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Ausbilder machen sich fit, bevor die Rekruten kommen

Ausbilder machen sich fit, bevor die Rekruten kommen

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Seedorf
Lesedauer:
4 MIN

Die Coronakrise hat alles geändert: Die Grundausbildung (GAGrundausbildung) beim Fallschirmjägerregiment 31 sollte am 1. April beginnen und ist jetzt auf den 2. Juni verschoben. Dann erst kommen die neuen Rekruten. Doch die 10. Kompanie des Regiments 31 aus Seedorf nutzt die Wartezeit und bildet ihre Ausbilder intensiv weiter – theoretisch und praktisch.

Soldaten liegen in schräger Reihe auf Kokosmatten und zerlegen Gewehre. Der Ausbilder beobachtet sie im Hintergrund.

Hoch motiviert bereiten sich die Soldaten der 10. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31 bei der Waffen- und Geräteausbildung auf die Rekruten vor.

Bundeswehr/Markus Mader

„Uns ist es wichtig für unseren Nachwuchs bestmöglich vorbereitet zu sein. Daher nutzen wir jede Möglichkeit, alle Soldaten unserer Kompanie in Übung zu halten und auf die besonderen Herausforderungen dieser Grundausbildung vorzubereiten. Damit jeder Rekrut bestmöglich ausgebildet werden kann und sich gut aufgehoben fühlt“, sagt Oberleutnant Daniel Weiß, der Kompanieeinsatzoffizier der 10. Kompanie.

Einheitlicher Wissensstand als Ziel

Soldaten sitzen in einem großen Hörsaal mit Abstand voneinander und verfolgen aufmerksam den Vortrag eines Kameraden.

Auch das Lehren will gelernt sein: Die Ausbilder halten dafür Vorträge und unterrichten ihre Kameraden, um danach selbst die Rekruten ausbilden zu können.

Bundeswehr/Markus Mader

Die Ausbildergruppe der 10. Kompanie setzt sich aus dem erfahrenen Stammpersonal der Kompanie, den neu hinzuversetzten Ausbildern und ausgewählten Ausbildern der 2. Kompanie zusammen. Vor Beginn jeder Grundausbildung werden alle Ausbilder in allen Tätigkeitsfeldern auf denselben Wissens- und Ausbildungsstand gebracht. Die meisten Themen der GAGrundausbildung werden erst theoretisch behandelt, bevor es an die praktische Umsetzung geht. In den nächsten Tagen steht Politische Bildung, Orientieren im Gelände, Waffenausbildung und die Hindernisbahn auf dem Programm. Zudem nutzen die Ausbilder die Möglichkeit, selbst zu unterrichten und ihr praktisches Wissen aufzufrischen und zu vereinheitlichen. „Ich finde es gut, mich im Vorfeld nochmal an praktischen Beispielen auch in der Methodik der Ausbildung zu widmen. Zu wissen, wie man was den Rekruten am besten beibringt, das schafft Handlungssicherheit“, sagt ein Ausbilder.

Körperliche Leistung ist entscheidend

Ein Soldat mit Handschuhen, Helm und persönlicher Ausrüstung liegt am Boden und gleitet unter Drähten durch den Sand.

Die Ausbilder sollen unter Belastungen die eigenen Grenzen erfahren und daraus Folgerungen für die Ausbildung der Rekruten ziehen.

Bundeswehr/Markus Mader

Ein Ausbildungsziel der Grundausbildung ist es, dass die jungen Soldaten ihr eigenes körperliches Leistungspotenzial kennenlernen und verbessern. Das geschieht zunächst bei der allgemeinen Sportausbildung, die für die Rekruten vor Kurzem neu strukturiert wurde. Mit ihrer gesteigerten Fitness sollen die Rekruten dann den Ansprüchen des militärischen Dienstes jederzeit gerecht werden und zum Beispiel problemlos Hindernisse überwinden. Soldaten im Einsatz oder auf Übungen dürfen nicht an Zäunen, Türen oder niedrigen Mauern scheitern. Vor allem, wenn sie nicht mehr ausgeruht, gestärkt und ausgeschlafen sind, müssen sie in der Lage sein, körperliche Leistung abzurufen. Die Sekunden, die sie brauchen, um die nächste Deckung zu erreichen, können im Einsatz über Leben und Tod entscheiden.

