Heer

Pionierhandwerk von der Pike auf

Pionierhandwerk von der Pike auf

  • Reserve
  • Heer
Datum:
Ort:
Bogen
Lesedauer:
3 MIN

Sie sprengen, sie sperren und sie überwinden Gewässer. Nur Pioniere verfügen im Heer über dieses breite Fähigkeits- und Aufgabenspektrum. Sie unterstützen damit die Infanterie im Gefecht. In Bogen lernen aktuell Reservistinnen und Reservisten des nicht-aktiven Pionierbataillons 905, aber auch aktive Soldaten aus dem Ingolstädter Gebirgspionierbataillon 8 und dem Panzerpionierbataillon 701 aus Gera, die grundlegenden Fertigkeiten eines Pioniers.

Zwei Soldaten bereiten kniend eine Sprengladung vor. Einer von ihnen ist der Verantwortliche.

Sprengkapsel, Sprengschnur, Panzertape: Jeder Pionier lernt sprengen. Wie eine Leitfeuerzündung mit Sprengschnurerweiterung funktioniert, lernen derzeit Reservisten aus dem bayerischen Bogen.

Bundeswehr/Marco Dittmer

„Leitender, hier Sicherheitsoffizier, kommen!“, kommt aus dem Funkgerät. Der Kompaniefeldwebel steht außerhalb des Gefahrenbereichs und hat die Verpflegung für die übende Truppe dabei. Eine kleine Pause und eine heiße Suppe müssen reichen, um der eisigen Kälte und dem schneidenden Wind zu trotzen. Drei kurze, laute Töne schallen den Hang hinab, ein Sprengsignal. Ab jetzt herrscht Sicherheit, für eine kurze Zeit.

Win-win für Reservisten und Aktive

Zwei Soldaten stehen sich gegenüber. Sie hält die Hände vom Körper weggestreckt und in der einen Hand einen Draht.

Eine neue Lehrgangsteilnehmerin meldet sich zum Sprengen. Nur praktisch kann das Pionierhandwerk erlernt werden.

Bundeswehr/Marco Dittmer

„Bei diesem scharfen Sprengdurchgang setzen heute alle ihre theoretischen Kenntnisse in die Praxis um“, erklärt der leitende Offizier des Sprengens und fährt fort: „Es wird hier über 120 Detonationen geben.“ Auch für ihn ist diese Ausbildung ein Zugewinn. Für den aktiven Soldaten ist das Sprengen persönlich eine absolute Premiere: Zum ersten Mal agiert er als Leitender. Allein dieser kleine Umstand zeigt, dass auch für die aktiven Soldaten die Ausbildung von Reservisten in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung ist.

Ein langer und sicherer Tag

Zwei Soldaten hocken im Sprengfeld: Einer weist den anderen in die Tätigkeit ein.

Der Sprengberechtigte weist den Lehrgangsteilnehmer in die Handhabung der Leitfeuerzündung ein. Es wird ein 100-Gramm-Sprengkörper gezündet. Zur Gewöhnung beginnen die Pioniere mit kleinen Ladungen.

Bundeswehr/Marco Dittmer
Im Dunkeln stehen zwei Soldaten auf dem Sprengfeld. Mittig strahlt der Lichtkegel einer Kopflampe auf den Boden.

Körperliche Belastungen über einen längeren Zeitraum gehören zum Soldatsein dazu. Bis spät in die Nacht sprengen die Pioniere. Auch bei Dunkelheit und eingeschränkter Sicht müssen alle Handgriffe sitzen.

