Heer

Fallschirmjäger auf vier Pfoten

Fallschirmjäger auf vier Pfoten

  • Diensthundewesen
  • Heer
Datum:
Ort:
Seedorf
Lesedauer:
5 MIN

Sie schützen Kameraden, spüren Sprengstoffe und Kampfmittel auf und überwältigen feindlich gesinnte Kräfte. In vielen Bereichen der Bundeswehr vollbringen Diensthunde mit ihren Diensthundeführern großartige Leistungen. Der Diensthundezug der 1. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31 ist mit 18 Diensthunden aufgestellt.

Der Diensthundeführer geht in großen Schritten über die Übungswiese, während der Diensthund Slalom durch seine Beine läuft.

Diensthund Chaos wendet die Augen keine Sekunde ab, während er in schnellem Tempo bei jedem Schritt zwischen den Beinen hindurchflitzt.

Bundeswehr/Markus Mader

Als Minenspürhund bei den Pionieren oder als Schutz-, Sprengstoff- und Drogenspürhund bei der Luftwaffensicherungstruppe und den Feldjägern leisten die Vierbeiner, meist der Rasse Schäferhund, ihren Dienst. Einen besonders breiten und interessanten Einsatzbereich finden sie jedoch beim Kommando Spezialkräfte und bei den Fallschirmjägern. Hier werden aber auch ganz besondere Anforderungen an die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit des Diensthundeteams gestellt.

Stillsitzen statt bellen

Ein Soldat hält ein rund fünf Zentimeter langes, beschriftetes Röhrchen in der Hand.

Die Schäferhunde werden mit Geruchsproben wie dieser darauf trainiert, mehr als 20 verschiedene Gerüche zu unterscheiden und entsprechend zu reagieren.

Bundeswehr/Markus Mader

Für Diensthund Bruno steht als Erstes das Spüren nach Chemikalien zur Sprengstoffherstellung auf dem Programm. Das Fahrzeug wird mit der zufällig ausgewählten Chemikalie präpariert. Erst danach holt Oberstabsgefreiter Gregor Jerke seinen Diensthund Bruno dazu. Bruno fängt sofort an, zu spüren.

Die Diensthunde der Seedorfer Fallschirmjäger kennen über 20 verschiedene Geruchsproben. Zudem sind sie in der Lage, binnen kürzester Zeit neue Stoffe zu erlernen und in ihrem Geruchsgedächtnis abzuspeichern. Das sei gerade im Einsatz wichtig, denn sobald neue Stoffe zur Sprengstoffherstellung auftauchten, könne man die Hunde schnell auf den neuen Geruch trainieren, erklärt der Ausbilder.

Die Fähigkeit versteckte Sprengmittel, Sprengfallen und auch Waffen schnell aufzufinden, geben den Soldaten im Einsatz einen zusätzlichen Schutz. Unterdessen ist Bruno die Freude an seiner Arbeit anzusehen. Schnell entdeckt er die Probe im hinteren rechten Radkasten und setzt sich hin. Das ist Vorschrift, so hat er es gelernt. Die Hunde dürfen die Sprengmittel nicht zufällig auslösen. Durch das Hinsetzen zeigen sie diese an und dürfen sie keinesfalls berühren. Der Lohn für die Arbeit, ein Spiel mit seinem Partner Jerke.

Den Spürnasen entgeht nichts

Ein Hund schnüffelt am Hinterrad eines Fahrzeugs.

Sprengstoff liegt in der Luft: Aufmerksam spürt Diensthund Bruno dem Geruch nach.

Bundeswehr/Markus Mader

Tägliches Training ist bei den Diensthunden des Fallschirmjägerregiments 31 im niedersächsischen Seedorf selbstverständlich. Die Hunde kann man schließlich nicht einfach übers Wochenende auf dem Parkplatz abstellen. Der Zugführer des Diensthundezuges der 1. Kompanie plant die unterschiedlichen Trainingseinheiten. Tägliche abwechslungsreiche, umfangreiche und zugleich spielerische Ausbildung auf hohem Niveau sei sehr wichtig für die Hunde, aber auch deren Diensthundeführer, erklärt der Zugführer. Jeder Diensthundeführer habe seinen eigenen Diensthund, um den er sich kümmern müsse. Die Anforderungen an die Teams sind hoch.

Für den Diensthundeführer sind die Voraussetzungen eine mindestens achtjährige Restverpflichtungszeit, zwei Jahre Diensterfahrung in einer Kampfkompanie, dazu eine hohe geistige Reife und gute kognitive Fähigkeiten. Spaß an der Arbeit mit den Hunden und ein gesundes Selbstvertrauen kämen noch hinzu. Der Diensthund wird als Welpe von einem erfahrenen Diensthundeausbilder ausgesucht. Er hat dabei die spätere Verwendung des Hundes im Blick. Sie müssen äußerst dominant, mutig, verspielt, intelligent, stressresistent und lernwillig sein. Hier haben sich die belgischen und holländischen Schäferhunde durchgesetzt.

