Krieg in der Ukraine
Die NATONorth Atlantic Treaty Organization zeigt Flagge an ihrer Ostflanke und unterstützt die osteuropäischen Bündnispartner vor dem Hintergrund der russischen Aggression.
Die Sicherheitsarchitektur in Europa ist mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ins Wanken geraten. Die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Verbündeten rücken zusammen und verstärken gemeinsam den Schutz des Bündnisgebiets insbesondere in Osteuropa. Deutschland bringt dafür eine schwere Kampfbrigade nach Litauen: 5.000 Bundeswehrangehörige werden ihr angehören.
Vielen europäischen NATONorth Atlantic Treaty Organization-Bündnispartnern wurde bereits nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 klar, dass Russland eine Gefahr für den Frieden und die Freiheit in Europa ist. Die Vollinvasion in der Ukraine 2022 öffnete dann auch den anderen NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partnern die Augen. Auf dem NATONorth Atlantic Treaty Organization-Gipfel 2023 in Vilnius 2023 beschlossen die Alliierten, die Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung massiv zu erhöhen und die Truppenpräsenz an der Ostflanke des Bündnisses in Europa gemeinsam zu verstärken.
„Mit dieser kriegstüchtigen Brigade übernehmen wir eine Führungsverantwortung im Bündnis hier an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke.“
Als besonderes Signal der Solidarität mit den Bündnispartnern setzt Deutschland dieses Vorhaben mit der Aufstellung einer Brigade der Bundeswehr für Litauen um. Die dauerhafte Stationierung der Brigade bei einem Alliierten gilt als Leuchtturmprojekt der sicherheitspolitischen Zeitenwende, die aus dem russischen Überfall auf die Ukraine resultierte.
Mit Zeichnung der Roadmap am 18. Dezember 2023 in Vilnius ist der Grundstein für die Stationierung von 5.000 Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Beschäftigten der Bundeswehr in Litauen gelegt worden. Gemeinsam mit seinem litauischen Amtskollegen Arvydas Anušauskas unterzeichnete Verteidigungsminister Boris Pistorius das Abkommen, das als eine Art Fahrplan die weiteren Umsetzungsschritte auf dem Weg zur Stationierung der Brigade festlegt. Gewählt wurde dabei ein sogenannter condition-based approach. Das bedeutet, dass der Aufwuchs schrittweise und in Abhängigkeit von der Bereitstellung der benötigten Infrastruktur erfolgt.
Enges Zeitfenster: Der Fahrplan für die Stationierung einer Brigade der Bundeswehr in Litauen
Bundeswehr | Grafik: Astrid Höffling | Foto: Jana NeumannUm den ambitionierten Fahrplan zu halten, geht es Schritt für Schritt mit der Umsetzung weiter. Bereits Anfang April 2024 nahm ein Vorkommando für die Aufstellung der Brigade in Litauen die Arbeit auf. Wenige Monate später wuchs das Vorkommando zu einem Aufstellungsstab auf. Schließlich wurde die Panzerbrigade 45 des Heeres als Kern der Brigade Litauen am 1. April 2025 offiziell mit einem Aufstellungsappell in Dienst gestellt. Erste Ausbildungs- und Übungsvorhaben der Brigade sind bereits angelaufen und werden schrittweise intensiviert.
Die Brigade wird aus drei Kampfverbänden bestehen:
Dazu kommen Kampf- und Unterstützungselemente auch anderer Teilstreitkräfte und Organisationbereiche wie die Kräfte für das deutsche Sanitätszentrum sowie Logistik, Feldjäger, Verwaltung, Militärseelsorge und Führungsunterstützung. In der Gesamtheit dieser Kräfte wird von der Brigade Litauen gesprochen.
Anfang April 2024 nahm ein Vorkommando die Arbeit in Litauen auf, um die Stationierung vorzubereiten. Im Oktober 2024 wuchs das Vorkommando zu einem Aufstellungsstab auf. Schließlich wurde die Panzerbrigade 45 des Heeres am 1. April 2025 mit einem Aufstellungsappell in Dienst gestellt. Sie bildet den Kern der Brigade Litauen. Der Ausbildungs- und Übungsbetrieb wurde bereits aufgenommen.
Die Brigade besteht aus drei Kampfverbänden:
Die Kampfverbände aus Deutschland wurden der Panzerbrigade 45 Ende Januar 2026 in Veithöchsheim unterstellt. Die multinationale Battlegroup Lithuania folgte wenige Tage später mit einem öffentlichen Appell in Kaunas. Komplettiert wird die Brigade Litauen durch Kampf- und Unterstützungselemente aus den anderen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr: Sanitätskräfte, Logistik, Feldjäger, Verwaltung, Militärseelsorge und Führungsunterstützung. In Gänze wird von der Brigade Litauen gesprochen.
