U-Boot-Jagd: Verborgene Gefahr
Die U-Boot-Jagd ist eine besondere Fähigkeit im Seekrieg. Y beschreibt die Aufgaben der Schiffe, U-Boote und Luftfahrzeuge der Marine.
Als Übergangslösung gedacht, entwickelt sich die MEKO A-200 DEU zum neuen Rückgrat der deutschen U-Boot-Jagd.
Der Stahl der neuen Fregattenklasse für die Marine wird bereits geschweißt. Seit Februar 2026 nimmt der erste von bis zu acht modernen U-Boot-Jägern in einer Werft in Bremerhaven Tag für Tag mehr Gestalt an. Das Ungewöhnliche: Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat erst am 8. Juli 2026 die finale Finanzierung über knapp 6,3 Milliarden Euro für die ersten vier Schiffe des Großprojekts bewilligt, was normalerweise Voraussetzung für den Baubeginn ist. Weitere vier Schiffe können im Rahmen einer Option des Bauvertrags beauftragt werden. Die Auslösung der Option erfordert die Zustimmung des Haushaltsausschusses im Rahmen einer 25-Millionen-Euro-Vorlage.
Erste Überlegungen, das Modell MEKO A-200 DEU des deutschen Schiffbauers TKMS in die Marine einzuführen, bestehen erst seit August 2025. Die Kiellegung erfolgte im Mai 2026. Und im Dezember 2029 soll das erste Schiff der Bundeswehr übergeben werden. „Das ist Rekordzeit“, bestätigt Jan G.*, der Leiter des Projekts im Beschaffungsamt der Bundeswehr, kurz BAAINBw. Normalerweise benötige die Umsetzung eines Schiffbauprojekts dieser Größe etwa zehn Jahre statt, wie hier, etwas über vier.
Die Gründe für das hohe Tempo sind die angespannte Sicherheitslage in Europa sowie Probleme bei den Schiffsprojekten, die der Marine eigentlich die Fähigkeit zur U-Boot-Jagd ermöglichen sollten. Diese Fähigkeit, die im NATO-Jargon Anti-Submarine Warfare (ASW) genannt wird, ist in der Bundeswehr wie auch im gesamten Bündnis absolute Mangelware. Sie wird aber dringend benötigt, um die Bewegungen russischer U-Boote im Nordatlantik zu überwachen und Gefahren, die von diesen U-Booten ausgehen könnten, abzuwehren. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, sagt deshalb: „Wir brauchen Stahl im Wasser, schnell und genau auf die Fähigkeit U-Boot-Jagd spezialisiert.“ Damit sei das Projekt MEKO A-200 DEU ein wichtiger Beitrag, um die Abschreckung gegenüber Russland sicherzustellen.
Ursprünglich sollten die vier Fregatten der Klasse F123 und sechs Schiffe der neuen Klasse F126 die deutschen U-Boot-Jagd-Kapazitäten zum Ende des Jahrzehnts verbessern. Doch die dringende Modernisierung der F123 verzögert sich. Zudem wurde das Rüstungsprojekt F126 beendet, weil der Generalunternehmer die Anforderungen an eine termin-, leistungs- und sachgerechte Umsetzung des Projektes nicht mehr erfüllen konnte. Auch die zwischenzeitliche Prüfung eines Generalunternehmerwechsels hätte für Verzögerungen gesorgt und Kosten von über 18 Milliarden Euro erzeugt. Außerdem hätte der Bund bei einem Generalunternehmerwechsel vertraglich auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber dem bisherigen Auftragnehmer verzichten müssen.
„Das führt unter dem Strich dazu, dass wir eine Fähigkeitslücke im Bereich ASW haben“, beschreibt Frau Kapitän zur See Judith Z.*, Bevollmächtigte Vertreterin der Marine für das Projekt MEKO A-200 DEU, die Problematik. Diese Lücke müsse mit der schnellen Beschaffung der MEKO-Fregatten geschlossen werden, da auch mit dem Zulauf der vier modernisierten F123-Schiffe ab 2029 der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden könne.
