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NATO-Beratungsmission

Bundeswehr-General: „NALT ist eine Investition in die Zukunft Kosovos“

Bundeswehr-General: „NALT ist eine Investition in die Zukunft Kosovos“

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Seit Kosovos Unabhängigkeit im Jahr 2008 steht die NATO dem Balkanland bei der Entwicklung eigener demokratischer, multiethnischer Sicherheitskräfte zur Seite. Die militärische Beratungsmission, die seit 2016 unter dem Namen NATO Advisory and Liaison Team (NALT) firmiert, wird seit 2026 vom deutschen Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff geführt. Im Interview erzählt er von der Arbeit des NALT.

Zivilisten und Soldaten unterschiedlicher Nationen stehen für ein Gruppenfoto zusammen.

Große NATO-Familie: Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff (1. Reihe, 4.v.r.) ist Direktor des NALT-Beraterteams im Kosovo. 13 Nationen unterstützen gemeinsam die kosovarischen Sicherheitskräfte beim Aufbau nachhaltiger demokratischer Strukturen.

NATO Advisory and Liaison Team

Herr General, wie sind die kosovarischen Streitkräfte entstanden?

Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff

Bereits mit der Aufstellung des Kosovo Protection Corps im Jahr 1999 hat die NATO den Aufbau der kosovarischen Sicherheitsorganisationen begleitet und unterstützt. Nach der Unabhängigkeitserklärung Kosovos im Jahr 2008 wandelte sich das Kosovo Protection Corps zur Kosovo Security Force. Im Laufe der Zeit hat sich die KSF stetig weiterentwickelt. Dementsprechend hat auch die NATO ihre Unterstützung und Beratung angepasst, im Einklang mit dem ursprünglichen Zivilschutzauftrag der KSF. So ist 2016 das NALT in der heutigen Form entstanden. Das NALT berät auf strategischer und operativer Ebene und unterstützt damit den Aufbau dauerhaft tragfähiger Sicherheitsstrukturen. Dazu gehört unter anderem auch die parlamentarische Kontrolle der Sicherheitskräfte nach internationalem Vorbild.

Parlamentarische Kontrolle wie die der Bundeswehr?

Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff

Im kosovarischen Parlament wurde extra ein eigener Dienstposten für eine Ombudsperson eingerichtet. Diese Ombudsperson wird von uns beraten und steht außerdem im Austausch mit dem deutschen Wehrbeauftragten. Unser Auftrag ist also auch die Stärkung der politischen Kontrolle der Sicherheitsorgane durch das kosovarische Parlament.

Gibt es noch andere Punkte, bei denen sich die kosovarischen Sicherheitskräfte von Deutschland haben inspirieren lassen?

Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff

Das geschieht eher indirekt. Viele junge kosovarische Offizieranwärter und Offiziere wurden und werden in Deutschland ausgebildet oder kommen zu weiterführenden Lehrgängen nach Deutschland. Sie erleben dort unser Konzept der Inneren Führung, wie es bei der Bundeswehr vermittelt wird. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat wirken sie dort als Multiplikatoren. Diese wichtigen Initiativen werden außerhalb des NATO-Rahmens und gemäß den bilateralen Vereinbarungen zwischen Deutschland und den Institutionen in Kosovo durchgeführt. Darüber hinaus unterstützt Deutschland die Sicherheitsorganisationen in Kosovo durch die Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Logistik und Sanitätsdienst.

Welche Rolle spielt bei diesen Themen das NATO-Beratungsteam NALT?

Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff

Wir unterstützen und beraten die Sicherheitsorganisationen in Kosovo beim Aufbau einer Sicherheitsarchitektur zur Stärkung ziviler Institutionen. Die Region ist für die NATO von essenzieller Bedeutung. Dies wurde auch im Strategischen Konzept von 2022 festgehalten und von NATO-Generalsekretär Mark Rutte mehrfach bekräftigt. KFOR leistet seit fast drei Jahrzehnten einen zentralen Beitrag zur Aufrechterhaltung eines sicheren Umfelds für alle Menschen in Kosovo. Das NALT fügt sich dabei in den Ansatz der NATO ein, im engen Austausch und Abstimmung mit KFOR. Die Entwicklung der Fähigkeiten der KSF zur Unterstützung ziviler Institutionen ist beeindruckend. Damit leistet auch die KSF einen Beitrag zur regionalen Stabilität. Sie hat sich bereits beim Einsatz in Nachbarländern, unter anderem bei Erdbeben oder Überschwemmungen, bewährt. Wenn KFOR eine Versicherung für Kosovo ist, dann ist NALT eine Investition in die Zukunft Kosovos.