Die deutschen Soldatinnen und Soldaten werden in den Orten Rūdninkai und Rukla nahe der Großstädte Vilnius und Kaunas dienen. Litauen als Gastgeberland sorgt für die militärische und die zivile Infrastruktur. So entsteht in Rūdninkai ein Truppenübungsplatz mit Schießbahnen und Unterkünften. Übergangsweise werden auch die Orte Nemenčinė, Rokantiškės und Vilnius als Standorte der Brigade Litauen genutzt.
Die dauerhafte Stationierung einer Brigade in Litauen ist eines der ambitioniertesten Vorhaben in der Geschichte der Bundeswehr. Sie ist Ausdruck der Solidarität mit dem NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner im Baltikum.
Bundeswehr | Grafik: Astrid HöfflingDeutschland übernimmt seit vielen Jahren Verantwortung für die Sicherheit im Baltikum. Bereits seit 2017 führt die Bundeswehr in Litauen die Multinational Battlegroup Lithuania, die bis 2022 als eFPenhanced Forward Presence-Battlegroup Lithuania firmierte. Norwegen, Niederlande, Tschechien, Belgien, Kroatien und Luxemburg unterstützen ebenfalls mit Truppen. Die Stärkung der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Präsenz war seinerzeit als Reaktion auf die Bedrohung der baltischen Staaten durch Russland beschlossen worden.
Zusätzlich steht die Panzerbrigade 37 der Bundeswehr in Deutschland bereit, um die Kameradinnen und Kameraden in Litauen bei Bedarf zu unterstützen. Der von der NATONorth Atlantic Treaty Organization erst als eVAenhanced Vigilance Activities-Brigade Lithuania und jetzt als Multinational Brigade Lithuania bezeichnete Großverband verstärkt im Krisenfall die Multinational Battlegroup Lithuania. Die Panzerbrigade 37 wird den Kameradinnen und Kameraden in Litauen so lange den Rücken stärken, bis die Brigade Litauen voraussichtlich Ende 2027 voll einsatzfähig ist.
Auch in den anderen baltischen Staaten Estland und Lettland sowie in Polen wurden ab 2017 multinationale Gefechtsverbände stationiert, um für zusätzliche Abschreckung und Sicherheit an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Flanke in Osteuropa zu sorgen. In Estland werden die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Truppen von Großbritannien, in Lettland von Kanada geführt. In Polen tragen die USA die Verantwortung.
Unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges beschlossen die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner, die Stärke der Verbände im Baltikum und in Polen auf Brigadeniveau zu erhöhen. Weitere NATONorth Atlantic Treaty Organization-Battlegroups wurden in Rumänien, Bulgarien, Ungarn und der Slowakei stationiert, wobei die Battlegroup in der Slowakei inzwischen ebenfalls zur Brigade aufgewertet wurde. 2026 soll eine weitere NATONorth Atlantic Treaty Organization-Battlegroup in Finnland aufgebaut werden. NATONorth Atlantic Treaty Organization-Kampftruppen schützen nun die gesamte Ostflanke des Verteidigungsbündnisses: vom Hohen Norden bis ans Schwarze Meer.
Die dauerhafte Stationierung einer Brigade in Litauen ist einmalig in der Geschichte der Bundeswehr. Die deutschen Streitkräfte tragen durch ihre Anwesenheit zur Abschreckung und damit auch zur Sicherheit im Baltikum bei. Mit der Brigade Litauen übernimmt Deutschland Verantwortung für die Sicherheit der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Bündnispartner und untermauert seine Schlüsselrolle bei der kollektiven Verteidigung des Kontinents. Gleichzeitig ist der Aufbau der Brigade Litauen auch ein sichtbarer Ausdruck der sicherheitspolitischen Zeitenwende in Deutschland, die durch die Vollinvasion Russlands in der Ukraine ausgelöst wurde. Die Botschaft der NATONorth Atlantic Treaty Organization ist deutlich: Die Alliierten stehen zusammen und füreinander ein. Ein Angriff auf einen Bündnispartner ist ein Angriff auf die gesamte NATONorth Atlantic Treaty Organization. Die Allianz kann und wird sich verteidigen, wenn sie angegriffen wird – und sie wird dabei erfolgreich sein.
Das Panzergrenadierbataillon 122 und das Panzerbataillon 203 werden geschlossen nach Litauen verlegen. An ihre Seite tritt die Multinational Battlegroup Lithuania, die schon seit 2017 mit Truppen im Land ist. Das bedeutet, dass auch Soldatinnen und Soldaten aus anderen Nationen wie den Niederlanden als Teil der Brigade Litauen zur Verteidigung des Baltikums beitragen. Insgesamt ist die Deckung des Personalbedarfs der Brigade Litauen eine Aufgabe der gesamten Bundeswehr. Dabei wird auf Freiwilligkeit gesetzt.
