Medic Quadriga 2026: Stresstest für die Rettungskette nach Deutschland
Sanitätsdienst und zivile Stellen üben das Zusammenspiel bei der nahtlosen medizinischen Versorgung vom Gefecht bis in die heimatnahe Klinik.
Sanitätsdienst und zivile Stellen üben das Zusammenspiel bei der nahtlosen medizinischen Versorgung vom Gefecht bis in die heimatnahe Klinik.
Mit Medic Quadriga 2026 testet der Sanitätsdienst der Bundeswehr die Rettungskette und die Versorgung Verwundeter bis nach Deutschland in einem
Mit über 1.000 beteiligten Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 250 zivilen Übungsteilnehmenden von Bund, Ländern und nicht-staatlichen Organisationen ist Medic Quadriga 2026 die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Erstmals werden im großen Stil der Patiententransport nach Deutschland und die dortige weitere Patientenversorgung trainiert – und damit auch die letzten Glieder der Rettungskette.
Damit reagiert die Bundeswehr auf die veränderte Sicherheitslage und die konkrete Bedrohung durch Russland. Medic Quadriga 2026 soll wichtige Erkenntnisse liefern, um die Schnittstellen der Rettungskette der Bundeswehr zur zivilen Seite für die Landes- und Bündnisverteidigung weiter zu optimieren.
Die Übung findet im Februar und März 2026 statt und besteht aus drei dimensionsübergreifenden Übungsanteilen:
Mit der schnellen Verlegung nach Litauen demonstriert der Sanitätsdienst seine Einsatzfähigkeit. Vor Ort in Litauen trainieren die Kräfte die Versorgung von Verwundeten inklusive erster lebensrettender operativer Eingriffe. Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten zu stabilisieren und transportfähig zu machen. Diese Aufgabe käme auch in einem Bündnisfall auf die Medizinprofis des Unterstützungsbereichs zu. Zur Übung gehört auch der simulierte Rücktransport Verwundeter aus Litauen nach Deutschland. Hierzu war der Einsatz eines Transportflugzeug des Typs A330 MRTTMulti Role Tanker Transport vorgesehen, das speziell für die StratMedEvac ausgerüstet ist. Aufgrund der aktuellen sicherheitspolitischen Lage im Nahen und Mittleren Osten wurde entschieden, dass das für die Übung eingeplante Mehrrollen-Luftfahrzeug (medizinischer Transport, logistischer Transport, Luftbetankung) in einer grundsätzlichen Bereitschaft gehalten wird und nicht bei der Übung zur Darstellung einer strategischen Verlegung eingesetzt wird (Anm. d. Red.: Diese Information wurde am 4. März 2026 ergänzt).
Im Hub in Berlin, dem zentralen sanitätsdienstlichen Knotenpunkt, kommen die Verwundeten an und werden an Krankenhäuser mit freien Betten verteilt
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Im nächsten Schritt werden sie an zivile Rettungskräfte übergeben
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Im Kriegsfall geht der Sanitätsdienst von einer hohen Anzahl an Verwundeten aus. Die Zusammenarbeit mit den zivilen Stellen muss deshalb gut eingeübt werden, damit im Notfall die Patientinnen und Patienten schnell versorgt werden können.
