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Vigorous Warrior 2026

iMEDCAP: Die Zukunft des taktischen Verwundetentransports

Landes- und Bündnisverteidigung

iMEDCAP: Die Zukunft des taktischen Verwundetentransports

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Bei der NATO-Übung Vigorous Warrior 2026 in Estland wurde auch die Zukunft des taktischen Verwundetentransports vorgestellt: Das neue System iMEDCAP kann Verwundete selbstständig finden, mit Luft- und Bodendrohnen nahezu autonom evakuieren und bereits während der Evakuierung, unter der Aufsicht eines Arztes oder einer Ärztin, die Verwundeten anteilig behandeln.

Ein militärisches Kettenfahrzeug mit rotem Kreuz auf weißem Grund an der Seite

Die Bodendrohne THeMIS bringt Verwundete völlig autonom vom Ort der Verwundung bis zum Casualty Collection Point, dem Verwundetensammelpunkt. THeMIS ist ein sogenanntes UGV: ein Unmanned Ground Vehicle.

Bundeswehr/Mathias Erdmann


Bevor im Gefecht die Rettungskette anläuft, müssen in einem ersten Schritt zunächst die verwundeten Personen gefunden und es muss geprüft werden, ob diese noch leben. Mit dem neuen System iMEDCAP können diese Aufgaben jetzt von Drohnen übernommen werden. Bei der NATO-Übung Vigorous Warrior 2026 in Estland konnte das System unter realitätsnahen Bedingungen getestet werden, um in einem möglichen Bündnisfall die Evakuierung Verwundeter maßgeblich zu unterstützen.

iMEDCAP greift zunächst auf eine Aufklärungsdrohne mit Wärmebildsensor zu. Ist die verwundete Person durch diese Drohne lokalisiert, prüft eine zweite Drohne mit ausgefeilter Radartechnik, ob die Person noch atmet. Dazu detektiert der Radarsensor Bewegungen im Brustbereich, auch bei angelegter Schutzweste – millimetergenau. Die eingesetzten Drohnen werden derzeit von geschultem Personal ferngesteuert. Als Teil des iMEDCAP-Systems liefern sie wichtige Informationen für die Lagebeurteilung und die Planung der weiteren Rettungskette. Auf Grundlage der gewonnenen Daten wird im Patient Evacuation Coordination Centre (PECC) entschieden, ob die Bodendrohne THeMIS mit dem Patiententransportmodul zur Evakuierung entsendet wird.

Auf dem Weg zum Verwundeten

THeMIS trägt die Patiententransportbox auf Ketten zum Verwundeten. Das System iMEDCAP plant automatisch den besten Weg für die Bodendrohne und greift dafür auch auf Daten der Aufklärungsdrohne zu. Die Navigationsplanung wird kontinuierlich und ohne Eingreifen eines Bedieners beziehungsweise einer Bedienerin an sich verändernde Einsatzbedingungen angepasst.

Das unbemannte Bodenfahrzeug selbst verfügt über ein iMEDCAP Autonomie-Kit, bestehend aus zwei LiDAR-Sensoren (Light Detection and Ranging), einer inertialen Messeinheit (IMU) sowie modernsten algorithmischen Lösungen. Mit diesen technischen Hilfsmitteln kann THeMIS in schwierigem Gelände autonom navigieren – auch wenn die Ortung über ein globales Navigationssatellitensystem (GNSS) gestört ist. Hat die Bodendrohne die bereits durch Selbst- oder Kameradenhilfe erstversorgte verwundete Person erreicht, können die Kameradinnen und Kameraden die verwundete Person auf die in der Transportbox befindlichen Krankentrage umlagern und diese einfach in die Transportbox schieben.

Vitalparameter-Monitoring und direkte Behandlung

Die Patiententransportbox ist weit mehr als ein Transportmittel für Verwundete. Sie steckt voller Hightech und die verwundete Person wird durch ein textiles Funktionslaminat vor äußeren Einflüssen und Wetterbedingungen geschützt. Vitalparameter können selbstständig aufgenommen und durch intelligente Algorithmen automatisch analysiert werden. Lebensbedrohliche Phasen werden so schnell und sicher detektiert. In der Transportbox steckt dazu ein Robotersystem, das es ermöglicht, den Patienten oder die Patientin während der Evakuierung zu überwachen und mit Notfallinterventionen zu behandeln.

