Freedom Shield 2026: Premiere im Baltikum
Mit ihrem ersten großen Manöver in Litauen baut die deutsche Panzerbrigade 45 ihre Verteidigungsbereitschaft aus.
Kampfkraft entsteht nicht allein an der Front. Versorgung, Verwundetentransport und Instandsetzung sichern maßgeblich die Beweglichkeit und die Durchhaltefähigkeit der Kampftruppe im Einsatz. Die multinationale Übung Freedom Shield in Litauen mit rund 2.900 Soldatinnen und Soldaten zeigt, wie Logistik und Sanität die Truppe nachhaltig unterstützen.
Ein SAR-Hubschrauber landet zur Aufnahme eines verletzten Soldaten. Bei der Übung wird trainiert, Verwundete nach der Erstversorgung direkt weiter zu transportieren.
Bundeswehr/Katharina Waier
Der Blick in die Ukraine beweist, dass sich Einsatzbereitschaft nicht nur daran zeigt, ob Kräfte kämpfen können, sondern auch, ob sie über längere Zeit handlungsfähig bleiben. Unterstützungskräfte schaffen dafür die Voraussetzungen. Sie sorgen dafür, dass ausgefallenes Material wieder verfügbar wird, Verwundete versorgt werden und Abläufe auch unter Belastung weiter funktionieren.
Die multinationale Übung Freedom Shield macht sichtbar, welche Bedeutung diese Fähigkeiten für einen einsatzbereiten Großverband haben. Soldatinnen und Soldaten aus acht NATO-Staaten trainieren im litauischen Pabradė das Zusammenwirken vieler Fähigkeiten: Führung, Schutz, Beweglichkeit, logistische Prozesse, Instandsetzung und sanitätsdienstliche Versorgung. Die Übung zeigt, dass beispielsweise Logistik und Sanität nicht nachgelagerte Bereiche sind, sondern von Beginn an mitgedacht werden und in einem Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung einen wesentlichen Beitrag zur Durchhaltefähigkeit der Panzerbrigade 45 „Litauen“ leisten.
Wenn ein Fahrzeug während der Übung ausfällt, ermöglicht nicht nur die Reparatur selbst die weitere Einsatzfähigkeit. Entscheidend ist auch, ob der Schaden richtig bewertet und das Fahrzeug bei Bedarf an die passende Instandsetzung übergeben wird. Kleinere Schäden können häufig durch die Truppe selbst behoben werden. Wo jedoch die eigenen Möglichkeiten an Grenzen stoßen, kommt die logistische Fachexpertise des Unterstützungsbereichs ins Spiel.
Bei Freedom Shield übernimmt das schwere Logistikbataillon 467 diese weiterführende Instandsetzung. Die Soldatinnen und Soldaten kümmern sich um Schadmaterial, welches nicht mehr unmittelbar durch die Truppe instandgesetzt werden kann. Dazu gehören insbesondere die Hauptwaffensysteme der Panzerbrigade 45, also Kampfpanzer Leopard 2 und Schützenpanzer Puma. Aber auch weitere Systeme landen bei den Logistikprofis: gepanzerte Pioniermaschinen, Hydraulikanlagen, Kommunikationstechnik, Stromerzeugeraggregate oder gepanzerte und ungepanzerte Radfahrzeuge. Für die Instandsetzung wird auf gelagerte oder gelieferte Ersatzteile zurückgegriffen. Zusätzlich können mit einem 3D-Drucker vor Ort kleine Ersatz- oder Hilfsteile kurzfristig und direkt hergestellt werden.
Bei Freedom Shield wird einmal mehr sichtbar, dass Logistik nicht neben dem Gefecht herläuft, sondern ein aktiver Teil dessen ist. Die eingesetzten Logistikkräfte sorgen dafür, dass ausgefallenes Material nicht dauerhaft aus dem Betrieb herausfällt. Gerade in modernen Gefechten ist diese Fähigkeit entscheidend, da Beweglichkeit und Durchhaltefähigkeit der Truppe auch davon abhängen, dass Schäden nicht nur schnell festgestellt, sondern auch schnellstmöglich behoben werden können.
