Medic Quadriga 2026: Stresstest für die Rettungskette nach Deutschland
Sanitätsdienst und zivile Stellen üben das Zusammenspiel bei der nahtlosen medizinischen Versorgung vom Gefecht bis in die heimatnahe Klinik.
Sanitätsdienst und zivile Stellen üben das Zusammenspiel bei der nahtlosen medizinischen Versorgung vom Gefecht bis in die heimatnahe Klinik.
Mit Medic Quadriga 2026 testet der Sanitätsdienst der Bundeswehr die Rettungskette und die Versorgung Verwundeter bis nach Deutschland in einem
Mit über 1.000 beteiligten Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 250 zivilen Übungsteilnehmenden von Bund, Ländern und nicht-staatlichen Organisationen ist Medic Quadriga 2026 die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Erstmals werden im großen Stil der Patiententransport nach Deutschland und die dortige weitere Patientenversorgung trainiert – und damit auch die letzten Glieder der Rettungskette.
Damit reagiert die Bundeswehr auf die veränderte Sicherheitslage und die konkrete Bedrohung durch Russland. Medic Quadriga 2026 soll wichtige Erkenntnisse liefern, um die Schnittstellen der Rettungskette der Bundeswehr zur zivilen Seite für die Landes- und Bündnisverteidigung weiter zu optimieren.
Die Übung findet im Februar und März 2026 statt und besteht aus drei dimensionsübergreifenden Übungsanteilen:
Mit der schnellen Verlegung nach Litauen demonstriert der Sanitätsdienst seine Einsatzfähigkeit. Vor Ort in Litauen trainieren die Kräfte die Versorgung von Verwundeten inklusive erster lebensrettender operativer Eingriffe. Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten zu stabilisieren und transportfähig zu machen. Diese Aufgabe käme auch in einem Bündnisfall auf die Medizinprofis des Unterstützungsbereichs zu. Zur Übung gehört auch der simulierte Rücktransport Verwundeter aus Litauen nach Deutschland. Hierzu war der Einsatz eines Transportflugzeug des Typs A330 MRTTMulti Role Tanker Transport vorgesehen, das speziell für die StratMedEvac ausgerüstet ist. Aufgrund der aktuellen sicherheitspolitischen Lage im Nahen und Mittleren Osten wurde entschieden, dass das für die Übung eingeplante Mehrrollen-Luftfahrzeug (medizinischer Transport, logistischer Transport, Luftbetankung) in einer grundsätzlichen Bereitschaft gehalten wird und nicht bei der Übung zur Darstellung einer strategischen Verlegung eingesetzt wird (Anm. d. Red.: Diese Information wurde am 4. März 2026 ergänzt).
Im Hub in Berlin, dem zentralen sanitätsdienstlichen Knotenpunkt, kommen die Verwundeten an und werden an Krankenhäuser mit freien Betten verteilt
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Im nächsten Schritt werden sie an zivile Rettungskräfte übergeben
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Im Kriegsfall geht der Sanitätsdienst von einer hohen Anzahl an Verwundeten aus. Die Zusammenarbeit mit den zivilen Stellen muss deshalb gut eingeübt werden, damit im Notfall die Patientinnen und Patienten schnell versorgt werden können.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Im ersten Schritt müssen die Patientinnen und Patienten jedoch registriert und die Dokumentation überprüft werden
Bundeswehr/Christopher Preloznik
In der hochmobilen, modular aufgebauten chirurgischen Behandlungseinrichtung der FSEForward Surgical Element findet eine lebensrettende Erstversorgung Verwundeter unmittelbar in der Nähe der Frontlinie statt
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Das OP-Team führt die Vorbereitungen für eine Operation an einem hochentwickelten kabellosen Simulator durch. Ziel ist es, medizinisches Personal unter realistischen Notfallbedingungen zu trainieren.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Bevor die operative Versorgung stattfinden kann, müssen die Verwundeten registriert und notfallmedizinisch stabilisiert werden
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Das eingesetzte Personal kann vieles – beispielsweise ein Labor betreiben oder Operationen durchführen
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Nachdem die Zeltstruktur des Luft-Lande-Rettungszentrum aufgebaut ist, werden die einzelnen Bereiche eingerichtet und ausgestattet
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Die Bodenverhältnisse sind herausfordernd. Die Soldaten und Soldatinnen passen sich daran an.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Zu Beginn der Field Exercise wurde eine Behandlungseinrichtung errichtet, darunter dieses Luft-Lande-Rettungszentrum (LLRZLuftlanderettungszentrum)
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Noch in der Nacht fährt die Kolonne weiter über Land
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Bei winterlichen Temperarturen läuft die Fähre im Hafen von Klaipeda in Litauen ein
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Die Fahrzeuge sind geparkt, die Besatzungen gehen in die Koje
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Nach der Ankunft in Kiel fahren die Fahrzeuge auf die Fähre. Dort verbringen die Soldaten die nächsten Stunden.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Vorsorge statt Ausfall: Bevor gegessen wird, hat eine technische Durchsicht an den Fahrzeugen Vorrang
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Nach einem langen Tag erreicht die Marschkolonne ihren ersten Zwischenstopp in Bad Fallingbostel
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Die Pausen dienen nicht nur einem schnellen Toilettengang, sondern auch der technischen Überprüfung der Fahrzeuge sowie die Kontrolle der Ladungssicherung
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Die Marschkolonne des Sanitätsbataillons 45 verlässt die Falckenstein-Kaserne in Koblenz
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Oberfeldarzt Lars Pestner, der Kommandeur des Übungsverbandes, bei der Befehlsausgabe zur Übung Medic Quadriga 2026
Bundeswehr/Susanne HähnelBei der Weiterverteilung verwundeter Soldatinnen und Soldaten in Deutschland steht im Fokus, dass sie so schnell wie möglich weiterbehandelt werden. Weil der Sanitätsdienst in einem
Dazu wird in der Nähe des Berliner Flughafens für die Übung ein medizinischer Hub eingerichtet. Dort sollen Patientinnen und Patienten ankommen, kurzfristig versorgt und weiterverteilt werden. Dies leistet eine Medical Task Force, die bei der Übung von der Bundeswehr und den Bundesländern Brandenburg und Berlin eingerichtet wird. Sie übernimmt in Abstimmung mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBKBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) auch die die regionale Steuerung eintreffender Patientinnen und Patienten.