Dies geschieht durch am Körper getragene Smart Devices wie zum Beispiel einem Smart Tourniquet oder wird per Roboterarm durchgeführt. Das Smart Tourniquet lässt sich etwa ferngesteuert enger stellen, während die Roboterarme mit Hilfe eines Schienensystem exakte Injektionen setzen oder durch Punktion einen Spannungspneumothorax entlasten können. Das gleiche Schienensystem wird genutzt, um weitere Sensoren wie CBRN-Sensoren zur Prüfung einer möglichen Kontaminierung durch atomare, biologische oder chemische Stoffe, einen 3D-Körperscanner, eine Diagnosekamera oder einen Augenbewegungssensor über den Körper des Verwundeten zu bewegen.

Alle Behandlungsinformationen werden zusammengefasst und an einen Telemediziner beziehungsweise eine Telemedizinerin weitergeleitet. Diese Person muss jeden invasiven Schritt innerhalb der Transportbox auslösen oder bestätigen. Vitalparameter werden automatisch vom Ort der Verwundung an medizinische Behandlungseinrichtungen sowie an Führungs- und Kommandoebenen übermittelt. Darüber hinaus verwendet iMEDCAP diese Daten zur automatisierten Generierung von Triage-Vorschlägen, um die Priorisierung der Verwundetenevakuierung auf Grundlage des Schweregrads der Verletzungen zu unterstützen.

Soldaten laden einen Verwundeten in eine Militärische Drohne zum weiteren Transport ein.

Die Flugtransportdrohne Grille, ein Unmanned Aerial Vehicle (UAV), fliegt Verwundete autonom hinter der Front. So ist innerhalb der Rettungskette etwa der Transport von der Role 2 (Rettungszentrum) zur Role 3 (Einsatzlazarett) durch die Luft möglich.

Bundeswehr/Mathias Erdmann
Eine medizinische Puppe liegt in einem militärischen Kettenfahrzeug zur weiteren Versorgung

Die Patiententransportbox ist mehr als Schutz gegen Witterung oder Splittereinwirkung. Während des Transports kann die verwundete Person dank Roboterarm und smarter Gadgets am Körper direkt behandelt werden.

Bundeswehr/Mathias Erdmann

Weiter durch die Luft

Ist die Bodendrohne THeMIS am Verwundetensammelpunkt, dem Casualty Collection Point (CCP), eingetroffen und die verwundete Person weiterhin ausreichend stabil, wird die Transportbox durch die Flugtransportdrohne Grille zur nächsten Sanitätseinrichtung geflogen – ebenfalls völlig autonom. Die Grille hat eine Reichweite von 50 Kilometern und kann bis zu 175 Kilogramm transportieren. Das unbemannte Luftfahrzeug wird elektrisch angetrieben und kann durch zwei Soldatinnen oder Soldaten in 15 Minuten in Startbereitschaft gebracht werden.

Entlastung für eigene Sanitätskräfte

Das System iMEDCAP ist dazu gedacht, bereits in unmittelbarer Nähe des Orts der Verwundung und damit sehr schnell zum Einsatz zu kommen, ohne dafür möglicherweise woanders benötigtes Personal zu binden oder gar zu gefährden. Das eigene Sanitätspersonal kann durch den Einsatz autonomer Systeme wie iMEDCAP bei Evakuierungen nicht nur in der Häufigkeit der Einsätze geschont, sondern im Zweifel vor eigener Verwundung geschützt werden.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt, dass es zunehmend schwieriger wird, die „Golden Hour“ für an der Front Verwundete zu halten. Dort genießt Sanitätspersonal keinen Schutzstatus und ist im Gegenteil zu einem vorrangigen Ziel geworden. Das macht autonome Systeme wie iMEDCAP für die militärische Rettungskette so wertvoll.

Die Flagge der EU mit dem Text Funded by the European Union

Haftungsausschluss: Das Projekt iMEDCAP wird von der Europäischen Union gefördert (Grant Agreement Nr. 101121421). Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Kommission wider. Weder die Europäische Union noch die Europäische Kommission können für diese verantwortlich gemacht werden.

von Michael Tomelzik  E-Mail schreiben

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