„Es muss eine schnelle Lösung her und diese Lösung ist die MEKO A-200 DEU.”
Während zunächst vier MEKO A-200 DEU angedacht waren, um die Zeit bis zur verzögerten Indienststellung der F126 zu überbrücken, erhöhte sich der Bedarf auf acht Schiffe, nachdem das F126-Projekt am 24. Juni 2026 beendet worden war. Damit dürften die MEKO-Fregatten von einer Übergangslösung zum künftigen Rückgrat der U-Boot-Abwehr der Marine werden.
Mit einer Verdrängung von circa 4.000 Tonnen und einer Länge von 121 Metern ist die MEKO A-200 DEU ein kompaktes Kriegsschiff, das mit einer Stammbesatzung von 121 Soldaten zur See fährt.
Trotz ihrer Kompaktheit wird die Fregatte über ein Bugsonar, ein Schleppsonar sowie Torpedorohrsätze zum Einsatz von MU90 Leichtgewichtstorpedos verfügen. Darüber hinaus wird sie einen Bordhubschrauber Sea Tiger im Gepäck haben, der mit seiner Sonaranlage und den Torpedos die Fähigkeiten des Schiffs zur U-Boot-Jagd abrundet. Überdies wird die neue Fregatte mit einem Vertical-Launch-System zum Verschuss von Flugabwehrflugkörpern, Startrampen für See-/Landzielflugkörper, verschiedenen Geschützen sowie leistungsstarken Sensoren ausgerüstet.
Jede Schweißnaht muss perfekt sein. Die Facharbeiter der Werft fügen die Segmente der MEKO A-200 DEU routiniert zusammen.
Bundeswehr/Christoph Kassette
TKMS hat das Model MEKO A-200 bereits an mehrere Staaten geliefert. Dadurch sind die Abläufe beim Bau eingespielt.
Bundeswehr/Christoph KassetteProjektleiter Jan G. betont zudem: „Das Umsetzungsrisiko der MEKO ist im Vergleich zur komplett neu entworfenen F126 deutlich geringer, da es sich um ein Schiffsdesign handelt, das bereits für mehrere Nationen gebaut wurde.“
Man müsse bei der Beschaffung der MEKO-Fregatten allerdings in Kauf nehmen, dass das Schiff mit den geplanten Waffen und Sensoren nur eine beschränkte Aufwuchsfähigkeit habe, erklärt Judith Z. Die Einrüstung neuer zukünftiger Systeme sei dann nur unter hohem Aufwand und einschränkenden Kompromissen möglich. Weiterhin werde die Besatzung enger zusammenrücken müssen. Zwölf-Personen-Kammern und schmalere Gänge seien ein Preis, den die kompakte Bauweise fordere, so die Projektbevollmächtigte der Marine.
Während das Schiffsdesign der MEKO A-200 DEU dem bewährten Entwurf des Herstellers TKMS entspricht, ist das Einsatzsystem – also Waffen und Sensoren – auf die Marine zugeschnitten. Zur Vereinfachung der Logistik sowie der Ausbildung der Besatzungen wurde es an die geplanten Systeme für die modernisierten F123-Fregatten angeglichen. Diese Anpassung des Einsatzsystems ist durch das Kürzel DEU für Deutsch zu erkennen. Genau für solche nationalen System-Varianten wurde die MEKO A-200 laut TKMS ursprünglich entwickelt. Denn MEKO steht für Mehrzweck-Kombination. Die Entwürfe für diesen Schiffstyp stammen aus den 1990er-Jahren und wurden seitdem stetig optimiert.