Welche Herausforderungen gibt es dabei?

Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff

Da ist zum einen der Spagat zwischen dem Auftrag des NALT und der strategischen Vision Kosovos zur Weiterentwicklung der Sicherheitskräfte. Diesem Spagat muss sich die Allianz zu allererst auf politischer Ebene stellen. Wir können damit tagtäglich gut umgehen, die Grenzen sind uns und der kosovarischen Seite gut bekannt. Auch gibt es im uns gesetzten Rahmen noch reichlich zu tun, um durchhaltefähige Streitkräfte aufzubauen. Eine wesentliche Herausforderung ist dabei die Logistik, denn schließlich muss eine Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeuge und Systeme instand gehalten werden. Vieles von dem, was die KSF nutzt, stammt aus bilateralen Unterstützungsmaßnahmen. Eine stringente eigenständige Fähigkeitsplanung und Beschaffung durch Kosovo entwickeln sich erst langsam.

Kommen wir noch einmal zu Ihrer tagtäglichen Arbeit als Direktor des NALT zurück. Wie genau sieht denn das Beratungsteam aus?

Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff

Mein Team setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern von 13 Alliierten zusammen. Zusätzlich haben wir sehr qualifizierte kosovarische Ortskräfte. Insgesamt haben wir zurzeit 45 militärische und zivile Beraterinnen und Berater. Alle sind nicht nur sehr kompetent auf ihrem Gebiet, sondern bringen auch viel internationale Erfahrung mit. Die Diversität des Teams ist unsere große Stärke. Auch wenn viele unterschiedliche Nationen zusammenkommen, so eint uns doch ein gemeinsames Verständnis für das, was in der NATO gewachsen ist und die Allianz stark macht. Das gilt auch für die Führung des Teams. Ich habe eine zivile Stellvertreterin, gemeinsam setzen wir unseren Auftrag um und entwickeln das Team weiter.

Haben die einzelnen Nationen dabei unterschiedliche Aufgaben und jeweils spezifische Fähigkeiten?

Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff

Das NALT gliedert sich in drei Stränge: Strategie und Planung, Ressourcen- und Fähigkeitsaufbau sowie Unterstützung. Jede der 13 im NALT vertretenen alliierten Nationen bringt spezifische Kompetenzen in verschiedenen administrativen Verantwortungsbereichen ein. Deutschland beispielsweise hat im NALT verschiedene Schwerpunktfelder. Hierzu gehören die Bereiche Sanitätsdienst, Instandsetzung, Logistik, aber auch Resilienz und humanitäres Völkerrecht. Die Alliierten haben sich darauf verständigt, wer welche Anzahl ins Team mitbringt. Im Regelfall sind die internationalen Beraterinnen und Berater ein Jahr im Einsatz. Sie sollten neben fachlicher Expertise, Einsatzerfahrung und guten Englischkenntnissen auch interkulturelle Kompetenzen besitzen. Es geht um Offenheit, Verständnis und Empathie für das Gegenüber, aber – nicht zu unterschätzen – auch um Geduld. Immerhin sieht man hier nur selten sofort die Früchte seiner Mühe. Die Ergebnisse werden nämlich Schritt für Schritt umgesetzt und benötigen Zeit zum Wachsen.

Apropos wachsen: Welche persönliche Erfahrungen haben Sie in Kosovo gemacht?

Brigadegeneral Thomas Schulte-Borghoff

Das erste Mal war ich hier im Jahr 2000 im Einsatz. Damals hatte Kosovo noch ein ganz anderes Gesicht. Es war ein vom Krieg gezeichnetes Land. Keiner hat gedacht, dass sich alles so entwickeln würde. Daher war ich sehr beeindruckt, als ich nach über 25 Jahren die Fortschritte des Landes und vor allem der Sicherheitskräfte sehen und erleben durfte. Und es ist eine große Freude, nun einen kleinen Anteil an der weiteren Entwicklung zu haben.

von Kristina Stache

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