Duale Berufsausbildung bei der Bundeswehr
In den Ausbildungswerkstätten erlernen junge Menschen zivile Berufe mit Zukunft.
In der Ausbildungswerkstatt Holzdorf können junge Menschen zwei zivile Berufe lernen: Elektronikerin und Elektroniker für Geräte und Systeme sowie Fluggerätmechanikerin und Flugzeugmechaniker Fachrichtung Instandhaltungstechnik. Die einen sorgen für den sicheren Betrieb eines Luftfahrzeugs, die anderen für die korrekte Funktion elektronischer Geräte.
Für Außenstehende ist die Werkstatt für die Fluggerätmechanikerinnen und Fluggerätmechaniker auch von oben nicht einzusehen. Wer sie kennenlernen will, kann das aber schon bei einem Schul- oder Ferienpraktikum tun.
BundeswehrDie Bundeswehr steht für Sicherheit, Souveränität und Schutz – im In- und Ausland. Damit sie ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen kann, braucht sie neben Soldatinnen und Soldaten auch qualifizierte zivile Fachkräfte.
In den Ausbildungswerkstätten der Bundeswehr lernen junge Menschen technische, elektronische oder auch IT-Berufe beim Arbeitgeber Bundeswehr.
Die Ausbildungswerkstatt im Südwesten Brandenburgs an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt bietet jedes Jahr 26 engagierten Schulabgängerinnen und Schulabgängern die Chance, einen von zwei zivilen technischen Berufen zu erlernen. Erfahrene Ausbilderinnen und Ausbilder sowie ein kollegiales Umfeld sorgen dafür, dass Theorie und Praxis optimal zusammenfinden.
Elektronikerinnen und Elektroniker für Geräte und Systeme stellen elektronische Geräte her, überprüfen diese und fertigen die erforderlichen Systemdokumentationen dafür an. Das Installieren und Konfigurieren von Programmen oder Betriebssystemen gehört ebenso wie die Beschaffung von Bauteilen und Betriebsmitteln zu den Aufgabenfeldern. Die Planung von Produktionsabläufen, das Einrichten von Fertigungsmaschinen und Mitwirken in der Qualitätssicherung sind weitere Tätigkeitsfelder der Elektronikerinnen und Elektroniker für Geräte und Systeme. Darüber hinaus umfasst auch das Suchen und Beseitigen elektronischer Fehler sowie die Wartung das Aufgabenspektrum des Berufs.
Fluggerätmechanikerinnen und Fluggerätmechaniker der Fachrichtung Instandhaltungstechnik sind unter anderem für die Kontrolle der Funktionsfähigkeit und Sicherheit der Fluggeräte und ihrer Systeme nach jeder Landung beziehungsweise vor jedem Start verantwortlich. In vorgeschriebenen Intervallen warten und überholen sie die Fluggeräte nach vorgegebenen Verfahrensweisen. Sie untersuchen zum Beispiel Rumpf, Tragflächen, Leit-, Fahr- und Triebwerk auf Schäden, prüfen Sicherheitseinrichtungen und Systeme und werten Bordcomputer aus. Bei der Wartung und auch bei Fehlermeldungen werden einzelne Systemkomponenten, zum Beispiel mechanische, hydraulische oder pneumatische Baugruppen oder Triebwerke, zerlegt, kontrolliert und, wenn nötig, auch einzelne Bauteile ausgetauscht. Nach der Montage führen die Fachkräfte die nötigen Einstellarbeiten durch und überprüfen die Funktion.
In beiden Ausbildungen werden gleichermaßen der Verstand und handwerkliches Geschick gefordert. Leistungsbereitschaft, Sauberkeit, Genauigkeit, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein sind dabei die Grundsteine für eine erfolgreiche Karriere.
In diesem Ausbildungsraum werden die Elektronikerinnen und Elektroniker für Geräte und Systeme auf ihren Beruf vorbereitet. Sie stellen elektronische Geräte her, überprüfen sie, installieren und konfigurieren Programme und Betriebssysteme.
Bundeswehr/Gunter Rziha
Gestatten: das Ausbildungsluftfahrzeug Piper PA42. An diesem Flugzeug üben die Fluggerätmechanikerinnen und Fluggerätmechaniker beispielsweise, wie man Rumpf, Tragflächen, Leit-, Fahr- und Triebwerk auf Schäden prüft.
Bundeswehr/Michelle NeubertBeide Berufsausbildungen dauern 42 Monate, also knapp dreieinhalb Jahre. Wer in der Schule und im Betrieb gute Leistungen bringt, kann die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen. Die Ausbildung richtet sich nach dem Berufsausbildungsgesetz und den rechtlichen Vorgaben des jeweiligen spezifischen Berufs. Nach erfolgreichem Abschluss ist gegebenenfalls eine Weiterbeschäftigung bei der Bundeswehr möglich: als ziviler Mitarbeiter oder zivile Mitarbeiterin, bei entsprechender Eignung in den Beamten- oder in der militärischen Laufbahn.
