Mit Rat und Tat – Ganz nah am Präsidenten
- Datum:
- Ort:
- Kabul
- Lesedauer:
- 3 MIN
Sebastian und Oberst Norbert W. starten zu ihrem heutigen Arbeitsplatz. Zusammen mit dem niederländischen Major Jack H. bilden sie die Enduring Partnership Coordination Cell (EPCC) des Hauptquartiers Resolute Support in Kabul, und arbeiten als Berater in einem ganz besonderen Umfeld.
Im Büro von Generalleutnant Farahi (Mitte) wird beraten und unterstützt
Bundeswehr / MiddeldorfZusammen mit zwei Schutzsoldaten fahren sie im gepanzerten SUV zum Administrative Office of the President kurz: AOP. Das befindet sich in einem Bürogebäude, umrahmt von einem prächtigen Garten direkt neben dem Präsidentenpalast, im Herzen der Stadt Kabul. Dort werden Anweisungen, Entwürfe und Vorlagen für alle Ministerien erstellt, die dem Präsidenten von Afghanistan, Aschraf Ghani, zur Entscheidung vorgelegt werden. Das AOP ist die entscheidende Schaltstelle für die Koordinierung der Regierungsarbeit zwischen dem Präsidenten und den Ministerien. Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland nicht. Sebastian hat eigene Projekte und Aufgabenbereiche, die er mit Generalleutnant Mirwais Farahi erst bespricht, dann entwickelt und später umsetzt. „Mister Farahi“, wie ihn Sebastian nennt, ist Director of International Relations, also der Chef im AOP. Ein großer, kräftiger Mann im Anzug. „Ich habe in den vergangenen zwei Jahren in meinem Bereich viel umstrukturiert. Wichtig ist mir vor allem, dass wir jungen Frauen und Männern die Chance geben, auf Regierungsebene zu arbeiten und sich am erfolgreichen Aufbau eines neuen Afghanistans einzubringen“, erklärt Farahi. Seit 2017 sind Frauen hier im AOP gleichwertig eingesetzt. Noch vor Jahren war es undenkbar, dass Frauen leitende Funktionen in Verwaltung und Regierung übernehmen. „Viele Ministerien orientieren sich an unserer neuen Struktur und lösen sich von alten Denkmustern und Traditionen“, kommentiert der Direktor zufrieden.
Diana (vorne li.) spricht deutsch und unterstützt Sebastian beim Erklären von Arbeitsprozessen
Bundeswehr / MiddeldorfSebastian ist 39 Jahre alt und trägt im Rahmen seiner Aufgaben eine große Verantwortung, da die in Zusammenarbeit mit Mister Farahi erarbeiteten Vorschläge direkt an den Präsidenten weitergegeben werden. „Mein Oberst lässt mir freie Hand beim Beraten im AOP. In unserem Team wird Auftragstaktik groß geschrieben. Beispielsweise haben wir einen Weg geschaffen, die Trainingsteilnehmer für NATO-Kurse besser auszubilden und vorzubereiten. Bisher waren zum Beispiel die mangelhaften Englischkenntnisse immer wieder eine Hürde für die afghanischen Teilnehmer. Nun durchlaufen alle Teilnehmer im Vorfeld einen Online-Englischkursus. Diese Online-Schulungen der NATO werden inzwischen intensiv auch auf dem Smartphone genutzt. Mit kreativen Köpfen, neuen Werten und modernen Methoden die Zukunft Afghanistans gestalten, das steht im AOP ganz oben auf der Agenda. Meist bleibt das Team bis zum Nachmittag bei Mirwais Farahi. Denn auch die anderen Abteilungsleiter im AOP suchen gerne Rat beim EPCC-Team. „So kommt es, dass auch andere Ministerien von unserer Beratung profitieren“, erläutert Sebastian. Als Beispiel lassen sich hier die Planungen des Gesundheitsministeriums zur Reform des Kabuler Krankenhaussystems nennen. Bisher gibt es hier eine strikte Trennung von unterschiedlichen Einrichtungen für Angehörige der Streitkräfte, der Polizei und der zivilen Bevölkerung. In Zukunft sollen alle Krankenhäuser für alle Patienten offen sein. In der weiteren Planung soll dies als Blaupause für alle Provinzen Afghanistans dienen.
Sebastian bespricht sich mit dem Head of Cabinet Coordination Affairs
Bundeswehr / Middeldorf„Mich reizt besonders die internationale Zusammenarbeit hier im Hauptquartier und das kameradschaftliche Miteinander aller Nationen in diesem Einsatz. Ich weiß jetzt schon, dass mich die vielen Erfahrungen, die ich aus diesem Einsatz mitnehme in meinem beruflichen Alltag voranbringen werden. Zu wissen, dass ich mit Generalleutnant Farahi und dem AOP-Team ein Stück zum Aufbau eines neuen Afghanistans beigetragen habe, macht mich stolz und hat meinem
Einsatz einen Sinn gegeben“, zieht Sebastian sein Resümee zu seinem Dienst im Administrative Office of the President.
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