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Einsätze und Missionen

Mittelmeer – Sea Guardian

Die Operation Sea Guardian soll zur Sicherheit im Mittelmeer und zur Stärkung der Südflanke der NATO beitragen. Gleichzeitig steht bei dieser Mission die frühzeitige Erkennung krisenhafter Entwicklungen im Mittelmeerraum und maritimer Terrorismus im Vordergrund. Die Bundeswehr beteiligt sich temporär mit Schiffen und Booten an dieser Operation.

Ein Soldat mit einer Flammenschutzhaube auf der Brücke von einem Schiff der Deutschen Marine

Bundeswehr/Tom Twardy

Der Einsatz im Mittelmeer

Die Weltmeere sind für die globalisierte Wirtschaft von entscheidender Bedeutung, da heute 90 Prozent aller gehandelten Güter auf dem Seeweg transportiert und 95 Prozent des weltweiten Datenverkehrs im Cyberspace über Seekabel am Meeresboden abgewickelt werden. Das Mittelmeer bildet hierbei keine Ausnahme. Es spielt auch im Energiebereich eine zentrale Rolle: Etwa 65 Prozent des in Westeuropa verbrauchten Erdöls und Erdgases werden durch das Mittelmeer transportiert.

Die Sicherheit der Verkehrs- und Versorgungswege im Mittelmeer ist für Deutschland und Europa entscheidend – und sie wird immer fragiler. Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine, der terroristische Überfall der Hamas auf Israel sowie Flucht und illegale Migration wirken sich auf diese Region aus. Umso wichtiger wird es, das NATO-Bündnisgebiet rundum – 360 Grad – zu sichern. Einer geschützten NATO-Südflanke kommt dabei besondere Bedeutung zu. 

Die NATO-geführte maritime Sicherheitsoperation Sea Guardian ist ein essenzieller Beitrag zur Sicherheit in dieser Region. Sie wurde von den Mitgliedstaaten der NATO im Juli 2016 auf dem Gipfel in Warschau beschlossen. Zu den Aufgaben gehört, den Seeraum zu überwachen und den Terrorismus zu bekämpfen.

Von Active Endeavour zu Sea Guardian

Als Reaktion auf die islamistischen Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 wurde auf der Grundlage der Beistandsklausel des Nordatlantikvertrags die Operation Active Endeavour gestartet. Anders als die Vorgängermission beruht Sea Guardian nicht mehr zentral auf Artikel 5. Stattdessen gründet sie sich auf NATO-Beschlüsse, Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sowie auf die Regeln des Völkerrechts. 

Während die Operation Active Endeavour die maritime Terrorismusabwehr im Fokus hatte, sind die Aufgaben der Operation Sea Guardian weiter gefasst. Sea Guardian zielt darauf ab, gemeinsam mit Akteuren im Mittelmeerraum das maritime Lagebild aufrechtzuerhalten, Terrorismus abzuschrecken und zu bekämpfen sowie den Kapazitätsaufbau zu fördern. Die Operation ist darauf ausgelegt, einer Vielzahl maritimer Bedrohungen zu begegnen und diese abzuschrecken, um so die Sicherheit aller friedlichen Nutzer der Region zu gewährleisten. 

Die Operation hat am 9. November 2016 mit der Beteiligung mehrerer NATO-Schiffe und -Flugzeuge begonnen.

Karte Sea Guardian

Das Einsatzgebiet der Bundeswehr bei der NATO-Operation Sea Guardian im Mittelmeer

Das Mandat

Bei der Operation Sea Guardian werden drei Aufgaben der maritimen Sicherheit wahrgenommen: Unterstützung bei der Erstellung eines Lagebilds, Kapazitätsaufbau im Bereich der maritimen Sicherheit sowie maritime Terrorismusbekämpfung. Die NATO wahrt eine transparente Verteidigungshaltung und setzt sich für Frieden und Stabilität im Mittelmeerraum ein.

Zusätzlich beruht die Bekämpfung des Terrorismus und des Waffenschmuggels im Mittelmeer auf den Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, welche das Übereinkommen zur Bekämpfung widerrechtlicher Handlungen gegen die Sicherheit der Seeschifffahrt beinhaltet.