Sämtliche Abschlussprüfungen finden vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) statt. Die praktische Prüfung erfolgt dabei am gewohnten Arbeitsplatz in der Ausbildungswerkstatt.
Die Ausbildungswerkstatt Holzdorf ist modern ausgestattet. Im Bereich der Elektronikausbildung stehen für alle Auszubildenden zeitgemäße Elektronikwerkbänke mit sämtlichen Werkzeugen und Messgeräten zur Verfügung. Vom 3D-Drucker über eine CNC-Leiterplattenfräse bis hin zur IR Rework Station werden die Auszubildenden umfassend und zukunftsorientiert an fortschrittliche Arbeitsgänge herangeführt.
Für die Fluggerätmechanikausbildung stehen neben diversen Ausbildungsluftfahrzeugen wie Piper PA 42 oder Bo105 auch ausreichend Triebwerktypen, Hydraulik- beziehungsweise Pneumatikschulungsstände sowie Spezialwerkzeuge und Bodenprüfgeräte bereit. An ihnen werden die Grundlagen der Fluggerätmechanik vermittelt, wiederholt und gefestigt. Weitere Erfahrungen und auch die Möglichkeit der praktischen Anwendung ergeben sich im dritten Ausbildungsjahr. Dann wird die Ausbildung direkt im Verband in Holzdorf an den Luftfahrzeugen vermittelt.
Die Auszubildenden können alle Angebote des Standorts – von der Fitnesshalle über das Schwimmbad bis hin zur Truppenküche – sowie wöchentlichen Dienstsport in Anspruch nehmen.
Die Werkstatt arbeitet eng mit anderen Ausbildungseinrichtungen und weiteren Dienststellen der Bundeswehr zusammen. Durch Truppenbesuche und Kennenlernpraktika, können Auszubildende die Arbeitsfelder der Bundeswehr direkt erleben. So sehen sie, wie ihre Arbeit später im realen Einsatzumfeld Wirkung zeigt – sei es in der Instandsetzung, der Flugbereitschaft, in der IT-Technik oder in Werkstätten der Bundeswehrverwaltung.
Auch für Schülerinnen und Schüler hat der Standort einiges zu bieten. Beispielsweise können sie ein Schulpraktikum oder ein Ferienpraktikum am Standort oder in der Ausbildungswerkstatt absolvieren Und so schon vor dem Ende der Schulzeit in ihren künftigen Beruf hineinschnuppern. Alles beginnt mit einer Anfrage per E-Mail an: HSG64Ausbildungswerkstatt@bundeswehr.org
Die Einstellung erfolgt immer zum 1. September eines Jahres. Interessierte bewerben sich über das Bewerbungsportal der Bundeswehr.
Voraussetzung für einen Start in einen dieser Berufe ist mindestens ein qualifizierter Haupt- oder Realschulabschluss. Gute Noten in Deutsch, Mathematik und Physik sind von Vorteil – ebenso wie Interesse an der Luftfahrtechnik oder Elektronik (je nach Berufsrichtung), handwerkliches Geschick und Teamfähigkeit.
Das Auswahlverfahren gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil ist ein schriftlicher Test, in dem unter anderem mathematisches, physikalisches und technisches Verständnis geprüft wird. Dann folgt ein praktischer Teil und im Anschluss ein kurzes Kennlerngespräch.
• Tabellarischer Lebenslauf
• Letztes Schulzeugnis
• Bei Minderjährigen: Einverständniserklärung der Sorgeberechtigten
• Gegebenenfalls Praktikums- oder Tätigkeitsnachweise
• Gegebenenfalls ein Nachweis einer Schwerbehinderung oder Gleichstellung
Hinweis: Für den Bereich der Fluggerätmechaniker ist im Voraus eine Sicherheitsüberprüfung erforderlich.
Die Ausbildungswerkstatt Holzdorf ist eine von 27 Ausbildungswerkstätten der Bundeswehr in Deutschland, in der technische Berufe gelehrt werden. Ob bei der Luftwaffe in Wunstorf, bei der Marine in Flensburg oder beim Heer in Aachen – überall werden junge Menschen praxisnah durch hauptamtlich eingesetztes Ausbildungspersonal auf ihr Berufsleben vorbereitet.
von Gunter RzihaBundeswehr-Dienstleistungszentrum Doberlug-Kirchhain Bereich Personalmanagement Frau Fritsch
Ausbildungswerkstatt Holzdorf Ausbildungsleiter Herr Rziha