Was ist die Aufgabe des JFAC – sowohl in Ramstein als auch bei JPOW?
Prinzipiell kommen wir ins Spiel, wenn bei einer Krise Luftoperationen notwendig werden könnten. Dabei unterstützen wir die Landstreitkräfte – von der Luftaufklärung, um eine Entscheidungsgrundlage zu erhalten, über Luftverteidigung bis hin zu Luftangriffen. Bei JPOW bündeln wir die unterschiedlichen Luftverteidigungsfähigkeiten, die die beteiligten Nationen virtuell zur Verfügung stellen und setzen sie innerhalb des einwöchigen Szenarios zielgerichtet ein.
Was macht den Wert dieser Luftverteidigungsübung aus?
Im Normalfall lebt ja jeder in seiner eigenen, nationalen Welt. Hier bei JPOW geht es aber alle zwei Jahre um den Erfahrungsaustausch, um das Kennenlernen von anderen Fähigkeiten und das Üben von Verfahren. Es ist schon meine sechste JPOW-Übung, immer wieder kommen neue Leute und Nationen. In diesem Jahr zum Beispiel die Rumänen, die das Patriot-System neu beschafft haben und jetzt alles aufsaugen, um ihre Flugabwehrraketen auch auf taktischer Ebene optimal einsetzen zu können. Es gibt keine andere Übung, bei der man genau das lernen kann.
Die Ukraine muss sich seit über einem Jahr gegen russische Angriffe verteidigen. Ist dies Vorbild für das Szenario, das bei der Übung abläuft?
Nicht direkt, wobei dieser Krieg natürlich schon die Aktualität und gestiegene Brisanz unterstreicht, die JPOW seit diesem Mal hat. Bis zum Jahr 2008 wurde Russland von der NATO als möglicher Partner gesehen, deswegen haben wir auch gemeinsame Übungen veranstaltet. Bekanntlich hat sich das stark verändert. Wir sprechen in einer virtuellen Umgebung von einem Szenario, bei dem ein fiktives Bündnis die drei baltischen Staaten und Polen angreift. Die NATO zusammen mit den elf JPOW-Übungsnationen helfen ihnen bei der Verteidigung ihres Landes.
Was sind die Lessons Learned bei JPOW 23?
Schade war, dass in diesem Jahr weniger Leute dabei sind – weil sie ihre Luftverteidigungssysteme an der NATO-Ostgrenze in Stellung bringen mussten. Aber das zeigt auch, wie aktuell das ist, was wir hier üben. Jede Simulation hat ihre Grenzen und Übungskünstlichkeiten hemmen die Kreativität. Deswegen haben wir echte Piloten dabei, die am Simulator ganz spontane und individuelle Missionen fliegen. Das zeigt, dass wir JPOW immer wieder weiterentwickeln.