Heer

Der harte Weg zum UNUnited Nations-Militärbeobachter

Der harte Weg zum UNUnited Nations-Militärbeobachter

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
3 MIN

Am Vereinte Nationen Ausbildungszentrum Bundeswehr (VNAusbZBw) werden Soldaten zu UNUnited Nations-Militärbeobachtern ausgebildet. Trotz der Erschwernisse unter Corona-Bedingungen wird der Lehrgang United Nations Military Observer (UNMOC) ausgerichtet. Diese Einsatzvorbereitung bietet Ausbildungsszenarien, die es in sich haben.

Ein Blauhelm-Soldat steht im Erdgeschoss eines Hauses und löscht ein Feuer.

Die Szenarien, in die ein Militärbeobachter im Einsatz geraten kann, sind äußerst vielfältig. Am Vereinte Nationen Ausbildungszentrum Bundeswehr werden die Lehrgangsteilnehmenden auf möglichst viele dieser Szenarien bestens vorbereitet.

Bundeswehr/Christian Pape

Die Luft ist kalt und trocken, der sandige Boden staubig und weich. Die Stiefel finden keinen Halt und das Gehen fällt schwer. Es herrscht angespannte Stimmung und jeder der Anwesenden rechnet damit, dass auf dem Marktplatz gleich etwas passiert. Plötzlich donnert eine Explosion. Aus einer Ecke steigt Rauch auf und ein Baby schreit. Alle ducken sich, suchen Schutz hinter Mauern, Marktständen oder Fahrzeugen. Im aufkommenden Chaos versuchen die Lehrgangsteilnehmenden des UNMOC, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen, um das zuvor geübte Verhalten in dieser Ausnahmesituation anzuwenden. Diese Geschehnisse spielen sich nicht in einem fernen Einsatzland ab, sondern im bayerischen Hammelburg. In einer Ausbildungshalle ist ein komplett eingerichteter, einsatzlandtypischer Marktplatz möglichst originalgetreu nachgestellt. Die Menschen, die den „Marktplatz“ mit Leben füllen, werden von Soldaten der Unterstützungskompanie des VNAusbZBw gestellt. Die Verletzungen, die durch die Explosion entstehen, werden von Spezialisten künstlich modelliert, sodass ein beeindruckend realistisches Aussehen der dargestellten Verwundungen entsteht. Der Abtransport der Verwundeten kann – je nach Szenario – auch mit einem ausgedienten Hubschrauber geübt werden. Die Lehrgangsteilnehmenden haben zwölf Tage Zeit, um zu lernen, wie sie sich, ihr Team und verletzte Zivilisten in verschiedenen Situationen organisieren und fachgerecht versorgen. Neben dem richtigen Verhalten bei Kampfhandlungen werden die künftigen UNUnited Nations-Militärbeobachter auch zu Geburtshelfern ausgebildet. Sie lernen Schlangenbisse zu behandeln oder eine zahnärztliche Notversorgung zu leisten.

Ein breites Ausbildungsspektrum

Zwei Blauhelmsoldaten und zwei weitere Soldaten kümmern sich um einen liegenden Verletzten.

Die angehenden Militärbeobachter kümmern sich um einen Verwundeten. Die Ausbildung ist vielfältig: Vom Schlangenbiss bis zur Notversorgung eines Zahnes muss jeder Handgriff sitzen. Die Erstversorgung wird immer wieder geübt.

Bundeswehr/Christian Pape

Die Situationen, in die ein Militärbeobachter im Einsatz geraten kann, sind äußerst vielfältig und genau darauf werden die Lehrgangsteilnehmenden in Hammelburg vorbereitet. Sie lernen sich breitbandig medizinisch zu versorgen, da bei Patrouilleneinsätzen die nächstgelegene ärztliche Unterstützung oft Hunderte Kilometer entfernt sein kann. Die Aufgabe, deutsche und auch internationale Soldatinnen und Soldaten zu Militärbeobachtern auszubilden, ist seit 1999 einer der wesentlichen Aufträge des VNAusbZBw. Zudem bereitet das Ausbildungszentrum die Angehörigen der Streitkräftebasis auf ihre Auslandseinsätze vor. Auch das Zivilpersonal der Bundeswehr wird in Hammelburg für den Einsatz im Ausland ausgebildet. Die Männer und Frauen unterstützen dort mit ihren Fachkenntnissen die Truppe vor Ort. Darüber hinaus bietet das Zentrum für zivilstaatliche Dienststellen und internationale Hilfsorganisationen das Hostile Environment Awareness Training (HEAT) an, bei dem Mitarbeiter dieser Organisationen lernen, unter Beschuss und komplexen Anschlagsszenarien zweckmäßig zu handeln. Das Angebot wird durch weitere Lehrgänge aus den Bereichen mobile Überwachungstechnik und Sprachausbildung abgerundet. Sämtliche Ausbildungen sind für die Erfüllung der Einsatzaufgaben der Bundeswehr unverzichtbar.

Trotz Corona-Auflagen erfolgreich

Ein Soldat zieht einen Ertrinkenden im Wasser mit sich, während ein anderer an Land ihm eine Stange reicht.

Die Patrouillenausbildung mit Hubschrauber und Schnellboot ist Teil des Militärbeobachter-Lehrgangs, ebenso das Retten und Wiederbeleben eines Ertrinkenden.

Bundeswehr/Alex Rettner

Die Corona-Auflagen stellen das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum vor neue Herausforderungen, denn die Ausbildung muss weitergeführt werden. Die Lehrgänge müssen den Anforderungen so angepasst werden, dass die Inhalte erhalten bleiben und dabei alle geforderten Sicherheitsauflagen erfüllt werden. Die Auswirkungen auf den UNMOC-Lehrgang sind dabei am deutlichsten. In Abstimmung mit den Vertragspartnern aus der Schweiz, Österreich und den Niederlanden findet die Abschlussübung des Lehrgangs nicht mehr in der Bodenseeregion, sondern auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg statt. Das Ausbildungsprogramm wird an die örtlichen Gegebenheiten angepasst, doch den Teilnehmern wird dennoch einiges abverlangt: bei Patrouillen mit einem Hubschrauber und mit Schnellbooten auf dem Main. Sie müssen zwischen zwei zerstrittenen Kriegsparteien vermitteln und etliche emotional aufgeladene Situationen entschärfen. Trotz der coronabedingten Erschwernisse wird der Lehrgang durch die Bundespolizei unterstützt. Die teilnehmenden Beamten bringen sich dabei mit ihrem polizeilichen Fachwissen und ihrer Einsatzerfahrung ein.

Im Jahr 2020 sind 17 männliche und vier weibliche Offiziere zu Militärbeobachtern ausgebildet worden. Einige davon sind bereits für 2021 für die Teilnahme an einer konkreten Mission der Vereinten Nationen eingeplant. Die lagebedingten Veränderungen und Umplanungen der Ausbildung haben eine weitere positive Seite: Alle Beteiligten sind gezwungen, bekannte Wege zu verlassen und neue Lösungsansätze zu suchen und zu finden. Das kameradschaftliche Miteinander aller Beteiligten ist aus dieser Umstellung gestärkt hervorgegangen. Durch persönliches Engagement, Erfindungsreichtum und Fleiß ist der Ausbildungserfolg gesichert.

von Charlene Becker

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