WIWeB-Forscherin gewinnt Adhesion Innovation Award 2020

WIWeB-Forscherin gewinnt Adhesion Innovation Award 2020

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  • Wehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe
Datum:
Ort:
Erding
Lesedauer:
3 MIN
Eine Frau arbeitet an Gerätschaften in einem Labor

Elisa Arikan arbeit an einem Photoelektronenspektroskop. Die Wissenschaftlerin findet am WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe ideale Voraussetzungen für ihre Arbeit.

Bundeswehr/WIWeB

Elisa Arikan wurde kürzlich für ihre wissenschaftliche Arbeit mit dem EURADHEuropean Adhesion Conference & FEICA Award for Innovative Adhesion Science 2020 ausgezeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre für herausragende Publikationen von jungen Forschenden auf dem Gebiet der Klebtechnik vergeben.

Elisa Arikan ist Wissenschaftlerin und Beamtin am Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe der Bundeswehr (WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe). Im Rahmen ihrer Promotion an der Universität der Bundeswehr in München, untersuchte sie am WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe das hochfeste Kleben von Kunststoffen.

Hochfestes Kleben bedeutet Verbindungen zu schaffen, die hohe Lasten und Kräfte im Strukturbereich standhalten sollen.

„Hochfestes Kleben bedeutet Verbindungen zu schaffen, die hohe Lasten und Kräfte im Strukturbereich standhalten sollen,“ weiß die Wissenschaftlerin. Diese geklebten Verbindungen können Schrauben, Nieten oder Bolzen im besten Fall komplett ersetzen. Verzichte man auf diese Verbindungselemente, erspart man sich das Gewicht am Luftfahrzeug und in der Folge beispielsweise auch den Treibstoff.

Exzellente Ressortforschung für die Bundeswehr

Eine Frau steht hinter einem Rednerpult, hinter ihr wird eine Bildschirmpräsentation abgespielt

Die Ergebnisse der Forschungsgruppe "Strukturelles Kleben" sind international anerkannt. Elisa Arikan präsentiert ihre Veröffentlichung auf einer Konferenz der Adhesion Society in den USAUnited States of America.

Bundeswehr/Felix Zimmer

Das WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe verfügt über verschiedene Forschungsgruppen. Eine davon ist die Gruppe „Strukturelles Kleben“ unter der Leitung von PDPrivatdozent Dr.-Ing. habil.habilitatus Jens Holtmannspötter. Der Leitende Technische Regierungsdirektor baute die Gruppe vor über zehn Jahren auf. Im internationalen Vergleich gehört sie zu den führenden Forschungsgruppen auf dem Gebiet des strukturellen Klebens von Verbundwerkstoffen beziehungsweise von Polymeroberflächen. Das belegen unter anderem drei weitere Preise für die jeweils besten Beiträge auf internationalen wissenschaftlichen Konferenzen im vergangenen Jahr.

Die aus der Gruppe „Strukturelles Kleben“ gewonnenen Forschungsergebnisse nutzt die Bundeswehr insbesondere für die Luftfahrt. Die Erkenntnisse ermöglichen neue und leistungsfähigere Bauweisen-Konzepte und werden zunehmend in die Gestaltung von militärischen Leichtbaustrukturen einfließen. Speziell im Hinblick auf die Reparatur von Faserverbundstrukturen sowie deren luftfahrtindustrieller Zulassung ist die Arbeit von großer Bedeutung.

Vorgeschlagen durch die Vorgesetzten

Mit dem Untersuchen der Wirkung von Oberflächen-Vorbehandlungsverfahren auf die Klebfestigkeit erarbeitete die Diplom-Ingenieurin ein grundlegendes Wissen über Adhäsionsmechanismen. Umgangssprachlich übersetzt: Wodurch haftet der Klebstoff auf den Kunststoffoberflächen? Die Ingenieurin erbrachte - entgegen der gängigen Lehrmeinung - den Beweis, dass Haftung hauptsächlich von der Oberflächenrauheit und nicht von der Oberflächenchemie bestimmt wird. Ihre Erkenntnisse beeindruckten ihre Vorgesetzten. Sie schlugen die 33-Jährige vor, sich für den EURADHEuropean Adhesion Conference & FEICA Award for Innovative Adhesion Science zu bewerben. Unterstützt durch ein entsprechendes Empfehlungsschreiben, reichte die junge Forscherin ihre Veröffentlichung ein.

Forschung im molekularen Bereich

Ihre englischsprachige Veröffentlichung trägt den deutschen Titel: „Die Rolle der chemischen Oberflächenmodifikation für das strukturelle Kleben von Polymeren – Abwaschbarkeit der chemischen Funktionalisierung ohne Verlust an Klebfestigkeit“. Die Jury bestätigt der Arbeit einen herausragenden Beitrag für das Verständnis von sogenannten Adhäsionsvorgängen. Der Beitrag ist von großer Bedeutung sowohl für die militärische als auch die zivile Luftfahrt. Besonders wurde die Qualität der angewandten Methoden hervorgehoben. Mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit setzte sich die Beamtin gegen neun Wettbewerbsteilnehmende durch.

Detailansicht eines Laborgeräts

In der Analysekammer der Photoelektronenspektroskopie (XPS) wird die chemische Zusammensetzung vor allem von Festkörpern beziehungsweise deren Oberfläche zerstörungsfrei bestimmt

Bundeswehr/WIWeB

Bereits die zweite Auszeichnung

Für die Doktorandin ist es die zweite Auszeichnung. Bereits 2018 wurde Arikan von der Adhesion Society in den USAUnited States of America mit dem Distinguished Paper Award für ihre Arbeit „Vakuum-UV Behandlung von Polyetheretherketon (PEEKPolyetheretherketon) als Vorbehandlungsverfahren struktureller Klebungen“ ausgezeichnet.

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Ihre Promotionsarbeit hat sie bereits an der Universität der Bundeswehr München eingereicht. In Kürze wird sie ihre Dissertation verteidigen. Einen Grund zu feiern gab es schon:  Seit dem 1. April 2020 ist die Wissenschaftlerin am WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe angestellt. Sie verstärkt dort das Geschäftsfeld „Oberflächentechnologie und Oberflächenanalytik“.

von Dennis König
Das WIWeB aus der Luft

Weitere Informationen zum WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe

Von Textilien über Betriebs- und Werkstoffe bis zu Chemikalien: Welches Wehrmaterial für die Bundeswehr geeignet ist, testet das WIWeB.