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Im ersten Schritt müssen die Patientinnen und Patienten jedoch registriert und die Dokumentation überprüft werden
Bundeswehr/Christopher Preloznik
In der hochmobilen, modular aufgebauten chirurgischen Behandlungseinrichtung der FSEForward Surgical Element findet eine lebensrettende Erstversorgung Verwundeter unmittelbar in der Nähe der Frontlinie statt
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Das OP-Team führt die Vorbereitungen für eine Operation an einem hochentwickelten kabellosen Simulator durch. Ziel ist es, medizinisches Personal unter realistischen Notfallbedingungen zu trainieren.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Bevor die operative Versorgung stattfinden kann, müssen die Verwundeten registriert und notfallmedizinisch stabilisiert werden
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Das eingesetzte Personal kann vieles – beispielsweise ein Labor betreiben oder Operationen durchführen
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Nachdem die Zeltstruktur des Luft-Lande-Rettungszentrum aufgebaut ist, werden die einzelnen Bereiche eingerichtet und ausgestattet
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Die Bodenverhältnisse sind herausfordernd. Die Soldaten und Soldatinnen passen sich daran an.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Zu Beginn der Field Exercise wurde eine Behandlungseinrichtung errichtet, darunter dieses Luft-Lande-Rettungszentrum (LLRZLuftlanderettungszentrum)
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Noch in der Nacht fährt die Kolonne weiter über Land
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Bei winterlichen Temperarturen läuft die Fähre im Hafen von Klaipeda in Litauen ein
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Die Fahrzeuge sind geparkt, die Besatzungen gehen in die Koje
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Nach der Ankunft in Kiel fahren die Fahrzeuge auf die Fähre. Dort verbringen die Soldaten die nächsten Stunden.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Vorsorge statt Ausfall: Bevor gegessen wird, hat eine technische Durchsicht an den Fahrzeugen Vorrang
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Nach einem langen Tag erreicht die Marschkolonne ihren ersten Zwischenstopp in Bad Fallingbostel
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Die Pausen dienen nicht nur einem schnellen Toilettengang, sondern auch der technischen Überprüfung der Fahrzeuge sowie die Kontrolle der Ladungssicherung
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Die Marschkolonne des Sanitätsbataillons 45 verlässt die Falckenstein-Kaserne in Koblenz
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Oberfeldarzt Lars Pestner, der Kommandeur des Übungsverbandes, bei der Befehlsausgabe zur Übung Medic Quadriga 2026
Bundeswehr/Susanne HähnelBei der Weiterverteilung verwundeter Soldatinnen und Soldaten in Deutschland steht im Fokus, dass sie so schnell wie möglich weiterbehandelt werden. Weil der Sanitätsdienst in einem
Dazu wird in der Nähe des Berliner Flughafens für die Übung ein medizinischer Hub eingerichtet. Dort sollen Patientinnen und Patienten ankommen, kurzfristig versorgt und weiterverteilt werden. Dies leistet eine Medical Task Force, die bei der Übung von der Bundeswehr und den Bundesländern Brandenburg und Berlin eingerichtet wird. Sie übernimmt in Abstimmung mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBKBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) auch die die regionale Steuerung eintreffender Patientinnen und Patienten.
In die Übung sind ein Bundeswehrkrankenhaus und zivile Kliniken eingebunden
Bundeswehr/Nathalie Poulheim/Kartenbasis: © www.geoportal-bw.de
Der Übungsraum reicht von Deutschland bis in Baltikum
Bundeswehr/Astrid Höffling | Kartenbasis: © MapCreator/OpenStreetMapDen Transport in zivile Krankenhäuser stemmen bei der Übung, wie auch in den Planungsszenarien, der zivile Rettungsdienst und Hilfsorganisationen. Mit dem Eintreffen von Verletztendarstellenden in der Notaufnahme teilnehmender Krankenhäuser endet das Übungsszenario.
Aufgrund seiner zentralen Lage wäre Deutschland in einem Kriegsfall nicht nur Drehscheibe für den Nachschub an Personal und Material an die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke, sondern auch für den Rücktransport Verwundeter. Nicht zuletzt die Erkenntnisse aus dem weiter anhaltenden Krieg in der Ukraine zeigen, dass die Durchhaltefähigkeit von Streitkräften maßgeblich auf der medizinischen Versorgung und Gesundung der im Verteidigungskampf eingesetzten Soldatinnen und Soldaten fußt – von der unmittelbaren Verwundetenversorgung im Kampfgebebiet über den Transport zur weiteren Behandlung im Heimatland bis zur Rehabilitation.
Die Verteidigung Deutschlands und des Bündnisgebiets kann nur gesamtstaatlich gelingen. Das gilt insbesondere für die notwendige Zusammenarbeit zwischen dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und dem zivilen Gesundheitssystem. Diese Kooperation ist entscheidend für die Resilienz der Rettungskette. Nur wenn zivile und militärische medizinische Fähigkeiten in Deutschland nahtlos ineinandergreifen, ist eine bestmögliche Behandlung gewährleistet. Entsprechend dient das Beüben bei Medic Quadriga 2026 auch der Abschreckung eines möglichen Aggressors.
