Chirurgie an der Front – das Forward Surgical Element
Landes- und Bündnisverteidigung- Datum:
- Ort:
- Litauen
- Lesedauer:
- 4 MIN
Bei Medic Quadriga 2026 in Litauen trainiert der Sanitätsdienst der Bundeswehr die chirurgische Erstversorgung im Gefecht. Das Forward Surgical Element sichert dabei die schnelle, lebensrettende Behandlung Schwerverwundeter und schließt damit eine Lücke zwischen erster Versorgung und weiterführender Behandlung in Deutschland.
Das Forward Surgical Element ist eine hochmobile, schnell verlegbare und modular aufgebaute chirurgische Behandlungseinrichtung nahe der Frontlinie. Sie schließt die entscheidende Lücke zwischen erster Versorgung und weiterführender Behandlung.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Mit Medic Quadriga 2026 trainiert der Sanitätsdienst der Bundeswehr in Litauen an der Ostflanke der NATONorth Atlantic Treaty Organization die durchgängige Rettungskette – von der Verwundung und ersten Versorgung im Einsatz bis zur Weiterbehandlung in Deutschland. Es handelt sich um die komplexeste und größte Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine. Als Highlight wird hier unter anderem auch das Forward Surgical Element (FSEForward Surgical Element) eingesetzt und die mobile Chirurgie an der Front unter Einsatzbedingungen getestet.
Die sanitätsdienstliche Unterstützung ist ein entscheidender Faktor für die Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte. Sie gewährleistet nicht nur die medizinische Versorgung, sondern beeinflusst unmittelbar Moral, Einsatzbereitschaft und Durchhaltevermögen der Soldatinnen und Soldaten.
Im Bündnisfall ist insbesondere die hohe Zahl Verwundeter eine reale Herausforderung. Bis zu 1.000 Verwundete pro Tag, davon etwa ein Drittel intensivpflichtig, gelten als möglich. Realitätsnahe Übungen wie Medic Quadriga 2026, welche die Abläufe und die Rettungskette vom Gefecht bis zur Verteilung in Deutschland testen, sind dementsprechend für den Sanitätsdienst wichtig.
Das Forward Surgical Element (FSEForward Surgical Element) hat in der Übung eine besondere Bedeutung. Es ist eine hochmobile, modular aufgebaute, chirurgische Behandlungseinrichtung, die eine lebensrettende Erstversorgung Verwundeter unmittelbar in der Nähe der Frontlinie ermöglicht. Sie schließt damit eine entscheidende Lücke zwischen erster Versorgung nach einer Verwundung und weiterführender Behandlung und zwischen klassischer Behandlungsebene 1 und Behandlungsebene 2.
Innerhalb kürzester Zeit können Verwundete registriert, notfallmedizinisch stabilisiert und operativ versorgt werden. Das FSEForward Surgical Element ist deshalb ein zentraler Bestandteil der Rettungskette im Einsatz und trägt maßgeblich dazu bei, die Überlebenswahrscheinlichkeit Schwerverwundeter signifikant zu erhöhen. Bei der Übung wird es zum ersten Mal in einer Rettungskette aus dem Einsatz nach Deutschland getestet.
„Das Forward Surgical Element ist unsere erste und wichtigste Anlaufstelle für Schwerstverwundete an vorderster Front. Jede Minute zählt – genau hier retten wir Leben und sichern gleichzeitig die Einsatzbereitschaft der von uns unterstützten Kräfte“, betont Oberfeldarzt Lars Pestner, Kommandeur des Sanitätsregiments 2 Führungsbereich Koblenz.
Schematische Darstellung der Rettungskette von der Verwundung bis zur Rehabilitation
BundeswehrEin weiterer wesentlicher Teil der Übung ist die realitätsnahe Verwundetensimulation. Bei Medic Quadriga werden hochmoderne Simulatoren eingesetzt, die speziell für die Übung präpariert wurden und ein breites Spektrum lebensbedrohlicher Verletzungen darstellen können.