In die Übung sind ein Bundeswehrkrankenhaus und zivile Kliniken eingebunden
Bundeswehr/Nathalie Poulheim/Kartenbasis: © www.geoportal-bw.de
Der Übungsraum reicht von Deutschland bis in Baltikum
Bundeswehr/Astrid Höffling | Kartenbasis: © MapCreator/OpenStreetMapDen Transport in zivile Krankenhäuser stemmen bei der Übung, wie auch in den Planungsszenarien, der zivile Rettungsdienst und Hilfsorganisationen. Mit dem Eintreffen von Verletztendarstellenden in der Notaufnahme teilnehmender Krankenhäuser endet das Übungsszenario.
Deutschland muss im Ernstfall verteidigungsfähig sein. Die Aufgabe des Sanitätsdienstes ist dabei, die Einsatzfähigkeit der Truppe sicherzustellen. Das reicht von der Erstversorgung an der Front bis zur Weiterbehandlung in deutschen Krankenhäusern.
Aufgrund seiner zentralen Lage wäre Deutschland in einem Kriegsfall nicht nur Drehscheibe für den Nachschub an Personal und Material an die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke, sondern auch für den Rücktransport Verwundeter. Nicht zuletzt die Erkenntnisse aus dem weiter anhaltenden Krieg in der Ukraine zeigen, dass die Durchhaltefähigkeit von Streitkräften maßgeblich auf der medizinischen Versorgung und Gesundung der im Verteidigungskampf eingesetzten Soldatinnen und Soldaten fußt – von der unmittelbaren Verwundetenversorgung im Kampfgebebiet über den Transport zur weiteren Behandlung im Heimatland bis zur Rehabilitation.
Die Verteidigung Deutschlands und des Bündnisgebiets kann nur gesamtstaatlich gelingen. Das gilt insbesondere für die notwendige Zusammenarbeit zwischen dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und dem zivilen Gesundheitssystem. Diese Kooperation ist entscheidend für die Resilienz der Rettungskette. Nur wenn zivile und militärische medizinische Fähigkeiten in Deutschland nahtlos ineinandergreifen, ist eine bestmögliche Behandlung gewährleistet. Entsprechend dient das Beüben bei Medic Quadriga 2026 auch der Abschreckung eines möglichen Aggressors.
Medic Quadriga 2026 ist die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des Krieges in der Ukraine. Als solche ist es die Schwerpunktübung des Unterstützungsbereichs und des Sanitätsdienstes der Bundeswehr im Jahr 2026. Ziel ist das dimensionsübergreifende Beüben der Rettungskette in einem Artikel-5-Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung vom Transport Verwundeter aus einem Einsatzraum bis hin zur weiteren Patientensteuerung in Deutschland.
Die Übung findet im Februar und März 2026 in Berlin und in Litauen statt.
An der Übung nehmen über 1.000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in Litauen und Deutschland teil. Der größte Anteil wird hierbei durch Kräfte des Sanitätsdienstes gestellt. Es wird jedoch auch Unterstützungsleistungen aus anderen Fähigkeitsbereichen der Bundeswehr geben, zum Beispiel von der Militärpolizei. Darüber hinaus sind NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner sowie zivile Akteure aus dem Gesundheits- und Rettungswesen Teil des Übungsgeschehens.