Angewinkelte Bordwände für eine geringe Radarsignatur sowie ein modernes Waffen- und Sensorpaket werden die MEKO A-200 DEU zu einem kampfkräftigen Schiff der deutschen Flotte machen
TKMSDer Verzicht auf gravierende technische Änderungen sei auch ein wesentlicher Grund, weshalb TKMS zusichern könne, dass das erste Schiff Ende 2029 an die Bundeswehr übergeben werde, unterstreicht Jan G. Ein Beispiel hierfür sei die Beibehaltung des Antriebskonzepts, bestehend aus zwei Dieselmotoren und einer Gasturbine für den zusätzlichen Wasserstrahlantrieb. Hätte man hier einen anderen Antrieb gewählt, so der Projektleiter, wären aufwendige Umplanungen erforderlich und damit die Zeitlinien nicht zu halten gewesen. Auch der Hersteller TKMS bestätigt, dass durch Beibehaltung des Designs eingespielte Prozesse und der Zugriff auf bestehende Zulieferer weiter genutzt werden können, was enorme Zeitersparnisse ermögliche.
Der zweite wesentliche Faktor, der den schnellen Wechsel vom Reißbrett ans Schweißgerät ermöglichte, ist die Umsetzung des vom Verteidigungsministerium herausgegebenen Erlasses zur beschleunigten Beschaffung. Laut diesem müssen Rüstungsgüter nur noch die Vorgaben erfüllen, die gesetzlich zwingend sind. „Damit wurden im Beschaffungsbereich umfangreiche Möglichkeiten freigesetzt, entbehrliche Regelungen wegzulassen“, bestätigt Jan G. In der Praxis bedeute dies, dass man dort, wo es gesetzliche Ausnahmen für den militärischen Nutzer gebe, diese nutze und nicht wie früher zivile Anforderungen auch noch übererfülle, sagt der Experte aus dem Beschaffungsamt. Lange Zeit bestand der Anspruch der Bundeswehr darin, ebenfalls sämtliche Anforderungen an die zivile Schifffahrt umzusetzen, obgleich es dazu bereits gesetzliche Sonderregelungen für Kriegsschiffe gab. Mit Fokus auf den Auftrag der Schiffe werden diese Ausnahmen bei der MEKO A-200 DEU auch gezogen.
„Der Erlass hat bei dem Projekt MEKO A-200 DEU definitiv einen großen Effekt.”
Dass sich die erste MEKO-Fregatte überhaupt schon im Bau befindet, obwohl der offizielle Bauvertrag zwischen Bundeswehr und TKMS noch gar nicht geschlossen ist, hat ein Vorvertrag ermöglicht. Seine Finanzierung hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags im Januar 2026 gebilligt. So konnte TKMS die Produktionskapazitäten sichern und Unterauftragnehmer beauftragen. Erste Schweißarbeiten begannen anschließend im Februar 2026. Auf Grundlage der am 8. Juli 2026 erfolgten umfassenden Finanzierungszusage für das Projekt durch den Haushaltsausschuss kann nun auch der finale Bauvertrag geschlossen werden. Der Bauvertrag umfasst den Bau und die Lieferung der Fregatten sowie ein Ausbildungspaket der Industrie für die künftigen Besatzungen. Neben dem Bauvertrag werden zeitnah weitere Unterstützungsverträge für die Projektbegleitung und die Nutzung geschlossen.
Der Plan sieht vor, dass die erste MEKO A-200 DEU im Dezember 2029 an die Bundeswehr übergeben wird. Anfang 2030 sei dann die Abnahme der Waffenanlagen im scharfen Schuss vorgesehen, sodass das Schiff anschließend der Flotte zur Verfügung stehe, so Kapitän zur See Judith Z. Mit TKMS sei vereinbart, dass alle neun Monate der Bundeswehr eine Fregatte zulaufe. Das wäre Rekordzeit für ein Rüstungsprojekt dieses Ausmaßes.
| Antrieb | 2x Dieselmotoren und 1x Gasturbine für Wasserstrahlantrieb |
|---|---|
| Länge | 121 Meter |
| Breite | 16,3 Meter |
| Tiefgang | 6,1 Meter |
| Einsatzverdrängung | 4.000 Tonnen |
| Höchstgeschwindigkeit | mehr als 27,5 Knoten |
| Seeausdauer | 28 Tage |
| Besatzung | 121 Männer und Frauen |
| Kapazität Zusatzpersonal | 35 Männer und Frauen |
*Name zum Schutz der Person abgekürzt