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Hilfe unter Zeitdruck: Sanitätsausbildung in Litauen

Landes- und Bündnisverteidigung

Hilfe unter Zeitdruck: Sanitätsausbildung in Litauen

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Bei der multinationalen Übung Freedom Shield 2026 koordiniert Leutnant Andreas S.* die sanitätsdienstliche Ausbildung der Panzerbrigade 45. Sein Ziel: Soldatinnen und Soldaten zu befähigen, auch unter hoher Belastung Verwundete schnell und sicher zu versorgen – vom Point of Injury bis zur nächsten Versorgungsebene.

Soldat in Warnweste steht an Sandkasten und deutet hinein. Vorne drei Soldatinnen von hinten.

Am Geländesandkasten weist der Leutnant sein Ausbildungspersonal in die Lage ein. Hier werden Abläufe, Sammelpunkte und Versorgungsschritte besprochen, bevor die praktische Ausbildung im Gelände beginnt.

Bundeswehr/Katharina Waier


Auch die Hilfe im Ernstfall ist am Anfang erst einmal Theorie. Am sogenannten Geländesandkasten führt Leutnant Andreas S. seine Ausbilderinnen und Ausbilder durch den gedachten Ablauf der Übung. An einem Modell zeigt er mit einem Stab die Stellen auf, an denen Verwundete aufgenommen werden, wie die Kräfte sich bewegen und an welchen Punkten die Versorgung weitergeführt wird. Noch ist alles geordnet. Noch liegen die Abläufe planbar und ohne Störung vor ihm im Sand. Wenig später wird daraus eine realitätsnahe Ausbildungssituation mit Lärm, Bewegung, Verwundeten und: Zeitdruck.

Bei Freedom Shield koordiniert Andreas S. die sanitätsdienstliche Ausbildung für die Panzerbrigade 45. Er kommt von der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München, wo er als Hörsaalleiter und Ausbildungsoffizier eingesetzt ist. Dort bildet er TCCC-Instruktoren und Notfallsanitäter aus. TCCC steht für Tactical Combat Casualty Care und beschreibt ein international etabliertes Vorgehen zur Verwundetenversorgung unter taktischen Bedingungen.

Bei der Übung arbeitet Andreas S. eng mit dem medizinischen Bereich der Panzerbrigade 45 zusammen. Zu seinen Aufgaben gehört es, den gesamten Ausbildungsablauf zu koordinieren, die Ausbilderinnen und Ausbilder einzuweisen, die Abläufe abzustimmen und die Lage vom ersten Verwundeten bis zur Übergabe an die nächste sanitätsdienstliche Versorgungsebene zu steuern.

Immer einen kühlen Kopf bewahren

Bevor die Truppe in die Ausbildung geht, bereiten die Ausbilderinnen und Ausbilder die Stationen des Übungsszenarios vor. Besonders wichtig sind die sogenannten Casualty Collection Points, kurz CCPs. An diesen Sammelpunkten werden Verwundete aufgenommen, kategorisiert und weiter versorgt. Um den Übungsdurchlauf möglichst realitätsnah zu gestalten, werden die CCPs bewusst belastend gestaltet. Lärm, Musik, Gerüche und weitere Störfaktoren sollen Druck bei den Übungsteilnehmenden erzeugen. Die Soldatinnen und Soldaten sollen nicht nur wissen, welche Maßnahmen wann anzuwenden sind, sie sollen auch dann noch flexibel und handlungsfähig bleiben, wenn die Situation unübersichtlicher wird.

Für Andreas S. ist das ein entscheidender Punkt: Die Ausbildung soll nicht nur medizinische Handgriffe, sondern auch das richtige Verhalten unter Belastung festigen. An der Front eingesetztes Personal muss Verwundete auffinden, erste Maßnahmen einleiten, Prioritäten setzen und die weitere Versorgung vorbereiten können. Denn Hilfe beginnt nicht erst dort, wo das Sanitätsfachpersonal übernimmt. Sie beginnt dort, wo die Verwundung passiert.

Gerade mit Blick auf die Landes- und Bündnisverteidigung gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. In einem solchen Szenario können Lagen dynamischer, intensiver und schwerer planbar sein. Sanitätskräfte werden nicht überall gleichzeitig verfügbar sein. Andreas S. formuliert es klar: „Wir als medizinisches Fachpersonal werden spät kommen“ – und wenn Sanitätskräfte eintreffen, dann möglicherweise „nicht in ausreichender Anzahl“.

Menschen befähigen, Menschen zu versorgen

Ein Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf den All Service Membern und Combat Lifesavern. Gemeint sind Soldatinnen und Soldaten, welche im Ernstfall die ersten Minuten nach der Verwundung überbrücken müssen, bis das Sanitätsfachpersonal übernehmen kann. Sie müssen Blutungen stoppen, Verwundete stabilisieren, Zeit gewinnen und die Übergabe an die nächste medizinische Versorgungsebene vorbereiten können. Hier zeigt sich auch, welchen Stellenwert Verwundetenversorgung in der Bundeswehr und in den Streitkräften der Verbündeten hat. Der Kampfauftrag bleibt zentral, aber die Versorgung eigener Verwundeter wird von Anfang an mitgeplant. Das ist eine bewusste Schwerpunktsetzung.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Auswertung der Übung mit der Truppe und im Ausbildungsteam. Welche Abläufe waren belastbar? Wo gab es Verzögerungen? Welche Maßnahmen wurden sicher angewendet? Wo müssen Einheiten nachsteuern? Dieses Feedback ist ein zentraler Teil der Ausbildung – das dankbar angenommen wird. Auch die Führung der Panzerbrigade 45 versteht die Sanitätsausbildung als festen Bestandteil der Einsatzbereitschaft. Brigadegeneral Christoph Huber, Kommandeur der Panzerbrigade 45, besuchte während Freedom Shield mehrfach die Übungsabläufe.

Wer Leutnant Andreas S. während der Ausbildung beobachtet – am Geländesandkasten, am Funk, im Gespräch mit den Ausbilderinnen und Ausbildern –, sieht eine Rolle, die oft im Hintergrund bleibt und doch entscheidend ist. Er schafft den Rahmen, in dem andere trainieren, entscheiden und handeln können. Denn wenn im Ernstfall jede Minute zählt, muss Hilfe dort beginnen, wo die Verwundung passiert: direkt bei der Truppe.

*Name zum Schutz der Person abgekürzt

von Tobias Gerlach  E-Mail schreiben

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