Fahrzeug um Fahrzeug rollt in den frühen Morgenstunden durch ein Kasernentor in Koblenz.
Für rund 160 Soldatinnen und Soldaten, die für die Übung die Struktur des Sanitätsbataillon 45 einnehmen, beginnt die erste große Belastungsprobe. In insgesamt drei Marschbändern mit rund 65 Fahrzeugen schiebt sich der Verband in Richtung Norden. Medic Quadriga 2026 hat begonnen.
Für die Männer und Frauen am Steuer ist das harte Arbeit. Denn militärische Märsche sind keine spontane Fahrt. Sie folgen präzise geplanten Abläufen: Alle Fahrzeuge halten exakte Abstände ein und bewegen sich mit einer konstanten Geschwindigkeit von exakt 60 Stundenkilometern. Von den Kraftfahrern erfordert das höchste Konzentration.
Die Kolonne besteht aus etlichen schweren Lkw und hochmodernen Einsatzfahrzeugen, wie dem Eagle 6x6. Das ist ein speziell für den geschützten Verwundetentransport konzipiertes Fahrzeug.
Unterstützt durch die Feldjäger, die wichtige Punkte absichern, wird eine vorab genau festgelegte Route eingehalten. Der Kommandeur bewegt sich dabei außerhalb der Kolonne und überwacht den Ablauf.
An der A2 legt der Konvoi einen geplanten technischen Halt ein. Es ist die Zeit für eine kurze Erholung und die Überprüfung von Ausrüstung und Fahrzeugen, bevor die Reise weitergeht. Bis zum heutigen Etappenziel sind es noch gut 200 Kilometer.
Der Startschuss für die Übung Medic Quadriga 2026 war die Befehlsausgabe an die Kräfte des Sanitätsregiments 2 in Koblenz. Das ist der Moment, in dem aus einzelnen Puzzleteilen ein großes Ganzes wird und aus Planung Realität. In der Falckenstein-Kaserne hatten sich etwa 160 Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsregiment 2 und weiterer Sanitätsverbände versammelt. Sie bilden seit dem Moment der Befehlsausgabe das Sanitätsbataillon 45, welches laut Bundeswehrplanungen für den Einsatz in Litauen vorgesehen ist.
Der Auftrag der Übung ist klar definiert: Die medizinische Unterstützung der in Litauen stationierten Panzerbrigade 45 in einem fiktiven Fall der Landes- und Bündnisverteidigung. Es geht um „Deterrence & Defence“ – also Abschreckung und Verteidigung. Ein realistisch angelegtes Szenario, das höchste Professionalität erfordert. Die Sanitätskräfte übernehmen hier eine Schlüsselrolle. Denn nur wer die Versorgung seiner Kräfte sicherstellt, kann glaubhaft agieren.
Im Briefing ging es um weit mehr als eine bloße Marschroute. Wie genau soll der Marsch in das Einsatzland ablaufen? Wo steht der fiktive Gegner? Wie sind die Bodenbeschaffenheit und das Wetter vor Ort? Auch Details zu Funkfrequenzen, Sicherheitsregeln und der Ausrüstung wurden intensiv und detailliert besprochen. Alles mit dem Ziel, dass auch unter Zeitdruck jeder Handgriff sitzt.
Die Befehlsausgabe wurde durch den Kommandeur des Übungsverbandes, Oberfeldarzt Lars Pestner, geleitet. Er machte deutlich, worum es im Kern geht: „Wir helfen den Männern und Frauen der Truppe im Ernstfall und sorgen damit für die Durchhaltefähigkeit.“
Das erste Marschziel ist erreicht: eine militärische Liegenschaft im Norden Deutschlands.
Unmittelbar nach der Ankunft werden die Fahrzeuge durch Tankwagen wieder mit Kraftstoff versorgt. Der Marsch ist beendet, doch es gibt noch einiges zu tun. Die Einsatzbereitschaft für den nächsten Tag hat oberste Priorität.
Mechaniker und Kraftfahrer prüfen Fahrzeuge und Technik, kleinere Arbeiten werden sofort erledigt. Parallel wird der Tag nachbereitet: Meldungen werden abgeglichen, Abläufe ausgewertet, der nächste Abschnitt vorbereitet.
Die Soldatinnen und Soldaten beziehen ihre Unterkünfte und werden versorgt. Für die nötige Energie und ein Stück „Normalität“ sorgt der Marketender. In der Bundeswehr ist das eine Art mobiler Kiosk, der die Truppe mit „Nervennahrung“ und Getränken versorgt. Ein kleines aber wichtiges Detail. „Das gehört zur Fürsorge für die Männer und Frauen. Es hält die Stimmung hoch und sichert die Leistungsfähigkeit“, sagt der Kommandeur.
Am späten Abend folgt die Befehlsausgabe für den kommenden Tag. Letzte Arbeiten werden abgeschlossen. Dann kehrt Ruhe ein. Einige Stunden Erholung bleiben, bevor der Marsch fortgesetzt wird.
Nach ihrer Etappe durch Norddeutschland haben die Marschkolonnen nun den Hafen erreicht. Hier beginnt ein neues Kapitel der Übung – der Wechsel vom Landmarsch auf den Seeweg. Auf den Asphalt der Autobahn folgt das Wasser der Ostsee.
Bevor die 65 Fahrzeuge jedoch auf die Fähre verladen werden, greift erneut das Prinzip der vollen Einsatzbereitschaft. Jedes Fahrzeug wird noch einmal betankt und überprüft. Erst danach rollen die Fahrzeuge in ihren Formationen auf die Verladefläche des Hafens. Vor der Auffahrt treten die Soldatinnen und Soldaten noch einmal an. Sie erhalten letzte Informationen zum Ablauf an Bord: Unterbringung in den Kojen, Verpflegung während der Überfahrt und organisatorische Hinweise für die kommenden Stunden auf See.
Eng abgestimmt mit den zivilen Hafenmitarbeitern wird im Anschluss die Verladung vorbereitet. Die Einfahrt in das Schiffsinnere erfordert von den Kraftfahrern absolute Präzision. Fahrzeug für Fahrzeug verschwindet im Bauch der Fähre. Das Einweisen in die finale Parkposition ist Zentimeterarbeit.
Für die Männer und Frauen ist die nun folgende Überfahrt eine Gelegenheit, nach den Strapazen des Landmarsches durchzuatmen, bevor in Litauen die nächste Phase der Übung beginnt.
Mit dem Schließen der Bugklappe und dem Kommando „Leinen los“ lässt der Verband die deutsche Küste hinter sich. Nächster Halt: das Baltikum.
Nach rund 20 Stunden Überfahrt öffnet sich die Bugklappe der Fähre im litauischen Hafen wieder. Die Zeit an Bord wurde effektiv genutzt. Die Befehle für die kommenden Stunden sind bereits ausgegeben, jeder Soldat kennt seinen Auftrag. Fahrzeug für Fahrzeug rollt von der Fähre, um sich auf einer Bereitstellungsfläche erneut zu den bewährten Marschkolonnen zu formieren. Das Ziel: Pabrade, rund 350 Kilometer Fahrtstrecke quer durch Litauen entfernt.
Begleitet von deutschen Feldjägern und der litauischen Militärpolizei setzt sich der Verband in Bewegung. Die Fahrt durch das Land und mitten in der Nacht ist eine logistische Herausforderung, die durch die enge internationale Zusammenarbeit aber reibungslos verläuft. Während die Kolonne rollt, hat das Vorauskommando um den Kommandeur und den Spieß bereits wertvolle Vorarbeit geleistet und die Lage vor Ort für die Truppe erkundet.
In den frühen Morgenstunden erreichen die Fahrzeuge schließlich den Truppenübungsplatz. Mit dem Einrollen in das Camp Adrian Rohn verschiebt sich der Fokus: Unterkünfte beziehen, den Marsch nachbereiten, technischer Dienst stehen auf dem Programm. Vor allem aber: Führungsfähigkeit herstellen. Der Gefechtsstand wird eingerichtet, Infrastruktur aufgebaut – von ITInformationstechnik bis Verpflegung muss alles passen.
