eFP: Überleben in feindlicher Umgebung in Litauen
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- Rukla
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Diese Woche führte die deutsche Panzerkompanie der enhanced Forward Battlegroup in Litauen eine SERE-Ausbildung durch. Die Abkürzung SERE steht dabei für Survival, Evasion, Resistance and Extraction – Überleben, Ausweichen, Widerstand und Rückführung. Oder kurzum, das Verhalten in feindlicher Umgebung.
Neben dem Anzünden eines Feuers ist auch die Zubereitung von Rohkost ein Ausbildungsthema
Bundeswehr/Tomas VlachDie Ausbildung soll einem Soldaten für den Fall von den eigenen Kräften abgeschnitten und aus sich gestellt zu sein, das Rüstzeug geben, in einem unwirtlichen und ihm feindlich gesinnten Umfeld zu überleben, einer möglichen Gefangenschaft zu entgehen und seine Rettung und Rückführung aktiv zu unterstützen.
Die SERE-Ausbildung ist eine Standardausbildung innerhalb der NATO.
SERE wird in drei Qualifikationsstufen vermittelt: Level A, B und C. Diese Stufen sind nicht aufbauend gestaltet und unterscheiden sich in den Ausbildungsinhalten, der Form der Durchführung sowie darin, für welchen Personenkreis und Gefährdungslage sie vorgesehen sind. So ist ein Soldat der Spezialkräfte oder ein Pilot, der feindliches Gebiet überfliegt, einem höheren Risiko ausgesetzt, als beispielsweise ein Logistiker im rückwärtigen Raum. Daher ist zum Beispiel SERE Level C vornehmlich für Spezialkräfte und Piloten vorgesehen.
Jeder Soldat durchläuft vor seinem Einsatz eine SERE-Ausbildung im Heimatland und muss den ISOPREP (Isolated Personnel Report) ausfüllen. Dieses dient den Rückführungskräften dem Auffinden und der Identifizierung.
Auch eigenes Werkzeug zum Fangen von Tieren oder für den Kochplatz muss hergestellt werden.
Bundeswehr/Tomas VlachLevel A soll bei den Auszubildenden ein Bewusstsein für potenzielle Gefahren wecken, die allgemeinen Grundlagen eines Personnel Recovery-Systems vermitteln und sie auf das Überleben in feindlicher Umgebung vorbereiten. SERE A ist eine ausschließlich theoretische Ausbildung.
SERE-B ist die Mindestanforderung für Soldaten mit mittlerem Risiko, von eigenen Kräften abgeschnitten zu werden. Daher wird SERE-B sowohl theoretisch als auch praktisch ausgebildet. Neben dem Personnel Recovery-System ist auch der Evasion Plan of Action (deutsch: Plan zum Durchschlagen) ein Anteil. Ein sogenannter Isolated Personnel Report wird erläutert und ausgefüllt. Weitere Themen sind die Überlebensausbildung mit Unterkunftsbau, Feuermachen, Wasser- und Nahrungsaufbereitung. Ein entscheidender Punkt ist das korrekte Verhalten bei der Wiederaufnahme durch Personnel Recovery Teams, Personenrückführungsteam.
SERE Level C vermittelt darüberhinausgehende Fertigkeiten im Überleben und Durchschlagen, sowie zweckmäßiges Verhalten in Kriegsgefangenschaft. Resistance to Interrogation – RtoI (Widerstand gegen Befragung) – ist ein zusätzliches Modul vornehmlich für Spezialkräfte und Luftfahrzeugbesatzungen. Eine sehr anspruchsvolle, einwöchige Durchschlageübung – bei RtoI mit anschließender Phase „Gefangenschaft und Befragung“ – schließt den SERE-C-Lehrgang ab.
Ein Feuer und eine Notunterkunft sind zwei wichtige Grundlagen für das Überleben
Bundeswehr/Tomas VlachAn der SERE B Ausbildung nahmen daher rund 60 Soldaten der Panzertruppe, Grenadiere, Pioniere und Joint Fires teil. Vor allem Mannschaften, Unteroffiziere mit und ohne Portepee durchliefen die Ausbildung.
Soldatinnen und Soldaten, die von eigener Truppe abgeschnitten sind, müssen sich einer Gefangennahme entziehen und wieder Anschluss zu eigenen Kräften gewinnen.
Die SERE-Ausbildung in Litauen begann mit einem Grundsatzunterricht eines SERE-Instructors. der von zwei weiteren Ausbildern unterstützt wurde. Anschließend folgte die praktische Umsetzung im Gelände, unter anderem mit den Stationen Feuer machen, Boden-Boden- und Boden-Luft-Erkennungssignale, Kälteschutz, Wärmeerhalt sowie Bau eines Shelters (Notunterkunft). Gerade der Wärmeerhalt ist in Litauen bei Temperaturen zwischen -10°C und -15°C von enormer Bedeutung. Auf diesen Aspekt wurde in einem zusätzlichen Unterricht des Sanitätsdienstes nochmals besonders eingegangen.
Die Ausbilder teilen die wenige Rohkost für die Trupps ein
Bundeswehr/Tomas VlachNach dem Grundsatzunterrichten folgte eine einer Durchschlageübung. Die Soldaten waren in Trupps von zwei oder drei Soldaten unterwegs. Sie mussten eigenständig Aufnahmepunkte gewinnen. Dabei immer im Nacken ein Feindkommando. SERE-B-Ausbilder Oberfeldwebel Sebastian G.: „Litauen hält einige Herausforderungen für alle bereit. Gerade die Temperaturen sind nicht zu unterschätzen. Wenn die Soldaten an ihren Notunterkünften arbeiten oder auch sich nachts bewegen, müssen sie stets ihre Bekleidung anpassen, damit sie nicht zu stark schwitzen. Denn Schwitzen bedeutet in den anschließenden Ruhephasen immer frieren!“ Für die Übung stand den Soldaten nur wenig Ausrüstung zur Verfügung - kein Schlafsack, wenig Bekleidung, der Biwaksack und kaum Nahrungsmittel.
Auch wenn die Trupps nur aus zwei bis drei Soldaten bestanden, war immer eine Feuerwache und ein Auge am Feind an den Biwakplätzen einzuteilen. Zur strengen Kälte gesellte sich nun der Schlafentzug. Jeden Tag gab es eine Handvoll Rohkost, vor allem Gemüse, welches die Soldaten selbst zubereiteten. Auch das Trinkwasser musste erst gewonnen werden, was bei den aktuellen Schneeverhältnissen in Litauen eine geringere Hausforderung war. Oberfeldwebel Sebastian G.: „Wir wollen die Soldaten aus ihrer Komfortzone holen. Die Kälte hilft uns dabei. Schon nach kurzer Zeit lernen die Soldaten selbst das Gemüse zu schätzen.“ Hauptfeldwebel Nino-André Z. ist Teilnehmer und sagt: „Die Kälte und die Einteilung der Ressourcen und unseres Energiehaushaltes ist eine echte Herausforderung. Aber meine Kameraden und ich haben richtig Lust darauf. Es kann durchaus regnen, für uns heißt das, wir müssen vorher ausreichend Feuerholz sammeln.“
Inklusive Vorausbildung dauerte die SERE-B- Ausbildung insgesamt fünf Tage und zwei Nächte. Mit etwas über 15 km war die Marschleistung eher gering, was aber aufgrund des tiefen Schnees trotzdem eine Herausforderung darstellte.