Im Gegensatz zu zivilen Mensch-Hunde-Partnerschaften suchen sich die beiden Partner ihren jeweils anderen nicht selbst aus. Sie werden einander vom Diensthundeausbilder anhand von Charakterzügen beider Seiten zugeteilt. Ob das klappen kann? Ja, wie man an den Hundeteams eindrucksvoll erkennt.

Alle Soldaten des Hundezuges sind ausgebildete Fallschirmspringer. Ausgebildet und zum Team zusammengeschweißt werden Diensthund und Diensthundeführer auf einem elfmonatigen Lehrgang an der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr im rheinland-pfälzischen Ulmen. Mehrere Stunden dauert die tägliche gemeinsame Ausbildung mit dem Ziel, „Spezialdiensthundeführer“ zu werden.

Der Hundezug im Fallschirmjägerregiment 31

Der Diensthund sitzt vor dem rechten Hinterreifen. In Höhe der Motorhaube steht ein Soldat.

Geschafft! Hier ist die Chemikalie zur Sprengstoffherstellung.

Bundeswehr/Markus Mader

Von Anfang an, ein ganzes Diensthundeleben lang, ist es eine der ersten und wohl wichtigsten Trainingseinheiten der Diensthundeteams: die Unterordnung. Doch wer jetzt an eine harte Hand, drakonische Strafen oder ähnliches denkt, der hat weit gefehlt. Diensthund und sein Diensthundeführer sind ein starkes Team. Ein Team, das sich zu hundert Prozent aufeinander verlassen kann. Es bildet sich durch klare Rangfolgen und ein unbedingtes Vertrauen auf den anderen. „Chaos ist ein echter Kumpel, auf den ich mich immer verlassen kann“, so Oberstabsgefreiter Andreas Sternberg über seinen Diensthund.

Die beiden bringen eindrucksvoll zum Ausdruck, was eine Diensthundepartnerschaft ausmacht. Bei der Unterordnung ist Chaos die ganze Zeit zu hundert Prozent bei seinem Alpha, seinem Führer. Er wendet die Augen und seine Aufmerksamkeit keine Sekunde vom Oberstabsgefreiten ab. Wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, passt Chaos sich ihm im Spiel an. Dabei hat er sichtlich Riesenspaß. Doch vorgesetzt ist immer der Diensthundeführer.

Die Schutzdienstausbildung

Lachend hinuntergebeugt begrüßt ein Soldat, den auf ihn zulaufenden Hund.

Endlich spielen wir: Diensthund Chaos hat sichtlich Spaß.

Bundeswehr/Markus Mader

Es könnte jetzt der Eindruck entstehen, die Diensthunde der 1. Kompanie des Fallschirmjägerregiment 31 seien nette, verspielte Schoßhündchen. Weit gefehlt, wie sich im nächsten Ausbildungsabschnitt zeigt. Bei der Schutzdienstausbildung geht es darum, feindliche Kräfte zu stellen, auch nach längerer Observation. Diese kann unmittelbar in das Stellen der feindlichen Kräfte übergehen. „Egal wie sie aussehen oder wie aggressiv sie sich verhalten: Hier zeigt sich die unglaubliche Leistungsfähigkeit der Diensthunde“, so der Ausbilder. Nur einen Moment später fliegt Dio auf Befehl von seinem Diensthundeführer, Oberfeldwebel Eugen Kempf, auf eine zu stellende Person zu. Dieser Teil der Arbeit ist der Schutzdienst. Der Hund stellt eine aufgeklärte, also entdeckte, Person und lässt sich nicht abschütteln. Erst sein Partner kann ihn von der Zielperson lösen.

„Die Hunde werden an unterschiedlichen Orten und Szenarien geschult. Nur so bekommen sie die notwendige Erfahrung und machen Fortschritte. Es ist wichtig, dass der Hund immer erfolgreich vom Platz geht. Das stärkt sein Selbstbewusstsein und festigt das Erlernte“, so Hauptfeldwebel Matthias Hönscher, Zugführer des Diensthundezuges und selbst ein erfahrener Diensthundeführer. „Ich selbst habe die Gelegenheit genutzt und aktiv als Angreifer an dieser Ausbildung teilgenommen.“ Es sei beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit, Kraft und Präzision die Tiere vorgehen würden. „Aus dieser gewonnenen Erfahrung kann ich sagen: Man hat keine Chance. Am Ende war ich froh, dass die Hunde aufs Wort ihres Diensthundeführers hören und sofort ablassen.“ Die Diensthunde des Hundezuges der 1. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31 aus Seedorf sind ernstzunehmende Kampfgefährten.

von Markus Mader

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