Als IT-Operateur im Libanon
- Datum:
- Ort:
- Naqoura
Ich bin Kapitänleutnant Simon L., 27 Jahre alt und seit 2015 Soldat. Derzeit bin ich als IT-Offizier für den deutschen Anteil der United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) in Naqoura eingesetzt. Maritime Erfahrungen habe ich bereits einige machen können. Bei der landgebundenen Komponente dieses Einsatzes sammle ich nun wieder neue Eindrücke.
Kapitänleutnant Simon L. ist bei UNIFIL eingesetzt.
Bundeswehr/Angelo SiefertMeine Hauptaufgabe ist es, sowohl die Kommunikation innerhalb des Einsatzkontingents als auch die ins Inland sicherzustellen. Hierzu zählen auch die Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur und der IT-Konzepte. Außerdem bin ich für die Administration, Pflege und Wartung der Anlagen sowie die Planung und Durchführung von Notfallszenarien der Client-, Server- und Netzwerkkomponenten sowie der IT-Infrastruktur verantwortlich.
Für meine Aufgaben stehen mir zwei Feldwebeldienstgrade als IT-Experten beziehungsweise IT-Admins zur Verfügung. Neben der Sicherstellung dienstlicher Kommunikation und Services fällt auch das Betreuungsnetz in meinen Aufgabenbereich. Dieses steht den Einsatzsoldaten und -soldatinnen zur Verfügung, um zum Beispiel Streamingdienste zu verwenden, mit der Familie oder Freunden zu telefonieren oder einfach, um das nächste Fußballspiel schauen zu können.
Einen typischen Tagesablauf gibt es im IT-Bereich nicht, da sich die anstehende Auftragslage stetig ändert. Ein Fehlverhalten oder gar der Ausfall von Services sind nun mal nicht planbar. Der IT-Bereich wird oft nur bei Problemen durch die Kameradinnen und Kameraden aufgesucht. Hierbei kristallisiert sich immer wieder das Motto „Es hat einen Stromanschluss, darum kümmert sich der IT-Bereich!“ heraus. Ohne den IT-Bereich ist in einer sich immer stärker digitalisierenden Welt die Führungs-, Kommunikations- und Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt.
Der deutsche Anteil UNIFIL ist davon nicht ausgenommen. Von taktischer bis zur strategischen Kommunikation werden unterschiedliche Informationssysteme verwendet, mit welchen der IT-Bereich vertraut sein muss. Das gemeinsame Ziel des IT-Bereichs ist es, den Kameradinnen und Kameraden durchgehend die Verfügbarkeit aller relevanten Informations- und Kommunikationssysteme zu ermöglichen. Besonders macht diese Tätigkeit die Fülle an den unterschiedlichen benötigten Fähigkeiten. Neben informationstechnischem Verständnis und handwerklichem Geschick ist auch interkulturelle Kompetenz ein wichtiges Thema, da wir auf eine gute Zusammenarbeit mit lokalen Kontakten angewiesen sind, beispielsweise den lokalen Internet-Service-Providern. Auch sind wir auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Logistikbereich angewiesen.
Kapitänleutnant Simon L. (rechts) dient als IT-Operateur im Libanon. Hier baut er mit einem Kameraden eine SatCom-Antenne ab.
Bundeswehr/Angelo SiefertDie Verwendung in einem Einsatz reißt einen zwangsläufig aus dem eigenen Alltagstrott. Das hat seine Vor- und Nachteile. Schlechte Angewohnheiten werden möglicherweise abgelegt, neue Erfahrungen sorgen für ständige Persönlichkeitsentwicklung und neue Kontakte erweitern das eigene Netzwerk. Auf der anderen Seite fehlt mir natürlich bei einer so langen Abwesenheit die Nähe zu meiner Familie und zu meinen Freunden. Auch meinen Hobbys wie Klettern, Bouldern und Mountainbiking kann ich hier nicht nachkommen und muss auf andere Möglichkeiten zurückgreifen.
Ich wünsche mir von Herzen Frieden zwischen den Konfliktparteien und eine gesunde Heimkehr aller eingesetzten Kameradinnen und Kameraden. Außerdem freue ich mich auf einen entspannten und ausgiebigen Urlaub nach dem Einsatz und auf neue Verantwortungen in Deutschland.
von Simon L. E-Mail schreiben