Heer

Lehrpfad für Führungsnachwuchs auf der Reiteralpe

Lehrpfad für Führungsnachwuchs auf der Reiteralpe

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
4 MIN

Der Kampf im Gebirge, insbesondere aus Stellungen heraus, ist eine komplexe Aufgabe der Gebirgsjäger. Während einer Weiterbildung der Gebirgsjägerbrigade 23 waren für 120 junge Offiziere und Unteroffiziere auf den Gipfeln der Reiteralpe Stationen aufgebaut, die ihnen das Zusammenwirken der Gebirgstruppen im Kampf demonstrierten.

Ein Soldat ist mit dem Maschinengewehr in Stellung gegangen und beobachtet von einem Berg aus das Tal.

Der Gebirgskampf ist komplex und bedarf im Vorfeld intensiver und umfangreicher Ausbildung der Gebirgsjäger.

Bundeswehr/Alexander Hartkopf

Im Laufe des Tages erhielt das Führungspersonal so einen Einblick in das Fähigkeitsspektrum der Gebirgsinfanteristen und ihrer Unterstützer. Die bereits in der Vergangenheit gesammelten Erfahrungen und die neuen Erkenntnisse können dann die Führer anschließend bei ihrer Arbeit als Ausbilder mit einfließen lassen.

Gemeinsam auf den Berg

In Kolonne steigen Soldaten und ihre Maultiere auf den Berg.

Die Soldaten der Führerweiterbildung steigen mit den Maultieren auf die Gipfel der Reiteralpe.

Bundeswehr/Achim Kessler

Bereits früh am Morgen startet der Tag an der Wehrtechnischen Dienststelle 52 (WTDWehrtechnische Dienststelle) in Oberjettenberg im Berchtesgadener Land. Die Gebirgsversorger demonstrieren den Teilnehmenden der Weiterbildung, wie einsatzrelevantes Material zu einem Bataillonsversorgungspunkt geschafft werden kann, der im Tal aufgebaut ist. Von hier aus müssen die eingetroffenen schweren Waffen, die Verpflegung und das Material zum Bau für Stellungen und dem Kampf im Gebirge anschließend auf das Hochplateau der Reiteralpe transportiert werden. Dafür beladen die Soldaten ihre Maultiere, die für den Materialtransport in dem schwierigen und steilen Gelände unverzichtbare Helfer sind. Die Maultiere, auch Mulis genannt, sind eine Kreuzung aus Pferdestute und Eselhengst und gehören zum Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen in Bad Reichenhall.

Während des Aufstieges staunt der ein oder andere Teilnehmer über die Belastbarkeit der Tiere. Statt eines vermuteten trägen Ganges sind die Maultiere nämlich ziemlich robust und laufen zügig hinauf. Auf dem Plateau angekommen, folgt eine Vorstellung von Tragtier- und Infanteriestegen der Gebirgspioniere. Sowohl den Soldaten als auch den Tieren erleichtern diese Stege das Überwinden und den sicheren Transport von Material in unwegsamem Gelände.

Vom Sandkasten in das Gelände

Ein Soldat steht vor einer Gruppe Soldaten, die hocken und stehen. Am Boden liegt ein Geländemodell aus Blättern und Ästen .

Um sich besser in die taktische Lage hineinzudenken, werden die Offiziere und Unteroffiziere der Führerweiterbildung am Geländesandkasten eingewiesen.

Bundeswehr/Alexander Hartkopf

Um sich besser in die taktische Lage hineinzuversetzen, werden die Soldaten an einem speziell angefertigten Geländesandkasten eingewiesen. Er ist ein altbewährtes Mittel in der Gefechtsausbildung und stellt ein Gelände in verkleinerter Form dar. Dies bestätigt auch der Brigadekommandeur, Oberst Maik Keller: „Ein Geländesandkasten ist zweckmäßig, übersichtlich und das Theoretische geht so schneller in die Köpfe.“ Die Einweisung dient dem Verständnis der Offiziere und Unteroffiziere für die taktische Lage. Denn oben auf dem Hirscheck befindet sich ein Gebirgsjägerzug der 3. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in der Verteidigung und übt den Kampf aus Stellungen.

Diese Stellungen haben die Gebirgsjäger bereits in den Wochen zuvor in Zusammenarbeit mit den Gebirgspionieren errichtet. Die Angehörigen des Gebirgsjägerbataillons 231 erklären den jungen Führern, worauf es hierbei ankommt. Wesentliche Punkte wie die Art und Beschaffenheit der unterschiedlichen Stellungen, der Kampfauftrag und das Leben im Felde werden thematisiert. Den Teilnehmern wird schnell deutlich, warum der Stellungsbau für Gebirgsjäger im schwierigen Gelände wichtig und aufwendig ist. Durch die Bodenbeschaffenheit kann nicht in die Tiefe gegraben werden, weshalb die Stellungen aufgesetzt und baulich gehärtet werden müssen. Das dafür benötigte und in Summe tonnenschwere Material muss überwiegend mit der Muskelkraft der Soldaten zum Einsatzort befördert werden.

