Allied Reaction Force: Die Speerspitze der NATO
Russland ist die größte Bedrohung für den Frieden in Europa. Die ARF steht in ständiger Bereitschaft, um das NATO-Bündnis zu verteidigen.
Mit der Gefechtsübung Grand Quadriga 2026 soll die Einsatzbereitschaft der Allied Reaction Force (ARF), des schnell verlegbaren Eingreifverbandes der NATO, im Zusammenwirken mit dem Deutschen Heer getestet werden. Die Besonderheit: Bei der Übung in Bergen wird die Truppe mit einer enormen Drohnengefahr konfrontiert. Das gab es so noch nie.
Die ARF-Brigade umfasst auf dem Truppenübungsplatz rund 2.000 Soldatinnen und Soldaten aus vier Ländern. Hinzu kommen die rund 1.800 Soldaten des Deutschen Heeres, im Schwerpunkt der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ und des Fallschirmjägerregiments 31. Die Übung wird durch die Division Schnelle Kräfte als Leitverband ausgerichtet.
Im Nebel der Nacht haben die Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeuge (GTK) Boxer ihren Bereitstellungsraum, eine Art Sammelpunkt hinter der Front, erreicht. Im Schutz des Waldes stehen die zahlreichen Radpanzer in weiten Abständen verteilt. Im Morgenlicht sollen sie angreifen. Sie gehören zu den Mittleren Kräften, genauer gesagt der Panzerbrigade 21 „Lipperland“. Diese sind hoch beweglich, zugleich aber auch kampfstark. Das ist wichtig, denn überall könnten feindliche Drohnen und Spähtrupps lauern. An der Frontlinie weiter vorn sind die multinationalen Soldatinnen und Soldaten der ARF der NATO eingesetzt. Türkische, spanische, tschechische und italienische Einheiten haben erfolgreich ihre Angriffsziele genommen und dort Stellung bezogen. Wie lange müssen sie durchhalten? So lang, bis die Mittleren Kräfte über die eigenen Linien vorstoßen werden.
Bei der Gefechtsübung von Grand Quadriga 2026 soll genau dieses taktische Manöver, der Vorstoß durch die eigenen Linien, unter kriegsnahen Bedingungen wie Drohnengefahr und Steilfeuerbeschuss geübt werden. Militärs sprechen von der Forward Passage of Lines, kurz FPOL. Es ist eine taktische Operation, bei der eine stationäre Einheit für kurze Zeit einen Korridor bildet, um die eigene neu angreifende Einheit passieren zu lassen, damit diese aus der Tiefe heraus das Gefecht aufnehmen oder fortführen kann.
Es geht darum, den Angriffsschwung aufrechtzuerhalten und gebundene, erschöpfte oder weniger geeignete Kräfte zu ersetzen. Solche Manöver sind in einem Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung wichtig. So kann beispielsweise vom Feind okkupiertes Territorium zurückgewonnen werden.
Die Waffen sind klar zum Gefecht. Das Gelände und die nutzbaren Wege sind erkundet. Auf der Angriffsachse ist der Untergrund matschig und komplett durchnässt. Wege sind teilweise schmal und schwer befahrbar. Durch dichte Wälder müssen sich die schweren Radpanzer nun ihren Weg bahnen. Wie riskant das in Realität ist, wird sich gleich zeigen. An einem Linkup-Point, dem Übergabepunkt zur Front, treffen die Deutschen ihre Counterparts aus der Türkei, Italien und Spanien. Wie gelingt die synchronisierte Feuerunterstützung? Welche Signale werden benutzt? Die komplexe und risikoreiche Operation erfordert detaillierte Koordination und festgelegte Durchgangswege. Die Risiken: versehentlicher Beschuss durch eigene Kräfte sowie die Schwächung der eigenen Linien durch deren kurzzeitige Öffnung. Kurze Zeit später rollen die Infanteristen zu einem festgelegten Zeitpunkt am Bereitstellungsraum los.
Die durchstoßende Einheit bewegt sich aufgelockert mit hoher Geschwindigkeit auf einem verdeckten Weg. Nach Minuten überquert sie die Gefechtsübergabelinie. Mit zwei Zügen nebeneinander, „Delta“ und „Alpha“, gewinnen erste Kräfte den Raum, ein weiterer Zug stellt die Fliegerabwehr sicher. Jederzeit könnte der Feind mit Drohnen angreifen.
Die Gasse ist durchquert. Jetzt sind die Deutschen auf sich gestellt. Nur Sekunden vergehen, bis die Schützen erste Drohnen sichten. Alles feuert. Treffer! Wenig später surrt die nächste Drohne durch die Luft. Doch dann: Ausfall eines Boxers. Absitzen! Die folgenden Fahrzeuge müssen rasch ausweichen und einen anderen Weg nehmen. Unter massivem Feuer rutscht ein tonnenschwerer Boxer mit dem Heck den matschigen Hang runter. Das ist Realität. Schonungslos. So muss geübt werden, wenn man auf den Ernstfall vorbereitet sein will. Die Infanteristen feuern aus allen Rohren, um die Drohne zu bekämpfen. Aus der Entfernung gibt der Bravo-Zug Feuerunterstützung. Unterdessen läuft die Bergung des Radpanzers. Es gelingt, das Fahrzeug mit massiven Bergeseilen zurück in die Spur zu ziehen. Alle acht Räder ziehen sich wieder in die tiefen, schlammigen Furchen.
Verwundetenversorgung, dann Aufsitzen! Der Angriff wird fortgesetzt. Feindliche Kräfte werden bekämpft. Nicht jede feindliche Drohne ist mit Sprengstoff bestückt. Sie sammeln auch Aufklärungsergebnisse, beispielsweise für den Einsatz von Artillerie. Diese unterschiedlichen Funktionen von Drohnen werden bei Grand Quadriga äußerst realitätsnah abgebildet. Die Drohnentrupps des Fallschirmjägerregiments 31 aus Seedorf stellen die Feindkräfte. Sie haben sich in den letzten Monaten auf dem Gebiet des Drohnenkampfes Expertise angeeignet und bauen sie weiter aus. Trotz der Ausfälle geht der Angriff weiter. Es muss es den Mittleren Kräften gelingen, ihren Angriffsschwung aufrechtzuerhalten. Sie müssen den Einbruch in feindliche Linien schaffen.