Transkription Podcast Veränderungsmanagement Teil 3

Transkription Podcast Veränderungsmanagement Teil 3

  • Podcast
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
7 MIN

Moderator Fabian Malle:
„Herzlich willkommen zur dritten und letzten Folge zum Thema ‚Veränderungsmanagement‘. In der letzten Folge haben wir den Widerstand behandelt und auch schon die Rolle der Führungskraft angeschnitten. Welche Rolle hat denn die Führungskraft im Veränderungsmanagement?“

Jana Galling:
„Eine sehr große. Also je größer das Unternehmen ist, desto mehr. Denn das leuchtet schnell ein, wenn ich eine große Masse in Bewegung bringen möchte. Nehme man ein Unternehmen mit tausend oder zehntausend Mitarbeitern, dann ist es das eine, dass ich ein Ziel habe, eine Vision habe und überlege, wie komme ich dahin? Das andere ist die Disziplin, wie bringe ich eine kritische Masse in Schwung? Die Führungskräfte können da sehr gut als Multiplikatoren wirken. Also als ‚anchorman and –women‘, um tatsächlich Menschen mitzuziehen in dieser Veränderung.“

Moderator Fabian Malle:
„Kann man das denn lernen?“

Jana Galling:
„Ich persönlich finde, dass man alles lernen kann, wenn man es lernen möchte. Was man dafür braucht, um es gut zu machen, ist zunächst einmal die Bereitschaft, das gut machen zu wollen. Dazu gehört nun mal auch die Bereitschaft, bei sich selber hinzugucken und zu schauen, welche Rolle spiele ich in dem Ganzen? Also die eigene Rolle reflektieren, durchaus kritisch mit sich selber ins Gericht zu gehen und das bringt der eine mehr mit, der andere weniger. Man kann aber natürlich Rahmenbedingungen dafür schaffen. Wenn ich mal überlege, was ich die letzten zwanzig Jahre gemacht habe, ich habe viele viele Trainings gemacht für Führungskräfte in unterschiedlichen Unternehmen, dann ist es letzten endlich immer das gewesen, einen Rahmen zu schaffen. Damit so etwas wie Reflektion, Perspektivwechsel, Ausprobieren von neuen Kommunikationssituationen überhaupt möglich ist. Und dazu braucht es auch nicht per se das Seminar. Das Seminar ist ein Puzzleteil in dem Ganzen. Das ist gut, wenn man sich diesen Raum mal gibt. Aber das größte Potenzial um zu lernen, das sehe ich wirklich ‚on the job‘. Tagtäglich bin ich ja mittendrin und ständig von Veränderungssituationen und herausfordernden Persönlichkeiten und Situationen umgeben und das kann ich eben sehr gut meistern in meiner Rolle als Führungskraft, wenn ich mir das bewusst mache, dass ich jeden Tag auf einer Lern- und Spielwiese bin und mir bewusst mache: ‚Was habe ich heute gelernt, was kann ich morgen wieder ein Stückchen besser machen‘.

Moderator Fabian Malle:
„Wie bringt die Führungsakademie das denn ihren Lehrgangsteilnehmern bei?“

Torsten Fischer:
„Ich bin als Leitdozent für Veränderungsmanagement quasi in jedem Lehrgang hier an der Führungsakademie unterwegs. Vom zwei-Tages Lehrgang, bis hin zum großen Langläufer über zwei Jahre. Frau Galling hat ja eben angesprochen ‚das Seminar ist nur ein Puzzleteilchen‘ und wenn man eben für die Veränderung eben lernen möchte, dann hebe ich dahinter natürlich die Flagge des Seminars hoch. Es kommt nach meiner Ansicht nach darauf an, wie das Seminar gestrickt ist. Hier an der Führungsakademie arbeiten wir wirklich hart daran, dass wir kompetenzorientert arbeiten. Das heißt: die Lehrgangsteilnehmer wirklich in die Situationen bringen, die möglichst nah an der Realität sind; bereits im Seminar, auch wenn sie nicht in ihrer Stammeinheit sind, oder in ihrem Stammhaus sind. ‚On the Job‘ agieren, auch wenn es eben nur Planspielsituationen sind, möglichst nah an der Realität sich ausprobieren können und auch so einen gewissen Experimentierraum haben.“

Moderator Fabian Malle:
„Ich werde als Führungskraft aber sicher auch mal an den Punkt kommen, an dem ich unsicher bin, oder die Probleme so komplex werden, dass ich die einfach nicht durchblicken kann. Wie gehe ich damit um?“