Bundeswehr/Marco Dittmer

Bis in die Nacht hinein hallt immer wieder ein Detonationsknall durch den Bayerischen Wald. Dazwischen ist es sehr still. So still, dass die Stimmen der Soldaten sogar zwischen den weit entfernten Bunkern deutlich wahrnehmbar sind. „Im Dunkeln wird alles lauter“, weiß der für die Sicherheit verantwortliche Stabsfeldwebel zu erzählen. „Dann verstärkt sich das Gehör ganz automatisch.“ Er ist Soldat des alten Schlages. Den ganzen Tag hat er zusammen mit den sichtlich angespannten und nervösen, angehenden Pionieren in der Sprenggrube verbracht. Er kontrolliert den Umgang mit den Sprengstoffen und schreitet, wenn nötig, ein. Unter seinen strengen Aufsicht bringen die Soldaten Sprengladung an und zünden diese. „Wer ein Pionier sein will, muss sich an den nahen Detonationsknall und die Druckwelle erst einmal gewöhnen. Da zittern beim ersten Mal ganz schön die Hände beim Fertigstellen der Ladung“, erzählt er. Und schon bringt die nächste Detonation den Bunker zum Beben.

Wasser hat keine Balken oder doch?

Am Ufer eines Flusses stehen vier Soldaten, in der Mitte liegt ein Floß aus Rundhölzern.

Das Stangenfloß aus aneinandergebundenen Rundhölzern ist wohl das einfachste Mittel für den Weg über das Wasser.

Bundeswehr/Marco Dittmer

Ein neuer Tag, ein anderer Ort. Die Donau ist kein Hindernis für die Pioniere. Tauwasser hat die Pegel des Flusses bis auf die Warnstufe 3 ansteigen lassen. Selbst im sonst ruhig liegenden Seitenarm am Pionierwasserplatz herrscht eine moderate Strömung. Bauholz und Sturmboote stehen bereit. Doch bevor es auf das Wasser geht, lernen die Soldaten Knoten und Bunde sowie Arbeiten mit Holz. Mit einfachsten Mittel, wie etwa Holzstangen, gehen die Pioniere auf das Wasser. Ein sehr erfahrener Stabsfeldwebel, der von sich sagt, er sei auf dem Wasser aufgewachsen, führt die Ausbildung durch. Kurz und prägnant sind seine Befehle. Er zieht ein positives Resümee: „Die Reservistenleistenden, aber auch aktive Soldaten sind hochmotiviert und voll bei der Sache. Man merkt ihnen an, dass es Spaß macht.“

Symbiose – Zivilberuf und Pionier

Auf dem Wasser nah am Ufer paddeln zwei Soldaten auf einem kleinen Floß.

Vertrauen in das eigene Werk gewinnen: Die Reservisten testen ihr selbstgebautes Floß auf der Donau.

Bundeswehr/Marco Dittmer

Es ist sehr kalt, die Temperaturen deutlich unter null Grad Celsius. Es wird verzurrt, geknotet und Sturmboote zu Wasser gelassen. Stangenflöße, Schlauchbootfähren und andere Hilfsmittel zur Gewässerüberwindung stellen die Soldaten her. „Obacht, dass keiner ins Wasser fällt“, mahnt der Kompaniechef. Er macht sich persönlich vor Ort ein Bild von der Ausbildung. „Ich bin wirklich stolz darauf, was hier alles auf die Beine gestellt wird.“ Die Ausbilder, die im Zivilleben in den verschiedensten Berufen tätig seien, seien sehr gut vorbereitet und würden viele Erfahrungen aus der eigenen aktiven Dienstzeit in die Ausbildung einfließen lassen.

Es ist noch lange nicht vorbei

Eine Fähre, gebaut aus zwei Schlauchbooten und einer Holzplattform, schwimmt auf der Donau, darauf Soldaten mit Paddeln.

Überwinden von Gewässern ist eine Kernfähigkeit der Pioniere. Auf der Donau beweisen die Reservisten, dass sie ihr Handwerk beherrschen.

Bundeswehr/Marco Dittmer

Die Hälfte ist geschafft. In den ersten beiden Februarwochen haben sie gesprengt, aus Stacheldraht und Holz Sperren gebaut, die Donau auf verschiedenste Arten überwunden und Grundzüge der Inneren Führung im Unterricht gelernt. Doch die kommenden beiden Wochen werden den wissbegierigen Pionieren noch einmal alles abverlangen. Ausbildung von früh bis spät – sie wird jeden fordern.

von Marco Dittmer

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