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Porträt: Linkmeister auf der Fregatte „Brandenburg“

Porträt: Linkmeister auf der Fregatte „Brandenburg“

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Datum:
Ort:
Wilhelmshaven
Lesedauer:
4 MIN

Für Hauptbootsmann Florian Westphal spielte Seefahrt lange Zeit keine Rolle. Erst über Umwege hat er zu den grauen Schiffen gefunden.

Ein Mann steht in blau-weißer Marineuniform vor einem grauen Schiff.

Florian Westphal vor der Fregatte „Brandenburg“ in Wilhelmshaven

Bundeswehr/Kim Brakensiek

Florian Westphal ist seit fast vier Jahren Teil der Besatzung der Fregatte „Brandenburg“. Er trägt als sogenannter Linkmeister an Bord die Verantwortung dafür, dass der 139 Meter lange Stahlriese sein Lagebild mit anderen Kriegsschiffen teilen kann.

„Für mich war schon früh klar, dass ich einen Beruf ergreifen möchte, in dem man Teil von etwas Größerem ist. In dem ich für die Gesellschaft, in der wir leben, eintrete“, erzählt der heutige Portepeeunteroffizier.

Der Fotografen Weg zum Fotografenmeister

Ein Wehrdienstberater verhalf ihm zu seinem Weg in die Bundeswehr. Genauer gesagt zur Marine, in der auch sein Bruder seinen Dienst leistet. Als Matrose MA (Maatanwärter) durchlief er an der Marinetechnikschule in Parow seine Grundausbildung und anschließend den Unteroffizierlehrgang an der Marineunteroffizierschule in Plön.

Nach einer zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung zum Fotografen in Berlin trat er seinen Dienst in München an. Seine neu erworbenen Fähigkeiten als Fotograf wurden im Presse- und Informationszentrum des Sanitätsdienstes im Sanitätsamt benötigt. Fast 1.000 Kilometer von zu Hause entfernt. Vier Jahre verbrachte der gebürtige Oldenburger in der Pressearbeit des Zentralen Sanitätsdienstes, zuletzt als Obermaat in Koblenz. „Die Zeit im südlichen Teil Deutschlands war auf jeden Fall eine Bereicherung für mich. Bis heute habe ich die Pressearbeit nie ganz aufgegeben“, sagt Westphal.

Ich hatte einfach den Wunsch, noch mehr in der Marine zu erleben.“

2014 neigte sich seine Zeit im Presse- und Informationszentrum dem Ende zu und er entschied sich für einen Laufbahnwechsel als Unteroffizier mit Portepee und damit auch für die Seefahrt. „Ich hatte einfach den Wunsch, noch mehr in der Marine zu erleben. Ich bin im Herzen ein Kind des Nordens und früher oder später muss man auch wieder dahin zurückkehren, wo man hingehört“, so Westphal.

Die Unteroffizierschule in Plön und die Marineoperationsschule in Bremerhaven lehrten ihn bis Ende 2015 die Grundlagen der Tätigkeiten als Portepeeunteroffizier und Operateur. Drei Monate Englisch waren ebenfalls mit dabei: für eine verlässliche Kommunikation mit NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partnern unverzichtbar. 2016 war es soweit – erst als Zweiter, dann als Erster Linkmeister, diente Florian Westphal von nun an auf der Fregatte „Brandenburg“.

Das Bindeglied an Bord

Eine vermumte Person sitzt in einem dunklen Raum vor einer Konsole und einem Monitor.

Westphal an seinem Arbeitsplatz in der Operationszentrale seiner Fregatte

Bundeswehr/Niels Onken

„Im Gefecht ist schnelle und präzise Kommunikation unverzichtbar. In der Operationszentrale sitzen viele Menschen auf engem Raum. Jeder von Ihnen hat etwas Wichtiges zu sagen, da muss man gut hinhören. Doch auch nach Außen muss kommuniziert werden, damit Schiffe sich im Verband koordinieren können. Nicht jedes Schiff hat dieselben Sensoren, also müssen sie sich gegenseitig bei der Erstellung eines umfassenden Lagebilds ergänzen. Genau hier komme ich ins Spiel. Mit ‚Link‘ kann ich Informationen mit anderen Schiffen austauschen, sodass der Verband ein einheitliches Lagebild erhält“, erklärt Westphal mit einem Blick auf seine Konsole. Hierfür stehen ihm auf der „Brandenburg“ zwei Linksysteme zur Verfügung.

Mit der älteren Variante Link11 lässt sich zwar ein viel größeres Lagebild des Seeraums aufrechterhalten. Link16 beschränkt sich zwar auf Horizontreichweite, dafür können die Bediener ein komplexes Lagebild in Echtzeit übertragen. Diese Systeme finden in der NATONorth Atlantic Treaty Organization umfassende Anwendung und die „Brandenburg“ kann nicht nur mit anderen Marinen, sondern auch mit Land- und Luftstreitkräften zusammenarbeiten.

Mehr als nur ein Bildschirmarbeiter

„Operateur“ steht für „Bediener“. Auf einem Kriegsschiff ist man meist Bediener einer Konsole. In Westphals Fall ist es jedoch damit nicht getan. Ein Grundverständnis für die Technik, die hinter diesen Anlagen steckt, ist sehr wichtig. „Wenn es im Gefecht zu einem Ausfall dieser Anlagen kommt, oder andere Probleme auftreten, kann ich so die Ursache eingrenzen und zu einer schnellen Lösung beitragen,“ erläutert er vor einem Schrank gefüllt mit Fernmeldetechnik stehend. Doch auch abseits des Gefechts und in der Seefahrt ist dieses Grundwissen eine große Hilfe. Nach der letzten Werftphase begann das Einrichten diverser technischer Anlagen. Diese Anlagen müssen auf Funktionsfähigkeit geprüft werden, es werden Absprachen mit Technikern an Bord und anderen Stellen getroffen. Doch all die Ausrüstung nützt nichts, wenn man nicht weiß, wie man sie bedient.

„Ich bin nicht nur Linkmeister, sondern auch Wach-Portepeeunteroffizier, ich unterstütze den Wachleiter bei der Seewache. Somit bin ich mit dafür verantwortlich, dass jeder Soldat dieser Seewache seine Aufgaben beherrscht und mit der Technik umgehen kann,“ berichtet er aus einem Alltag.

„Bis es wieder länger rausgeht, dauert es noch eine Weile, aber umso mehr freut man sich dann, wenn es doch losgeht. Bis dahin haben wir genug Zeit, uns bestens vorzubereiten und den Ausbildern in der Einsatzvorausbildung zu zeigen, dass wir es drauf haben.“

von Niels Onken  E-Mail schreiben