SAR-Hubschrauber als Teil der Rettungskette bei Freedom Shield
Landes- und Bündnisverteidigung- Datum:
- Ort:
- Pabrade
- Lesedauer:
- 4 MIN
Geht es um die Gesundheit, zählt jede Sekunde. Werden Soldatinnen oder Soldaten verletzt, beginnt eine Rettungskette mit ineinandergreifenden Gliedern. Das Ziel: Leben retten. Bei Freedom Shield 2026 stellt die 7. Staffel des Transporthubschrauberregiments 30 aus Niederstetten die Versorgung im Ernstfall sicher, den sogenannten Real Life Support.
Bei der Übung Freedom Shield in Litauen stehen die Hubschraubercrews des Search-and-Rescue-Dienstes der Bundeswehr für den Transport von schwer Verwundeten und Verletzten bereit
Bundeswehr/Sven FischerDie Dimensionen der Übung Freedom Shield 2026 sind beeindruckend: Rund 3.000 Soldatinnen und Soldaten trainieren mit mehr als 800 Fahrzeugen in Litauen. Die Übung gewinnt täglich an Intensität – von Ausbildung und Simulationen bis hin zum scharfen Schuss. Die deutsche Panzerbrigade 45 „Litauen“ trainiert mit Drohnen, Kampf- und Schützenpanzern, Elektronischer Kampfführung, Artillerie und Hubschraubern. Die Soldatinnen und Soldaten üben für den Ernstfall.
Dabei könnte es aber den Super-GAU geben, den niemand erleben möchte: Ein oder mehrere Soldaten oder Soldatinnen verletzen sich bei der Gefechtsübung schwer oder verunglücken. Die Bundeswehr ist auch darauf vorbereitet: „Das Sicherstellen einer schnellen und professionellen Versorgung im Ernstfall ist ein Anspruch, dem wir gerecht werden“, betont ein Offizier aus dem Planungsstab. Eine entscheidende Rolle dabei spielen spezielle Hubschrauber.
Diese SAR-Hubschrauber sind bereits von weitem deutlich zu erkennen. Es sind die Maschinen des Such- und Rettungsdienstes der Bundeswehr. Auf ihren Rümpfen prangen die Buchstaben SAR für Search and Rescue (Suchen und Retten). Die Hubschrauber am Rand des Übungsplatzes sind sichtbares Zeichen für professionelle Versorgung und den schnellen Transport Verletzter. Rund um die Uhr stehen die Maschinen bereit.
Mit ihrer markanten grün-orangefarbenen Lackierung heben sie sich deutlich vom übrigen Übungsgeschehen ab. Allein ihr Anblick vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Hilfe. Ihr Auftrag vor allem in Deutschland umfasst Katastrophenhilfe, Feuerlöschunterstützung aus der Luft, humanitäre Hilfe sowie Notfall- und Evakuierungseinsätze.
„Hier bei Freedom Shield ist unser Auftrag etwas anders“, erklärt Pilot Hauptmann Daniel P. „Wir sind fester Bestandteil der Rettungskette. Mit unseren Hubschraubern verkürzen wir die Transportzeiten enorm. Bei Gefahr für Leib und Leben sind wir in weniger als 20 Minuten im Krankenhaus in Vilnius. Das kann lebensentscheidend sein, wenn Soldatinnen oder Soldaten in Pabradė schwer verletzt werden.“
Der 36-Jährige fliegt einen der beiden Hubschrauber vom Typ LUH H145 SAR. Bereits seit fünf Jahren sitzt er im Cockpit. Nach seiner Wehrpflicht erfüllte sich der damalige Hauptgefreite seinen Traum und wurde Hubschrauberpilot.
Vorn im Hubschrauber sitzen grundsätzlich zwei Piloten. Beide bedienen die Maschine gemeinsam. Einer trägt dabei die Gesamtverantwortung für den Einsatz und ist der Pilot in Command.
Im Heck des Hubschraubers sitzt Hauptfeldwebel Sebastian R. Er ist Luftrettungsmeister und verantwortlich für den hinteren Bereich der Maschine. Als ausgebildeter Notfallsanitäter kümmert er sich nicht nur um die Patienten, sondern auch um die zahlreichen zusätzlichen Systeme des SAR-Hubschraubers.
Die Rettungswinde bedienen, die Suchkamera einsetzen, das Handyortungssystem nutzen oder die Piloten bei Landungen einweisen – all das gehört zu seinem Alltag. Gemeinsam mit den beiden Piloten bildet er die Standardbesatzung eines SAR-Hubschraubers.
