiedliche Sportarten. Das Ringen ist seine große Leidenschaft, zusätzlich ist er als Ringtrainer aktiv. Seit 2003 ist er anerkannter Heeresbergführer und führt auch Touren für den zivilen Bergsport. All diese Erfahrungen fließen in seinen Dienstalltag ein. Jens N. sagt von sich selbst: „Ich kümmere mich um Menschen, da gibt es immer wieder was Neues zu erleben.“
Für Jens N. ist oft das Schwierigste an seinem Job, die Bedürfnisse einer sehr heterogenen Gruppe auszubalancieren: Soldatinnen und Soldaten gehen zu unterschiedlichen Zeiten in den Auftrag, nicht jeder ist ständig greifbar. Dennoch bleibt er optimistisch: „Das schönste Erlebnis war, wie sich die Soldaten gefreut haben, als ich mit meinem mobilen Grill in die Natur gefahren bin, wo viele Soldaten auftragsbezogen gerade einige Nächte geschlafen haben. Dort haben wir ihnen ein paar Würstchen gegrillt und für ein bisschen Weihnachtsstimmung gesorgt.“ Dies ist für ihn das Kernprinzip seines Dienstes: Kameradschaft und Menschlichkeit in einer Umgebung, die emotional fordernd ist.
„Das Beste an meinem aktuellen Dienstposten ist, dass man in der Früh aufwacht und nie weiß, was im Laufe des Tages passiert“, sagt Oberstabsfeldwebel Georg L. Er kümmert sich derzeit um das Wohl von rund 80 Soldatinnen und -soldaten in Pristina.
Bundeswehr/Marie HubensackAnders als Jens N., der viele seiner zu betreuenden Soldaten bereits aus der Heimat kennt, ist Georg L. der Kontingentfeldwebel für die deutschen Soldaten im Camp Film City mit Sitz in der Hauptstadt Pristina. Diese deutschen Teile bestehen aus dem National Support Element, den deutschen Anteilen des NATONorth Atlantic Treaty Organization-Hauptquartiers und den Soldaten des NATONorth Atlantic Treaty Organization Advisory and Liaison Team (NALTNATO Advisory and Liaison Team), einem Beraterteam, das den Fähigkeitsaufbau der Kosovo Security Force (KSFKosovo Security Force) begleitet. Georg L. betreut damit rund 80 Soldatinnen und Soldaten, von denen er die meisten hier vor Ort zum ersten Mal sieht.
Zusätzlich hält Georg. L. Verbindung innerhalb der deutschsprachigen DACH-Organisation, einer Gemeinschaft aus deutschen, österreichischen und schweizerischen Soldatinnen und Soldaten in dem multinationalen KFORKosovo Force-Einsatz mit einer Beteiligung von knapp 30 Nationen.
„Das Beste an meinem aktuellen Dienstposten ist, dass man in der Früh aufwacht und nie weiß, was im Laufe des Tages passiert“, erzählt er. Ob er Soldatinnen und Soldaten mit dem Nötigsten ausstattet, weil das Gepäck nicht rechtzeitig eingeflogen werden konnte oder mit Heimatbehörden kommuniziert, weil bei kurzfristiger Kommandierung in den Einsatz nicht mehr alles Wichtige abgeklärt werden konnte: Georg L. ist ein Allroundtalent. Er ist an der Planung von Besuchen von Politikerinnen und Politikern oder Militärs beteiligt, kümmert sich um die Vergabe von Containerunterkünften für ankommende Soldatinnen und Soldaten und schafft ihnen ein stabiles Umfeld, damit sie ihre zukünftigen Aufgaben erfüllen können. Unterstützt wird er dabei von einem Mannschaftssoldaten.
Georg L. will, dass sich seine Einsatzsoldatinnen und -soldaten wertgeschätzt fühlen. „Ich sehe meine Aufgabe darin, die Moral der Truppe hochzuhalten. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen“, resümiert er. Der gelernte Pionier und Kampfmittelabwehrfeldwebel arbeitet im bayerischen Bad Reichenhall in der Gebirgsjägerbrigade 23. Im Jahr 1999 trat er in die Bundeswehr ein und wurde zum Hochgebirgsspezialisten ausgebildet.
Beide Spieße wollen den Soldatinnen und Soldaten im Einsatz bestmöglich zur Seite stehen. Das vollbringen sie, weshalb Spieße auch gerne als „Mütter der Kompanien“ bezeichnet werden.
von Marie Hubensack