Medizingerätetechniker des A400M
Ein MedEvacMedical Evacuation-Flug mit dem A400M ist eine Teamleistung. Einen wichtigen Anteil im Hintergrund haben dabei die Medizingerätetechniker des LTGLufttransportgeschwader 62.
In 90 Minuten vom Transportflugzeug zum fliegenden Krankenwagen. Diese Verwandlung des A400M in so kurzer Zeit ermöglicht der neue Rüstsatz für medizinische Evakuierungen. Aktuell noch in der Erprobung, kommt die erste von sechs Einheiten ab Mitte 2027 zur Truppe.
Beim neuen MedEvacMedical Evacuation-Rüstsatz werden Krankentragen, Transportbehälter und medizinisches Gerät auf Paletten montiert, die dann nur noch in den Laderaum des A400M geschoben und angeschlossen werden müssen
Bundeswehr/Jana NeumannDie Bundeswehr erprobt ein neues System, mit dem die A400M-Transportflugzeuge der Luftwaffe schneller für medizinische Evakuierungseinsätze (MedEvacMedical Evacuation) umgerüstet werden können: den sogenannten palettierten Rüstsatz zum qualifizierten Patiententransport.
Beim aktuellen System werden die Transportplätze für erkrankte, verletzte oder verwundete Soldatinnen und Soldaten einzeln im Flugzeug eingebaut. Zu diesen sogenannten Patiententransporteinheiten (PTE) gehören beispielsweise die Krankentrage, ein Unterbau zur Aufbewahrung von Medikamenten, Verbandsmaterial und Sauerstoff sowie medizinische Geräte zur Überwachung. Das neue System nutzt Paletten, auf die die PTE montiert werden. Diese Paletten werden bereits am Fliegerhorst vorbereitet und anschließend einfach in den Laderaum des Flugzeugs geschoben. So verwandeln sich die militärischen Transporter im Handumdrehen zum Teil der Rettungskette des Sanitätsdienstes.
Der große Vorteil des neuen Systems ist die Verkürzung der Zeit, die die Techniker benötigen, um einen leeren Laderaum für den Patiententransport vorzubereiten. Hauptmann H. ist in der Luftwaffe für das Projekt zuständig und erklärt: „Ich kann innerhalb von 90 Minuten vom ersten bis zum letzten Handgriff alles umrüsten und losfliegen.“ Das ist wichtig, denn Flugstunden und Lufttransportkapazitäten sind ein rares Gut.
Zwar ist immer ein A400M der Flotte für den MedEvacMedical Evacuation-Einsatz vorgesehen, das heißt aber nicht, dass die Maschine immerzu eingerüstet am Fliegerhorst steht. „Ein Flugzeug, das für MedEvacMedical Evacuation bereitgehalten wird, hat dennoch auch andere Aufträge, beispielsweise Ausbildungs- oder Transportflüge. Kommt dann ein MedEvacMedical Evacuation-Einsatz, ermöglicht es der palettierte Rüstsatz, die vorgegebene Zeit bis zum Abflug als MedEvacMedical Evacuation ohne Probleme zu halten“, erläutert der Projektverantwortliche. Mit dem aktuell genutzten System muss in einem solchen Fall tonnenweise medizinisches Material einzeln in das Flugzeug eingebaut werden. Das dauert auch bei einem eingespielten Team etwa vier bis sechs Stunden.
Startbereit in 90 Minuten: Die neuen Paletten ermöglichen es, medizinische Geräte wie Spritzenpumpen, Beatmungsgeräte, EKGElektrokardiogramm und Monitore zu befestigen.
Bundeswehr/Jana Neumann
Beim bisherigen Konzept wird jede Patiententransporteinheit einzeln in den Laderaum eingebaut. Deshalb dauert es mehrere Stunden, um eine A400M für einen MedEvacMedical Evacuation-Einsatz vorzubereiten.
Bundeswehr/Stephan InkDie erfahrene MedEvacMedical Evacuation-Ärztin Oberfeldarzt B. war bei der Erprobung dabei und ist positiv angetan vom neuen Rüstsatz: „Das System sieht schon toll aus und wirkt praxisnah. Die einzelnen Paletten ermöglichen es uns, alles am Boden bereits so vorzubereiten, wie wir es für den Einsatz benötigen.“
Die Standardkonfiguration sieht folgende Transportplätze vor:
Wenn die Anzahl der Patientinnen und Patienten und die Schwere ihrer Verletzungen bekannt ist, wird die Ausstattung des MedEvacMedical Evacuation-Fliegers natürlich darauf angepasst.
Bei den medizinischen Geräten handele es sich um den modernsten Standard, wie er beispielsweise auch in Intensivtransportern zu finden sei, erläutert Oberfeldarzt B. Allerdings gäbe es auch einige militärische Besonderheiten, etwa eine gedeckte Farbgebung, oder dass die Bildschirme der Überwachungsgeräte die Crew auch beim Einsatz von Nachtsichtgeräten nicht blenden.
Bis 2029 erhält die Bundeswehr 46 Paletten. Damit können bis zu sechs A400M für MedEvacMedical Evacuation-Einsätze vorbereitet werden, inklusive Reserve. Insgesamt zeigt sich der Projektverantwortliche sehr zufrieden: „Wir liegen absolut im Zeitplan. Ab 2027 kann die Truppe das erste System nutzen, sobald die luftfahrtrechtliche Zulassung da ist.“
Doch nicht nur die deutschen A400M können nach erfolgreicher Zulassung durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr mit dem palettierten Rüstsatz bestückt werden. Jede andere Nation, die den A400M fliegt und entweder selbst eine Zertifizierung durchführt oder die deutsche anerkennt, könne die Paletten einsetzen, erklärt Hauptmann H. „Hier hört die Planung aber nicht auf. Im weiteren Verlauf des Projekts soll auch die Einrüstung der MedEvacMedical Evacuation-Paletten auf dem Transportflugzeug C-130J erfolgen.“
Oberfeldarzt B. hat vor allem den baldigen Einsatz des Systems in ihrem Geschwader im Blick: „Ich freue mich darauf, wenn das erste System im nächsten Jahr bei uns auf dem Hof steht. Das ist die Zukunft für uns.“
von Ole Henckel