Die militärischen und zivilen Angehörigen der Brigade Litauen werden für mehrere Jahre in Litauen leben und arbeiten. Im Unterschied dazu sind die Einsatzkontingente der Bundeswehr im Schnitt für drei Monate im Ausland, bevor sie abgelöst werden und nach Deutschland zurückkehren.
Die NATONorth Atlantic Treaty Organization hat ihre Truppenpräsenz in Osteuropa nach der russischen Annexion der Krim und noch einmal nach der Invasion in der Ukraine deutlich verstärkt. Ähnlich wie Deutschland in Litauen, übernehmen Kanada in Lettland und Großbritannien in Estland Verantwortung für die baltischen Verbündeten. Die Battlegroups in beiden Ländern werden ebenfalls zu Brigaden erweitert. Andere NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner steuern kleinere Truppenkontingente bei, um zur kollektiven Abschreckung beizutragen. Daneben verstärkte die NATONorth Atlantic Treaty Organization auch ihre Kräfte in der Ostsee, um die für die Versorgung des Baltikums so wichtigen Seewege und kritischen Unterwasserinfrastrukturen zu schützen. Zudem haben mehrere NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partner Kampfflugzeuge abgestellt, um das Baltikum vor Luftraumverletzungen zu schützen.
Die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Russland-Grundakte von 1997 ist eine gegenseitige politische Absichtserklärung und beinhaltet kein Stationierungsverbot für die NATONorth Atlantic Treaty Organization. In dem Dokument erklärte die Allianz, dass „das Bündnis in dem gegenwärtigen und vorhersehbaren Sicherheitsumfeld seine kollektive Verteidigung und andere Aufgaben eher dadurch wahrnimmt, dass es die erforderliche Interoperabilität, Integration und Fähigkeit zur Verstärkung gewährleistet, als dass es zusätzliche substanzielle Kampftruppen dauerhaft stationiert“. Der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg hat dieses Sicherheitsumfeld eklatant verändert. Zudem hat Russland sein Versprechen aus der Grundakte gebrochen, keine Gewalt gegen andere Staaten anzuwenden. Die Grundakte kann unter diesen Umständen kein beschränkender Faktor für den notwendigen Ausbau der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Präsenz in Osteuropa sein.
Das Stationierungsvorhaben wurde im Sommer 2023 angekündigt und im Dezember 2023 beschlossen. Bislang wurden die Zielvorgaben der Roadmap eingehalten: Ein Vorkommando nahm die Arbeit im April 2024 auf. Im Oktober 2024 wuchs dieses Vorkommando zu einem Aufstellungsstab auf. Am 1. April 2025 wurde die Panzerbrigade 45 mit einem militärischen Appell in Dienst gestellt, am 22. Mai 2025 folgte der feierliche Aufstellungsappell in Vilnius. Ende Januar und Anfang Februar 2026 wurden die drei Kampfbataillone der neuen Panzerbrigade 45 unterstellt. Das Erreichte zeigt, dass das Ziel der vollständigen Einsatzbereitschaft der Brigade Litauen bis Ende 2027 realistisch ist.
Platz finden wird der Großteil der Brigade Litauen in den Ortschaften Rūdninkai und Rukla – in der Nähe der Großstädte Vilnius und Kaunas. Dort werden auch Unterkünfte für die deutschen Truppen gebaut. Daneben können die Soldatinnen und Soldaten und ihre Familienangehörigen auf Wohnungsangebote in Vilnius und Kaunas zurückgreifen. Am 1. September 2025 wurde in Vilnius eine Schule für die Kinder der Bundeswehrangehörigen geöffnet. Übergangsweise wird die Bundeswehr auch Einrichtungen in Nemenčinė und Rokantiškės nutzen. Beide Orte liegen in der Nähe von Vilnius.
Die Kosten für die Errichtung der militärischen und zivilen Infrastruktur werden von Litauen getragen. Auch für die Bedürfnisse der mitziehenden Familienangehörigen wird das Partnerland sorgen: Wohnungen, Kitas und Schulen werden in Vilnius und Kaunas zur Verfügung gestellt. Die deutschen Truppen werden in Litauen nicht nur hervorragende Arbeitsbedingungen, sondern auch ein attraktives Wohnumfeld vorfinden.
Deutschland ist einer der wichtigsten Partner Litauens in Europa und erfreut sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit. Das Land mit seinen drei Millionen Einwohnern war bis 1990 ein Teil der Sowjetunion und steht auch deshalb im Fokus russischer Beeinflussungsversuche. Zudem umfasst die litauische Armee lediglich rund 20.000 Soldatinnen und Soldaten. Die Litauerinnen und Litauer sind daher dankbar für das Mehr an Sicherheit, das die Anwesenheit der Bundeswehr im Land bedeutet.