Die Reserve – Auftrag und Struktur
Wenn es ernst wird, schlägt die Stunde der Reserve. Wer gehört dazu? Wie ist sie aufgebaut? Und welche Aufgaben hat sie?
Auch wer noch nie die Bundeswehruniform getragen hat, kann zur Reserve kommen. Die Ausbildung Ungedienter macht aus Zivilisten Heimatschützer.
Seit Januar 2026 wird für die Ausbildung Ungedienter ein bundesweit einheitliches Verfahren angewandt, um engagierten Bürgerinnen und Bürgern einen Zugang zur Reserve zu eröffnen. Ein Beispiel hierfür ist Tobias S. Der Offenbacher arbeitet normalerweise als Luftsicherheitsassistent am Frankfurter Flughafen. Jetzt hat er bei der Schießausbildung im bayerischen Hammelburg zum ersten Mal eine Waffe in der Hand. „Ich möchte Deutschland etwas zurückgeben“, sagt der 33-Jährige über seine Motivation, sich als Reservist zu engagieren.
Die Ausbildung Ungedienter ist ein wesentlicher Bestandteil des vom Bundesminister der Verteidigung verfolgten Ziels, die Reserve und insbesondere den Heimatschutz zu stärken. Im Verteidigungsfall werden die dann ausgebildeten Reservisten im Schutz und in den Sicherungselementen der Teilstreitkräfte Luftwaffe, Marine und Cyber- und Informationsraum sowie des Unterstützungsbereiches der Bundeswehr und der Heimatschutzkräfte der Bundeswehr des Heeres eingesetzt.
Um die Ausbildung besser mit den individuellen Lebensumständen vereinbaren zu können, werden zwei Ausbildungsmodelle angeboten: die Blockausbildung und die Flexausbildung. Beide führen zur gleichen Qualifikation, unterscheiden sich jedoch im zeitlichen Aufbau.
Die Blockausbildung umfasst drei Module à zwölf Tage. Die Ausbildung ist kompakt und fordernd in kürzester Zeit. Die Flexausbildung richtet sich an Interessierte, die nicht mehrere Wochen am Stück verfügbar sind. Auf einen fünftägigen Auftakt folgen elf Module an Wochenenden mit einer Dauer von ein bis drei Tagen oder ausgesuchte Module von vier bis fünf Tagen unter der Woche. Lasse W. aus Kiel hat sich ganz bewusst für das Flexmodell entschieden. So könne er seinen Beruf als Softwarearchitekt und den Reservedienst am besten miteinander vereinbaren.
Die Flexausbildung im Überblick
Bundeswehr
Die Blockausbildung im Überblick
BundeswehrUnabhängig vom gewählten Modell haben die Teilnehmenden bis zu drei Jahre Zeit für den Abschluss der Ausbildung. Diese ist so angelegt, dass ein Abschluss bereits nach einem Jahr möglich ist. Verpasste Ausbildungsinhalte können in späteren Modulen nachgeholt werden, auch an wechselnden Standorten. Für den 46-jährigen Ingenieur Andreas B. ist der Organisationsaufwand persönlich nach eigenen Worten zwar groß, um Ausbildung und Job sowie Familie unter einen Hut zu bekommen – „aber ich wollte das unbedingt.“
Um an der Ausbildung Ungedienter teilnehmen zu können, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:
Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung erhalten die Teilnehmenden die Qualifikation Heimatschützer Streitkräfte. Anschließend erfolgt die Beorderung in den Kräften „Schutz und Sicherung Inland“ sowie „Heimatschutz“.
Für Thomas Z. war der russische Angriff auf die Ukraine 2022 eines der Schlüsselerlebnisse für die Entscheidung, sich in der Reserve der Bundeswehr engagieren zu wollen. Der 53-jährige Professor ist sich sicher, „wenn es darauf ankommt, brauchen wir viele Reservisten, ich möchte einen Teil dazu beitragen.“
Stabsfeldwebel Maik L. ist Feldwebel für Reservisten in Volkach. Er organisiert unter anderem die Schießausbildung in Hammelburg.
Bundeswehr/David SchellBis zur Reorganisation der Bundeswehr wurde die Ausbildung Ungedienter dezentral in den Landeskommandos durchgeführt. Mit der Neuordnung ging die fachliche Verantwortung dafür auf das Kompetenzzentrum Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr im Streitkräfteamt (SKA) über. Die Planung und Durchführung übernimmt die neu aufgestellte Gruppe „beorderungsunabhängige Reservistenarbeit“. Ziel der Neuorganisation ist es, die Ausbildung bundesweit einheitlich, modular und flexibel anzubieten. In diesem Jahr stehen rund 1.000 Plätze zur Verfügung.
Bundesweit unterstützen die Stabsoffiziere für Reservistenangelegenheiten und die Feldwebel für Reservisten (FwRes) bei der Planung, Koordination und Durchführung der Ausbildung. Stabsfeldwebel Maik L. ist FwRes im bayerischen Volkach, er organisiert zum Beispiel eine Schießausbildung mit der Pistole P8 und dem Gewehr G36. „Der organisatorische Aufwand ist schon enorm. Zum Glück sind wir hier in Bayern gut vernetzt. Auch haben wir viele motivierte Reservisten, die hier unterstützen“, sagt Maik L. Reservedienstleistende sind eng eingebunden, etwa als Funktionspersonal beim Schießen. „Reservisten bilden Reservisten aus“ bleibt ein zentrales Motto der Ausbildung. „Ohne die Reservisten wäre diese Ausbildung nicht durchführbar“, betont L.
Grundsätzlich können sich ungediente Interessierte im Streitkräfteamt in Bonn bei der Ansprechstelle für Reservistenangelegenheiten (AnsprStResAngel) melden. Diese nimmt unter der Telefonnummer 0228 5504 6444 oder der E-Mail ihre Daten auf.
Eine direkte Bewerbung auf einen bestimmte Ausbildungsort oder -zeitraum ist nicht vorgesehen. Die Einsteuerung in die Ausbildung erfolgt durch das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw), welches die Bewerbungen priorisiert. Die bislang eingegangenen mehr als 5.000 Interessentinnen und Interessenten werden derzeit entsprechend angeschrieben.
Bei der Bearbeitung der Bewerbungen kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Im BAPersBw werden alle Bewerbungen für Wehrdienstleistende, zukünftige Zeitsoldaten sowie für die gesamte Reserve erfasst und bearbeitet.
Die Bundeswehr passt derzeit die Kapazitäten an, um die Wartezeiten möglichst zu verkürzen.
Die ersten Ausbildungsdurchgänge sind bereits Anfang 2026 gestartet. In den kommenden Monaten gibt es bundesweit Angebote sowohl in der Block- als auch in der Flexausbildung, für die das BAPersBw Teilnehmende einplant.
Die Ausbildung wird in zwei Formaten angeboten: als Block- und Flexausbildung. Beide führen zur gleichen Qualifikation, unterscheiden sich aber darin, wie die Inhalte zeitlich verteilt sind.
Die Blockausbildung ist ein kompaktes, zusammenhängendes Ausbildungsmodell und gliedert sich in drei Module:
Die Flexausbildung richtet sich an Interessierte, die nicht mehrere Wochen am Stück verfügbar sind. Die drei Module werden über längere Zeiträume verteilt, sodass sich die Ausbildung leichter in den Alltag integrieren lässt. Dieses Modell ist ideal für Berufstätige, Studierende oder alle, die längere Abwesenheiten nicht einplanen können.
Sie besteht aus: