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Operation Blizzard: Fallschirmjäger greifen an

Operation Blizzard: Fallschirmjäger greifen an

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Celle-Wietzenbruch
Lesedauer:
4 MIN

Zwei Ziele müssen die Fallschirmjäger zeitgleich angreifen. Damit die Operation Blizzard koordiniert ablaufen kann, darf die Aufmerksamkeit keinen Moment nachlassen. Gemeinsam mit Hubschraubern vom Typ NHNATO-Helicopter-90 und UH 60 Black-Hawk üben zwei Züge aus dem Fallschirmjägerregiment 31 aus Seedorf am Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit.

Soldaten nähern sich einem Hubschrauber, der am Boden steht. Im Hintergrund landet ein zweiter Hubschrauber.

Bei der Operation Blizzard trainieren die Fallschirmjäger die Luftbeweglichkeit in einem Angriffsszenario.

Bundeswehr/Andrea Neuer

Einen luftbeweglichen Einsatz zu planen und zu koordinieren, ist aufgrund der vielen Akteure und Einflussfaktoren komplex. Die wenigen, verfügbaren Hubschrauber können nur eine gewisse Menge an Last transportieren. Die Truppe muss also priorisieren und entscheiden: Was wird sofort, beim ersten Anflug gebraucht und was kann mit der zweiten Welle fliegen? Werden zuerst schwere Waffen benötigt oder mehr Soldaten? Was passiert, wenn die Hubschrauber beschossen werden und ausweichen müssen? Wenn zwei Ziele zeitgleich angegriffen werden, müssen die Soldaten noch präziser planen und gleichzeitig flexibler agieren.

Einzelverhalten entscheidet

Zwei Soldaten stehen vor einer Wand an dem Karten und Geländeausschnitte aufgeklebt sind

Vor jeder Operation müssen alle Abläufe und Phasen im Detail geplant und durchgesprochen werden.

Bundeswehr/Andrea Neuer

„Das Fehlverhalten eines Einzelnen kann bei luftbeweglichen Operationen den gesamten Operationserfolg gefährden“, betont der Leitende der Operation, Oberstleutnant Moritz Stones. „Ihr militärischer Führer ist im Einsatz nicht immer greifbar. Jedem Einzelnen von Ihnen muss die Absicht der übergeordneten Führungsebene bekannt sein, jeder Einzelne muss stets und ständig auch ohne Verbindung wissen, was zu tun ist.“

Um das sicherzustellen, werden alle Phasen im Ausbildungs- und Übungszentrum Celle Schritt für Schritt erklärt, erarbeitet und erprobt. Der Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Zusammenarbeit mit dem Luftfahrzeug. Um eine so intensive Ausbildung in Pandemiezeiten durchführen zu können, war nicht zuletzt auch die Abstimmung mehrerer Hygienekonzepte noch vor Übungsbeginn erforderlich.

Ausbildungshighlight: Hot Load

Soldaten sitzen im Hubschrauber und halten den Daumen nach oben.

Kurz vor dem Start des Hubschraubers geben die Soldaten das Zeichen, dass sie angeschnallt sind.

Bundeswehr/Andrea Neuer

In Celle angekommen, steht alles im Zeichen von Ausbildung und Übung. Nach vielen Unterrichtseinheiten und Einweisungen geht es noch in der ersten Woche ins praktische Training. Ein taktisch professionelles Vorgehen anstelle von „planlosem Gewusel“ funktioniert nur, wenn jeder genau weiß, was er wann tun muss und wo er wann zu sein hat. Im Cold Load, beim Üben an der stehenden Maschine, erklären die Luftfahrzeugbesatzungen das richtige Verhalten. Hier sind Fingerspitzengefühl und Konzentration gefragt: Im Hubschrauber ist es eng und Platzwechsel sind schwierig, also gilt es in der richtigen Reihenfolge einzusteigen. An diesen Cold Load schließt sich der Hot Load an. Bei dann laufenden Triebwerken ist allerdings keine Zeit mehr für Fragen, denn im schnellen Wechsel zwischen den Landezonen bleiben die Luftfahrzeuge nur kurz am Boden. Beim häufigen Auf- und Absitzen unter Realflugbedingungen vertiefen sich die Inhalte rasch und nachhaltig.

Simulator ersetzt verwundeten Soldaten

Soldaten hocken neben einer Trainingspuppe und verarzten sie. Im Hintergrund beobachten weitere Soldaten das Vorgehen.

Unter den Augen des Fliegerarztes trainieren die Fallschirmjäger den Umgang mit komplizierten und schweren Verletzungsmustern am Traumasimulator Caesar, einer lebensechten Übungspuppe.

