Wenn Regierungsmitglieder abheben, muss am Boden alles stimmen. Hauptfeldwebel Andrew B.* ist Fluggerätmechaniker in der Technischen Gruppe der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung. Mit seinem Team trägt er dazu bei, dass die Luftfahrzeuge technisch einwandfrei vorbereitet und einsatzbereit sind, damit alle Flüge zuverlässig stattfinden.
Vor jedem Flug werden die Triebwerke kontrolliert. An dem offenen Triebwerk einer Bombardier Global 6000 prüft Hauptfeldwebel Andrew B. mit einer Taschenlampe den technischen Zustand der Verkabelung.
Bundeswehr/Saskia Meike
Wenn Hauptfeldwebel Andrew B. an einer Bombardier Global 5000 oder 6000 arbeitet, gleicht kaum ein Tag dem anderen. Mal steht ein Reifenwechsel an, mal muss eine Flugzeugbatterie ausgetauscht werden. Auch bei den Triebwerken ist sein Können gefragt: Beim Ölwechsel prüft er zugleich, ob alles einwandfrei funktioniert.
Besonders aufmerksam ist er nach einem Vogelschlag. Dann kontrolliert Andrew B. die Maschine auf mögliche Schäden, von außen kaum sichtbar, für die Sicherheit des nächsten Flugs aber entscheidend. Dabei arbeitet er stets nach klaren Vorgaben und mit größter Sorgfalt, denn an einem Flugzeug muss jedes Detail stimmen. Genau diese Mischung aus handwerklichem Können, technischem Verständnis und Verantwortung macht seinen Arbeitsalltag so abwechslungsreich.
Ausbildung, Verantwortung und ein Herz für Technik
In seiner Schulzeit an einer höheren Handelsschule machte Andrew B. ein Praktikum in einer Autowerkstatt, das prägend für seine berufliche Laufbahn war. Besonders die händische Arbeit mit den benötigten Werkzeugen und das sichtbare Ergebnis der Arbeit am Fahrzeug weckten sein Interesse für die Technik. Anschließend ging er als Freiwillig Wehrdienstleistender zur Bundeswehr, danach begann er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei Audi, die er erfolgreich abschloss.
Anfang 2020 folgte die Wiedereinstellung direkt bei der Flugbereitschaft BMVg in Köln. Hier sammelte Andrew B. erste Erfahrungen im militärischen Umfeld und in der technischen Arbeit am Luftfahrzeug. „Die Ausbildung ist fordernd, bietet aber gleichzeitig sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten“, erklärt er. Später durchlief er die Lehrgänge zum Feldwebel und erhielt die nötigen Qualifikationen auf diversen technischen Lehrgängen. Ein wichtiger Schritt für seine weitere Entwicklung mit Ausblick auf mehr Verantwortung.
Hauptfeldwebel Andrew B. vor seinem Arbeitsplatz: Präzision, Verantwortung und Technik im Zeichen der Luftfahrt
Bundeswehr/Saskia Meike
Sowohl außerhalb als auch innerhalb des Luftfahrzeugs wird alles geprüft. Die Verantwortung ist groß, denn auf die Technik verlässt sich am Ende die gesamte Besatzung.
Bundeswehr/Saskia Meike
Einen völlig „normalen“ Arbeitstag gibt es für Fluggerätmechaniker nur bedingt. Denn der jeweilige Arbeitsalltag hängt davon ab, über welche Freigaben und Qualifikationen man bereits verfügt. Andrew B. ist inzwischen in der Lage, die meisten Aufgaben an der Bombardier Global 5000 und 6000 durchzuführen. Dazu gehört beispielsweise die Kontrolle wichtiger Betriebsstoffe und Systeme, vom Hydraulikstand über den Sauerstoffvorrat bis hin zum Zustand der Reifen.
Treten unterwegs oder vor einem Flug Störungen auf, ist es Andrew B.s Aufgabe, die Ursache schnell zu finden und das Problem fachgerecht zu beheben. Für ihn sind dabei auch seine guten Englischkenntnisse wichtig, denn viele technische Unterlagen und Bedienungsanleitungen der in Kanada hergestellten Flugzeuge liegen nur auf Englisch vor.
Werdegang
02/2020–04/2020
Grundausbildung
Heide
05/2020–07/2023
Laufbahnlehrgänge
Appen
10/2020–06/2022
Technische Lehrgänge
Diverse Standorte
01/2023–03/2023
Spezialisierungslehrgang Global
Montreal
03/2024–09/2024
Weitere technische Lehrgänge
Faßberg
Seit 05/2020
Flugbereitschaft BMVg
Köln
Nach dem Flug ist vor dem Flug
Bei der Vorflugkontrolle führen Andrew B. und sein Team zunächst einen Kontrollgang durch, bei dem das Luftfahrzeug auf sichtbare Schäden und Auffälligkeiten geprüft wird. Dabei werden unter anderem Reifen und Triebwerk äußerlich kontrolliert. In der Regel inspizieren drei bis vier Technikerinnen und Techniker gemeinsam das Luftfahrzeug und prüfen es auf elektronische sowie mechanische Probleme. Nach dem Flug übernimmt das Technikpersonal das Luftfahrzeug von der Besatzung, kontrolliert wie vor dem Flug alle wichtigen Systeme und Füllstände der verschiedenen Betriebsstoffe und bereitet es auf seinen nächsten Einsatz vor.
Für Andrew B. bedeutet sein Beruf, kontinuierlich zu lernen, weitere Qualifikationen zu erwerben und Schritt für Schritt mehr Verantwortung zu erhalten. Mit einer klaren Perspektive für die Zukunft in der militärischen Luftfahrttechnik sieht er mit etwas Spannung und viel Freude auf den nächsten anstehenden beruflichen Meilenstein. Demnächst erhält er seine Freigabeberechtigungen und kann damit zuerst seine eigenen Arbeiten an der Maschine abnehmen und anschließend auch die anderer Kameradinnen und Kameraden.
Drei Fragen an Hauptfeldwebel Andrew B.
Was ist das Beste an ihrem Job?
Mein Vater war bei der U. S. Army und auch ich habe durch meine Verpflichtung bei der Bundeswehr das Gefühl, nicht nur meine berufliche Berufung gefunden zu haben, sondern meinem Land auch etwas zurückgeben zu können. Mein Dienst bei der Bundeswehr und für die Bundesrepublik ist für mich zugleich Ausdruck von Dankbarkeit.
Welche drei Eigenschaften/Fähigkeiten muss ein Fluggerätmechaniker mitbringen?
Mitbringen sollte man Wissbegierde und Lernbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt sowie gute Englischkenntnisse, insbesondere in technischem Englisch. In der Luftfahrt dürfen keine Fehler passieren. Deshalb ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen, sehr sorgfältig zu arbeiten und bereit zu sein, ständig dazuzulernen. Wer zudem früh gute Englischkenntnisse mitbringt, hat später klare Vorteile, weil viele technische Unterlagen, Handbücher und Anweisungen auf Englisch sind.
Warum haben Sie sich für eine militärische Laufbahn entschieden?
Ich fand die Fliegerei schon immer interessant. Durch meinen damaligen Freiwilligen Wehrdienst war der Schritt, als Kfz-Mechatroniker zurück zur Bundeswehr zu wechseln, nicht sehr groß. Es war die beste Lösung, um meine technische Begeisterung mit der Fliegerei zu verbinden.