Der Marsch in das Einsatzland ist damit abgeschlossen, doch die eigentliche Bewährungsprobe für die Sanitätskräfte beginnt jetzt erst.
Für das Sanitätsbataillon 45 beginnt die nächste entscheidende Phase. Die Herstellung der vollen Einsatzbereitschaft, der Full Operational Capability (FOCFull Operational Capability). Bevor die Kernübung startet, muss dazu die gesamte sanitätsdienstliche Infrastruktur stehen und funktionieren.
Die Bedingungen in Litauen fordern die Truppe unmittelbar heraus. Tauender Schnee und immer wieder einsetzender Frost haben das Areal in eine Mischung aus Eis, Wasser und tiefem Matsch verwandelt. In diesem Moment zahlt sich die akribische Vorbereitung aus, die bereits mit der Befehlsausgabe vor einigen Tagen begonnen hat.
In konzentrierter Teamarbeit verlegen die Soldatinnen und Soldaten Bodenplatten, ziehen Gräben zum Ablauf des Wassers und schaffen so ein stabiles Fundament für das Luft-Lande-Rettungszentrum. Zelte für die einzelnen Behandlungsabschnitte werden errichtet, die Stromversorgung über Dieselaggregate sichergestellt.
Gearbeitet wird unter Einsatzbedingungen. Schutzweste, Helme und persönliche Bewaffnung sind für alle Pflicht. Parallel erkunden Trupps im Gelände geeignete Stellungen und Ausweichstellungen für das Forward Surgical Element (FSEForward Surgical Element), um auch die chirurgische Erstversorgung nahe am Gefecht vorzubereiten.
Jeder Handgriff ist darauf ausgerichtet, die komplexe Rettungskette lückenlos und schnell zum Einsatz zu bringen. Mit dem Erreichen der FOCFull Operational Capability ist der Verband nun bereit für die Bewährungsproben der kommenden Tage: Die Umsetzung der gesamten Rettungskette – von der Front bis nach Deutschland.
Medic Quadriga 2026 ist die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des Krieges in der Ukraine. Als solche ist es die Schwerpunktübung des Unterstützungsbereichs und des Sanitätsdienstes der Bundeswehr im Jahr 2026. Ziel ist das dimensionsübergreifende Beüben der Rettungskette in einem Artikel-5-Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung vom Transport Verwundeter aus einem Einsatzraum bis hin zur weiteren Patientensteuerung in Deutschland.
Die Übung findet im Februar und März 2026 in Berlin und in Litauen statt.
An der Übung nehmen über 1.000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in Litauen und Deutschland teil. Der größte Anteil wird hierbei durch Kräfte des Sanitätsdienstes gestellt. Es wird jedoch auch Unterstützungsleistungen aus anderen Fähigkeitsbereichen der Bundeswehr geben, zum Beispiel von der Militärpolizei. Darüber hinaus sind NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner sowie zivile Akteure aus dem Gesundheits- und Rettungswesen Teil des Übungsgeschehens.
Die zivile Seite stellt über 250 Teilnehmende an der Übung. Sie kommen unter anderem von:
Ziel ist das Beüben und Sicherstellen einer resilienten Rettungskette im Verteidigungsfall. Dazu gehören der Transport, die Steuerung und die medizinische Versorgung Verwundeter vom Einsatzraum bis nach Deutschland sowie die Übergabe an den zivilen Rettungsdienst und Krankenhäuser in Deutschland. Der Sanitätsdienst nutzt dafür die „Patientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation“ (PaSTBOPatientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation), welche vor dem Hintergrund der Bedrohungslage in Europa entwickelt wurde.
Der Übungsort wurde aufgrund seiner verkehrstechnischen Anbindung, der örtlichen Gesundheitsinfrastruktur und der Infrastruktur auf dem Übungsgelände als Übungsort gewählt.