Ergänzt wird dieses Szenario durch sogenannte SIDAF-KräfteSimulations-, Informations-, Darstellungs- und Ausbildungsfähigkeiten (Simulations-, Informations-, Darstellungs- und Ausbildungsfähigkeiten), die mit professionell geschminkten „Verletzungen“ in die Übung eingebunden sind. Dadurch entsteht ein dynamisches und forderndes Umfeld, das die Teilnehmenden sowohl fachlich als auch mental fordert.
Die Soldatinnen und Soldaten trainieren unter anderem die Versorgung mehrerer Verwundeter gleichzeitig, die Priorisierung nach Dringlichkeit sowie das Handeln unter Zeitdruck und Bedrohung. Im Fokus stehen standardisierte Verfahren und sicheres Entscheiden unter einsatznahen Bedingungen.
„Die realitätsnahe Verwundetensimulation fordert unsere Kräfte nicht nur fachlich, sondern auch mental. Genau diese Kombination ist entscheidend, um im Einsatz richtige Entscheidungen zu treffen“, betont Oberstabsarzt Philipp, Chirurg in der FSEForward Surgical Element bei Medic Quadriga.
Ein zentraler Ausbildungsschwerpunkt in Litauen ist der sogenannte „Sprung“ des FSEForward Surgical Element. Dabei verlegen die Kräfte ihre chirurgische Versorgungseinrichtung von einer unbefestigten, provisorischen Umgebung in eine feste Infrastruktur.
Die Erfahrungen aus dem Ukrainekrieg zeigen deutlich die wachsende Bedeutung geschützter Einrichtungen wie Keller oder Lagerhallen für die medizinische Versorgung im Einsatz. Neben der schnellen Erstversorgung unter feldmäßigen Bedingungen gewinnt die Nutzung solcher Infrastrukturen zunehmend an Bedeutung, um Schutz, Durchhaltefähigkeit und Behandlungsqualität zu erhöhen.
„Der Wechsel in feste Infrastruktur ist kein Komfortgewinn, sondern eine operative Notwendigkeit. Wir erhöhen damit den Schutz unserer Kräfte und schaffen gleichzeitig bessere Bedingungen für eine stabile chirurgische Versorgung“, so Kommandeur Oberfeldarzt Pestner.
Der Aufbau des Forward Surgical Element (FSEForward Surgical Element) kann nur im Team erfolgen. Durch seine modularen Elemente ist es schnell aufgebaut, rasch einsatzbereit und schnell verlegbar.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Das FSEForward Surgical Element ist ein zentraler Bestandteil der Rettungskette und steigert die Überlebenswahrscheinlichkeit Schwerverwundeter.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Beim „Sprung“ verlegt das hochmobile Forward Surgical Element seine chirurgische Versorgung von einer provisorischen Umgebung in feste Infrastruktur. Bei Medic Quadriga 2026 wird dieser Wechsel geübt – eine Notwendigkeit für lebensrettende Eingriffe.
Bundeswehr/Frederick RauenbuschDie Verlegefähigkeit des FSEForward Surgical Element ist ein entscheidender Faktor für die Einsatzbereitschaft im Gefecht. Sie ermöglicht es, die medizinische Versorgung flexibel an die Lage anzupassen und Verwundete auch unter sich verändernden Bedingungen schnell zu versorgen.
Dabei umfasst die Verlegung nicht nur den Ortswechsel, sondern vor allem die schnelle Wiederherstellung der vollständigen chirurgischen Einsatzbereitschaft. Eingespielte Teams, klare Führungsstrukturen und standardisierte Abläufe stellen sicher, dass das FSEForward Surgical Element jederzeit wirksam eingesetzt werden kann.
„Verlegefähigkeit bedeutet für uns, innerhalb kürzester Zeit wieder voll einsatzbereit zu sein – unabhängig von Ort und Lage. Genau das trainieren wir hier unter Gefechtsbedingungen, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt“, betont Pestner.
von Angelo Siefert E-Mail schreiben