Ein Instandsetzungssoldat bereitet ein gerade eingetroffenes Ersatzteil für den Einbau vor. Mit einem Hebegeschirr wird das Bauteil aufgenommen, bevor es verbaut wird.
Bundeswehr/Katharina Waier
Zwei Instandsetzungssoldaten arbeiten an der Kette eines Panzers. Technische Unterstützung vor Ort ist unverzichtbar, um schweres Gerät nach Schäden schnell wieder nutzbar zu machen.
Bundeswehr/Katharina Waier
Ein Verwundeter trifft am Sammelpunkt ein und wird für die weitere Versorgung vorbereitet. Der Schiedsrichter (l.) begleitet die Situation und bewertet, wie die Kräfte den Übergang zur Role 1 umsetzen.
Bundeswehr/Katharina WaierAuch die sanitätsdienstliche Unterstützung ist bei Freedom Shield von Beginn an Teil der Übung. Unter realistischen Bedingungen wird trainiert, wie Verwundete erstversorgt, gesammelt und für den Weitertransport vorbereitet werden. Dabei geht es nicht allein um Sanitätsfachpersonal – die Rettungskette beginnt schon früher. Denn die Rettungskette beginnt nicht erst mit der Übernahme durch den Sanitätsdienst, sondern unmittelbar nach der Verwundung und muss somit von Beginn an mitgeplant und ausgebildet werden.
Auch Soldatinnen und Soldaten der Truppe müssen wissen, wie sie in den ersten Minuten nach einer Verwundung handeln müssen. In einem Gefecht mit einer großen Anzahl Verwundeter können Sanitätskräfte nicht überall gleichzeitig sein. Deshalb werden werden auch die kämpfenden Kräfte darin ausgebildet, erste lebensrettende Maßnahmen einzuleiten, Blutungen zu stoppen, Verwundete zu stabilisieren und Zeit zu gewinnen, bis das Sanitätsfachpersonal übernimmt.
Mit der Ausbildung ist die Arbeit des Sanitätspersonals jedoch nicht abgeschlossen. Die Expertinnen und Experten begleiten die Truppe auch im weiteren Übungsgeschehen, geben Rückmeldungen, machen Verbesserungsvorschläge und wirken als Schiedsrichter mit. Damit trägt die Sanitätsausbildung nicht nur zur medizinischen Versorgung bei, sondern auch zur nachhaltigen Handlungsfähigkeit der Kampftruppe: Wer weiß, was in den ersten Minuten nach einer Verwundung zu tun ist, kann Kameradinnen und Kameraden helfen, bis die professionelle Versorgung übernimmt. Durch die weitere Begleitung des Sanitätsdienstes wird die Truppe Schritt für Schritt handlungssicherer und kann das Gelernte mit in den eigenen Verband nehmen.
Freedom Shield macht sichtbar, dass moderne Gefechte nicht allein durch Feuerkraft, Beweglichkeit und Führung getragen werden. Eine Brigade braucht ebenso Kräfte, die Material wieder verfügbar machen, Verwundete versorgen, Abläufe absichern und Ausfälle ausgleichen. Logistik und Sanitätsdienst stehen beispielhaft für Unterstützungsleistungen, ohne die ein Verband nicht über längere Zeit durchhaltefähig bliebe. Unterstützung wirkt oft im Hintergrund, entscheidet aber unmittelbar darüber, ob ein Gefecht fortgeführt werden kann.
Wenn Fahrzeuge ausfallen, müssen sie zurück in die Nutzung gebracht werden. Wenn Menschen verwundet werden, muss Hilfe sofort beginnen. Erst das Zusammenspiel von Kampftruppe, Führung und Unterstützung macht aus einzelnen Fähigkeiten ein durchhaltefähiges Gesamtsystem.
Oder kurz gesagt: Ohne Unterstützung kein modernes Gefecht.
von Tobias Gerlach E-Mail schreiben
Mit ihrem ersten großen Manöver in Litauen baut die deutsche Panzerbrigade 45 ihre Verteidigungsbereitschaft aus.