Hauptmann Thomas S. ist Pilot bei der Bundeswehr und betankt Kampfjets für die NATONorth Atlantic Treaty Organization – und das mitten im Flug. Als Teil der Multinational Multi Role Tanker Transport Unit (MMUMultinational Multi Role Tanker Transport Unit) verlängert er so die Einsatzzeit von Kampfflugzeugen. Wie sieht sein Arbeitsalltag aus und wie wird man überhaupt Pilot bei der Truppe?
Luftbetankung, NATONorth Atlantic Treaty Organization-Einsätze, fliegende Intensivstation: Hauptmann Thomas S. ist Pilot bei der Multinationalen Betankungseinheit (MMUMultinational Multi Role Tanker Transport Unit) der Bundeswehr in Köln-Wahn. Deren Maschinen vom Typ Airbus können alle diese Aufgaben erfüllen.
Bundeswehr/Christoph Kassette
Ein typischer Tag als Transportflugzeugpilot
Hauptmann Thomas S. beginnt seinen Dienst an einem Flugtag am Flughafen Köln-Wahn mit der sogenannten Showtime: Der Pilot spricht mit der Besatzung den bevorstehenden Flug durch. Betankungsmengen, Papiere, Route – alles wird gemeinsam vorbereitet. Bei einer Luftbetankung muss man beispielsweise deutlich mehr Sprit mitnehmen, nicht nur für das eigene Flugzeug, sondern auch für die zu betankende Kundschaft – das muss berechnet und geprüft werden. S. weiß: „Nur mit guter Vorbereitung sind wir für alle Eventualitäten gewappnet.“ Bevor es in die Luft geht, prüft Thomas S. immer, ob alles mit dem Flugzeug in Ordnung ist. Erst wenn diese Überprüfung abgeschlossen ist, geht es in die Luft.
Teilweise mehr als acht Stunden ist der 45-Jährige dabei im Einsatz. An Bord hält er währenddessen permanent Kontakt – zur Flugsicherung, zu den Piloten der zu betankenden Kampfjets und zu seinen Besatzungsmitgliedern. Denn gerade bei Manövern wie der Luftbetankung muss jeder Handgriff sitzen: Die Zusammenarbeit der gesamten Crew ist entscheidend beim Fliegen.
Unterwegs ist Thomas S. mit dem Airbus A330 MRTTMulti Role Tanker Transport viel über Zentraleuropa – derzeit auch häufiger an der Ostsee und über Polen, wo er mit seiner Crew etwa die Jets der Alarmrotten betankt. Damit trägt er direkt zum Schutz der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke bei. Bei solchen Missionen starte das Flugzeug meist morgens früh und sei am Nachmittag schon wieder zurück auf dem Flugfeld erklärt der Pilot. „So kann ich abends nach Dienst noch Zeit mit meinen Kindern verbringen und das ist unheimlich schön.“
Nicht jeden Tag steht jedoch Flugdienst auf dem Programm von Hauptmann Thomas S. Er hat wie alle Soldatinnen und Soldaten weitere Verpflichtungen: etwa Schießen, Märsche oder Sanitäts-Weiterbildungen.
Fliegen für die NATONorth Atlantic Treaty Organization heißt fliegen um die Welt
Thomas S. trägt mit seinem Job aber nicht nur zur Einsatzbereitschaft der NATONorth Atlantic Treaty Organization in Europa bei, sondern ist überall auf der Welt mit seinem Flieger unterwegs. Ohne ihn und seine Crew würden nämlich sonst zahlreiche internationale Einsätze und Übungen gar nicht erst stattfinden, denn: Als Pilot einer A330 MRTTMulti Role Tanker Transport transportiert er Personal und Material auch über weite Strecken – und betankt dabei oft auch NATONorth Atlantic Treaty Organization-Kampfflugzeuge. Ohne ihn und seine Crew würden es Kampfjets beispielsweise nicht über den Pazifik schaffen, ohne dass ihnen der Sprit ausgeht – denn landen und tanken können sie inmitten des Ozeans nicht.
„Es ist ein unglaublich spannender und abwechslungsreicher Job,“ sagt der Hauptmann. Das bestätigt der Blick auf die Einsatzorte: Vom Flughafen Köln-Wahn fliegt die Einheit in die halbe Welt – von NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partnern in Europa bis hin zu Zielen in Afrika oder Asien. Besonders einprägsame Missionen waren für Thomas S. die Rückholflüge aus den Einsätzen in Afghanistan und Mali sowie der erste Hilfsflug ins italienische Bergamo zu Corona-Zeiten. „Gerade bei den Coronaflügen habe ich immer noch die Menschen vor Augen, deren Leben wir vielleicht gerettet haben,“ erinnert sich der Pilot. Er betont: Der A330 MRTTMulti Role Tanker Transport sei mehr als nur ein Tankflugzeug. „Mit unseren Flügen helfen wir auch Menschen – und das macht diesen Beruf so besonders“
Vom Hubschraubertraum ins Flugzeugcockpit
Die Pilotenkarriere bei der Bundeswehr begann für Thomas S. am 1. März 2001. Da wurde S. in die Bundeswehr einberufen. Der damals 20-Jährige hatte einen klaren Plan: Er wollte Hubschrauber fliegen. Doch das klappte medizinisch nicht. Ein Bundeswehrarzt riet ihm trotzdem, seine Papiere einzureichen – und zwar nicht für Hubschrauber, sondern für Transportflugzeuge. „Er hat mir sozusagen eine neue Tür geöffnet,“ erinnert sich Thomas S.