Seit dem Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat sich die sicherheitspolitische Lage in Europa grundlegend geändert. Die Notwendigkeit einer wirksamen Landes- und Bündnisverteidigung ist dadurch verstärkt in den Fokus gerückt. Medic Quadriga 2026 dient dazu, die Zusammenarbeit zwischen militärisch und zivil verantwortlichen Kräften im Zusammenhang mit der Rettungskette der Bundeswehr zu üben und zu verbessern. Das stärkt die Gesamtverteidigungsfähigkeit und Resilienz Deutschlands, zu der der Sanitätsdienst der Bundeswehr und dessen zivile Partner einen wichtigen Beitrag leisten.
Nein, die Übung ist so geplant, dass es nur geringe Einschränkungen für die Bevölkerung gibt. Das öffentliche Leben läuft regulär weiter. Die Übung findet größtenteils auf einem abgesperrten Gelände an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg statt.
Die Bundeswehr weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei Medic Quadriga um eine geplante Übung handelt. Alle dargestellten Verletzungen sind nur simuliert. Für die Bevölkerung besteht zu keiner Zeit eine Gefahr. Sichtbare militärische oder sanitätsdienstliche Aktivitäten, insbesondere im Umfeld des Flughafens BER, sind Teil des Übungsszenarios und kein Anlass zur Beunruhigung.
Nein. Im ExpoCenterAirport am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) wird für die Übung ein militärischer Sicherheitsbereich eingerichtet, der nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Dieser Bereich wird aus Sicherheitsgründen durchgehend von militärischem Personal bestreift.
Nein. Trotz des ursprünglich geplanten Einsatzes einzelner Luftfahrzeuge, darunter eines A330 MRTTMulti Role Tanker Transport für den Verwundetentransport, kommt es zu keinen Einschränkungen des zivilen Luftverkehrs durch das Übungsgeschehen.
Der Einsatz von Drohnen ist grundsätzlich auch im Kontext der sanitätsdienstlichen Unterstützung in realen Einsätzen vorgesehen. Im Rahmen der Übung Medic Quadriga 2026 gibt es hierzu eine Präsentation in einer begleitenden Ausstellung.
Die genaue Anzahl einzelner Verlegungen variiert je nach Übungsphase. Dabei werden Kräfte innerhalb Deutschlands zum Übungsort und nach Litauen auf einen Truppenübungsplatz verlegt. Nähere Angaben können aus Gründen der militärischen Sicherheit nicht gemacht werden.
Die Bundeswehr koordiniert die Verwundetenversorgung im engen Schulterschluss mit NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partnern. Daher wird die Übung multinational durchgeführt, unter anderem mit der litauischen und niederländischen Armee.
Die Dauer des Verwundetentransports hängt von der militärischen Lage und der Verfügbarkeit von Transportmitteln ab. Ziel ist immer eine schnelle medizinische Versorgung. Nach der Erstversorgung soll möglichst wenig Zeit bis zur weiteren Behandlung im rückwärtigen Raum – also in Deutschland – vergehen. Das hilft im Kriegsfall auch dabei, die Versorgungskapazitäten in Behandlungseinrichtung in Frontnähe (also solche der Rollen 1 bis 3) möglichst hoch zu halten.
Der rückwärtige Raum bezeichnet Gebiete hinter einer Frontlinie, in denen Truppenbewegungen, Nachschub, sanitätsdienstliche Versorgung und Kommunikation organisiert werden. Dort wird planerisch die weitere medizinische Versorgung angesiedelt. So sind die Patientinnen und Patienten Kampfhandlungen nicht unmittelbar ausgesetzt und im Kampfgebiet gibt es mehr sanitätsdienstliche Behandlungskapazitäten für die notfallmedizinische Versorgung frisch Verwundeter.
Über ein zentrales System zur Patientensteuerung werden Verwundete erfasst, priorisiert und gezielt geeigneten Behandlungseinrichtungen zugewiesen. Der Sanitätsdienst nutzt dafür die „Patientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation“ (PaSTBOPatientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation), welche vor dem Hintergrund der Bedrohungslage in Europa entwickelt wurde. Wesentlicher Auftrag der PaSTBOPatientensteuerungs-, Transport- und Behandlungsorganisation ist die bruchfreie Übermittlung von Daten an den zivil-militärischen Schnittstellen. Damit in diesem System alle Rädchen ineinandergreifen, muss es beübt werden. Genau das macht Medic Quadriga 2026.