Die zivile Seite stellt über 250 Teilnehmende an der Übung. Sie kommen unter anderem von:
Ziel ist das Beüben und Sicherstellen einer resilienten Rettungskette im Verteidigungsfall. Dazu gehören der Transport, die Steuerung und die medizinische Versorgung Verwundeter vom Einsatzraum bis nach Deutschland sowie die Übergabe an den zivilen Rettungsdienst und Krankenhäuser in Deutschland. Der Sanitätsdienst nutzt dafür die „Patientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation“ (PaSTBOPatientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation), welche vor dem Hintergrund der Bedrohungslage in Europa entwickelt wurde.
Der Übungsort wurde aufgrund seiner verkehrstechnischen Anbindung, der örtlichen Gesundheitsinfrastruktur und der Infrastruktur auf dem Übungsgelände als Übungsort gewählt.
Seit dem Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat sich die sicherheitspolitische Lage in Europa grundlegend geändert. Die Notwendigkeit einer wirksamen Landes- und Bündnisverteidigung ist dadurch verstärkt in den Fokus gerückt. Medic Quadriga 2026 dient dazu, die Zusammenarbeit zwischen militärisch und zivil verantwortlichen Kräften im Zusammenhang mit der Rettungskette der Bundeswehr zu üben und zu verbessern. Das stärkt die Gesamtverteidigungsfähigkeit und Resilienz Deutschlands, zu der der Sanitätsdienst der Bundeswehr und dessen zivile Partner einen wichtigen Beitrag leisten.
Nein, die Übung ist so geplant, dass es nur geringe Einschränkungen für die Bevölkerung gibt. Das öffentliche Leben läuft regulär weiter. Die Übung findet größtenteils auf einem abgesperrten Gelände an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg statt.
Die Bundeswehr weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei Medic Quadriga um eine geplante Übung handelt. Alle dargestellten Verletzungen sind nur simuliert. Für die Bevölkerung besteht zu keiner Zeit eine Gefahr. Sichtbare militärische oder sanitätsdienstliche Aktivitäten, insbesondere im Umfeld des Flughafens BER, sind Teil des Übungsszenarios und kein Anlass zur Beunruhigung.
Nein. Im ExpoCenterAirport am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) wird für die Übung ein militärischer Sicherheitsbereich eingerichtet, der nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Dieser Bereich wird aus Sicherheitsgründen durchgehend von militärischem Personal bestreift.
Nein. Trotz des ursprünglich geplanten Einsatzes einzelner Luftfahrzeuge, darunter eines A330 MRTTMulti Role Tanker Transport für den Verwundetentransport, kommt es zu keinen Einschränkungen des zivilen Luftverkehrs durch das Übungsgeschehen.
Der Einsatz von Drohnen ist grundsätzlich auch im Kontext der sanitätsdienstlichen Unterstützung in realen Einsätzen vorgesehen. Im Rahmen der Übung Medic Quadriga 2026 gibt es hierzu eine Präsentation in einer begleitenden Ausstellung.
Die genaue Anzahl einzelner Verlegungen variiert je nach Übungsphase. Dabei werden Kräfte innerhalb Deutschlands zum Übungsort und nach Litauen auf einen Truppenübungsplatz verlegt. Nähere Angaben können aus Gründen der militärischen Sicherheit nicht gemacht werden.
Die Bundeswehr koordiniert die Verwundetenversorgung im engen Schulterschluss mit NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partnern. Daher wird die Übung multinational durchgeführt, unter anderem mit der litauischen und niederländischen Armee.
Die Dauer des Verwundetentransports hängt von der militärischen Lage und der Verfügbarkeit von Transportmitteln ab. Ziel ist immer eine schnelle medizinische Versorgung. Nach der Erstversorgung soll möglichst wenig Zeit bis zur weiteren Behandlung im rückwärtigen Raum – also in Deutschland – vergehen. Das hilft im Kriegsfall auch dabei, die Versorgungskapazitäten in Behandlungseinrichtung in Frontnähe (also solche der Rollen 1 bis 3) möglichst hoch zu halten.
Der rückwärtige Raum bezeichnet Gebiete hinter einer Frontlinie, in denen Truppenbewegungen, Nachschub, sanitätsdienstliche Versorgung und Kommunikation organisiert werden. Dort wird planerisch die weitere medizinische Versorgung angesiedelt. So sind die Patientinnen und Patienten Kampfhandlungen nicht unmittelbar ausgesetzt und im Kampfgebiet gibt es mehr sanitätsdienstliche Behandlungskapazitäten für die notfallmedizinische Versorgung frisch Verwundeter.
Über ein zentrales System zur Patientensteuerung werden Verwundete erfasst, priorisiert und gezielt geeigneten Behandlungseinrichtungen zugewiesen. Der Sanitätsdienst nutzt dafür die „Patientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation“ (PaSTBOPatientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation), welche vor dem Hintergrund der Bedrohungslage in Europa entwickelt wurde. Wesentlicher Auftrag der PaSTBOPatientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation ist die bruchfreie Übermittlung von Daten an den zivil-militärischen Schnittstellen. Damit in diesem System alle Rädchen ineinandergreifen, muss es beübt werden. Genau das macht Medic Quadriga 2026.