Ein gutes Trainingsmittel für die Soldaten ist die Hindernisbahn. Rekruten erlernen Techniken, um die unterschiedlichen Hindernisse effizient und schnell zu überwinden, am Ende mit Ausrüstung, Gepäck und Waffe. Damit die Ausbilder ein gutes Gefühl dafür entwickeln, wie sie die Rekruten dabei Stück für Stück an ihre körperlichen Leistungsgrenzen heranführen können, üben sie dies selbst noch einmal intensiv. „So fällt es mir leichter, abzuschätzen, was ich unerfahrenen Rekruten zumuten kann, um sie langsam an die körperlichen Belastungen zu gewöhnen“, sagt ein Teilnehmer. 

Sterne statt GPSGlobal Positioning System

Zwei Soldaten mit Gepäck stehen auf einem Waldweg, der linke hält einen Kompass, der rechte einen Meldezettel in den Händen.

Die Ausbilder müssen in kleinen Trupps mithilfe von Kartenausschnitten und Kompass Markierungen im Gelände finden.

Bundeswehr/Markus Mader

Wer kennt es nicht: In einer neuen Umgebung ist der Weg zum Ziel unbekannt oder man verliert die Orientierung. Ein Griff in die Tasche und schon zeigt das Smartphone den Standort und den Weg. In der Grundausbildung lernen die Rekruten aber, sich mit dem analogen Handwerkzeug Karte und Kompass oder natürlichen Hilfsmitteln wie den Sternen oder der Sonne zu orientieren. Oft erleben die Soldaten Szenarien oder auch echte Einsatzsituationen, wo ihnen kein Strom zur Verfügung steht. Daher ist es sehr wichtig, auf altbewährte Methoden zurückgreifen zu können. 
Bei einem Orientierungsmarsch frischen die Ausbilder der 10. Kompanie ihre Fähigkeiten diesbezüglich auf. In kleinen Trupps müssen sie anhand von Kartenteilstücken, Himmelsrichtungen und Schrittzahlen verschiedene Punkte im Gelände suchen, um so ihre Marschstrecke zu finden. „Immer zu wissen, wo man gerade steht, woran man sich orientiert und wie man den richtigen Weg findet, schafft Vertrauen bei den Soldaten, die man führt. Das ist mir wichtig“, sagt ein Feldwebel und Gruppenführer.

Theoretischer Unterricht digital

Während sich die Ausbilder auf die bevorstehende Grundausbildung vorbereiten, kämpfen die jungen Rekruten derzeit an einer anderen Front. Sie erarbeiten sich zu Hause digital die theoretischen Ausbildungsabschnitte ihrer Grundausbildung. Die Ausbilder aus Seedorf lassen sie dabei nicht allein, sondern stehen ihnen während des Selbststudiums zur Seite. „Wir sind selbstverständlich telefonisch oder per E-Mail jederzeit für die Frauen und Männer erreichbar“, sagt Weiß.

Ein Soldat läuft eine sehr schräge Holzwand nach oben.

Auch hier müssen die Ausbilder fit sein.

Bundeswehr/Markus Mader

Die praktischen Anteile der GAGrundausbildung werden anschließend ab Juni in Seedorf unterrichtet. Die angehenden Fallschirmjäger erlernen ihr Handwerkszeug für einen vielfältigen und anspruchsvollen Beruf. Die jungen Rekruten und ihre Ausbilder erwartet in der sechswöchigen Präsenzphase eine spannende und abwechslungsreiche Zeit, zu der jeder, der gedient hat, seine eigenen Geschichten zu erzählen weiß. Die Geschichte der GAGrundausbildung im Jahr 2020 wird eine ganz besondere sein, denn ihr Ablauf und ihre Aufgaben haben sich, bedingt durch die Viruspandemie in Deutschland, geändert. 

Ausbildung auch am Wochenende

Im Vordergrund liegen Kokosmatten und Pistolen, im Hintergrund neben einer Birke stehen Soldaten vor ihrem Ausbilder.

Die Ausbilder nutzen die praktischen Übungen, um ihre Unterrichtskonzepte zu vereinheitlichen und sich selbst weiterzubilden.

Bundeswehr/Markus Mader

Dazu gehört, dass neben besonderen Hygienemaßnahmen die Rekruten und Ausbilder zur Reduzierung von Pendelbewegungen innerhalb der sechswöchigen Präsenzphase nicht an jedem Wochenende nach Hause fahren können und nicht ständig nach dem Dienst die Kaserne verlassen dürfen. Die Ausbildung läuft auch über die Wochenenden hinweg, um die sonst auf drei Monate gestreckten Ausbildungsziele zu erreichen. „Eine immense Belastung für uns alle“, bewertet Major Matthias Micheli, Kompaniechef der 10. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31, die Lage infolge der Corona-Pandemie. „Und das ist nur eine von vielen Anforderungen, die den Soldatenberuf ab Tag eins so besonders machen.“

von Markus Mader

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