Der Einsatz deutscher Soldatinnen und Soldaten erfolgt auf Grundlage der Beschlüsse des Nordatlantikrates und nach den Regeln eines Systems gegenseitiger Sicherheit gemäß Artikel 24 Absatz 2 des Grundgesetzes. Außerdem sind die Einheiten völkerrechtlich verpflichtet, Hilfe bei Personen in Seenot zu leisten.

Die Bundeswehr soll als Teil von Sea Guardian auch weiterhin die Seeverbindungslinien im Mittelmeer schützen. Deutsches Regierungshandeln leitet sich auch bei diesem Mandat aus der Nationalen Sicherheitsstrategie der Bundesregierung und den Verteidigungspolitischen Richtlinien vom 2023 ab. Sea Guardian wirkt im Mittelmeer zudem ergänzend zum UNIFIL-Flottenverband „Maritime Task Force“ und zur EU-geführten Mission EUNAVFOR MED Irini sowie der NATO-Unterstützung Ägäis.

Fragen und Antworten

Was macht die Bundeswehr bei Sea Guardian? Wie viele Soldatinnen und Soldaten sind dort stationiert? Und welche Nationen unterstützen die Mission? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie hier:

Wie ist der Einsatz mandatiert?

Der Deutsche Bundestag hat am 29. September 2016 der Beteiligung der Bundeswehr an der Operation Sea Guardian zugestimmt. Das aktuelle Mandat wurde bis zum 30. November 2026 verlängert.

Wie hoch ist der Personalansatz?

Die Personalobergrenze von bis zu 550 deutschen Soldatinnen und Soldaten wird beibehalten.

Wo genau sind die deutschen Soldatinnen und Soldaten stationiert?

Das Einsatzgebiet umfasst das Mittelmeer außerhalb der Küstenmeere sowie den darüber liegenden Luftraum. Sea Guardian wird aus dem Allied Maritime Command der NATO, der NATO-Kommandobehörde zur Führung von Seestreitkräften, im britischen Northwood geführt.

Wie lange dauert ein Einsatzzeitraum?

Sea Guardian ist kein Einsatz mit einem festen Einsatzzeitraum. Alle Nationen, die sich gemäß Mandat am Einsatz beteiligen, sind im Einsatz, wenn sie mit ihren Schiffen und Booten im Mittelmeer sind.

Wie beteiligt sich Deutschland an Sea Guardian?

Schiffe und Boote der Deutschen Marine, deren Transitroute durch das Mittelmeer verläuft, nehmen in dieser Zeit im sogenannten Associated Support an diesem Einsatz teil. Associated Support bedeutet, dass sie die Aufgaben der Operation erfüllen, jedoch das Unterstellungsverhältnis national bleibt und nicht auf die NATO übergeht.

Sea Guardian leistet einen wichtigen Beitrag zur maritimen Sicherheit im Mittelmeerraum durch die Seeraumüberwachung und den Lagebildaustausch. Die Operation hat die Möglichkeit, Schiffe im gesamten Einsatzgebiet anzuhalten, zu kontrollieren und zu durchsuchen, wenn es einen Verdacht auf eine Verbindung zu terroristischen Organisationen gibt. Zudem wirkt die Operation durch die Präsenz der Einsatzkräfte präventiv und abschreckend. Dadurch kann die Gefahr des Terrorismus und des Waffenschmuggels verringert werden.

Wer beteiligt sich an Sea Guardian?

Die Operation ist eine gemeinsame Kooperationsplattform mit Akteuren im Mittelmeerraum – Staaten wie Organisationen. Damit trägt Sea Guardian zur Sicherheit im Mittelmeer bei und dient der maritimen Stärkung der Südflanke Europas. Sicherheitskräfte von Anrainerstaaten können durch Informationsaustausch und Kapazitätsaufbau unterstützt werden. 

Auf Beschluss der NATO-Mitgliedstaaten kann die Operation weitere Aufgaben übernehmen wie die Aufrechterhaltung freier und sicherer Seewege, den Schutz kritischer Infrastruktur oder den Kampf gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.

Wie viele deutsche Soldatinnen und Soldaten haben während des Einsatzes ihr Leben verloren?

Keine.

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