Freedom Shield nachgebildet im Geländesandkasten
Landes- und Bündnisverteidigung- Datum:
- Ort:
- Pabrade
- Lesedauer:
- 3 MIN
Mit der Panzerbrigade 45 stellt Deutschland dauerhaft Kräfte in Litauen und übernimmt damit Verantwortung für die Verteidigung des NATO-Bündnisgebiets. Moderne Technologien wie Drohnen, Sensoren und digitale Führungsmittel spielen dabei eine wichtige Rolle. Doch bevor Soldatinnen und Soldaten im Gefecht handeln können, müssen sie das Gelände am Modell verstehen.
Alles was für das Gefecht von Bedeutung ist, wird im Geländesandkasten dargestellt. Beispielsweise die Stadt Pabrade.
Bundeswehr/Mario BährBei der Übung Freedom Shield in Litauen nutzt die Panzerbrigade 45 deshalb einen rund 85 Quadratmeter großen Geländesandkasten – etwa so groß wie eine Dreizimmerwohnung. Er bildet den Gefechtsstreifen der Brigade maßstabsgetreu ab. Geländeformen, Gewässer, Ortschaften und Bewegungsachsen werden dreidimensional dargestellt.
Solche übergroßen Modelle gehören seit Generationen zu den wichtigsten Führungs- und Ausbildungsmitteln des Heeres. Der Geländesandkasten übersetzt Karten, Luftbilder und Lageinformationen in eine dreidimensionale Darstellung. Räume, Grenzen, Nachbarn, Bewegungen und Schwerpunkte eines Gefechts werden sichtbar. Gerade bei multinationalen Übungen wie Freedom Shield ist das von besonderer Bedeutung. Die beteiligten Kräfte müssen dieselbe Lage verstehen und nach denselben Absichten handeln. Der Geländesandkasten schafft dafür ein gemeinsames Bild.
Oberstabsfeldwebel Matthias F. war maßgeblich am Bau des Sandkastens beteiligt: „Das habe ich nicht allein gemacht. Da war richtig viel Vorbereitung notwendig. Pioniere haben uns bei den Erdarbeiten unterstützt und unsere litauischen Kameraden haben das gesamte Holz beschafft.“ Insgesamt haben 16 Soldaten der Stabs- und Unterstützungskompanie der Panzerbrigade 45 mehrere Tage lang alles aufgebaut.
Besonders bemerkenswert sind zwei zusätzliche Detaildarstellungen. „Wir haben die neuralgischen Punkte des Gefechts – also den Kampf um die Enge und den Kampf am Gewässer – mit zwei zusätzlichen kleinen Sandkästen quasi herausgezoomt“, erklärt Matthias F. Dadurch können wichtige Gefechtsabschnitte noch genauer dargestellt und erläutert werden.
Wer sich im Gefecht sicher bewegen will, muss sich im Gelände orientieren können. Deshalb beginnt jede Einweisung am Geländesandkasten mit der Geländetaufe: Ausbildende benennen markante Punkte wie Hügel, Waldstücke, Straßenkreuzungen oder einzelne Gebäude. So erhalten alle Beteiligten gemeinsame Bezeichnungen, an denen sie sich orientieren können.
Dieses Verfahren ermöglicht schnelle Zielansprachen, eindeutige Befehle und präzise Lagemeldungen. Gleichzeitig werden tatsächliche Ortsbezeichnungen verschleiert.
Gerade an der NATO-Ostflanke gewinnt diese Fähigkeit wieder an Bedeutung. Moderne Streitkräfte müssen jederzeit damit rechnen, dass Satellitennavigation gestört oder digitale Systeme beeinträchtigt werden. Wer Gelände lesen, Entfernungen einschätzen und markante Punkte erkennen kann, behält auch dann die Orientierung.
Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding (r.), wird am Geländesandkasten in die Lage eingewiesen. Der Einweisende begeht dabei das Modell.
Bundeswehr/Mario BährIst die Orientierung geschaffen, folgt der nächste Schritt: die Befehlsausgabe. Hier erläutert der militärische Führer seine Absicht für das bevorstehende Gefecht. Er erklärt nicht nur, was getan werden soll, sondern vor allem, warum. Für die Soldatinnen und Soldaten entsteht dadurch ein gemeinsames Verständnis der Lage und des Auftrags.
Dieses Prinzip gehört zu den Grundlagen der Auftragstaktik, die das Heer bis heute prägt.
Der Geländesandkasten bietet dafür ideale Voraussetzungen. Das Gelände liegt sichtbar vor den Füßen, Bewegungen können nachvollzogen und Zusammenhänge unmittelbar erklärt werden. Aus abstrakten Kartenzeichen entsteht ein verständliches Bild des Gefechts. Bei Freedom Shield ließ sich auch der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, direkt am Modell in die Lage einweisen.
Moderne Technologien verändern die Kriegsführung. Drohnen liefern Aufklärungsergebnisse in Echtzeit, Sensoren erfassen Bewegungen und digitale Systeme verarbeiten große Mengen an Daten. Die Grundlagen militärischer Führung bleiben jedoch dieselben: Orientierung, gemeinsames Lageverständnis, klare Absicht und eindeutige Befehle.
Entscheidend ist, dass Soldatinnen und Soldaten die Lage verstehen, sich orientieren können und wissen, welche Absicht hinter ihrem Auftrag steht. Nur so können sie auch unter Zeitdruck und in dynamischen Situationen die richtigen Entscheidungen treffen.
Genau deshalb gehören Geländesandkästen auch heute zur Ausbildung des Führungsnachwuchses. Hier lernen angehende militärische Führungskräfte, Lagebilder zu bewerten, Entscheidungen zu treffen und ihre Absicht verständlich zu vermitteln. Der Sandkasten wird damit zu einem Ort, an dem Führung sichtbar und nachvollziehbar wird.
Die Panzerbrigade 45 nutzt einen rund 85 Quadratmeter großen Geländesandkasten – etwa so groß wie eine Dreizimmerwohnung
Bundeswehr/Mario Bähr
Der Nordpfeil (schwarz) ist wie bei einem Kompass der Ausgangspunkt: Hier beginnt die Geländetaufe. Dabei wird allen Soldatinnen und Soldaten der Aufbau des Sandkastens, also des Geländes, erklärt – Voraussetzung für die Orientierung im Gefecht.
Bundeswehr/Mario Bähr
Erst aus der Luft wird die Größe des Sandkastens deutlich
Bundeswehr/Sven Fischer
Alles ist abgebildet: Räume, Grenzen, Größenordnungen, Truppenverteilungen, Nachbarn. Die Ausbildenden bestimmen, was im Geländesandkasten dargestellt wird.
Bundeswehr/Mario Bähr
Zoom auf das Thema „Kampf um Gewässer“: Wichtige Geländeabschnitte werden in einem kleineren Sandkasten im Detail dargestellt. Auch Übergänge, Straßen und ein Wald sind zu sehen.
Bundeswehr/Mario Bähr