Thomas S. schlug als Pilot dabei einen eher ungewöhnlichen Weg ein: Er ist Fachdienstoffizier – und nicht wie die meisten Piloten Truppenoffizier. Während letztere zunächst mehrere Jahre an einer der Bundeswehruniversitäten studieren, wusste Thomas S. mit Eintritt in die Bundeswehr bereits, dass er die Laufbahn des fliegenden Fachdienstoffiziers – ohne akademisches Studium – einschlagen würde. „Ich bin von Anfang an als zukünftiger Fachoffizier eingestellt worden, das hat mir die Chance gegeben viel früher ins Cockpit zu kommen.” Dass es in dieser Laufbahn sehr selten ist, in die Spitzendienstgrade der Bundeswehr zu kommen, war für S. kein Problem. Für ihn war es nicht so wichtig Stabsoffizier oder gar General werden zu können – er wollte fliegen und das möglichst lange. Als Offizier im militärischen Fachdienst endet seine Karriere zwar bereits als Hauptmann, dafür kann er aber bis zu seiner Pensionierung mit 57 im Cockpit bleiben.
Bei der Grundausbildung im ehemaligen 9. Luftwaffenausbildungsregiment in Goslar und anschließenden Lehrgängen legte Thomas S. den Grundstein für seine Karriere als Pilot. Bereits 2003, zwei Jahre nach seiner Einberufung, saß er dann das erste Mal ohne Fluglehrer im Cockpit. Zunächst als Flugschüler am Airline Training Center im Bundesstaat Arizona, wo angehende Bundeswehrpilotinnen und -piloten seit 1988 ausgebildet werden.
Seinen ersten Alleinflug absolvierte er jedoch bereits viel früher. Bereits mit zehn Jahren entdeckte er seine Leidenschaft fürs Fliegen, mit 14 begann er mit der Segelfliegerei. „Das hat mir dann sicher auch für die fliegerische Ausbildung geholfen,“ sagt der Hauptmann. Weiter ging es für S. beim Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf. Sieben Jahre flog er dort die Propellermaschine Transall C-160, bevor er sich erfolgreich für die Flugbereitschaft beim Verteidigungsministerium bewarb und auf das Düsenflugzeug A310 MRTTMulti Role Tanker Transport wechselte. Dort war er Teil der „Grauen Flotte“, die für den militärischen Lufttransport zuständig ist. Das Ende der Nutzungszeit des A310 und die Suche nach neuen Herausforderungen brachte den Piloten schließlich zu seiner aktuellen Dienststelle.
Nach der Umschulung auf das Transportflugzeug A330 MRTTMulti Role Tanker Transport ist Thomas S. seit dem 1. April 2023 bei der Multinational Multi Role Tanker Transport Unit (MMUMultinational Multi Role Tanker Transport Unit) in Köln. Von Eindhoven in den Niederlanden und von Köln aus steigen S. und seine Kameradinnen und Kameraden zu Betankungs- und Transportmissionen auf. „Ich bin zufrieden und kann mich nicht beklagen,“ sagt S. Es sei nicht vorgesehen, dass er als Fachoffizier seinen Job bei der MMUMultinational Multi Role Tanker Transport Unit verlasse – außer er wolle dies. Und das wolle er nicht, ergänzt er schmunzelnd.
An Bord einer A330 MRTTMulti Role Tanker Transport sorgt der 45-jährige Offizier dafür, dass selbst komplexe Flugmanöver reibungslos verlaufen. Dank jahrelanger Erfahrung als Transportflugzeugführer gelingt ihm das ohne große Mühe.
Bundeswehr/Christoph Kassette
Vier Fragen an Transportflugzeugführer Thomas S.
Welche drei Eigenschaften/Fähigkeiten muss ein Pilot mitbringen?
Ehrlichkeit, Wissbegierde und immer bereit sein, Neues zu lernen und sich weiterzubilden. Kritikfähigkeit gehört natürlich ebenso dazu. Man muss sich immer auch selber als Pilot vor Augen führen, wie gesegnet man ist, dass man solch einen Job ausüben darf. Dem muss man dann schon gerecht werden.
Wie viel fliegen Sie als Pilot?
Wir sind gut ausgelastet, so dass wir immer auf unsere nötigen Flugstunden kommen. Kaum einer von uns kommt unter 250-300 Stunden im Jahr. Das ist ja schon eine ganz schöne Menge für den militärischen Flugbetrieb. Natürlich ist das nicht vergleichbar mit zivilen Piloten. Die kommen auf knapp 1.000 Stunden im Jahr. Das ist eine andere Hausnummer. Wir sind halt nicht nur Piloten, sondern auch Soldaten und damit einher gehen natürlich auch mehr Verpflichtungen am Boden.
Was würden Sie einem Menschen raten, der Ihren Beruf ergreifen möchte?
Den Weg anzugehen und sich zu bewerben und es auf jeden Fall zu versuchen. Man soll sich trauen, man soll es wagen. Machen und mutig sein. Ich bin zum Beispiel kein Mensch, der gerne vom Fünf-Meter-Turm springt – und musste da dennoch beim Lehrgang „Überleben See“ über meinen Schatten springen.
Wenn Sie gewusst hätten, dass Sie einmal Pilot werden würden – hätten Sie in Schule oder Freizeit etwas anderes gemacht?
Rückblickend hätte ich auch zu meiner Schulzeit nichts anders gemacht. Ich würde es genauso wieder machen. Alles in meinem Leben hatte irgendwie eine Richtung – und die war: Pilot werden.
Der MMUMultinational Multi Role Tanker Transport Unit-Flieger betankt die NATONorth Atlantic Treaty Organization und transportiert Material und Personal.