Luftwaffe

Schützen und zurückdrängen

Schützen und zurückdrängen

  • Ausbildung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Nörvenich
Lesedauer:
3 MIN

Der infanteristische Objektschutz ist ein essentieller Bestandteil der Luftwaffe. Dabei geht es um den Schutz von luftwaffenspezifischer Infrastruktur, sowohl im Inland, als auch im Auslandseinsatz.

Es ist früh am Morgen, die Sonne erhebt sich langsam über dem Fliegerhorst Nörvenich und ein sonniger Frühlingstag kündigt sich an. Während die Techniker und Piloten des Eurofighters ihrer routinemäßigen Arbeit nachgehen, bereiten sich zwei Frauen und 16 Männer auf ihre fordernde Ausbildung vor. Im nördlichen Wald befinden sich die Schutzbauten für Flugzeuge, sogenannte Shelter. Gebaut und im Gelände verstreut wurden sie noch zu Zeiten des Kalten Krieges. In diesem Areal werden die Teilnehmer des „Zugführer Lehrgangs“ den außergewöhnlichen Ausbildungsabschnitt „Kampf in Flugbetriebsbereichen“ absolvieren.

Dreieinhalb Monate harte Arbeit

Vier Soldaten laufen zu einem Shelter. Vor diesem sind Rauchgranaten detoniert und behindern die Sicht des Feindes

Teile des Zuges rücken zum Shelter vor

Bundeswehr/Jane Schmidt


Die Einheiten des Objektschutzregiments der Luftwaffe gliedern sich, wie bei der Luftwaffe üblich, in Staffeln. Diese Größe ist vergleichbar mit den Kompanien in anderen Teilstreitkräften. Staffel, geführt von einem Major, wird unterteilt in drei Züge. Diese Züge werden von Offizieren oder Unteroffizieren mit Portepée geführt. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, durchlaufen die künftigen Vorgesetzten eine fordernde Ausbildung bei der Infanterieschule in Hammelburg. In dreieinhalb Monaten lernen sie, anhand verschiedenster Szenarien, wie sie ihren Zug optimal einsetzen, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen und die ihnen anvertrauten Frauen und Männer bestmöglich zu schützen. Dabei werden sie immer wieder an ihre Grenzen gebracht und gehen darüber hinaus.

Luftwaffen Infrastruktur schützen

Zwei Soldaten liegen auf dem Dach eines Shelters und zielen mit ihren Waffen auf den Hinterausgang eines zweiten Shelters

Der MG-Schütze sichert den hinteren Ausgang des Shelters

Bundeswehr/Benjamin Albert


Liegenschaften der Bundeswehr, sei es in Deutschland, oder Feldlager im Auslandseinsatz, benötigen besonderen Schutz. Es ist nicht damit getan, dass ein umzäuntes Gebiet vor Eindringlingen oder Beschuss geschützt wird. In der Regel handelt es sich um Flugplätze, oder um Feldlager mit außerhalb gelegenen Landebahnen für Flugzeuge. Während es für Fahrzeuge, besonders geländegängige, viele Wege gibt, um sich in einem Gebiet zu bewegen, sind Flugzeuge wesentlich unflexibler. Hinzu kommt, dass sie gerade bei Start und Landung, wenn sie noch keine sichere Höhe erreicht haben, ein leichteres Ziel sind. Daher sind die Objektschützer der Luftwaffe nicht nur für die Flugplätze zuständig, auch die An- und Abflugrouten in der Umgebung werden durch sie beschützt. Auf dem Zugführerlehrgang wurde nun der „Kampf in Flugbetriebsbereichen“ integriert, in welchem das angehende Führungspersonal lernt, wie sie Shelter und freistehende Flugzeuge beschützen. Sie dringen in Shelter ein, die zuvor von Feinden eingenommen wurden und machen diese für die eigenen Kräfte wieder nutzbar. Durch die Waldstücke zwischen den Gebäuden gibt es einen häufigen Wechsel zwischen Kämpfen in urbanen Gebieten und Waldgebieten. Außerdem kann auf aktiven Flugplätzen jederzeit mit rollenden Flugzeugen gerechnet werden. Auch für diese Situationen gibt es bestimmte Verhaltensregeln. So muss immer der Flugsicherheit Rechnung getragen werden. Beispielsweise müssen die Rollwege immer frei von Fremdkörpern sein. Der Auftrag, das Unterbinden von Eindringversuchen und das Bekämpfen von Feinden, darf nicht aus den Augen verloren werden. Wenn wenige Meter neben den Objektschützern ein Eurofighter startet, kann die Kommunikation für diesen Moment erschwert werden. In dieser komplexen Situation finden sich die Soldatinnen und Soldaten nun erstmals schon in ihrer Ausbildung wieder. Bisher wurde auf dem Truppenübungsplatz in Hammelburg, und dort speziell in der Übungsumgebung „Bonnland“, geübt und ausgebildet. Im einwöchigen Pilotprojekt wurde nun ein aktiver Flugplatz für diesen Teil des Lehrgangs ausgewählt.

Ziele gemeinsam erreichen

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Der Zugführer gibt seinen Soldatinnen und Soldaten Anweisungen

Bundeswehr/Jane Schmidt


Die Bundeswehr orientiert sich wieder verstärkt in Richtung ihrer Kernaufgaben, der Landes- und Bündnisverteidigung. Dabei behält sie aber auch den Fokus der vergangenen Jahre, die Auslandseinsätze, im Blick. Der „Kampf in Flugbetriebsbereichen“ ist für beide Aufgabenfelder wichtig. Ausbilder Hauptfeldwebel Pfannenschmidt dazu: „Ich finde es zweckmäßig, dass wir hier üben, weil wir hier die luftwaffenspezifische Infrastruktur direkt vor Ort haben und mit der restlichen Luftwaffe zusammenarbeiten können. Nicht jeder wird Zugführer, nur weil er den Lehrgang besucht. Die Kriterien zum Bestehen sind hoch gesteckt, um die Besten für künftige Führungsaufgaben zu gewinnen.“ Die Lehrgangsteilnehmer, erfahrene Soldaten, haben die Möglichkeit ihre Fähigkeiten erheblich auszubauen. Lehrgangsteilnehmer Hauptfeldwebel Scheel „Hier habe ich die Möglichkeit mich auf den Shelterkampf und die angrenzenden Waldstücke zu konzentrieren. Diese müssen durchkämmt werden, um Gegner zu bekämpfen. Ich hoffe, dass die nachfolgenden Lehrgänge zwei Wochen Zeit bekommen, um das Gelernte zu verinnerlichen.“ Dieser Pilotlehrgang hat gezeigt, dass es wichtig ist dort zu trainieren, wo auch im Ernstfall der Einsatz stattfindet. So können die Kräfte der Infanterie mit den Einsatzgeschwadern bestmöglich zusammenarbeiten und die gemeinsamen Ziele erreichen.

Impressionen aus dem Lehrgang


von David Joliet