Jana Galling:
„Das ist ein ganz ganz spannender Aspekt. Wir sind hier bei etwas, was in der Wirtschaft als das sogenannte ‚Managers Dilemma‘ beschrieben wird. Also ‚eigentlich muss ich doch wer sein, etwas können und eine Richtung vorgeben und quasi vollkommene Sicherheit bei absoluter Ahnungslosigkeit ausstrahlen‘. Das würde ich sagen. Und zum Teil ist es auch ein Skill, da steckt schon auch eine Kompetenz dahinter, Orientierung zu geben wenn ich es selber nicht ganz so genau weiß. Und das erleben wir ja selber, tagtäglich. Wir geraten in Situationen, die so neu und andersartig sind, dass ich nicht auf Referenzerfahrung zurückgreifen kann. Ich muss also experimentieren. Ich finde dieses Wort ganz toll und ich finde es ganz hilfreich, denn es hat auch etwas Spielerisches. Und gleichzeitig liegt darin auch eine große Gefahr. Denn wenn mir selber diese Leichtigkeit und dieses Spielerische abhanden kommt und mir selber so einen Druck mache, dass ich ja schon die Antwort auf alle Fragen schon haben muss. Oder diese Erwartung schon spüre, das hat man manchmal in traditionellen, konservativen Unternehmenskulturen, dass Mitarbeiter das über lange Jahre schon gewohnt waren, dass da die starke Führungskraft sagt, was Sache ist und dass damit eine Erwartungshaltung genährt ist, die aber auch sehr gerne abgelöst werden darf. Egal wie viel Erfahrung ich mitbringe. Auch wenn ich meinen Markt seit dreißig oder vierzig Jahren kenne. Wir müssen alle lernen, mit Überraschungen umzugehen. Die Welt von heute ist nicht mehr sicher, die Welt von heute ist nicht mehr planbar. Heute gibt es neue Kompetenzen zu trainieren, nämlich mit Unsicherheit umgehen zu können. Das ist eine zentrale Kompetenz.“

Torsten Fischer:
„Also ganz so krass würde ich das jetzt nicht sehen, dass die Welt nicht mehr planbar ist. Aber nicht zuletzt hat auch die Corona-Pandemie gezeigt, dass von jetzt auf morgen alles anders sein kann. Unsicherheit ist ein immer wichtiger werdendes Thema, ein mehr präsenteres Thema. Und deswegen unterschreibe ich das auch eins zu eins. Und ich wollte noch einmal den Punkt aufgreifen ‚Sicherheit trotz Ahnungslosigkeit‘. Den Satz habe ich auch in meiner Offiziersausbildung das ein oder andere Mal gehört. Da ist schon viel Wahrheit dran, vor allem wenn diese Zeiten unsicher sind steht man als Führungskraft noch mehr im Fokus: ‚Was macht er jetzt? Wie verhält er sich?‘ . Da muss man auch manchmal die eigene Unsicherheit aushalten und Sicherheit ausstrahlen, wenn keine da ist. Einfach nur, um den Laden am Laufen und die Leute handlungsfähig zu halten, dass sie in Gedanken nicht immer nur in irgendwelchen Schreckensszenarien sind, sondern weiter arbeiten können. Und damit man dann gemeinsam daran arbeiten kann, einen sinnvollen Weg zu beschreiten.“

Moderator Fabian Malle:
„Haben Sie denn irgendwelche Tipps, die Sie aufstrebenden Führungskräften gerne mitgeben wollen?“

Torsten Fischer:
„Also wenn Sie mich nach meinem Kerntipp fragen, dann wäre das als Führungskraft glaube ich das Thema ‚Widerstand nicht immer so negativ zu sehen‘. Also selbst an seinen eigenen Glaubenssätzen zu arbeiten und zu sagen ‚Widerstand ist nichts Schlechtes‘. Widerstand ist eher etwas wünschenswertes. Denn wenn jemand vermeintlich Widerstand zeigt, dann ist in seinem Kopf schon etwas passiert. Dann stellt er sich schon eine alternative Zukunft vor und ist bei der Sache. Und wenn er sich dann äußert, dann ist es eine sehr wichtige Informationsquelle, mit der ich arbeiten kann.“

Jana Galling:
„Ich fand das gerade ganz spannend, was Du zum Thema ‚Glaubenssätze‘ gesagt hast. Denn ein Glaubenssatz könnte ja auch sein: ‚Ich darf keine Fehler machen. Also das, was ich hier mache, das muss funktionieren und das muss mir jederzeit gut gelingen‘. Und das halte ich für einen limitierenden Glaubenssatz. Denn wenn ich in einem Umfeld bin, was wenig planbar, wenig steuerbar ist, dann machen wir alle diese Veränderung zum allerersten Mal. Dann werden Fehler passieren und dann wird man auf der Reise hoffentlich zu Erkenntnissen kommen, die wir schnell mitbekommen. Wenn wir uns da erlauben, Fehler machen zu dürfen, einfach mit dem Ziel etwas daraus zu lernen, dann ist es etwas, das mir das Leben leichter machen kann.“

Torsten Fischer:
„Dann bleibt der Spaß auch nicht auf der Strecke bei dem Ganzen.“

Jana Galling:
„Und das ist eben auch der Punkt, Veränderung darf Spaß machen! Wie wäre es, wenn ich das Ganze etwas spielerisch angucke und sage, das ist hier ein riesen Spiel, eine Spielwiese und lass uns gemeinsam schauen, welcher Schachzug als nächstes dran ist. Auf ins Gefecht!“

Moderator Fabian Malle:
„Vielen Dank für die interessanten Beiträge. Wir haben über Veränderungsmanagement im Allgemeinen gesprochen, die Rolle von Widerstand in Veränderungsprojekten und auch über die Rolle der Führungskraft. Ich fand das alles sehr spannend. Bei allem darf natürlich auch nicht der Spaß auf der Strecke bleiben, wie Sie es gesagt haben. Mir hat es mit Ihnen sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank und vielleicht bis zum nächsten Mal.“

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