Doch auch hier gibt es bei der Übung Freedom Shield eine Besonderheit. „Wir haben auf jedem Hubschrauber einen festen Arzt an Bord und gewährleisten damit die bestmögliche Versorgung der Verletzten.“ Gemeinsam verfügen Arzt und Luftrettungsmeister über nahezu die gleiche medizinische Ausstattung wie ein Notarztwagen am Boden: Infusionsmaterial, Verbandsmittel, Dreiecktücher, Nadelsätze und Blutdruckmessgeräte ebenso wie Überwachungsmonitore, Beatmungsgeräte und EKG-Systeme.
„Für uns ist die Zeit der größte Gegner“, erklärt Hauptfeldwebel R. Bei schweren Verletzungen oder Verwundungen zähle jede Minute. Mit jeder Verzögerung steige das Risiko bleibender Schäden.
In der Rettungskette ist der Heli eine entscheidende Station. Mit ihm kann der Verletzte sehr schnell in das nächste Krankenhaus gebracht werden.
Bundeswehr/Sven FischerAn einem Nachmittag wird die Rettungskette plötzlich aktiviert. Ein Soldat der Instandsetzung hat bei einem Arbeitsunfall seine Hand verloren. Die Blutung muss sofort gestillt werden.
Mit der Alarmierung beginnt für die SAR-Besatzung der Wettlauf gegen die Zeit. Ein kurzer Check des Hubschraubers und der Besatzung. Arzt und Luftrettungsmeister geben grünes Licht. Die Piloten heben ab. Nach dem Anflug aus der Bereitstellung und bis zur sanften Landung unterstützt Hauptfeldwebel R. die Piloten präzise bei jedem Manöver. Mit dem Absitzen von Arzt und Notfallsanitäter beginnt für den Verunfallten die nächste Stufe der Rettungskette.
Die Rettungskette verhindert, dass zum Beispiel schwere Blutungen oder Atemwegsverlegungen zum Tod führen. Sie ist in mehrere Ebenen gegliedert und beginnt mit der Selbst- und Kameradenhilfe direkt vor Ort. Am Ende stehen die Behandlung in einem Bundeswehrkrankenhaus oder in einer zivilen Klinik.
„Wir müssen den Patienten stabilisieren und für den Transport im Hubschrauber vorbereiten“, beschreibt Sebastian R. Er weiß, dass die Verletzung nur simuliert ist. Der Auftrag jedoch ist real: der schnelle und sichere Transport nach Vilnius.
Das Ziel ist die Santaros-Klinik in der litauischen Hauptstadt. Rund 50 Kilometer Landstraße liegen zwischen Übungsplatz und Krankenhaus. Mit dem Rettungswagen würde die Fahrt wegen des dichten Verkehrs während der Rushhour deutlich länger dauern. Nach rund 20 Minuten Flugzeit setzt der SAR-Hubschrauber auf einem Kreisverkehr unmittelbar vor der Klinik auf.
Für den Patienten beginnt die nächste Stufe der Rettungskette, für die SAR-Besatzung beginnt das Warten auf den nächsten Einsatz.
Hauptmann Daniel P. ist in Litauen im Einsatz. Der 36-Jährige hat sich seinen Lebenswunsch erfüllt: Nach der Wehrpflicht wurde er Hubschrauberpilot.
Bundeswehr/Sven Fischer
Eigentliche SAR-Aufträge sind die Katastrophen- und Feuerlöschhilfe aus der Luft, humanitäre Hilfe, Notfall- oder Evakuierungseinsätze. In Litauen sind die Teams Teil der Rettungskette für die Übung der Panzerbrigade 45.
Bundeswehr/Sven Fischer
Die medizinische Ausstattung eines SAR-Hubschraubers ist der eines Krankenwagens ebenbürtig
Bundeswehr/Sven Fischer
Der Luftrettungsmeister bedient nicht nur wichtige Zusatzsysteme im Helikopter, er ist auch Notfallsanitäter.
Bundeswehr/Sven Fischer
Mit moderner Ausstattung überwacht die Besatzung des Hubschraubers die Vitalfunktionen des Patienten
Bundeswehr/Sven Fischer
Bei der Übung Freedom Shield haben die SAR-Hubschrauber grundsätzlich einen Arzt (links) an Bord
Bundeswehr/Sven Fischer