Die ABC-Abwehrkompanie der eFP-Battlegroup
Landes- und Bündnisverteidigung- Datum:
- Ort:
- Rukla
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Die 11. Rotation der enhanced Forward Presence Battlegroup Litauen wird seit Mitte Februar durch Soldatinnen und Soldaten des ABC-Abwehrbataillons verstärkt. Es ist ihr Auftrag, einen Beitrag zu leisten, damit das Gefecht auch unter ABC-Bedrohungen erfolgreich geführt werden kann. Dazu liefert die Fähigkeit der Kompanie zur atomaren und chemischen Aufklärung wichtige Informationen, die für die Beurteilung der Lage entscheidend sein können.
Die ABC-Abwehrkompanie der eFP Battlegroup Litauen hat in einer mehrtägigen und kompanieübergreifenden Ausbildung den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz die Grundlagen der Personen- und Materialdekontamination vermittelt.
Die Kompanie besteht derzeit aus etwa 50 Soldatinnen und Soldaten. „Wir haben ein Kompanieführungselement und einen gemischten ABC-Abwehrzug“, erklärt Major Yves H., Kompaniechef der ABC-Abwehrkompanie der EFP-Battlegroup und fügt hinzu: „Bei Bedarf können uns zukünftig weitere Einheiten unserer NATO-Partner in Litauen unterstellt werden. So ist für die Übung Iron Wolf die Integration niederländischer und litauischer Soldatinnen und Soldaten geplant. Unsere Fähigkeiten werden weiter zunehmen. Zusammen bilden wir die ‚CBRN Coy‘, wie wir hier im multinationalen Umfeld bezeichnet werden.“ CBRN steht für Chemical, Biological, Radiological and Nuclear.
Neben der Kompanieführung mit Feldküche, Munitionstransport und ABC-Instandsetzung sind die Fähigkeiten der ABC-Abwehr im gemischten ABC-Abwehrzug abgebildet. Hier gibt es eine Aufklärungsgruppe für atomare und chemische Kampfstoffe, eine Dekontaminationsgruppe sowie einen Wasseraufbereitungstrupp. Damit sind alle wesentlichen ABC-Abwehrfähigkeiten vorhanden, um die Battlegroup im Einsatz, bei der Ausbildung und der Übung bestmöglich zu unterstützen.
„Durch den zielgerichteten Einsatz unserer Soldatinnen und Soldaten sowie ihrer Ausrüstung und Fähigkeiten gewinnen wir Informationen über die potenzielle Gefährdung durch Angriffe mit ABC-Kampfmitteln oder die Freisetzung von ABC-Kampf- und Gefahrstoffen. Im Falle eines ABC-Ereignisses können wir dessen Auswirkungen abschätzen“, so Major Yves H. „Mit unserem A/C-Aufklärungspanzer Fuchs ist es möglich, in Geländeabschnitten mit Kontaminationsverdacht durch ABC-Einsatzaufklärung und ABC-Markierungen die Truppen frühzeitig vor den unsichtbaren Gefahren zu warnen sowie bereits Umgehungsmöglichkeiten zu erkunden.“ Der A/C-Aufklärungstrupp ist in der Lage, Umweltproben zu nehmen, eine Vielzahl chemischer Kampf- und Gefahrenstoffe mit seinem mobilen Massenspektrometer vorläufig zu identifizieren und Radioaktivität zu detektieren. Durch seine Anwesenheit im Raum trägt er somit zur Verdichtung des Lagebildes bei.
Die Aufgabe dieser Soldaten ist, das Aufbringen von chemischen Lösungsmitteln auf Fahrzeugen
Bundeswehr/Florian SorgeDie Soldatinnen und Soldaten arbeiten teilweise in spezieller Sonder-ABC-Schutzbekleidung. Die Arbeit ist körperlich und geistig sehr fordernd, da diese Bekleidung nicht nur wasserdicht, sondern auch luftundurchlässig ist. Die Dekontaminationsgruppe kann Infrastruktur, beispielsweise wichtige Straßen oder Landebahnen, dekontaminieren. Personal und Material hingegen werden in einer Dekontaminationseinrichtung dekontaminiert. Mögliche Plätze, um diese aufzubauen, erkundet der Gruppenführer. Der Aufbau einer Dekontaminationseinrichtung ist den Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Finden die ABC-Abwehrkräfte keine lehrbuchmäßigen Bedingungen vor, erschaffen sie kreative Lösungen. Dabei unterstützen zeitweise die Pionierkräfte der Battlegroup.
Das Duschzelt für die Personendekontamination kann innerhalb weniger Minuten aufgebaut werden
Bundeswehr/Stefan GierkePersonen, die dekontaminiert werden sollen, geben ihre komplette Ausrüstung ab. Diese wird nach den Kriterien „dekontaminierbar“ und „nicht dekontaminierbar“ voneinander getrennt. In weiteren Stationen legen die Soldatinnen und Soldaten die persönliche leichte ABC-Schutzbekleidung ab. Hierbei wird darauf geachtet, dass es nicht zu einer unnötigen weiteren Kontamination von sauberem Personal und Material kommt. Abschließend, nach der Abgabe der Maske, geht die Soldatin oder der Soldat in einem Zelt duschen und empfängt schließlich die dekontaminierte Ausrüstung zurück.
Zuerst müssen die Fahrzeuge gründlich von groben Verschmutzungen befreit werden
Bundeswehr/Stefan GierkeFahrzeuge werden zunächst in der Vorbehandlung gereinigt, um im nächsten Arbeitsschritt mit Dekontaminationsmittel belegt zu werden. Nach einer Einwirkzeit, die vom detektierten Kampfstoff abhängig ist, wird das Fahrzeug mit Wasser klargespült. Da in der Dekontamination sehr viel Wasser, insbesondere für die Vor- und Nachbehandlung, benötigt wird, verfügt die Kompanie über einen Wasseraufbereitungstrupp. Dieser ist in der Lage, aus Flüssen, Seen und anderen Gewässern Wasser zu Dekontaminationszwecken aufzubereiten. Die Aufbereitungsqualität ist dabei so gut, dass nach Kontrolle durch einen Veterinär dieses sogar als Trinkwasser verwendet werden könnte.
von Yves H. und Stefan Gierke