Fehler, Löcher und das Wachsen an sich selbst

Fehler, Löcher und das Wachsen an sich selbst

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Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio trug die Beachvolleyballerin Laura Ludwig die deutsche Fahne. Kira Walkenhorst, die mit Ludwig 2016 in Rio de Janeiro die Goldmedaille gewann, verpasst die Spiele verletzungsbedingt. Im Interview verrät die Sportsoldatin, wie sie aus Fehlern lernt und welche Rolle das Streben nach Perfektion dabei spielt.

Kira Walkenhorst bei der Ballannahme während eines Beachvolleyspiels bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio.

Kira Walkenhorst fokussiert den Ball.

Bundeswehr / Jane Schmidt

Welche Rolle spielen Fehler im Spitzensport?

Beachvolleyballspielerin Kira-Katharina Walkenhorst in Sportsonderbekleidung
Kira Walkenhorst

„Leider spielen sie tatsächlich eine Rolle. Ob privat, sportlich oder beruflich, niemand macht gerne Fehler. Wenn ich viele Fehler mache, verliere ich mein Spiel. Deswegen bin ich sehr bestrebt fehlerfrei zu spielen. Mein Perfektionismus trieb mich dazu an, mich mental umzustrukturieren und zu akzeptieren, dass Fehler passieren. Die Einsicht, dass ich nie ein fehlerfreies Spiel machen werde, war wichtig. Vor vielen Jahren haben meine Gegnerinnen sofort mitbekommen, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Ich verbiss mich in diesem Fehler und er wiederholte sich immer wieder. Der schwierigste Schritt in meiner sportlichen Karriere war es, mit den Fehlern umzugehen und sie zu akzeptieren. Durch die Fehler, die ich mit meiner Teampartnerin gemacht habe, sind wir kontinuierlich immer besser geworden. Ohne die ganzen Fehler wären wir nicht da wo wir heute sind.“

Hilft Perfektionismus dabei Fehler zu vermeiden oder ist er hinderlich?

Beachvolleyballspielerin Kira-Katharina Walkenhorst in Sportsonderbekleidung
Kira Walkenhorst

„Es ist gut, einen starken Willen zu haben und sich im Kopf klar zu machen, was man erreichen will. Somit weiß ich immer wofür ich trainiere und kann mein Ziel immer wieder abrufen. Aber im Spiel dürfen diese Fehler nicht deine Gedanken beeinflussen, da es zu mehr Fehlern führt. Meine Neurotransmitter können nicht mehr so schnell fungieren und ich werde langsamer. Was dazu führt, dass ich eine Hundertstelsekunde zu spät am Ball bin. Um in meinen Bewegungsabläufen optimal vorbereitet zu sein, darf ich die Fehler in mir nicht aufkommen lassen.“

Kira Walkenhorst blockt einen Ball am Netz gegen zwei brasilianische Gegenspielerinnen im Olympia-Finale 2016 in Rio.

Jeder Ball wird geblockt.

Bundeswehr / Jane Schmidt

Wie sind Sie zu dieser Einsicht gelangt?

Beachvolleyballspielerin Kira-Katharina Walkenhorst in Sportsonderbekleidung
Kira Walkenhorst

„Mit unserem Trainer und unserer Psychologin arbeiten wir sehr intensiv an den Fragen: Was passiert bei Fehlern im Körper und wie gehe ich damit um? Wie kann ich den Frust schnellstmöglich wegschieben, um beim nächsten Ball wieder vorbereitet zu sein? Individuell erarbeiten wir Methoden, die uns helfen bestimmte Dinge loszuwerden. Zum Beispiel, wenn ich jetzt einen sehr ärgerlichen Fehler mache, dann buddele ich neben dem Feld ein Loch und schmeiße gedanklich diesen Fehler dort hinein. Somit vergrabe ich meine Fehler direkt und fokussiere mich auf den nächsten Ball.“

Kira Walkenhorst schaut während eines Beachvolleyballspiels gedankenversunken auf den Boden

Die Fehler werden gedanklich begraben.

Bundeswehr / Jane Schmidt

Haben Sie eine Empfehlung, wie Führungskräfte besser mit Fehlern umgehen können?

Beachvolleyballspielerin Kira-Katharina Walkenhorst in Sportsonderbekleidung
Kira Walkenhorst

„Es geht darum, die Fehler zu akzeptieren und zu kommunizieren. Offen mit den Betreffenden im Team darüber reden, um gemeinsame Lösungen zu finden. Viele Fehler können durch gemeinsames Besprechen behoben werden und alle haben am Ende einen Schritt dazu gelernt. Wichtig ist, dass man die Fehler nicht vertuschen will. Die Akzeptanz von Fehlern ist das A und O, um damit umzugehen und daraus zu lernen.“

Kira Walkenhorst und Laura Ludwig strecken freudestrahlend ihre Goldmedaillen in die Kamera.

Die Gold-Gewinnerinnen aus Rio.

Bundeswehr / Jane Schmidt


Fehlerkultur - IF 3|21

Fehler passieren. Nur, wer gar nichts macht, macht keine Fehler. Die Frage ist, wie wir mit ihnen umgehen. In der Sommerausgabe der IF (PDF, 8,0 MB) nehmen wir das Thema Fehlerkultur unter die Lupe. Wie die Bundeswehr als Organisation aus Fehlern lernen kann, beschäftigt auch den Generalinspekteur. In einem Interview spricht er über Ergebnisse des Programms „Innere Führung – heute“ des Bundesministeriums der Verteidigung und wirft einen Blick in die Zukunft.

Außerdem im Heft: Die Lage im kriegszerstörten Syrien, eine Ausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden mit dem Titel „Hitlers Elitetruppe? Mythos Fall­schirm­jä­ger“ und vieles mehr. Haben Sie Kritik, Ideen - oder einen Fehler gefunden? Wir freuen uns über jedes Feedback!

von Wilke Rohde/ Marco Nüchter
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