Erhöhter Ausbildungsbedarf

Drei Maultiere stehen beladen auf einer Freifläche hintereinander. Neben ihnen laufen Soldaten.

Die Maultiere der Gebirgsjäger sind mit schwerem Material und Waffen beladen, die für den Kampf im Gebirge essenziell sind.

Bundeswehr/Sebastian Klink



 

Die Erfahrungen der vergangenen Übung Berglöwe und die Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung haben gezeigt, dass in manchen Bereichen des Gebirgskampfes vermehrt Ausbildungsbedarf besteht. Dies war der Anstoß für die Gebirgspioniere, unter der Projektleitung von Oberleutnant Johannes Wühr, das Thema Stellungsbau im Gebirge zu überarbeiten, um nach neueren und besseren Möglichkeiten zu suchen. Unterstützung erhält die Gebirgsjägerbrigade 23 dabei auch von der WTDWehrtechnische Dienststelle 52. Sie wertet die Wirkung von Steilfeuerangriffen, wie beispielsweise Mörserbeschuss mit einem Kaliber von 120 Millimeter, an den Versuchsstellungen aus.

Unterschiedliches Schutzmaterial

Ein Zivilist steht neben einer Stellung, die augenscheinlich nur aus Sandsäcken gebaut ist.

Ein Mitarbeiter der Wehrtechnischen Dienststelle 52 erklärt den optimalen Stellungsbau unter erschwerten Bedingungen im Hochgebirge.

Bundeswehr/Achim Kessler

Für den Praxistest marschiert die gesamte Gruppe weiter bis zum Hochgebirgssprengplatz der Reiteralpe. Dort warten bereits Alexander Berg, Mitarbeiter der WTDWehrtechnische Dienststelle 52, und Stabsfeldwebel der Reserve Johann Graßl, Angehöriger des Reserve-Pionierbataillons 905. Sie zeigen und erklären die baulich verschiedenen und mit unterschiedlichen Schutzmaterialen ausgestatteten Teststellungen. Ebenso demonstrieren sie angelegte Drahtsperren und eine vorbereitete Landmine, die sich unter einem Fahrzeug befindet. Alle Objekte sollen gesprengt werden, um im Anschluss die Wirkung der Explosionen zu begutachten und wichtige Schlussfolgerungen zu ziehen. Da die Soldaten den Gefahrenbereich um den Sprengplatz verlassen müssen, folgen in der Zwischenzeit zwei weitere Stationen.

Der Einsatz von Spähtrupps im Gebirge zur frühzeitigen Aufklärung des Feindes ist ebenfalls ein wichtiges Element der Gebirgsjägerbrigade 23. Die Gebirgsaufklärer operieren meistens vor den eigenen Linien und unerkannt. Die Koordination der Aufnahme durch eigene Kräfte und die Rückführung hinter die eigenen Linien ist daher essenziell. Den korrekten Ablauf der Aufnahme über Funk sowie Sichtzeichen demonstrieren die Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillons 230.

Praxistest: Sprengung von Stellungen

Ein Zivilist steht neben einer zerstörten Stellung.

Ein Mitarbeiter der Wehrtechnischen Dienststelle 52 zeigt die zerstörte Stellung nach dem simulierten Steilfeuerbeschuss.

Bundeswehr/Achim Kessler

Während des Unterrichts der Aufklärer erschüttern die Explosionsgeräusche der Sprengversuche die Bergidylle. Gespannt und neugierig erreichen die Teilnehmer kurze Zeit später erneut den Hochgebirgssprengplatz, um die Wirkung auf die vorbereiteten Stellungen zu begutachten. Die vorher abgegebenen Prognosen zu den Sprengergebnissen einiger Soldaten bestätigen sich und werden zum Teil aber auch widerlegt. Die Explosion verdeutlicht die unterschiedliche Schutzwirkung der verschiedenen Baumaterialien beim Stellungsbau. Die WTDWehrtechnische Dienststelle 52 nutzt die gewonnenen Erkenntnisse des Tages und wird weitere Versuche durchführen. Sie will so eine Verbesserung der baulichen Schutzmaßnahmen von Stellungen im Gebirge, aber auch für die Einsatzgebiete der Bundeswehr erzielen. So soll der Schutz der Truppe erhöht werden.

von Kevin Greenhalgh

mehr lesen