Neues Sanitätszentrum Veitshöchheim: Nah, wenn man es braucht
Truppenarzt- Datum:
- Ort:
- Veitshöchheim
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- 3 MIN
Das vor rund einem halben Jahr errichtete Sanitätszentrum ist die neue Heimat für die medizinische Versorgung in Veitshöchheim. Die moderne Infrastruktur sichert weiterhin kurze Wege für rund 1.200 Soldatinnen und Soldaten am Standort. Die Erfahrungen aus Bau, Umzug und Nutzung dienen jetzt der weiteren Standardisierung von Sanitätsgebäuden.
Die Soldatinnen und Soldaten des Sanitätszentrums Veitshöchheim erhalten mit dem Neubau moderne Infrastruktur für rund 1200 Patientinnen und Patienten in der Balthasar-Neumann-Kaserne
Bundeswehr/Ulrich Veen„Das neue Gebäude kam für uns gerade zur rechten Zeit,“ freut sich Oberfeldarzt Samuel K., Leiter des Sanitätszentrums in der Balthasar-Neumann-Kaserne. Denn noch während der Bauphase wuchs sein Sanitätsversorgungszentrum zum Sanitätszentrum auf. Aus den ursprünglich rund 20 Fachkräften in den Arztgruppen wurden so insgesamt etwa 50 Soldatinnen und Soldaten. „Wir brauchten also dringend Raum für unsere neue Staffel Sanitätsunterstützung.“
Notwendig wurde der Neubau aber bereits vor diesem zwischenzeitlichen personellen Aufwuchs. Moderne Medizintechnik benötigt moderne Infrastruktur und Versorgungssysteme – von der IT-Anbindung bis hin zu komplexen Leitungs- und Filtersystemen für die Zahnarztstühle. Mit dem Fortschritt der Medizintechnik wachsen so auch die Anforderungen an die Gebäude und nur ein Neubau machte die medizinische Versorgung vor Ort zukunftssicher.
Der Umzug selbst zeigte dann im Kleinen, worauf beim Bau des Gebäudes besonderer Wert gelegt wurde: „Für uns war das im Grunde wie eine Verlegeübung, auch wenn das alte Gebäude gleich nebenan ist,“ berichtet Hauptfeldwebel Katharina G. Sie ist für die Teileinheit Behandlung, Begutachtung und die Apotheke zuständig und organisierte den Umzug: „Medikamente erfordern eine ununterbrochene Kühlkette, auch beim Transport. Zum Glück war der Umzug im Winter,“ schmunzelt sie.
Die Hauptfeldwebel Nikolei K. und Katharina G. haben den Umzug von Material, Geräten und Medikamenten organisiert
Bundeswehr/Ulrich VeenEine Aufgabe, die jetzt ganzjährig durch eine Zimmerdecke mit Heiz- und Kühlfunktion übernommen wird. Diese sorgt für Temperaturstabilität in den Lagerräumen und zugleich für ein angenehmeres Raumklima. Offene Fenster in Behandlungsräumen etwa bergen Risiken, von der Virenübertragung bis hin zu nicht alltäglichen aber umso gravierenderen Ereignissen, wie etwa fliegendem Besuch von Wespen oder Hornissen.
Katharinas Kamerad Hauptfeldwebel Nikolai K., der als stellvertretender Spieß auch Gebäudeverantwortlicher ist, erklärt, weshalb Infrastruktur des Sanitätsdienstes besonderen Anforderungen unterliegt: „Wir lagern hier unter anderem Gefahrstoffe, Medikamente und medizinische Gase. Dafür brauchen wir zum Beispiel konstante Temperaturen oder erhöhte Feuerfestigkeit.“
Anforderungen, denen durch umfassende bauliche Maßnahmen Rechnung getragen wurde: Am Anfang steht der funktionale Schnitt des Gebäudes mit separatem Eingang für die Beschäftigten, der neben der Steuerung des Patientenflusses auch eine systematisch sinnvolle Lagerung von Gefahrstoffen und Verbrauchsmaterial ermöglicht. Die Wände von Lagerräumen sind brandhemmend beschichtet und wo immer gefährliche Stoffe eingesetzt werden, etwa beim Röntgen, gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen.
Die Erfahrungen aus Neubau und Nutzung des Sanitätszentrums sind auch für das Sanitätsdienstliche Infrastrukturmanagement (SIM) des Bundesbaus Baden-Württemberg von großem Interesse. Als Leitstelle des Bundes für Sanitätsgebäude werden hier Standardbauten für die Bundeswehr weiterentwickelt, standardisiert und als grundlegender Bedarf in einer Raumdatenbank geführt. Dadurch werden Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt und die Standardisierung vorangetrieben.
Die Zahnarztgruppe in Veitshöchheim wurde als erste in der Bundeswehr nach Standardisierungsvorgaben eingerichtet, die Planung und Bau von ähnlichen Projekten beschleunigen
Bundeswehr/Ulrich Veen
Hoher hygienischer Standard: Auch ein eigener Desinfektionsraum mit speziellem Geschirrspüler für medizinische Geräte gehört zum Sanitätszentrum
Bundeswehr/Ulrich Veen
Für Oberfeldarzt Samuel K. kam der Neubau gerade zur rechten Zeit. Das alte Gebäude wird für andere Zwecke weiter genutzt, während für die Versorgung seiner Patienten jetzt moderne und zukunftssichere Infrastruktur bereitsteht.
Bundeswehr/Ulrich Veen
Aufgeräumt und strukturiert: Mit einer durchdachten Struktur und Raumanordnung für Besucherströme, Personalräume und die Lagerung von Medikamenten und Gefahrstoffen erleichtert der Neubau die Arbeit der Arztgruppen
Bundeswehr/Ulrich VeenDas Verfahren wurde zunächst für Einsatzinfrastruktur entwickelt und soll jetzt auch im Inland helfen, schnelle Bauprojekte für die Bundeswehr zu realisieren. Der Zahnarztbereich des Sanitätszentrums Veitshöchheim wurde erstmalig vollständig nach den Standardisierungsvorgaben der Leitstelle eingerichtet. Neben Sanitätsgebäuden werden in den Leitstellen des Bundes auch andere Standardgebäude betreut. Das Ziel ist eine weitere Standardisierung – bis hin zu ganzen Liegenschaften.
Oberstleutnant Johannes M. vom Kompetenzzentrum Baumanagement des BAIUDBw in München betont die gute Abstimmung und Koordination zwischen Bundeswehr und ziviler Bauverwaltung: „Wir hatten keinerlei Verzug, obwohl die Einzelgewerke noch wie bisher üblich an Einzelunternehmer vergeben wurden.“ Dieses „traditionelle Verfahren“ sei grundsätzlich aufwendig für Bauherr und Landesbauverwaltung, habe es aber ermöglicht, die regionale Wirtschaft bei der Bausumme von über 7,5 Millionen Euro breitflächig einzubeziehen.
„Hier in Franken und der Oberpfalz findet viel Ausbildung in der Truppe und großen Ausbildungszentren statt“, erläutert M.. Ein Übungsbetrieb, der künftig mit dem Wachstum der Bundeswehr noch deutlich zunehmen könnte. „Entsprechend groß ist der aktuelle Bedarf an Infrastruktur, um unseren Aufwuchs weiter abzusichern.“
von Ulrich Veen E-Mail schreiben