Marine
Missile Firing Exercise 2022

Flugkörperschießen: Erster RBS15-Einsatz gegen Landziel

Flugkörperschießen: Erster RBS15-Einsatz gegen Landziel

  • Übung
  • Marine
Datum:
Ort:
Rostock
Lesedauer:
3 MIN

Die Marine hat am 18. Mai in Norwegen erstmals Anti-Schiff-Raketen vom Typ RBS15 Mk3 auf ein Ziel an Land abgefeuert.

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Die „Oldenburg“ feuert ihre Hauptwaffe. Die RBS15-Lenkflugkörper sind in vier Behältern auf zwei Rampen zwischen den Aufbauten des Schiffs eingerüstet.

Bundeswehr/ Marcel Kröncke

Der schwere Lenkflugkörper ist zusammen mit seiner Waffenplattform, den Korvetten der Klasse 130, seit 2008 bei den deutschen Seestreitkräften in Dienst. Bei vorigen Flugkörperschießen hatten die Schiffe den RBS15 bislang nur auf Ziele in See verschossen.

Die Korvette „Oldenburg“ erbrachte den Nachweis, dass „die Marine nun in der Lage ist, mittels einer Präzisionsabstandswaffe gegen Ziele relativ weit hinter der Küste zu wirken“, wie der Test Director der Missile Firing Exercise 2022, Fregattenkapitän Nikolaus Hey, erklärt. „Dieser Schritt befähigt die Korvetten jetzt auch offiziell dazu, von See aus in einem breiten Landstreifen Ziele zu bekämpfen.“

Der Nachweis über ein erweitertes Einsatzspektrum

Für solche Einsätze im Operationsraum Küstenvorfeld, also in flachen und engen Gewässern, sind die wendigen Korvetten mit ihrem relativ geringen Tiefgang wie kein anderes Schiff der Marine befähigt. Die „Oldenburg“ demonstrierte das bei diesem Schießen dadurch, dass sie für den Start der Flugkörper tief in die nordnorwegischen Fjorde hineingefahren war. Aus einer gut verborgenen Position heraus feuerte sie die RBS15 ab.

Der RBS15 Mk3 gehört zur Klasse der schweren Seezielflugkörper, definiert durch das vergleichsweise große Gewicht seines Gefechtskopfs. Er kann damit an Land Ziele wie ortsfeste militärische Infrastruktur zerstören, lässt sich aber auch zum Beispiel gegen mobile Raketenabschussfahrzeuge einsetzen – wenn deren genaue Position bekannt ist. Die Zieldaten liefern in der Regel nicht die eigenen Sensoren der Korvetten, sondern sie stammen aus unterschiedlichen dritten Quellen.

„Die Gesamtflugstrecke forderte den Lenkflugkörpern verschiedene, ausgesprochen anspruchsvolle Routen sowohl über See als auch über Land ab“, erläutert Hey. Die Strecke nutzte die Reichweite des RBS15 von mehr als 200 Kilometern gut aus, die Raketen schlugen auf ihrer Route mehrere Haken und veränderten immer wieder einmal ihre Flughöhe. Das dient grundsätzlich dazu, die genaue Abschussstelle, und damit die Position der Korvette, vor einem möglichen Gegner zu verstecken.

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Der RBS15 schlägt im „Zielgarten“, bestehend aus mehreren Containern, ein. Der Flugkörper trägt keinen scharfen Gefechtskopf, sondern zusätzliche Sensoren und Sender, um exakte Flugdaten zu erfassen und zu übertragen.

Vergleichbare Prozeduren wie für Seeziele

„Der Flugkörper hat genau das gemacht, was er sollte, wofür er konzipiert wurde“, zeigt sich der Erste Wachoffizier auf der „Oldenburg“, Kapitänleutnant Till Niemann, mit dem gesamten Schießvorgang zufrieden. Die streng vorgeschriebene detaillierte Prozedur des Abschusses war für die Besatzung des Schiffs nicht neu, war der Ablauf doch im Prinzip die gleiche wie für ein Ziel auf See.

Auch wenn sie sich nicht in einem spezifischen Gefechtsszenario befand, war die Crew für das Abfeuern des RBS15 auf Gefechtsstation gegangen. Das dient einerseits der Sicherheit von Schiff und Besatzung im Fall eines Unfalles, andererseits dem realitätsnahen Einsatz des Waffensystems. Für Niemann war die Missile Firing Exercise damit ein Erfolg. „Wir konnten nicht nur unsere Besatzung trainieren und die Leistungsfähigkeit unserer Korvetten beweisen“, sagt er, „sondern wir bringen diese Erfahrung auch für das 1. Korvettengeschwader und damit die ganze Marine mit.“

von Presse- und Informationszentrum Marine (mmo) | E-Mail schreiben
 

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