Bundeswehr modernisiert ihre Informationssoftware
Gehälter, Ersatzteile, Versetzungen: Künftig wird die neue Software S/4HANA diese Prozesse in der Truppe steuern.
Im Mai 2026 hat die Bundeswehr ihre SASPF-Systemlandschaft vollständig auf S/4HANA umgestellt. Dieser Softwarewechsel betrifft den organisatorischen Kern der Streitkräfte, denn es handelt sich um ihr zentrales logistisches und administratives Informationssystem. Grund der Umstellung: Zukunftssicherheit und die Steigerung der Einsatzbereitschaft.
Mehr Funktionen und mehr Sicherheit: Die Bundeswehr hat mit S4/HANA eine neue Informations- und Organisationssoftware zur Steuerung von Verwaltungsabläufen bekommen. Seit Mai 2026 steht das Programm bundeswehrweit zur Verfügung (Symbolfoto).
Bundeswehr/Falk BärwaldDie Bundeswehr ist auf ein digitales Informationssystem angewiesen, um sich effektiv zu organisieren. Dies betrifft Prozesse aller Art, etwa die Bestellung von Ersatzteilen, die Zahlung von Gehältern oder die Einstellung von neuem Personal. Rund 90.000 der etwa 266.000 Bundeswehrangehörigen arbeiten täglich mit Software aus der Produktpalette von SAP.
Bis vor kurzem nutzte die Bundeswehr die klassischen SAP-Geschäftssoftware, die früher einfach SAP oder in Fachkreisen SAP ECC genannt wurde. Grund für den Wechsel auf S/4HANA ist, dass SAP die Unterstützung für die Bestandssoftware in einigen Jahren einstellen wird, was die weitere Nutzung allein schon aus Sicherheitsgründen unmöglich macht. Zudem bietet die neue Software neben einer moderneren Bedienoberfläche zahlreiche neue Funktionalitäten.
Die Truppe und die Wehrverwaltung erhalten mit S/4HANA eine Software, die mitdenkt, aktiv unterstützt und so Probleme verhindern kann, bevor sie entstehen. Beispielsweise weist S/4HANA die Nutzenden darauf hin, wann Ersatzteile verbraucht sein werden und eine Nachbestellung notwendig ist. So können Fehler vermieden und die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte kann gestärkt werden. Möglich wird dies zukünftig durch umfassende Analyse- und Simulationsmöglichkeiten durch die Verarbeitung von Informationen in Echtzeit.
Seit Herbst 2025 arbeitet bereits das Personalwesen der Bundeswehr mit S/4HANA. Ursprünglich sollten im gleichen Jahr auch Bereiche wie Logistik, Infrastruktur oder Rüstung umgestellt werden. Dieser ambitionierte Plan verzögerte sich allerdings, da einige Komponenten der Software noch nicht fehlerfrei funktionierten.
Bei den Prozessen, die mit der Software gesteuert werden, geht es mitunter um die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. Deswegen war der Leitgedanke bei der Umstellung auf S/4HANA Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Die erkannten Mängel wurden innerhalb weniger Monate vom Hersteller behoben, sodass seit Mai 2026 schließlich alle Nutzerinnen und Nutzer auf S/4HANA zugreifen können.
Mit S/4HANA beginnt eine neue Epoche für die Bundeswehr. Die neue Software bietet die Möglichkeit, flexibel auf künftige Neuerungen und Entwicklungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Big Data und Advanced Analytics zu reagieren. Hinzu kommt ein neues Maß an Sicherheit.
Mit S/4HANA kommt gleichzeitig auch SAP Defence & Security (D&S), dessen Entwicklung von der Bundeswehr eng begleitet wurde. Mit diesem zentralen Software-Baustein ist es der Truppe künftig möglich, das System auch autark zu nutzen, sprich losgelöst vom Netz. Eine solche Situation kann zum Beispiel auf einem Schiff auf Hoher See auftreten. Erhöhte Datensicherheit und Verschlüsselungen sorgen zudem dafür, dass von außen niemand in das zentrale System eindringen kann.
von Ole Henckel