Bundeswehr/Andrea Neuer

Für die als Sanitäter eingeteilten Ersthelfer A und B hält der Celler Fliegerarzt in der zweiten Woche noch eine besondere Herausforderung bereit. Mit dem eigens angeforderten Caesar-Traumasimulator, einer Trainingspuppe mit verschiedenen simulierten Verletzungen, fordert Oberstabsarzt Tim Grübbel den Soldaten viel Urteilsvermögen und Können ab. Sie müssen an dem Modell ein Tourniquet, ein Abbindesystem zur Blutstillung, anlegen, den „Verwundeten“ über einen Autoinjektor mit Morphin versorgen oder verschiedene Zugänge für Injektionen, auch am Brustbein, legen.

Der Traumasimulator reagiert wie ein echter Mensch. Er kann reden, schreien und atmen, hat eingebaute Blutgefäße und einen veränderbaren Puls. An ihm kann mit komplizierten Verletzungsmustern geübt werden, bei denen Verwundetendarsteller naturgemäß an ihre Grenzen kommen. So wird beispielsweise eine stark spritzende Blutung nur gestoppt, wenn das Tourniquet richtig sitzt. Symptome und Verhalten des Simulators geben unmittelbar Rückmeldung, ob der Patient sich beispielsweise einem Schock nähert oder sich stabilisiert, ob er Atemprobleme entwickelt oder das Bewusstsein verliert.

„Diese Art praktische Arbeit an einem Verwundeten erfordert eine Menge Material und Zeit“, erklärt Grübbel. „Nehmen Sie sich zehn Sekunden zur Lagebeurteilung, bevor Sie anfangen, stimmen Sie sich im Team ab. Um verwundete Kameraden zu retten, ist nicht nur die „Golden Hour“ wichtig, sondern auch die „Platinum 10 Minutes“, die noch wichtigeren ersten zehn Minuten. Mit den richtigen Notfallmaßnahmen und möglichst zügigem Weitertransport haben auch schwer und mehrfach Verwundete eine Chance, stabilisiert und gerettet zu werden“, gibt er den Soldaten mit auf den Weg.

Luftgestützter Einsatz

Soldaten laufen in Reihe zu einem A400M, um in den Hubschrauber einzusteigen.

Während der Übung am Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit trainieren die Soldaten die Zusammenarbeit mit den Luftfahrzeugen.

Bundeswehr/Andrea Neuer

Schwerpunkt des zweiwöchigen Übungsdurchgangs ist die Abschlussübung im Gelände, ein luftgestützter Einsatz auf zwei Zielobjekte. Nachdem in den einzelnen Übungs- und Ausbildungsabschnitten die Befähigung zu luftbeweglichen Operationen aufgebaut und vereinheitlicht wurde, fordert die abschließende Übung die Verknüpfung und Anwendung aller gelernten Inhalte. Von Planung und Befehlsausgabe über die Gefechtsphase bis hin zum Ausweichen durch die Luft liegt die Operation Blizzard in der Hand der Übungstruppe. Drei leichte Transporthubschrauber stehen zur Verfügung, um die zwei Züge in die Einsatzräume zu verbringen. In zwei Wellen werden die Fallschirmjäger im luftgestützten Einsatz angelandet, an beiden Zielen gilt es, trotz Feindkontakt, Führungsunterlagen sicherzustellen.

Gefechte am Boden

Zwei Soldaten halten ihre Gewehre im Anschlag und schießen.

Die Zielobjekte können durch die Fallschirmjäger schnell genommen werden.

Bundeswehr/Andrea Neuer

Im Gegensatz zur ebenso zeitintensiven wie aufwendigen Planung gestaltet sich der eigentliche Einsatz eher kurz. Kaum sind in der Nähe der Ziele Hubschrauber zu hören, dauert es nur noch wenige Augenblicke, bis die Fallschirmjäger am Boden sind. Die letzten Meter legen sie zu Fuß zurück. Wie zu erwarten, gibt es an beiden Zielen Gefechte mit den Feindkräften, aber die Geschwindigkeit zahlt sich aus: Überraschung und örtliche Überlegenheit eigener Kräfte bringen Erfolg. Noch ehe feindliche Reservekräfte eintreffen, wird Feind geworfen, Führungsmaterial sichergestellt und eigene Verwundete stabilisiert und ausgeflogen.

„Luftbewegliche Kräfte sind im gesamten Aufgabenbereich und lntensitätsspektrum wesentliche Elemente der Operationsführung von Landstreitkräften“, ruft Oberstleutnant Stones den Soldaten in der Schlussbesprechung in Erinnerung. „Um bei Lageänderungen reaktionsfähig zu bleiben, mussten Sie ein Verständnis für Luftbeweglichkeit und deren Auswirkung auf die eigene Planung entwickeln. Das Szenario bedeutete hohe psychische und physische Belastung. Es wurde eigenständig geplant, abgestimmt und durchgeführt, die Aufträge wurden erfüllt“, resümiert Stones. „Ich halte das Ausbildungsziel für erreicht. Alles Gute, Allzeit Glück ab und bis zum nächsten Mal“, sagt er abschließend. 

von Andrea Neuer

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